Legal & General Group plc ist für mich zum Stand Mitte April 2026 vor allem ein Ertrags- und Kapitalrückführungswert mit Restrukturierungsstory, nicht aber ein echter Qualitätswachstumswert. Das Unternehmen sitzt an der Schnittstelle aus Institutional Retirement, Asset Management und Retail-Altersvorsorge/Versicherung. Die Aktie stand zuletzt bei rund 259,5 Pence, die Marktkapitalisierung bei etwa 14,7 Milliarden Pfund. Das ist groß genug für Stabilität, aber der Markt behandelt L&G aktuell nicht wie einen Wachstumschampion, sondern wie einen ordentlich verdienenden, bilanziell komplexen Finanzwert, dessen neue Strategie sich erst noch dauerhaft beweisen muss. (Reuters) Operativ waren die 2025er Zahlen solide. L&G meldete einen Core Operating Profit von 1,623 Milliarden Pfund, plus 6 Prozent, und ein Core Operating EPS von 20,93 Pence, plus 9 Prozent. Die IFRS-Vorsteuergewinne lagen bei 807 Millionen Pfund. Die Dividende wurde auf 21,79 Pence je Aktie erhöht, gleichzeitig startete der Konzern einen 1,2-Milliarden-Pfund-Buyback. Im Geschäft selbst bleibt Institutional Retirement das Schwergewicht: 11,8 Milliarden Pfund Global PRT-Neugeschäft, davon 10,4 Milliarden im UK, brachten dort 1,168 Milliarden Pfund operativen Gewinn. Das Asset Management steuerte 402 Millionen Pfund operativen Gewinn bei, verwaltete 1,197 Billionen Pfund und baute Private Markets auf 75 Milliarden Pfund aus. Retail kam auf 447 Millionen Pfund operativen Gewinn, 1,8 Milliarden Pfund Retail-Annuity-Volumen sowie 114 Milliarden Pfund Workplace-DC-AUA bei 6,2 Milliarden Pfund Nettozuflüssen. Das ist kein schwaches Bild. (Legal & General Group) Der springende Punkt bei L&G ist aber nicht das hübscheste Gewinnmaß, sondern Solvenz, Kapitalgenerierung und Aktivaseite. Die Solvency-II-Operational-Surplus-Generation lag 2025 bei 1,53 Milliarden Pfund. Der Konzern hob eine pro-forma Solvency-II-Quote von 210 Prozent hervor; in der detaillierten Kapitalnote steht für das Jahresende 2025 eine Quote von 203 Prozent nach 232 Prozent im Vorjahr. Genau dieser Rückgang war ein Hauptgrund dafür, dass die Aktie nach den Jahreszahlen zunächst rund 6 Prozent verlor. Positiv ist die Qualität des Kreditbuchs: Laut Unternehmen ist das Portfolio zu mehr als 99 Prozent Investment Grade. Im SFCR zeigt sich außerdem, dass selbst ein 15-prozentiger Rückgang der Immobilienmärkte die Gruppen-Solvabilität um 14 Punkte und ein 25-prozentiger Aktienrückgang um 5 Punkte belasten würde. Das ist unangenehm, aber nicht existenzbedrohend. Strategisch ist der Case sauber formuliert. Seit dem Kapitalmarkttag 2024 will L&G einfacher, fokussierter und kapitalleichter werden. Die offiziellen Ziele lauten: 6 bis 9 Prozent Core-EPS-CAGR von 2024 bis 2027, 5 bis 6 Milliarden Pfund kumulative Solvency-II-Operational-Surplus-Generation über 2025 bis 2027, 50 bis 65 Milliarden Pfund UK-PRT-Volumen bis Ende 2028, 85 Milliarden Pfund Private-Markets-AUM bis 2028 und 40 bis 50 Milliarden Pfund kumulative Workplace-DC-Nettozuflüsse von 2024 bis 2028. Nach den 2025er Zahlen sieht das nicht nach Entgleisung aus, sondern nach ordentlichem Fortschritt. Dazu passt auch der offizielle Analystenkonsens auf der L&G-Website: Für 2026 werden 1,782 Milliarden Pfund Core Operating Profit, 24,24 Pence Core Operating EPS, 22,22 Pence Dividende und 1,572 Milliarden Pfund Solvency-II-OSG erwartet; für 2027 liegen die entsprechenden Konsenswerte bei 1,914 Milliarden, 26,82 Pence, 22,67 Pence und 1,714 Milliarden. (Legal & General Group) Bewertungstechnisch wirkt die Aktie auf den ersten Blick seltsam teuer, weil Reuters ein laufendes KGV von rund 32,7 ausweist. Das ist hier aber irreführend, weil IFRS-Gewinn, Investment-Variance und Sondereffekte den Nenner verzerren. Sinnvoller ist die operative Betrachtung: Beim Kurs von rund 259,55 Pence liegt L&G auf Basis des 2025er Core Operating EPS von 20,93 Pence eher bei etwa 12,4x und auf Basis des offiziellen 2026er Konsenses von 24,24 Pence bei rund 10,7x. Gleichzeitig liegt die Rendite bei etwa 8,4 Prozent auf Basis der 2025er Dividende und etwa 8,6 Prozent auf Basis der 2026er Konsensdividende. Das ist genau der Punkt: Die Aktie ist nicht teuer, weil der Markt Großes erwartet, sondern günstig bis moderat bewertet, weil der Markt dem Wachstum, der Kapitalqualität und dem UK-Exposure nicht voll traut. (Reuters) Entsprechend vorsichtig bleibt auch der Analystenmarkt. MarketScreener zeigt für 15 Analysten im Schnitt ein HOLD, ein durchschnittliches Kursziel von 265,7 Pence, ein Hoch von 340 Pence und ein Tief von 210 Pence. Meine Einschätzung liegt leicht darüber, aber nicht dramatisch. Ich sehe für die nächsten 12 Monate einen fairen Korridor von 270 bis 300 Pence, mit einem Basisszenario von 285 Pence, einem Bull Case von 330 Pence und einem Bear Case von 220 Pence. Das Basisszenario unterstellt, dass L&G 2026 ungefähr im Rahmen des offiziellen Konsenses liefert und der Markt bereit ist, auf das 2026er Core Operating EPS etwa 11,5- bis 12,5-fach zu zahlen. Der Bear Case ist schlicht der Fall, dass die Aktie eine billige UK-Finanzwette mit hoher Ausschüttung bleibt. Der Bull Case braucht mehr: sichtbare Fortschritte im Asset-Management-Turnaround, mehr Vertrauen in Retail und weniger Skepsis gegenüber der Solvenz- und PRT-Story. (MarketScreener) Über 5 bis 15 Jahre finde ich L&G klar interessanter als auf Sicht von nur zwölf Monaten. Die strukturellen Treiber sind real: immer mehr Pensionsrisiken wandern von Unternehmen zu Versicherern, der Bedarf an lebenslangem Ruhestandseinkommen wächst, Workplace-DC und Decumulation wachsen, und L&G hat echte Synergien zwischen Institutional Retirement, Asset Management und Retail. Besonders wichtig: Im bestehenden UK-Annuity-Backbook steckt laut Unternehmen bereits projizierte künftige Solvency-II-Überschussgenerierung von rund 11 Milliarden Pfund, und zwar ohne künftiges Neugeschäft. Das gibt dem Case Substanz. Aber man darf sich nichts vormachen: Das ist kein sauberer Compounder, sondern ein regulierter, kapitalintensiver und bilanziell komplizierter Finanzwert mit spürbarer UK-, Zins-, Spread- und Immobilienmarkt-Sensitivität. Mein Urteil ist deshalb klar: Die Aktie ist auf dem aktuellen Niveau attraktiv bis moderat attraktiv für einen ertragsorientierten Anleger, aber primär als Einkommens- und Total-Return-Wert. Wer hier kauft, kauft Dividende, Buybacks, Marktführerschaft im PRT und die Chance auf einen langsam wachsenden Vertrauensaufbau in die neue Strategie. Wer eine Wachstumsrakete sucht, ist hier falsch. (Legal & General Group)
Autor: ChatGPT |