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Anleihemärkte im Fokus: Zinsspekulationen und geopolitische Risiken nehmen zu
21.02.25 16:40
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - In Deutschland finden diesen Sonntag die vorgezogenen Bundestagswahlen statt, deren Relevanz weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinausreichen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Umfragen zufolge werde die CDU/CSU (Union) die stärkste politische Kraft in Deutschland werden. Zum Regieren sei jedoch mindestens ein Koalitionspartner notwendig. Kleinere Parteien (FDP, BSW, Linke) könnten für die Bildung einer Mehrheit eine wichtige Rolle spielen. Erreichten mindestens zwei kleinere Parteien die 5%-Hürde, welche für den Einzug in den Bundestag notwendig sei, könnten sich die Koalitionsverhandlungen schwieriger gestalten als erwartet. In diesem Fall würde eine mögliche Koalition aus Union und SPD, welche als wahrscheinlichstes Szenario angesehen werde, zusammen wohl nicht auf eine Mehrheit (>50%) im Bundestag kommen. Ein weiterer Koalitionspartner oder eine Minderheitsregierung könnte die Folge sein. Allgemein würden sich dadurch Koalitionsgespräche in die Länge ziehen und die politische Unsicherheit länger anhalten. Eine Koalition mit der rechten AfD, der womöglich zweitstärksten Partei, habe der Spitzenkandidat der CDU, Merz, kategorisch ausgeschlossen.
Für den Anleihemarkt wären im Zuge der Koalitionsgespräche insbesondere mögliche höhere Bundesanleiheemissionen aufgrund eines aufzustockenden Verteidigungsetats bzw. einer Lockerung der Schuldenbremse zur Finanzierung staatlicher Investitionen von Relevanz. Auch die Union dürfte einer Reform der Schuldenbremse nicht mehr im Weg stehen. Neben den unübersehbaren Investitionserfordernissen würden dabei dauerhaft höhere Verteidigungsausgaben einen "gesichtswahrenden" Ausweg für CDU/CSU darstellen. Neben geopolitischen Themen werde eine neue Regierung die Adressierung der Wachstumsschwäche ganz oben auf der Agenda haben müssen. Die Herausforderungen seien bekanntlich groß - und größer als vor gut 20 Jahren, als Deutschland schon einmal "kranker Mann" Europas gewesen sei. Anders als damals würden sich abseits von Kostenproblemen grundsätzliche Fragen zur Zukunft industrieller Leitbranchen stellen. Eine Antwort darauf, wie die Transformationsherausforderungen der Industrie erfolgreich gemeistert werden könnten, stehe noch aus.
Die Ende dieser Woche veröffentlichten Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Eurozone hätten die von den Analysten erwartete Verringerung der Unterschiede zwischen Industrie- und Dienstleistungsbereich ausgewiesen - leider nicht ganz wie erhofft. Einerseits sei die klare Verbesserung der Stimmungslage im Industriesektor positiv zu vermerken. Allerdings lägen die Umfragewerte noch immer auf einem Niveau, das eine rückläufige Produktion signalisiere. Andererseits habe sich die Stimmung im Dienstleistungssektor eingetrübt, was vor allem auf das Ergebnis in Frankreich zurückzuführen sei. Auch nach dem Rückgang des Umfragewertes indiziere die Umfrage eine Zunahme der Geschäftstätigkeit der Dienstleister im Euroraum. In Summe, Industrie und Dienstleister, bleibe die Wirtschaftsdynamik laut diesen Umfragen schwach positiv.
Auch nächste Woche liege der Fokus in der Eurozone auf Stimmungsindikatoren. Die Sentiment-Indikatoren der EU-Kommission würden die Entwicklungen der PMI nachvollziehen: schwächere Werte für Dienstleister und eine Besserung im Industriebereich sowie insgesamt ein weitgehend unveränderter Wert für den Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft. In Deutschland werde der ifo-Index für den Monat Februar erscheinen. Hier würden sich die Analysten eine klare Zunahme bei der Komponente für die Zukunftserwartungen (von 84,2 auf 87 Punkte) erwarten, während die Einschätzung der aktuellen Lage sich nur marginal verbessert haben dürfte (von 86,1 auf 86,5 Punkte). Für den Geschäftsklimaindex würde dies einen Anstieg von 85,1 Punkten auf 86,7 Punkte implizieren, die Stimmungslage unter den befragten Unternehmen sollte sich in der Gesamtbetrachtung also abermals etwas aufgehellt haben.
Die Zinsmärkte hätten sich insbesondere in Europa von steigenden Renditen gezeigt. Die deutsche Bund-Rendite-Kurve habe sich versteilert, wobei zwei Faktoren für die Renditeanstiege zu erwähnen seien. Einerseits habe es Stimmen aus der EZB, in der Form von Direktoriums-Mitglied Schnabel, gegeben, die offen über eine Pause des Zinssenkungszyklus nachdenken würden. Andererseits würden sich mit der europakritischen Kehrtwende der US-Außen- und Sicherheitspolitik die Stimmen mehren, die europäischen Verteidigungs-Budgets deutlich auszuweiten, was zu angebotsseitigem Renditeaufwärtsdruck geführt habe.
Im Unterschied zu Europa seien die US-Zinsmärkte diese Woche stabil gewesen. Renditen hätten sich weitgehend seitwärts entwickelt, sowohl am kurzen als auch am langen Ende der US-Treasury-Kurve.
Trotz dieser ruhigeren Woche am US-Zinsmarkt hätten sich die Analysten dazu entschlossen, ihre US-Zinsprognosen den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Fakt sei, dass die US-Inflationsentwicklung zuletzt an Dynamik zugenommen habe. Selbst wenn die PCE-Inflation nächste Woche weniger dramatisch ausfallen werde als die VPI-Inflation von letzter Woche, sei klar, dass eine Zinssenkung auf der nächsten Zinssitzung Mitte März kein wahrscheinliches Szenario darstelle. Gehe man in einem nächsten Schritt davon aus, dass die Zoll- und Migrationspolitik Trumps zu Inflationsanstiegen führen werde, so würden den Analysten Zinssenkungen im gesamten Jahr 2025 als wenig wahrscheinlich erscheinen.
Die Analysten würden somit davon ausgehen, dass die Leitzinsen in den USA sich im Jahr 2025 nicht verändern würden. An den Zinsmärkten gehe man jedoch immer noch von Zinssenkungen im Ausmaß von 40 BP im Gesamtjahr aus. Sollte sich diese Erwartungshaltung nicht bestätigen, wovon die Analysten ausgehen würden, würden US-Treasury-Renditen von aktuellen Niveaus in den nächsten Wochen weiter zulegen. Anders ausgedrückt, der volatile Aufwärtstrend bleibe im ersten Halbjahr 2025 weiter erhalten. Die Analysten würden die 10-jährige US-Staatsanleiherendite zu Jahresmitte bei 4,8% prognostizieren. Zu Jahresende könnten Renditen erneut niedriger liegen, da sich die Analysten für 2026 - unter einem neuen Fed-Präsidenten - eine Wiederaufnahme des Zinssenkungszyklus erwarten würden. (21.02.2025/alc/a/a)
Umfragen zufolge werde die CDU/CSU (Union) die stärkste politische Kraft in Deutschland werden. Zum Regieren sei jedoch mindestens ein Koalitionspartner notwendig. Kleinere Parteien (FDP, BSW, Linke) könnten für die Bildung einer Mehrheit eine wichtige Rolle spielen. Erreichten mindestens zwei kleinere Parteien die 5%-Hürde, welche für den Einzug in den Bundestag notwendig sei, könnten sich die Koalitionsverhandlungen schwieriger gestalten als erwartet. In diesem Fall würde eine mögliche Koalition aus Union und SPD, welche als wahrscheinlichstes Szenario angesehen werde, zusammen wohl nicht auf eine Mehrheit (>50%) im Bundestag kommen. Ein weiterer Koalitionspartner oder eine Minderheitsregierung könnte die Folge sein. Allgemein würden sich dadurch Koalitionsgespräche in die Länge ziehen und die politische Unsicherheit länger anhalten. Eine Koalition mit der rechten AfD, der womöglich zweitstärksten Partei, habe der Spitzenkandidat der CDU, Merz, kategorisch ausgeschlossen.
Für den Anleihemarkt wären im Zuge der Koalitionsgespräche insbesondere mögliche höhere Bundesanleiheemissionen aufgrund eines aufzustockenden Verteidigungsetats bzw. einer Lockerung der Schuldenbremse zur Finanzierung staatlicher Investitionen von Relevanz. Auch die Union dürfte einer Reform der Schuldenbremse nicht mehr im Weg stehen. Neben den unübersehbaren Investitionserfordernissen würden dabei dauerhaft höhere Verteidigungsausgaben einen "gesichtswahrenden" Ausweg für CDU/CSU darstellen. Neben geopolitischen Themen werde eine neue Regierung die Adressierung der Wachstumsschwäche ganz oben auf der Agenda haben müssen. Die Herausforderungen seien bekanntlich groß - und größer als vor gut 20 Jahren, als Deutschland schon einmal "kranker Mann" Europas gewesen sei. Anders als damals würden sich abseits von Kostenproblemen grundsätzliche Fragen zur Zukunft industrieller Leitbranchen stellen. Eine Antwort darauf, wie die Transformationsherausforderungen der Industrie erfolgreich gemeistert werden könnten, stehe noch aus.
Die Ende dieser Woche veröffentlichten Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Eurozone hätten die von den Analysten erwartete Verringerung der Unterschiede zwischen Industrie- und Dienstleistungsbereich ausgewiesen - leider nicht ganz wie erhofft. Einerseits sei die klare Verbesserung der Stimmungslage im Industriesektor positiv zu vermerken. Allerdings lägen die Umfragewerte noch immer auf einem Niveau, das eine rückläufige Produktion signalisiere. Andererseits habe sich die Stimmung im Dienstleistungssektor eingetrübt, was vor allem auf das Ergebnis in Frankreich zurückzuführen sei. Auch nach dem Rückgang des Umfragewertes indiziere die Umfrage eine Zunahme der Geschäftstätigkeit der Dienstleister im Euroraum. In Summe, Industrie und Dienstleister, bleibe die Wirtschaftsdynamik laut diesen Umfragen schwach positiv.
Die Zinsmärkte hätten sich insbesondere in Europa von steigenden Renditen gezeigt. Die deutsche Bund-Rendite-Kurve habe sich versteilert, wobei zwei Faktoren für die Renditeanstiege zu erwähnen seien. Einerseits habe es Stimmen aus der EZB, in der Form von Direktoriums-Mitglied Schnabel, gegeben, die offen über eine Pause des Zinssenkungszyklus nachdenken würden. Andererseits würden sich mit der europakritischen Kehrtwende der US-Außen- und Sicherheitspolitik die Stimmen mehren, die europäischen Verteidigungs-Budgets deutlich auszuweiten, was zu angebotsseitigem Renditeaufwärtsdruck geführt habe.
Im Unterschied zu Europa seien die US-Zinsmärkte diese Woche stabil gewesen. Renditen hätten sich weitgehend seitwärts entwickelt, sowohl am kurzen als auch am langen Ende der US-Treasury-Kurve.
Trotz dieser ruhigeren Woche am US-Zinsmarkt hätten sich die Analysten dazu entschlossen, ihre US-Zinsprognosen den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Fakt sei, dass die US-Inflationsentwicklung zuletzt an Dynamik zugenommen habe. Selbst wenn die PCE-Inflation nächste Woche weniger dramatisch ausfallen werde als die VPI-Inflation von letzter Woche, sei klar, dass eine Zinssenkung auf der nächsten Zinssitzung Mitte März kein wahrscheinliches Szenario darstelle. Gehe man in einem nächsten Schritt davon aus, dass die Zoll- und Migrationspolitik Trumps zu Inflationsanstiegen führen werde, so würden den Analysten Zinssenkungen im gesamten Jahr 2025 als wenig wahrscheinlich erscheinen.
Die Analysten würden somit davon ausgehen, dass die Leitzinsen in den USA sich im Jahr 2025 nicht verändern würden. An den Zinsmärkten gehe man jedoch immer noch von Zinssenkungen im Ausmaß von 40 BP im Gesamtjahr aus. Sollte sich diese Erwartungshaltung nicht bestätigen, wovon die Analysten ausgehen würden, würden US-Treasury-Renditen von aktuellen Niveaus in den nächsten Wochen weiter zulegen. Anders ausgedrückt, der volatile Aufwärtstrend bleibe im ersten Halbjahr 2025 weiter erhalten. Die Analysten würden die 10-jährige US-Staatsanleiherendite zu Jahresmitte bei 4,8% prognostizieren. Zu Jahresende könnten Renditen erneut niedriger liegen, da sich die Analysten für 2026 - unter einem neuen Fed-Präsidenten - eine Wiederaufnahme des Zinssenkungszyklus erwarten würden. (21.02.2025/alc/a/a)


