Seit Beginn des Waffenstillstandes sind in Südlibanon bereits acht Menschen von herumliegenden Streubomben (Cluster-Bomben) getötet und 38 verletzt worden. Wie immer bei der Explosion von Streubomben sind die Opfer meist Kinder. Die Israeli hatten während ihres Aggressionskrieges Hunderte dieser geächteten Cluster-Granaten, von denen jede fast 200 »Bömbchen« enthält, völkerrechtswidrig gegen Dörfer eingesetzt. Über dem Zielgebiet öffnet sich die Granate und verstreut die hochexplosiven »Bömbchen«. Aber nicht alle explodieren beim Aufschlag auf die Erde. Etwa 15 Prozent der »Bömbchen« sind so eingestellt, dass sie als heimtückische Minen liegen bleiben, die bei der geringsten Erschütterung des Bodens, wenn z. B. jemand vorbeiläuft, explodieren. Das Resultat ist laut Marc Garlasco, Militärexperte der US-Menschenrechtsorganisation »Human Rights Watch«, »ein Minenfeld in den Dörfern«, denn die unscheinbaren »Bömbchen« sind inmitten der Trümmer nur schwer zu entdecken, und dann ist es meist auch schon zu spät. »Wir haben hier einen Notstand«, erklärte Dalya Farran vom UNO-Minen-Koordinationszentrum in Südlibanon der internationalen Presse am Wochenende die Lage. Da der Einsatz der geächteten Streubomben gegen libanesische Dörfer in der arabischen Welt für besondere Empörung gesorgt hat, versucht sich das US-Außenministerium inzwischen von diesem israelischen Kriegsverbrechen zu distanzieren. Laut Sprecher des Ministerium, Gonzalo Gallegos, prüft Washington derzeit, ob Israel gegen ein geheimes israelisch-amerikanisches Abkommen über die Einsatzbedingungen der von den USA gelieferten Streubomben verstoßen hat. Bereits nach der israelischen 1982er Invasion Libanons hatte eine Untersuchungskommission des US-Kongresses festgestellt, dass Israel entgegen der Abmachungen mit den USA Streubomben gegen bewohnte Gebiete eingesetzt hatte. Damals verhängte die Reagan-Administration einen sechs Jahre langen Exportstopp von Clusterbomben nach Israel. Unter der derzeitigen Bush-Administration hat Israel wegen seines Streubombeneinsatzes jedoch nichts zu befürchten, denn die neuerliche Untersuchung soll lediglich als humanitärer Fassadenputz für Washington dienen. Ein ernstes Nachspiel für Israel wird laut »New York Times« vom letzten Freitag ausgeschlossen. Mit der Untersuchung gegen Israel sei lediglich beabsichtigt, »der Bush-Administration zu helfen, die Kritik der arabischen Regierungen und Kommentatoren über die US-Kriegsunterstützung für Israel zu mindern«. Das aber dürfte selbst den US-Marionetten in den Regierungen Saudi-Arabiens, Jordaniens und Ägyptens schwer fallen, denn im jüngsten Libanon-Krieg haben sich die USA derart eindeutig hinter Israel gestellt, dass im gesamten arabischen Raum ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Umfragen zufolge sind dort säkulare, traditionell westlich orientierte Bevölkerungsgruppen, die in religiösen Fundamentalisten ihre Erzfeinde sahen, über Nacht zu Bewunderern der libanesischen Hisbollah und ihres Chefs, Hassan Nasrallah, geworden. http://www.nd-online.de |