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Zinssenkungen fest im Blick


22.03.24 11:40
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Notenbanken bleiben auf ihrem eingeschlagenen Pfad der geplanten Zinssenkungen, die Aktienmärkte klettern auf neue Höchststände und auch das Edelmetall Gold dringt in Kursbereiche vor, die es bisher noch nie gesehen hat, so die Analysten der Weberbank.

Nachdem in den USA die Inflationszahlen in den ersten beiden Monaten des Jahres nach oben überrascht hätten, sei zunehmend spekuliert worden, ob die US-Notenbank FED von ihren geplanten Zinssenkungen in diesem Jahr Abstand nehmen müsste. FED-Präsident Powell habe sich hingegen nach der dieswöchigen Sitzung unbeirrt gezeigt und relativ deutlich die anstehende Zinswende signalisiert. Hierbei habe er das sehr restriktive Zinsniveau und darauf verwiesen, dass die Normalisierung der Inflation nicht gradlinig erfolge.

Die Analysten würden somit weiterhin im Sommer die erste Zinssenkung erwarten und könnten sich in Summe vier Schritte in diesem Jahr vorstellen. Auch EZB-Präsidentin Lagarde habe verhältnismäßig klar die erste Zinssenkung im Juni in Aussicht gestellt. Dies passe sehr gut in die Erwartungshaltung der Analysten zum Beginn der Zinswende in Europa. Während der Kapitalmarkt noch im vergangenen Dezember einen weitaus aggressiveren Zinssenkungspfad prognostiziert habe, habe sich dieser mittlerweile dem Meinungsbild der Analysten angepasst.

Dadurch legten die Basisrenditen seit Jahresanfang einen wilden Ritt hin, und wir verzeichneten zwischenzeitlich gar einen Anstieg von 50 Basispunkten in den 10-jährigen Bundesanleihen, so die Analysten der Weberbank. Die Risikoprämien hätten hingegen vor allem nur eine Richtung gekannt. Über nahezu alle Marktsegmente seien sie auf mittlerweile deutlich unterdurchschnittliche Niveaus zurückgegangen. Was gut für die bisherige Wertentwicklung gewesen sei, lasse die Analysten nun jedoch mit Argusaugen insbesondere auf Hochzinsanleihen schauen.

Die sich sukzessive verschlechternden Fundamentaldaten und ansteigenden Ausfallraten könnten am Markt durchaus für eine Neubepreisung der Risiken sorgen. Die Analysten würden daher aktuell ein ausgewogenes Risikoprofil mit zuletzt erhöhtem Fokus auf Staatsanleihen der Schwellenländer bevorzugen, die weiterhin attraktive Risikoprämien aufweisen würden.

Es sei schon ein seltenes Zusammentreffen zweier Trends. Auf der einen Seite würden Investoren seit Monaten immer mehr Anteile ihrer Goldfonds verkaufen und auf der anderen Seite erklimme das rare Edelmetall neue Kurshöchststände - zuletzt sogar über 2.200 US-Dollar pro Feinunze. Aber warum steige der Goldpreis dann eigentlich? Hier würden in den Augen der Analysten mehrere Entwicklungen eine Rolle spielen. Einerseits sei festzustellen, dass einige Notenbanken ihre Goldreserven weiter kräftig aufstocken würden. Insbesondere für "nicht westliche" Notenbanken wirke wohl die Erkenntnis nach, dass in US-Dollar oder Euro angelegte Währungsreserven durch politische Entscheidungen dem Zugriff der jeweiligen Notenbank entzogen werden könnten - so wie die Analysten es bei Reserven der russischen Notenbank aktuell sehen würden.

Daneben würden offensichtlich die Marktteilnehmer, die über den Goldterminmarkt umgerechnet viel größere Mengen des kostbaren Metalls bewegen würden, auf die zu erwartenden Zinssenkungen der großen Notenbanken setzen. Die Logik dahinter: Da Gold keine Zinsen oder Dividenden abwerfe, sei der Besitz des Metalls umso teurer, je höher die Zinsen am Markt seien. Denn schließlich könnte man sein Geld ja auch in Aktien oder Anleihen investieren und dort Erträge vereinnahmen. Dementsprechend sollte der Besitz von Gold mit den vor uns liegenden Leitzinssenkungen der Notenbanken also wieder attraktiver werden, so die Analysten der Weberbank.

Obendrein würden viele Anleger Gold auch als attraktives Vermögensaufbewahrungsmittel in Zeiten erhöhter Inflation sehen. Aktuell würden damit zwei Goldpreisunterstützende Entwicklungen zusammenfallen: Die Notenbanken würden planen, ihre Zinsen zu senken, und die Inflationsraten seien zwar rückläufig, aber immer noch auf einem höheren Niveau als letztendlich von den Notenbanken angestrebt. Der Goldpreis könnte also durchaus noch weiter ansteigen und Investoren zurück in Goldfonds locken.

An den Aktienmärkten herrsche ebenfalls weiter Goldgräberstimmung. Neben dem Boomthema Künstliche Intelligenz, welches die Kurse der Chiphersteller unterstütze, seien auch die großen Aktienindices weiter vorangekommen. So habe der Deutsche Aktienindex DAX erstmals die 18.000er Markte überwinden können, und auch der US-Aktienindex S&P 500 habe ein neues Allzeithoch markiert.

Die Analysten würden denken, dass die Aktienmärkte gute Voraussetzungen für weitere Kursanstiege im Jahresverlauf 2024 vorfinden würden. Allerdings würden die Investoren aktuell sehr euphorisch agieren. Nicht ohne Grund würden viele Indikatoren, die die Marktstimmung messen würden, nun schon seit einigen Wochen im euphorischen Bereich pendeln. Investoren sollten deshalb eine zwischenzeitliche Korrektur gedanklich einplanen und nicht nur offensive Titel in ihren Portfolios berücksichtigen. (22.03.2024/alc/a/a)