Das Hauptproblem von Gerresheimer sind die hohen Schulden und das - ich sags mal vorsichtig - unglücklich agierende Management.
Aktuell dürften sich die Netto-Finanzschulden ja über EUR 2 Mrd. belaufen. Bei einem operativen Cash Flow von derzeit etwas über EUR 200 Mio. (geschätzt für 12 Monate) ist das natürlich verheerend, wenn man bedenkt, dass vom operativen Cash Flow noch die jährlichen Investitionen abzuziehen sind. Diese lagen in den letzten Jahren stets über EUR 200 Mio. bzw. über EUR 300 Mio.
Im Endeffekt muss Gerresheimer schnellstmöglich das operative Geschäft bzw. den Cash Flow stabilisieren und Assets verkaufen. Sonst wirkt die Schuldenlast erdrückend. Allein die Zinsauszahlungen dürfen in 2025 wohl um die EUR 70 Mio. ausmachen.
Bei einem Verkauf des profitablen Centor-Geschäfts und bei einem Verkauf von Moulded Glass (aktuell geschoben) sinken die Umsätze und das EBITDA von Gerresheimer signifikant. Allein die Moulded Glass-Sparte soll in 2024 einen Umsatz von EUR 735 Mio. und eine adjusted EBITDA-Marge von 20 % erwirtschaftet haben. Zusätzlich wird man um eine Kürzung der Investitionen nicht umhinkommen, was grundsätzlich auch nicht wachstumsfördernd ist. Da kann man nur hoffen, dass durch die Assetverkäufe die Schuldenlast so substanziell sinkt, dass man die Ertragsrückgänge mit Blick auf die Bewertung verschmerzen kann. Mir fehlt da so ein bisschen der Glaube. Zieht man dann noch die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der unsauberen Bilanzierung mit ein, weiß ich jetzt nicht, ob der aktuelle Kurs von knapp EUR 19 ein Schnäppchen ist oder es bei der Gemengelage nicht doch noch ne Ebene tiefer geht. Optisch sieht das bei solchen Kursrückgängen immer "günstig" aus. Fundamental bleiben für mich aber viele Fragezeichen. |