http://onnachrichten.t-online.de/c/00/00/25/252.html
Hotelangestellter stützt Marcos Aussage
§ Nach drei Monaten Untersuchungshaft in der Türkei muss der deutsche Schüler Marco weiter hinter Gittern bleiben. Der Prozess gegen den 17-Jährigen aus Uelzen wegen sexuellen Missbrauchs einer 13 Jahre alten Engländerin wurde am Freitag in Antalya vertagt. Nach Auskunft seines Anwalts ist Marco deprimiert und enttäuscht von dem Ausgang des ersten Prozesstages. "Wir hatten die stille Hoffnung, dass er nach der Verhandlung nach Hause fliegen kann", sagte Jürgen Schmidt. Entlastung für Marco könnte nach Medienberichten von Angestellten des Hotels kommen, in dem der Deutsche und die Engländerin Urlaub machten.
"Missbrauch nicht vorstellbar"
Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" bestätigten Mitarbeiter des Club Voyage in Side, dass sich Marco und Charlotte offensichtlich nahe standen. Der Chefkellner des Hotels habe erzählt, dass sich der 17-Jährige und die Britin öffentlich ganz deutlich als Liebespaar gezeigt hätten. Jeder habe das erkennen können, sagte der Angestellte dem Blatt. Er könne sich einen Missbrauch des Mädchens daher nicht vorstellen.
"Auf jeden Fall 16"
Bereits am Donnerstag hatte eine Deutsche, die zur gleichen Zeit wie Marco und Charlotte in dem Hotel in Side war, im Fernsehsender ProSieben die Aussage Marcos gestützt, wonach sich das Mädchen ihm gegenüber als 15-Jährige ausgegeben habe. Die Augenzeugin sagte dem Sender: "Ich hätte sie auf jeden Fall auf 16 geschätzt. Charlotte und ihre Schwestern haben sehr viel getrunken. Und dann denkt man sowieso nicht, dass sie so jung sind."
"Lizenz zum Trinken" von der Mutter?
Nicht geklärt ist bisher auch, wie sich das britische Mädchen an dem fraglichen Abend, an dem es zu der sexuellen Misshandlung durch Marco gekommen sein soll, betrinken konnte. Denn Alkohol wird im Club Voyage nur an Gäste ausgeschenkt, die ein Hotel-Armband tragen, das sie dazu berechtigt. Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" soll Charlotte allerdings so ein Armband getragen haben. Das Blatt vermutet daher, dass ihre Mutter ihr das Trinken an jenem Abend ausdrücklich erlaubt hat.
Anwalt sucht nach Zeugen
Marcos Anwalt will deshalb bis zur nächsten Verhandlung am 8. August gemeinsam mit seinem türkischen Kollegen versuchen, Zeugen zu finden, die damals ebenfalls Urlaub im Club Voyage gemacht haben. "Wir können jetzt nur auf den nächsten Verhandlungstermin warten und hoffen, dass Marco dann frei kommt", sagte Schmidt. Sollte es doch zu einer Verurteilung seines Mandanten kommen, dann hofft der Anwalt, "dass es nur eine kurze Haftstrafe ist, bei der möglichst viel von der Untersuchungshaft angerechnet wird".
"Es geht ihm schlecht"
Nach Ansicht seines Anwalts bekommt Marco ein faires Verfahren in der Türkei. Die wochenlange Untersuchungshaft habe der 17-Jährige jedoch nicht gut verkraftet. Es sei für den Jugendlichen wahnsinnig schwer. "Er ist noch ein Kind", betonte Schmidt. Zu den Haftbedingungen - Marco ist nach Erkenntnissen seines Anwalts nach wie vor zusammen mit 30 Untersuchungshäftlingen in einer Zelle - machte Schmidt keine Angaben. "Es geht ihm schlecht", betonte der Anwalt jedoch.
Stillschweigen vereinbart
Zu dem rund zweistündigen Gerichtstermin in Antalya könne er nichts mitteilen - es sei absolutes Stillschweigen vereinbart worden, sagte Schmidt. "Ich würde das Schicksal meines Mandanten gefährden." Nach türkischen Medienberichten wiederholte Marco vor Gericht seine Aussagen bei der Polizei, es sei lediglich zum Austausch von gemeinsamen Zärtlichkeiten gekommen. Offiziell gab es keine Stellungnahme der Richter oder der Staatsanwaltschaft.
MfG kiiwii
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