Evraz laut Wikifolio wieder handelbar?!
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neuester Beitrag: 26.04.26 18:32
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| eröffnet am: | 09.05.23 09:42 von: | beulermaennlein881 | Anzahl Beiträge: | 3 |
| neuester Beitrag: | 26.04.26 18:32 von: | MrTrillion3 | Leser gesamt: | 7374 |
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wir haben dich vor einiger Zeit darüber informiert, dass das Wertpapier EVRAZ PLC (GB00B71N6K86) auf unbestimmte Zeit vom Handel ausgesetzt wurde.
Dieses ist nun wieder handelbar und wird in folgenden deiner wikifolios wieder mit dem aktuellen Marktpreis bewertet.
Hat jemand eine Quelle?
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Wertpapier:
Evraz Plc. |
EVRAZ plc – Einschätzung zur Aktie, Stand 26.04.2026
EVRAZ plc ist formal ein britisches Unternehmen mit der ISIN GB00B71N6K86 und der WKN A1JMT9. Der frühere Börsenticker in London lautet EVR; in Deutschland wurde die Aktie teils unter EVZ geführt. Die Aktie ist aber kein normal analysierbarer Börsentitel mehr. Sie ist seit März 2022 an der London Stock Exchange ausgesetzt; im Mai 2022 wurde EVRAZ selbst vom Vereinigten Königreich sanktioniert. Die britische Regierung begründete die Sanktion damit, dass EVRAZ als Stahl- und Bergbaugruppe in strategisch wichtigen russischen Sektoren tätig sei. (londonstockexchange.com)
Das Unternehmen war ursprünglich ein vertikal integrierter Stahl-, Bergbau- und Vanadiumkonzern mit Schwerpunkt Russland. Zum Portfolio gehörten Stahlwerke wie EVRAZ NTMK und EVRAZ ZSMK, Kokskohle über Raspadskaya, Eisenerz- und Vanadiumaktivitäten sowie bis 2025 auch das Nordamerika-Geschäft mit Werken in den USA und Kanada. Produziert wurden vor allem Infrastrukturstahl, Schienen, Halbzeuge, Bau- und Industrieprodukte, Röhrenprodukte, Vanadiumprodukte sowie Rohstoffe für die eigene Stahlproduktion. EVRAZ war damit operativ kein kleines Randunternehmen, sondern ein bedeutender russisch geprägter Stahl- und Rohstoffkonzern. Im letzten voll belastbaren geprüften Geschäftsbericht 2021 meldete EVRAZ Segmentumsätze von 14,159 Mrd. US-Dollar und ein Segment-EBITDA von 5,015 Mrd. US-Dollar. (ar2021.evraz.com)
Der entscheidende Punkt ist aber: Diese historischen Zahlen sind für eine heutige Aktionärsbewertung nur noch begrenzt brauchbar. EVRAZ konnte für spätere Jahre keine regulär geprüften Konzernabschlüsse veröffentlichen. Das Unternehmen teilte für 2023 und 2024 mit, dass es seine geprüften Abschlüsse beziehungsweise den Jahresbericht nicht veröffentlichen könne; für das erste Halbjahr 2024 wurde ebenfalls mitgeteilt, dass ungeprüfte Zwischenzahlen nicht veröffentlicht werden könnten. Damit fehlt genau die Datengrundlage, die man für eine seriöse Fundamentalanalyse benötigt. (evraz.com)
Hinzu kommt ein massiver Strukturbruch: Das Nordamerika-Geschäft wurde 2025 an Atlas Holdings verkauft und anschließend als Orion Steel neu aufgestellt. Atlas meldete am 31. Juli 2025 den Abschluss der Übernahme von EVRAZ North America; dieses Geschäft umfasste unter anderem Rocky Mountain Steel Mills, Oregon Steel Mills und Interpro Pipe and Steel mit rund 3.400 Beschäftigten, zwei Elektrostahlwerken, zwölf Produktmühlen und 17 Schrottrecyclinganlagen. Damit ist ein wesentlicher nicht-russischer Teil des alten EVRAZ-Konzerns aus der Struktur herausgelöst worden. (Atlas Holdings)
Noch gravierender ist die russische Reorganisation. EVRAZ teilte 2025 mit, dass ein Moskauer Schiedsgericht die Corporate Rights von EVRAZ plc an JSC EVRAZ NTMK ausgesetzt habe. Später informierte EVRAZ über eine Zuteilung von Aktien im Zusammenhang mit dem russischen Gesetz über „economically significant organisations“. Das bedeutet praktisch: Die alte britische EVRAZ plc ist nicht mehr einfach als normale Holding über die russischen Vermögenswerte zu betrachten. Für westliche Minderheitsaktionäre ist unklar, ob, wann und in welcher Form sie wirtschaftlich Zugriff auf die russischen Assets bekommen. (evraz.com)
Die Dividendenlage ist entsprechend eindeutig: EVRAZ ist für Dividendenanleger derzeit ungeeignet. Historisch war EVRAZ zwar ein sehr dividendenstarker Titel, aber seit der Handelsaussetzung, den Sanktionen und der blockierten Konzernstruktur gibt es keine verlässlich planbaren Ausschüttungen an westliche Aktionäre. Eine Dividendenrendite aus alten Daten oder von Börsenportalen wäre irreführend. Entscheidend ist nicht, ob EVRAZ operativ theoretisch Geld verdient, sondern ob Aktionäre legal, technisch und praktisch Geld erhalten können. Dazu gibt es aktuell keine verlässliche Grundlage.
Fundamental lässt sich EVRAZ deshalb nicht wie ArcelorMittal, Nucor, voestalpine oder SSAB bewerten. Operativ könnten die russischen Stahl- und Rohstoffanlagen weiterhin erheblichen Wert haben. Stahl, Schienen, Kokskohle, Eisenerz und Vanadium sind reale Vermögenswerte. Aber der börsennotierte Anspruch westlicher Aktionäre auf diesen Wert ist beschädigt, politisch überlagert und rechtlich unsicher. Das Bewertungsproblem ist nicht nur zyklisch, sondern strukturell: Sanktionen, Eigentümerbezug zu sanktionierten Personen, fehlende geprüfte Konzernzahlen, Handelsaussetzung, Asset-Abspaltungen, russische Zwangs- beziehungsweise Sonderregelungen und mangelnde Kapitalmarktfähigkeit überlagern jede klassische Kennzahl.
Kursziele sind für EVRAZ seriös nicht ableitbar. Ein rechnerisches Kursziel auf Basis von EBITDA-Multiples wäre Scheingenauigkeit, weil die Aktie nicht normal handelbar ist, die Eigentumsrechte unsicher sind und keine belastbaren aktuellen Konzernabschlüsse vorliegen. Für mich gibt es deshalb nur drei realistische Szenarien. Im besten Fall werden Sanktionen, Eigentums- und Abwicklungsfragen irgendwann so gelöst, dass westliche Aktionäre einen Teilwert erhalten. Im mittleren Fall bleibt die Position jahrelang blockiert und wirtschaftlich wertlos im Depot, obwohl operative Assets weiter existieren. Im schlechten Fall wird der wirtschaftliche Zugriff der EVRAZ-plc-Aktionäre auf wesentliche Vermögenswerte dauerhaft verwässert, abgeschnitten oder nur über kaum nutzbare russische Instrumente ersetzt.
Für die nächsten fünf bis fünfzehn Jahre ist EVRAZ daher keine normale Turnaround-Spekulation, sondern eine politische und juristische Sondersituation. Der langfristige Stahlbedarf in Russland, Asien und Infrastrukturmärkten kann zwar grundsätzlich für die operativen Anlagen sprechen. Auch Vanadium und Schienenstahl haben strategische Relevanz. Aber das hilft einem Aktionär nur, wenn seine Eigentumsrechte durchsetzbar sind und Kapitalflüsse möglich bleiben. Genau das ist bei EVRAZ der Kernzweifel. Die Aktie ist damit nicht primär ein Stahlinvestment, sondern ein Sanktions-, Rechts- und Enteignungsrisiko.
Meine Einschätzung ist klar: Für einen neuen Kauf ist EVRAZ aus heutiger Sicht nicht investierbar. Nicht „günstig“, nicht „unterbewertet“, sondern nicht sauber bewertbar. Wer die Aktie noch im Depot hat, besitzt faktisch eher einen blockierten Anspruch mit ungewissem Restwert als eine normale börsennotierte Aktie. Als Dividendentitel fällt EVRAZ vollständig aus. Als Langfristinvestment für 5–15 Jahre wäre mir das Risiko asymmetrisch schlecht: Der mögliche Erholungswert ist unklar, der Totalausfall oder jahrelange Nichtverwertbarkeit aber realistisch.
Autor: ChatGPT
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Wertpapier:
Evraz Plc. |


