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Zweifel am Nutzen der gegenwärtigen Geld- und Fiskalpolitik
21.08.20 11:23
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft musste im 2. Quartal pandemiebedingt den schwersten Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkrieges hinnehmen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Jetzt würden die Märkte hoffen, dass im 3. und 4. Quartal eine kräftige Erholung einsetze. Doch das 3. Quartal sei schon zur Hälfte vorbei und die Zahlen der mit Covid-19 neu Infizierten und Toten würden in der ganzen Welt steigen. Ein verlässlicher Impfstoff sei noch immer nicht gefunden. Es würden sogar neue Hygienevorschriften, Reisebeschränkungen und Schließungen drohen. Diese aber seien so unpopulär, dass die Regierungen überall damit zögern und nach anderen Auswegen suchen würden. Hierfür würden nur die Geld- und Fiskalpolitik mittels Interventionen und Verschuldung zum Nulltarif bleiben. Die Zweifel an deren Wirksamkeit würden in Anbetracht der geringen Erfolge in den letzten Jahrzehnten steigen.
Mitte letzten Jahres hätten sich die Bilanzen der G6 Notenbanken auf USD 15 Billionen summiert, jetzt stünden sie bei USD 24 Billionen. Die Bank of America schätze den Stand für Ende des Jahres auf USD 28 Billionen. Die Bilanzsumme der FED werde sich von Ende 2019 bis Ende 2020 auf 38% des BIP der USA verdoppelt haben. Bei der EZB erreiche dieser Anteil 64% und bei der Bank of England 50%. Die Bank of Japan wachse um ein Drittel auf 134%. In Australien und in Kanada würden die Raten ebenfalls wachsen, aber deutlich hinter dem BIP zurückbleiben.
Und was geschehe mit all dieser Liquidität, die hauptsächlich durch quantitative Lockerungen in die Märkte gepumpt werde? Sie fließe einerseits in die Finanzmärkte und blähe dort die Kurse inflationär auf, andererseits würden sich der Staat und Großunternehmen für staatliche Förderungsmaßnahmen und für Käufe eigener Aktien verschulden. Eigene Aktien aufzukaufen sei zwar bei Aktionären populär, erhöhe aber die Verschuldung der Unternehmen. Die Finanzierung der Staatsverschuldung durch die Notenbanken finde derzeit wenig Kritik, sei aber ein unheilvolles Mittel, wie unzählige Beispiele aus der Vergangenheit beweisen würden.
Vernunft und Umsicht würden auf der Strecke bleiben. Die Verschuldung sei inzwischen so groß, dass neue Schulden einen negativen Multiplikatoreffekt aufweisen würden. Die Meinung, 1 USD neue Verschuldung bringe mehr als 1 USD Wachstum, sei falsch. Die exzessive Verschuldung zerstöre das Risikobewusstsein. Die Fiskalpolitik erhoffe sich einen kurzfristigen Vorteil und vergesse, dass die zusätzlichen Schulden später wieder zurückgezahlt werden müssten. Die Staatsverschuldung sei inzwischen in vielen Volkswirtschaften so hoch, dass sie nie wieder zurückbezahlt werden könne.
Die zusätzliche Liquidität durch die Verschuldung sei nur zu einem geringen Teil in die Realwirtschaft geflossen, habe aber die Vermögenspreise stark aufgebläht. Diese Vermögensinflation durch QE sei genauso nachteilig wie die Konsuminflation. Sparer würden für ihre Ersparnisse keine Zinsen mehr erhalten, was den Konsum reduziere. Langfristige Anlagen würden in realer Rechnung sogar negative Zinsen erwirtschaften, was einer Enteignung gleich komme. Der überproportionale Anstieg der Immobilienpreise erhöhe die Kreditrisiken bei einer Normalisierung der Strukturkurve.
Lohnempfänger könnten bei stagnierenden Löhnen oder gar steigender Arbeitslosigkeit weniger Ersparnisse für die Zukunft bilden und diese nur in Investments zu überhöhten Preisen anlegen.
Die künstlich gesenkten Zinsen würden es für die Budgetpolitik viel einfacher machen, neue Schulden durch Anleihenemissionen aufzunehmen statt durch Reformen die Haushaltsdefizite zu senken. Am deutlichsten zeige sich dies in der Südperipherie der Eurozone. Manager von Kapitalsammelstellen müssten, um wenigstens eine geringe Verzinsung der Mittel zu erreichen, in immer riskantere Anlagen investieren. Investments in den Schwellenländern seien bei einer Normalisierung der Zinsstruktur hohen Risiken ausgesetzt.
Die Funktionen der Geld- und Rentenmärkte sowie des Zinses als Marktregulator seien außer Kraft gesetzt. Die Notenbanken würden hoffen, mit noch mehr Liquidität der Konjunktur neue Impulse geben zu können. Und die Regierungen würden das Deficit Spending in noch nie dagewesenem Umfang einsetzen. Die Verschuldung zum Nulltarif sprenge alle Grenzen. Die Schulden müssten von späteren Generationen wieder zurückgezahlt werden, was automatisch als Konjunkturbremse wirken werde. Dieses Experiment sei einmalig und keineswegs gesichert. Es könne durchaus zu schweren Fehlentwicklungen führen. (21.08.2020/alc/a/a)
Jetzt würden die Märkte hoffen, dass im 3. und 4. Quartal eine kräftige Erholung einsetze. Doch das 3. Quartal sei schon zur Hälfte vorbei und die Zahlen der mit Covid-19 neu Infizierten und Toten würden in der ganzen Welt steigen. Ein verlässlicher Impfstoff sei noch immer nicht gefunden. Es würden sogar neue Hygienevorschriften, Reisebeschränkungen und Schließungen drohen. Diese aber seien so unpopulär, dass die Regierungen überall damit zögern und nach anderen Auswegen suchen würden. Hierfür würden nur die Geld- und Fiskalpolitik mittels Interventionen und Verschuldung zum Nulltarif bleiben. Die Zweifel an deren Wirksamkeit würden in Anbetracht der geringen Erfolge in den letzten Jahrzehnten steigen.
Mitte letzten Jahres hätten sich die Bilanzen der G6 Notenbanken auf USD 15 Billionen summiert, jetzt stünden sie bei USD 24 Billionen. Die Bank of America schätze den Stand für Ende des Jahres auf USD 28 Billionen. Die Bilanzsumme der FED werde sich von Ende 2019 bis Ende 2020 auf 38% des BIP der USA verdoppelt haben. Bei der EZB erreiche dieser Anteil 64% und bei der Bank of England 50%. Die Bank of Japan wachse um ein Drittel auf 134%. In Australien und in Kanada würden die Raten ebenfalls wachsen, aber deutlich hinter dem BIP zurückbleiben.
Und was geschehe mit all dieser Liquidität, die hauptsächlich durch quantitative Lockerungen in die Märkte gepumpt werde? Sie fließe einerseits in die Finanzmärkte und blähe dort die Kurse inflationär auf, andererseits würden sich der Staat und Großunternehmen für staatliche Förderungsmaßnahmen und für Käufe eigener Aktien verschulden. Eigene Aktien aufzukaufen sei zwar bei Aktionären populär, erhöhe aber die Verschuldung der Unternehmen. Die Finanzierung der Staatsverschuldung durch die Notenbanken finde derzeit wenig Kritik, sei aber ein unheilvolles Mittel, wie unzählige Beispiele aus der Vergangenheit beweisen würden.
Die zusätzliche Liquidität durch die Verschuldung sei nur zu einem geringen Teil in die Realwirtschaft geflossen, habe aber die Vermögenspreise stark aufgebläht. Diese Vermögensinflation durch QE sei genauso nachteilig wie die Konsuminflation. Sparer würden für ihre Ersparnisse keine Zinsen mehr erhalten, was den Konsum reduziere. Langfristige Anlagen würden in realer Rechnung sogar negative Zinsen erwirtschaften, was einer Enteignung gleich komme. Der überproportionale Anstieg der Immobilienpreise erhöhe die Kreditrisiken bei einer Normalisierung der Strukturkurve.
Lohnempfänger könnten bei stagnierenden Löhnen oder gar steigender Arbeitslosigkeit weniger Ersparnisse für die Zukunft bilden und diese nur in Investments zu überhöhten Preisen anlegen.
Die künstlich gesenkten Zinsen würden es für die Budgetpolitik viel einfacher machen, neue Schulden durch Anleihenemissionen aufzunehmen statt durch Reformen die Haushaltsdefizite zu senken. Am deutlichsten zeige sich dies in der Südperipherie der Eurozone. Manager von Kapitalsammelstellen müssten, um wenigstens eine geringe Verzinsung der Mittel zu erreichen, in immer riskantere Anlagen investieren. Investments in den Schwellenländern seien bei einer Normalisierung der Zinsstruktur hohen Risiken ausgesetzt.
Die Funktionen der Geld- und Rentenmärkte sowie des Zinses als Marktregulator seien außer Kraft gesetzt. Die Notenbanken würden hoffen, mit noch mehr Liquidität der Konjunktur neue Impulse geben zu können. Und die Regierungen würden das Deficit Spending in noch nie dagewesenem Umfang einsetzen. Die Verschuldung zum Nulltarif sprenge alle Grenzen. Die Schulden müssten von späteren Generationen wieder zurückgezahlt werden, was automatisch als Konjunkturbremse wirken werde. Dieses Experiment sei einmalig und keineswegs gesichert. Es könne durchaus zu schweren Fehlentwicklungen führen. (21.08.2020/alc/a/a)


