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Das griechische Drama geht in die Verlängerung


21.04.15 10:13
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während das griechische Schuldendrama sich fortsetzt, orakeln manche Beobachter, das Land könnte seinen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 315 Mrd. Euro nicht nachkommen, aus der Eurozone ausscheiden - oder beides, so David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton.

Ein Abschied Griechenlands aus dem Währungsblock wäre nach Meinung der Experten wahrscheinlich eher von emotionaler Relevanz und nicht so sehr wirtschaftliche Tragödie für die Region. Wie sie die Dinge sähen, sei Griechenland weitgehend ein griechisches Problem. Ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone würde der griechischen Wirtschaft voraussichtlich sehr schaden.

Die Experten würden aber denken, es bestehe Spielraum für einen Kompromiss zwischen Griechenland und seinen Gläubigern, denn der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis habe gesagt, sein Land werde allen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Der griechische Finanzminister habe dieses Versprechen am 9. April gehalten, als Griechenland eine Rückzahlung in Höhe von 460 Mio. Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) geleistet habe. Die griechische Regierung habe die Zahlungsfrist einhalten müssen, um weitere Verhandlungen mit dem IWF und den Finanzministern der Eurozone über ein weiteres Rettungspaket führen zu können. Denn nur dadurch wäre - zumindest vorübergehend - die Zahlungsfähigkeit des Landes gewährleistet.

Während die griechische Regierung zusätzliche Mittel und Zugeständnisse bei den bestehenden Krediten fordere, würden der IWF und die Vertreter der Eurozone auf Kosteneinsparungen und Steuererhöhungen drängen. Die griechische Regierung hoffte, im Rahmen eines Treffens mit den Finanzministern der Eurozone am 24. April eine Einigung zu erzielen. Sollten Vertreter der Regierungspartei Syriza Bereitschaft zeigen und tatsächlich verhandeln, würden die Experten denken, dass ihre Gläubiger gerne bereit sein würden, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Nach Ansicht der Experten würden sie wahrscheinlich aber nicht zu einem Schuldenschnitt bereit sein.

Falls Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und/oder die Eurozone verlassen sollte, werde sich das nach Meinung der Experten nicht langfristig auf die Anleihenmärkte der Eurozone auswirken. Allerdings würden sie im Verlauf der Entwicklungen eine gewisse kurzfristige Volatilität erwarten. Anders als noch vor ein paar Jahren sei Griechenland mit dem größten Teil seiner Staatsschulden in Höhe von 315 Mrd. Euro bei öffentlichen Einrichtungen verschuldet. Die Experten würden daher davon ausgehen, dass evtl. Konsequenzen sich primär auf öffentliche Institutionen wie den IWF und die Europäische Zentralbank (EZB) auswirken würden.

Obwohl ein potenzieller Abgang Griechenlands von der Eurozonen-Bühne nach Meinung der Experten vermutlich keine langfristigen Auswirkungen auf andere Länder der Region haben werde, sei der politische Einfluss des Landes seit dem Wahlsieg der Regierungspartei Syriza früher im Jahr gestiegen.

Syriza sei die erste extremistische Partei in Europa seit vielen Jahren, die sage, sie wolle das, was die vorherige Regierung im Land getan habe, komplett umkehren. Syriza habe beispielsweise mit dem Versprechen Wahlkampf betrieben, sie werde die Sparpolitik der vorherigen Regierung beenden. Obwohl Syriza weit links angesiedelt sei, scheine ihr Wahlsieg kurzfristig extremistischen Parteien an beiden Enden des politischen Spektrums in Ländern wie Frankreich und Spanien einen Schub verliehen zu haben.

Seit ihrem Wahlsieg sei Syriza jedoch nicht dazu in der Lage gewesen, alles zu halten, was sie versprochen habe, wie beispielsweise die Schaffung von Tausenden von Arbeitsplätzen und die Abschreibung eines großen Teils der Schulden des Landes. Stattdessen sei Syriza gezwungen gewesen, Rückzieher zu machen und das zu tun, was auch die vorherige griechische Regierung getan habe. Als Folge dessen habe man beobachten können, dass die Unterstützung einiger Extremparteien in der Region in letzter Zeit zurückgegangen sei. In Frankreich habe beispielsweise Marine Le Pens antieuropäische Rechtspartei Front National bei den Lokalwahlen vergangenen Monat respektable 26% gewinnen können. Die Partei habe aber nicht, wie prognostiziert worden sei, das beste Ergebnis erzielt. In Spanien habe die gegen die Sparpolitik gerichtete Podemos (Wir können) Partei in Umfragen verloren, nachdem sie mehrere Monate lang hohe Ergebnisse erzielt habe.

Falls die Syriza Partei umsetzen sollte, was sie versprochen habe, dürfte dies nach Meinung der Experten sehr zur Popularität extremistischer Parteien in ganz Europa beitragen. Wenn die Syriza-Vertreter sich aber von ihren Versprechungen abwenden müssten und nicht annähernd so viel schaffen würden, bedeute das nach Meinung der Experten möglicherweise, dass man sinkende Werte für extremistische Parteien in der Eurozone erleben dürfte.

Anders als das griechische Drama sei das mit Spannung erwartete quantitative Lockerungsprogramm (QE) der EZB mit einem Volumen von 1,1 Bio. Euro letzten Monat recht ruhig gestartet. Die EZB habe bekannt gegeben, sie läge bei den versprochenen monatlichen Ankäufen in Höhe von 60 Mrd. Euro vor dem Zeitplan. Nach Meinung der Experten sei es wichtig, dass die EZB zumindest während der ersten Monate genau 60 Mrd. Euro ausgebe, denn sie müsse den Erfolg des QE-Programms sicherstellen. Erfreulicherweise scheine kein Mangel an Anleihen zu bestehen, wie zunächst befürchtet worden sei, nachdem einige Inhaber von Staatsanleihen geäußert hätten, dass sie sie nicht verkaufen würden. Der EZB sei es dann aber nicht schwer gefallen, Anleihen im Rahmen ihres QE-Programms anzukaufen, und derzeit sorge dies auch nicht für größere Marktverzerrungen. Nach Meinung der Experten gehe das QE-Programm der EZB - das gerade einmal einen Monat alt sei - bisher in die richtige Richtung.

Allerdings würden die QE-Maßnahmen nur eine von mehreren Rollen für die Erholung in der Eurozone spielen. Nach Meinung der Experten seien noch weitere Reformen auf Regierungsebene erforderlich sowie Strukturreformen in den Arbeitsmärkten. Sie würden denken, Länder der Eurozone sollten auch einige ihrer Kontrollbeschränkungen aufheben, um ihre Volkswirtschaften freier zu gestalten. Das würde das Wachstum fördern, denn Europa verfüge derzeit über kein hohes Wachstumspotenzial. Das Wachstum sei in Europa recht niedrig, obwohl es inzwischen etwas besser sei als im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Nach Meinung der Experten würden die QE-Maßnahmen den Ländern eine Atempause gewähren, die Gelegenheit geben dürfte, den Weg für Reformen zu ebnen. Das werde aber Zeit in Anspruch nehmen. (Ausgabe vom 17.04.2015) (21.04.2015/alc/a/a)
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