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Die vollkommene Hilflosigkeit der Notenbanken
03.02.15 10:16
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vor einer Woche hat die Schweizer Nationalbank (SNB) den CHF vom EUR abgekoppelt, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Sie habe gewollt, dass der Franken eine Hartwährung bleibe. Prompt sei der EUR kräftig gefallen und zähle jetzt zu den Weichwährungen. Mit dieser Eigenschaft stehe er in einer Reihe mit dem US-Dollar (Netto-Auslandsverschuldung der USA von rekordhohen USD 6,158 Billionen, Gesamtverschuldung aller Sektoren über USD 200 Billionen), dem Pfund Sterling und dem Japanischen Yen. Auch der AUD (Australischer Dollar) und der CAD (Kanadischer Dollar) würden wegen der Schwäche der Rohstoffpreise dazu zählen.
Die QE Entscheidung der EZB von monatlichen Käufen von Anleihen in Höhe von EUR 60 Mrd. ab 01.03.2015 bis zum 30.09.2016 zeige die inzwischen vollständige Hilflosigkeit der Notenbanken. Sie seien von ihrer "stop and go" Geldpolitik von 1999 bis 2008 vollständig abgekehrt und würden es seitdem mit QE und Nullzinspolitik versuchen.
In den letzten sechs Jahren hätten die wichtigsten Notenbanken zusammengenommen schätzungsweise USD 11 Billionen mittels QE in die Märkte gepumpt. Doch trotz aller Absicht, die Konjunktur wieder auf einen Wachstumspfad zurückzubringen, seien sie zum Scheitern verurteilt, wenn ihre Geldpolitik nicht von Reformen durch die Fiskalpolitik unterstützt werde.
Das würden inzwischen zahlreiche Beispiele zeigen. So sei Griechenland trotz des Schuldenschnitts im März 2012 (Forderungsverzicht privater Gläubiger rund EUR 200 Mrd.) wieder nahe der Insolvenz. In Japan könne man die Zahl der Stimulierungsprogramme nicht mehr zählen, und selbst eine Staatsverschuldung von 250% des BIP habe keine Wende gebracht. Der frühere Gouverneur der Bank of England Mervyn King habe seine Meinung veröffentlicht, weitere monetäre Stimulierungen würden die Weltwirtschaft nicht wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen.
Selbst in den USA lasse die Dynamik der Konjunkturerholung trotz einer Ausweitung der Bilanzsumme der FED (QE) um USD 4 Billionen schon wieder nach (Immobilienmarkt, Industrieproduktion). Die Märkte würden beginnen, darüber zu diskutieren, ob die in Aussicht gestellte erste Erhöhung der Geldmarktzinsen etwa zur Jahresmitte so wie in England verschoben werden müsse. Das brächte an den Devisenmärkten eine Stimmungswende.
Das neue QE der EZB werde hinsichtlich seiner Wirksamkeit inzwischen von Konjunkturforschern infrage gestellt. Jeden Monat EUR 60 Mrd. seien umgerechnet jede Woche EUR 15 Mrd. oder täglich EUR 3 Mrd. oder stündlich bei einem 9 Stunden Tag EUR 333 Millionen. Nach Bloomberg solle die Inflationsrate dadurch 2015 um 0,4% und in 2016 um 0,3% steigen. Nach Ablauf des Programms erfolge erforderlichenfalls eine Verlängerung ("open end QE").
Dem QE lägen die Ideen zu Grunde: Erstens den EUR abzuschwächen und dadurch die Exportindustrie anzukurbeln (doch das werde hauptsächlich Deutschland helfen) und zweitens die Vermögenspreise weiter aufzublähen (um einen Wohlstandseffekt auszulösen, der zu mehr Konsum führe) sowie drittens eine höhere Staatsverschuldung zu ermöglichen und zu verbilligen (doch dies würge den Reformwillen der Finanzpolitik vollständig ab).
Anlagen am Geldmarkt oder am Rentenmarkt würden für neue Investments ausscheiden, da sie keine Zinsen bieten und das Schuldnerrisiko nicht abdecken würden. Andere Währungen seien auch nur Weichwährungen mit der Ausnahme des CHF, doch dieser biete selbst für zwölfjährige Laufzeiten nur negative Renditen.
Die ultra-expansive Geldpolitik gebe den reinen Vermögensanlagen eine Stütze. Die Bemühungen der EZB, mithilfe der Geldpolitik die Konjunktur in Schwung zu bringen, seien bisher wirkungslos geblieben und würden es vermutlich auch bleiben, solange die Geldpolitik keine Unterstützung der Finanzpolitik durch entsprechende Reformen erfahre.
An den Aktienmärkten sei zu berücksichtigen, dass die Kurse meist schon auf historischen Höchstständen notieren würden, sodass im Jahresverlauf mit einer hohen Volatilität zu rechnen sei. Die Aktienauswahl mit der Ausrichtung auf die Unternehmensdaten sollte sich auf dividendenstarke Aktien und solche mit nachvollziehbarem Wachstumspotenzial konzentrieren.
Bei Erdöl und Rohstoffen könnte der Tiefpunkt der Preise nahe sein, aber eine Wende sei noch nicht zu erkennen. Edelmetalle hätten diesen Tiefpunkt vermutlich bereits hinter sich und würden sich in physischer Form zur Depotergänzung eignen. (Ausgabe vom 02.02.2015) (03.02.2015/alc/a/a)
Sie habe gewollt, dass der Franken eine Hartwährung bleibe. Prompt sei der EUR kräftig gefallen und zähle jetzt zu den Weichwährungen. Mit dieser Eigenschaft stehe er in einer Reihe mit dem US-Dollar (Netto-Auslandsverschuldung der USA von rekordhohen USD 6,158 Billionen, Gesamtverschuldung aller Sektoren über USD 200 Billionen), dem Pfund Sterling und dem Japanischen Yen. Auch der AUD (Australischer Dollar) und der CAD (Kanadischer Dollar) würden wegen der Schwäche der Rohstoffpreise dazu zählen.
Die QE Entscheidung der EZB von monatlichen Käufen von Anleihen in Höhe von EUR 60 Mrd. ab 01.03.2015 bis zum 30.09.2016 zeige die inzwischen vollständige Hilflosigkeit der Notenbanken. Sie seien von ihrer "stop and go" Geldpolitik von 1999 bis 2008 vollständig abgekehrt und würden es seitdem mit QE und Nullzinspolitik versuchen.
In den letzten sechs Jahren hätten die wichtigsten Notenbanken zusammengenommen schätzungsweise USD 11 Billionen mittels QE in die Märkte gepumpt. Doch trotz aller Absicht, die Konjunktur wieder auf einen Wachstumspfad zurückzubringen, seien sie zum Scheitern verurteilt, wenn ihre Geldpolitik nicht von Reformen durch die Fiskalpolitik unterstützt werde.
Das würden inzwischen zahlreiche Beispiele zeigen. So sei Griechenland trotz des Schuldenschnitts im März 2012 (Forderungsverzicht privater Gläubiger rund EUR 200 Mrd.) wieder nahe der Insolvenz. In Japan könne man die Zahl der Stimulierungsprogramme nicht mehr zählen, und selbst eine Staatsverschuldung von 250% des BIP habe keine Wende gebracht. Der frühere Gouverneur der Bank of England Mervyn King habe seine Meinung veröffentlicht, weitere monetäre Stimulierungen würden die Weltwirtschaft nicht wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen.
Das neue QE der EZB werde hinsichtlich seiner Wirksamkeit inzwischen von Konjunkturforschern infrage gestellt. Jeden Monat EUR 60 Mrd. seien umgerechnet jede Woche EUR 15 Mrd. oder täglich EUR 3 Mrd. oder stündlich bei einem 9 Stunden Tag EUR 333 Millionen. Nach Bloomberg solle die Inflationsrate dadurch 2015 um 0,4% und in 2016 um 0,3% steigen. Nach Ablauf des Programms erfolge erforderlichenfalls eine Verlängerung ("open end QE").
Dem QE lägen die Ideen zu Grunde: Erstens den EUR abzuschwächen und dadurch die Exportindustrie anzukurbeln (doch das werde hauptsächlich Deutschland helfen) und zweitens die Vermögenspreise weiter aufzublähen (um einen Wohlstandseffekt auszulösen, der zu mehr Konsum führe) sowie drittens eine höhere Staatsverschuldung zu ermöglichen und zu verbilligen (doch dies würge den Reformwillen der Finanzpolitik vollständig ab).
Anlagen am Geldmarkt oder am Rentenmarkt würden für neue Investments ausscheiden, da sie keine Zinsen bieten und das Schuldnerrisiko nicht abdecken würden. Andere Währungen seien auch nur Weichwährungen mit der Ausnahme des CHF, doch dieser biete selbst für zwölfjährige Laufzeiten nur negative Renditen.
Die ultra-expansive Geldpolitik gebe den reinen Vermögensanlagen eine Stütze. Die Bemühungen der EZB, mithilfe der Geldpolitik die Konjunktur in Schwung zu bringen, seien bisher wirkungslos geblieben und würden es vermutlich auch bleiben, solange die Geldpolitik keine Unterstützung der Finanzpolitik durch entsprechende Reformen erfahre.
An den Aktienmärkten sei zu berücksichtigen, dass die Kurse meist schon auf historischen Höchstständen notieren würden, sodass im Jahresverlauf mit einer hohen Volatilität zu rechnen sei. Die Aktienauswahl mit der Ausrichtung auf die Unternehmensdaten sollte sich auf dividendenstarke Aktien und solche mit nachvollziehbarem Wachstumspotenzial konzentrieren.
Bei Erdöl und Rohstoffen könnte der Tiefpunkt der Preise nahe sein, aber eine Wende sei noch nicht zu erkennen. Edelmetalle hätten diesen Tiefpunkt vermutlich bereits hinter sich und würden sich in physischer Form zur Depotergänzung eignen. (Ausgabe vom 02.02.2015) (03.02.2015/alc/a/a)


