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Die Zentralbanken geraten zunehmend unter Stress
09.08.21 09:48
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie die OECD berichtet, ist die Inflationsrate in den OECD-Ländern insgesamt auf 4,1% im Juni nach 3,9% im Mai gestiegen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
In der Eurozone liege die Inflation unter dem Durchschnitt der OECD und speziell deutlich unter der der USA. Nach drei hintereinander folgenden Monaten mit scharf steigenden Energiepreisen sei der Anstieg im Juni mit 17,4% etwas niedriger als im Mai mit 19,4%. Nahrungsmittel hätten sich im Juni gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 1,8% nach 1,4% im Mai erhöht. Die Teuerungsraten ohne Energie und ohne Nahrungsmittel seien im Juni auf 3,2% nach 2,9% im Mai gestiegen. Das sei die höchste Rate seit März 2002.
Die jährliche Inflationsrate sei in den USA im Juni auf 5,4% nach 4,9% im Mai gestiegen. In der Eurozone insgesamt habe sie sich im gleichen Zeitraum auf 1,9% nach 2,0% ermäßigt, in Deutschland auf 2,3% nach 2,5%.
Die wichtigsten Zentralbanken in der Welt, angeführt von der amerikanischen FED, würden davon ausgehen, dass die Teuerungsraten im Jahr 2022 wieder fallen würden. Aus diesem Grund würden sie ihre weiterhin ultra-expansive Geldpolitik fortsetzen und darauf warten, dass sich die Konjunkturentwicklung fortwährend stabilisiere.
Doch diese Haltung werde bei den steigenden Teuerungsraten zunehmend infrage gestellt. Negative Leitzinsen (NIRP) oder die Nullzinspolitik (ZIRP) würden nicht zu dem Rahmen eines kräftigen Konjunkturaufschwungs mit steigenden Inflationsraten passen. Die Annahme von erneut fallenden Preissteigerungen stütze sich vor allem auf Basiseffekte, doch das ganze Umfeld von knapper werdenden Ressourcen und weit höheren Anforderungen durch den Klimaschutz sprächen dagegen. So würden die Notenbanken zunehmend unter Stress geraten. An den Finanzmärkten steige die Überzeugung, dass die Zentralbanken noch im laufenden Jahr einen ersten Schritt hin zu einer "Normalisierung" der Zinsstruktur unternehmen würden. Unter "Normalisierung" sei eine Geldpolitik gemeint, die weder expansiv noch restriktiv wirke.
Die OECD frage nach der treibenden Kraft hinter dem gegenwärtigen Konjunkturaufschwung. Es sei erwartungsgemäß der Verbrauch der privaten Haushalte und dieser wiederum sei abhängig vom Einkommen. Das Haushaltseinkommen pro Kopf in der OECD sei im 1. Quartal 2021 kräftig gestiegen, insbesondere durch die starke Expansion der Fiskalausgaben in den USA.
Das reale Pro-Kopf-Einkommen zeige nach Meinung der OECD am besten das Wohlbefinden in einer Volkswirtschaft und bewirke unmittelbar das BIP-Wachstum. Der starke Anstieg in den USA sei zurückzuführen auf die großen Transferzahlungen der Regierung an die privaten Haushalte. Dies führe zu einer Staatsverschuldung in Höhe von USD 30 Billionen oder rund 130% des US-BIP.
Eindrucksvoll hätten die USA das "süße Leben auf Pump" vorgemacht. Allerdings müssten die Kredite in Zukunft wieder zurückbezahlt werden. Das sei bereits zu einer schweren Belastung künftiger Generationen geworden. Wenn diese Belastung der öffentlichen Hände durch Inflationierung relativiert werde, dann müssten künftige Generationen dies durch ein höheres Preisniveau ertragen. (Ausgabe vom 08.08.2021) (09.08.2021/alc/a/a)
In der Eurozone liege die Inflation unter dem Durchschnitt der OECD und speziell deutlich unter der der USA. Nach drei hintereinander folgenden Monaten mit scharf steigenden Energiepreisen sei der Anstieg im Juni mit 17,4% etwas niedriger als im Mai mit 19,4%. Nahrungsmittel hätten sich im Juni gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 1,8% nach 1,4% im Mai erhöht. Die Teuerungsraten ohne Energie und ohne Nahrungsmittel seien im Juni auf 3,2% nach 2,9% im Mai gestiegen. Das sei die höchste Rate seit März 2002.
Die jährliche Inflationsrate sei in den USA im Juni auf 5,4% nach 4,9% im Mai gestiegen. In der Eurozone insgesamt habe sie sich im gleichen Zeitraum auf 1,9% nach 2,0% ermäßigt, in Deutschland auf 2,3% nach 2,5%.
Doch diese Haltung werde bei den steigenden Teuerungsraten zunehmend infrage gestellt. Negative Leitzinsen (NIRP) oder die Nullzinspolitik (ZIRP) würden nicht zu dem Rahmen eines kräftigen Konjunkturaufschwungs mit steigenden Inflationsraten passen. Die Annahme von erneut fallenden Preissteigerungen stütze sich vor allem auf Basiseffekte, doch das ganze Umfeld von knapper werdenden Ressourcen und weit höheren Anforderungen durch den Klimaschutz sprächen dagegen. So würden die Notenbanken zunehmend unter Stress geraten. An den Finanzmärkten steige die Überzeugung, dass die Zentralbanken noch im laufenden Jahr einen ersten Schritt hin zu einer "Normalisierung" der Zinsstruktur unternehmen würden. Unter "Normalisierung" sei eine Geldpolitik gemeint, die weder expansiv noch restriktiv wirke.
Die OECD frage nach der treibenden Kraft hinter dem gegenwärtigen Konjunkturaufschwung. Es sei erwartungsgemäß der Verbrauch der privaten Haushalte und dieser wiederum sei abhängig vom Einkommen. Das Haushaltseinkommen pro Kopf in der OECD sei im 1. Quartal 2021 kräftig gestiegen, insbesondere durch die starke Expansion der Fiskalausgaben in den USA.
Das reale Pro-Kopf-Einkommen zeige nach Meinung der OECD am besten das Wohlbefinden in einer Volkswirtschaft und bewirke unmittelbar das BIP-Wachstum. Der starke Anstieg in den USA sei zurückzuführen auf die großen Transferzahlungen der Regierung an die privaten Haushalte. Dies führe zu einer Staatsverschuldung in Höhe von USD 30 Billionen oder rund 130% des US-BIP.
Eindrucksvoll hätten die USA das "süße Leben auf Pump" vorgemacht. Allerdings müssten die Kredite in Zukunft wieder zurückbezahlt werden. Das sei bereits zu einer schweren Belastung künftiger Generationen geworden. Wenn diese Belastung der öffentlichen Hände durch Inflationierung relativiert werde, dann müssten künftige Generationen dies durch ein höheres Preisniveau ertragen. (Ausgabe vom 08.08.2021) (09.08.2021/alc/a/a)


