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Der lange Weg der FED zur Bilanzverkürzung


22.11.17 11:15
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sowohl FED als auch Finanzmärkte erwarten scheinbar, dass der Bilanzabbau der Zentralbank ereignislos, sanft und ohne große Folgen für den Markt verlaufen wird, so die Experten von Franklin Templeton.

Nach Ansicht der Experten werde dem vermutlich nicht so sein. In der Tat könnte nur eine äußerst unwahrscheinliche Kombination von Ereignissen für einen sanften und schmerzfreien Übergang sorgen. Nach Auffassung der Experten würden die Märkte insbesondere die Folgen für die Renditen auf US-Schatzanleihen unterschätzen.

Da die FED ihre Nachfrage nach US-Schatzanleihen reduziere und das Finanzministerium das Angebot zur Deckung des Haushaltsdefizits vergrößere, müssten die Anleihepreise fallen und die Renditen steigen, um neue Käufer anzulocken. Das QE habe die Renditen verringert; seine Umkehr werde sie steigern. Unsere Feststellung, dass inländische preisempfindliche Käufer einen unverhältnismäßigen Anteil der Nachfrage werden abdecken müssen, stützt diesen grundlegenden Punkt, so die Experten von Franklin Templeton.

Um das Risiko von Belastungen für die Anlagemärkte zu verringern, plane die FED die langsame und allmähliche Kürzung ihrer Bilanz. Dementsprechend würden die Überschussreserven der Banken in den kommenden Jahren jedoch äußerst hoch bleiben (es werde einem nichts geschenkt).

Dies könnte eine plötzliche Beschleunigung der Kreditvergabe auslösen, da sowohl Kreditnachfrage als auch Kreditversorgung auf die bessere Wirtschaftslage und die Lockerung der Finanzregulierung reagieren würden.

Der Preisdruck sei nach wie vor gedämpft. Dies dürfte nicht ewig so bleiben. Die Löhne für ununterbrochen beschäftigte Arbeitnehmer würden mit robustem Tempo steigen. Die Lohn- und die Preis-Phillips-Kurve haben sich abgeflacht, doch die Argumente, dass sie dauerhaft flach bleiben, können uns nicht überzeugen, so die Experten von Franklin Templeton. Überdies hätten die Lohn- und Preistrends eine starke globale Komponente, und der weltweite Ausblick deute auf einen größeren Druck bei der Ressourcenauslastung und auf ein schnelleres Lohn- und Preiswachstum hin.

Diese drei Kräfte müssten nicht alle zum Tragen kommen, aber sie müssten alle widerlegt werden, damit sich die Markterwartungen bestätigen würden. Die Experten von Franklin Templeton halten dies für äußerst unwahrscheinlich und keinesfalls für ein Szenario, in dem investiert werden sollte. Sie würden erwarten, dass der Bilanzabbau der FED eine lange Wegstrecke vor sich habe und die Märkte möglicherweise belasten werde. (Ausgabe 8 vom Oktober 2017) (22.11.2017/alc/a/a)