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Die unmögliche Aufgabe der EZB


08.03.22 10:00
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Anfang Februar wurde die konkrete Ankündigung eines weniger expansiven geldpolitischen Kurses auf die Sitzung am 10. März verschoben, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Gründe hierfür seien die dann vorliegenden neuen Projektionen zum Wirtschaftswachstum und der Inflation gewesen. Doch angesichts der zwischenzeitlichen Eskalation des Ukrainekonflikts seien volkswirtschaftliche und Kapitalmarkt-Prognosen derzeit kaum treffsicher möglich. Der EZB-Rat werde daher voraussichtlich eine abwartende Haltung einnehmen und somit dem Markt erneut die Deutungshoheit überlassen - was schon im Februar zu massiv steigenden Zinsen und einer entsprechenden Verunsicherung an den Börsen geführt habe. Dabei wäre mehr Orientierung durch die Notenbank derzeit besonders wichtig, denn die kriegsbedingten Kapriolen an den Kapitalmärkten hätten massive Auswirkungen auf Realwirtschaft und Verbraucher, die weit über die offensichtlichen Energie- und Rohstoffpreisexplosionen hinausgehen würden.

Dieser Effekt werde innerhalb der Eurozone durch die zunehmende Euro-Abwertung gegenüber dem US-Dollar weiter verstärkt. Damit einher gehen zwei parallele und sich gegenseitig verstärkende Effekte: eine erhebliche Schwächung der Wachstumsperspektiven sowie eine Steigerung des ohnehin hohen Inflationsdrucks über importierte Inflation, so die Analysten von DONNER & REUSCHEL. Schwächeres Wachstum spräche gegen eine Straffung der geldpolitischen Zügel, während eine zunehmende Inflation einen weniger expansiven Kurs nahelegen würde.

Erschwerend komme hinzu, dass die US-Notenbank FED Mitte März voraussichtlich eine erste Leitzinsanhebung vornehmen werde und damit bei gleichzeitiger Untätigkeit der EZB die Abwertungstendenz des Euro noch untermauern dürfte. Die Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid werde somit eine sehr komplizierte verbale Gratwanderung für die EZB-Präsidentin werden, die kaum eine Chance auf eine positive Überraschung der Marktteilnehmer habe. Zur Beruhigung der angespannten Nervosität könne die EZB in dieser Woche somit kaum etwas beitragen. (08.03.2022/alc/a/a)