https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/....778_fpx43.94_fpy49.86.webp In Kanada brachten Rettungskräfte Tausende Menschen in Sicherheit. Von der Luftverschmutzung aber sind mehr als hundert Millionen Menschen in den USA betroffen – die US-Umweltbehörde EPA rief die Warnstufe Orange für die betroffenen Gebiete aus. New Yorks Skyline sieht aus wie Los Angeles im Film »Blade runner«, die Freiheitsstatue steht in gelbem Nebel, Flüge wurden gestrichen, Sportveranstaltungen abgesagt. Viele Menschen setzen wieder Schutzmasken auf. Doch woran liegt es, dass wir uns erst dann so richtig für die Brände interessieren, wenn sie eine Stadt erreichen, die fast jeder kennt? Warum tangiert es uns viel weniger, wenn es brennt, wo kaum Zivilisation ist?
Eine Frage, die sich auch mein Kollege, der frühere Peking- und heutige New-York-Korrespondent Bernhard Zand stellt, der zurzeit daheim in Österreich ist. Womöglich, weil die Auswirkungen viel direkter zu spüren sind als in der fernen Prärie. Bernhard rief heute seine alte Luftqualitäts-App auf: Der sogenannte PM2,5-Wert misst die Konzentration der besonders gefährlichen, bis in die feinsten Lungenkapillaren eindringenden Luftpartikel; er beträgt in New York derzeit 189. Das ist das etwa Achtfache des Grenzwerts, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für vertretbar hält. Gestern lag der Wert noch bei 409.
Als Bernhard im Winter 2013 in Peking lebte, betrug die Zahl dort einmal 845 und überschritt den WHO-Wert um fast das 35-fache. »Ein Wert von 189 galt auch damals in Peking als schlecht«, so Bernhard, »aber es gab Leute, die gingen unter 200 noch joggen.« Anders als aktuell in New York war die schlechte Luft in China nicht Folge aktueller Waldbrände, sondern kam aus den Schloten von Fabriken und Zementwerken. Inzwischen ist die Feinstaubbelastung in Chinas Hauptstadt deutlich zurückgegangen.
Dass die langfristigen Belastungen des Klimawandels zurückgehen, ist dagegen kaum zu erwarten |