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Zinspolitik in den Emerging Markets am Beispiel Indonesien
26.02.15 16:35
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Seit etwa zweieinhalb Jahren liegen die Zinsen an den Emerging Markets bei über sechs Prozent, so Maarten-Jan Bakkum, globaler Emerging Markets-Aktienstratege bei ING Investment Management (ING IM).
Da nun auch die Europäische Zentralbank im Begriff sei, in die quantitative Lockerung (QE) einzusteigen, und die jüngsten Konjunkturzahlen in den USA wiederum etwas enttäuschen würden, sei eine Anhebung der Zinsen an den entwickelten Märkten bis auf Weiteres wenig wahrscheinlich.
Das Zinsgefälle von rund fünf Prozent zwischen den Schwellenländern und der entwickelten Welt müsste eigentlich zu einem erneuten Kapitalstrom in die Emerging Markets führen. Es sehe auf jeden Fall so aus, als stellten sich die politisch Verantwortlichen in der aufstrebenden Welt zunehmend auf diese Eventualität ein.
Anders ließe sich kaum erklären, warum die Indonesische Zentralbank ihren Leitzins vergangene Woche um 25 Basispunkte auf 7,5 Prozent gesenkt habe. Indonesien zähle zu denjenigen Ländern, die am stärksten auf ausländisches Kapital angewiesen seien. Das liege nicht nur an dem Leistungsbilanzdefizit von rund drei Prozent des BIP, sondern vor allem auch daran, dass es für die Banken wegen des tief verwurzelten Misstrauens aufseiten der indonesischen Sparer sehr schwer sei, sich am heimischen Markt zu finanzieren.
Aus diesem Grund und nicht zuletzt auch, um die Regierung in Jakarta unter Reformdruck zu setzen, habe sich die indonesische Notenbank in den letzten Jahren zinspolitisch um größte Vorsicht bemüht. Insofern sei es bemerkenswert, dass die Bank sich gerade jetzt zu einem Zinsschnitt entschlossen habe, just in dem Monat, in dem die meisten EM-Währungen unter erheblichen Druck geraten würden.
Indonesien sei hier allerdings keine Ausnahme. Von den 16 größten Schwellenländern hätten zwölf in den letzten Monaten die Zinsen gesenkt. Doch nicht alle dieser Länder würden über eine robuste Volkswirtschaft verfügen, die das Vertrauen ausländischer Anleger genieße. Im Gegenteil: Seit letztem Sommer fließe mehr Kapital aus diesen Ländern ab, als ihnen zufließe - trotz des erheblichen Zinsgefälles gegenüber den USA und Europa.
Die Hauptgründe für den Abzug von Kapital seien das rückläufige Wirtschaftswachstum, das sich verschlechternde Zinsklima an einigen Emerging Markets, der Mangel an überzeugenden Reformen und die Angst, dass es sofort zu einer Kapitalflucht komme, sobald die USA ihren Leitzins anheben würden.
Diese Faktoren hätten weiterhin Gültigkeit und würden sogar noch an Relevanz gewinnen mögen, falls die Zentralbanken die Zinsen auf ein Niveau unter der wirtschaftlichen Basis senken würden und so Reformen rechtfertigen könnten. Mit jeder Zinssenkung steige das Risiko einer Wechselkurskorrektur an den Emerging Markets. Vielleicht würden die politisch Verantwortlichen genau darauf abzielen, um so eine Wachstumserholung anzustoßen, ohne sich mit unliebsamen Reformen herumschlagen zu müssen.
Anlegern an den Emerging Markets sei Skepsis geraten. Es empfehle sich, in einem Land zu investieren, in dem die Zinsen gesenkt würden, weil wirtschaftliche Ungleichgewichte im Reformwege abgebaut worden seien und nicht, weil eine Zinssenkung durch künftige Kapitalflüsse zu rechtfertigen sei oder gar um die Währung zu schwächen. (26.02.2015/alc/a/a)
Da nun auch die Europäische Zentralbank im Begriff sei, in die quantitative Lockerung (QE) einzusteigen, und die jüngsten Konjunkturzahlen in den USA wiederum etwas enttäuschen würden, sei eine Anhebung der Zinsen an den entwickelten Märkten bis auf Weiteres wenig wahrscheinlich.
Das Zinsgefälle von rund fünf Prozent zwischen den Schwellenländern und der entwickelten Welt müsste eigentlich zu einem erneuten Kapitalstrom in die Emerging Markets führen. Es sehe auf jeden Fall so aus, als stellten sich die politisch Verantwortlichen in der aufstrebenden Welt zunehmend auf diese Eventualität ein.
Anders ließe sich kaum erklären, warum die Indonesische Zentralbank ihren Leitzins vergangene Woche um 25 Basispunkte auf 7,5 Prozent gesenkt habe. Indonesien zähle zu denjenigen Ländern, die am stärksten auf ausländisches Kapital angewiesen seien. Das liege nicht nur an dem Leistungsbilanzdefizit von rund drei Prozent des BIP, sondern vor allem auch daran, dass es für die Banken wegen des tief verwurzelten Misstrauens aufseiten der indonesischen Sparer sehr schwer sei, sich am heimischen Markt zu finanzieren.
Indonesien sei hier allerdings keine Ausnahme. Von den 16 größten Schwellenländern hätten zwölf in den letzten Monaten die Zinsen gesenkt. Doch nicht alle dieser Länder würden über eine robuste Volkswirtschaft verfügen, die das Vertrauen ausländischer Anleger genieße. Im Gegenteil: Seit letztem Sommer fließe mehr Kapital aus diesen Ländern ab, als ihnen zufließe - trotz des erheblichen Zinsgefälles gegenüber den USA und Europa.
Die Hauptgründe für den Abzug von Kapital seien das rückläufige Wirtschaftswachstum, das sich verschlechternde Zinsklima an einigen Emerging Markets, der Mangel an überzeugenden Reformen und die Angst, dass es sofort zu einer Kapitalflucht komme, sobald die USA ihren Leitzins anheben würden.
Diese Faktoren hätten weiterhin Gültigkeit und würden sogar noch an Relevanz gewinnen mögen, falls die Zentralbanken die Zinsen auf ein Niveau unter der wirtschaftlichen Basis senken würden und so Reformen rechtfertigen könnten. Mit jeder Zinssenkung steige das Risiko einer Wechselkurskorrektur an den Emerging Markets. Vielleicht würden die politisch Verantwortlichen genau darauf abzielen, um so eine Wachstumserholung anzustoßen, ohne sich mit unliebsamen Reformen herumschlagen zu müssen.
Anlegern an den Emerging Markets sei Skepsis geraten. Es empfehle sich, in einem Land zu investieren, in dem die Zinsen gesenkt würden, weil wirtschaftliche Ungleichgewichte im Reformwege abgebaut worden seien und nicht, weil eine Zinssenkung durch künftige Kapitalflüsse zu rechtfertigen sei oder gar um die Währung zu schwächen. (26.02.2015/alc/a/a)


