Anleihemarkt: Investoren legen Geld drauf


10.04.15 16:55
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz feiertagsbedingt kurzer Woche läuft das Bond-Geschäft rund, so die Deutsche Börse AG.

Neue Staats- und Unternehmensanleihen etwa von Großkonzernen wie BMW und VW seien laut Arthur Brunner von der ICF Bank bei Anlegern gut angekommen. Als Novum im zehnjährigen Bereich habe die Schweiz erfolgreich Bonds mit einer Minusrendite von 0,055 Prozent platziert. Käufer dieser Papiere würden somit weniger Geld zurückbekommen, als sie eingezahlt hätten. Vor gut einem Jahr hätten zehnjährige Staatsanleihen aus der Schweiz noch 1 Prozent Rendite abgeworfen.

Nicht nur die Schweizer Regierung verdiene damit beim Schuldenmachen. Bei Anleihen mit kürzeren Laufzeiten aus Deutschland, Dänemark oder Österreich seien ebenfalls mit Anlegergebühren behaftet. Anleger würden sich davon offenbar nicht abschrecken lassen. Die jüngste Auktion zweijähriger Bundesschatzanweisungen der deutschen Regierung sei in dieser Woche trotz rekordniedriger Rendite von -0,28 Prozent auf lebhaftes Interesse gestoßen. Insgesamt würden sich laut einer Studie der britischen RBS Bank bei knapp zwei Dritteln aller europäischen Staatspapiere die Renditen im negativen Bereich bewegen.

Zehnjährige Bundesanleihen würden laut Händler weiterhin geschätzt. Der Euro-Bund-Future habe im Wochenverlauf an der Marke von 160 Prozent gekratzt. "Die Renditen erreichten so ein Tief von 0,14 Prozent", berechne Brunner. Damit zeige sich das hiesige Rentenbarometer aus technischer Perspektive äußerst stressresistent, wie die Analysten der HSBC berichten würden.

"Vor dem Hintergrund des weiterhin intakten Abwärtstrends bei zehnjährigen Renditen stehen die Chancen auf neue Allzeithochs gut." Auf dem Weg dorthin gelte es, das Hoch von 159,54 Prozent vom 30. Januar zu überwinden, wobei im Erfolgsfall ein zügiger Durchmarsch zum bisherigen Hochstand vom 26. Februar winke. Kurzfristig gebe es von den Indikatoren Rückenwind. Für die längerfristige Reise seien die Weichen noch nicht gestellt. "Diese scheint bei der Stochastik aber kurz bevorzustehen."

Nach der fristgerechten Begleichung eines IWF-Kredites in Höhe von 450 Millionen Euro, finanziert über die Emission sechsmonatiger T-Bills in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, bleibe die Luft für die griechische Regierung dünn. "Die Griechen haben damit nur einen Deckel von vielen bezahlt", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Noch in diesem Monat stünden weitere rund 2,4 Milliarden Euro an auslaufenden Kurzfrist-Krediten zur Rückzahlung an, dicht gefolgt von Ablösungen am 1. und 12. Mai.

Der Besuch von Tsipras in Russland habe nach Einschätzung von Folker Hellmeyer hinsichtlich der finanziellen Situation Athens wenig gebracht. Vladimir Putin sei wohl bewusst, dass die Halbwertzeit der aktuellen griechischen Regierung recht kurz ausfallen könnte. "Dafür politisches Porzellan zu zerschlagen, ist offensichtlich nicht die Sache Moskaus", meine der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, der das Risiko einer Staatspleite Griechenlands mit 50 Prozent beziffere. In den jüngsten Äußerungen der griechischen Regierung erkenne Hellmeyer gar einen zarten Realitätssinn. Finanzminister Varoufakis wolle das Privatisierungsprogramm nun wieder anfahren.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um das griechische Drama seien die Renditen griechischer Anleihen auf breiter Front zurückgegangen, wie Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank beobachte. Beispielsweise habe sich laut Brunner ein Wert (ISIN GR0110029312 / WKN A1ZL72) mit Fälligkeit im Jahr 2017 und einem Kupon von 3,375 Prozent eine leichte Stabilisierung erholt. Innerhalb einer Woche habe sich die Anleihe von 67,05 auf 70,05 Prozent berappelt und komme derzeit auf eine Rendite von knapp 20 Prozent.

Nach einer kleineren Durststrecke sei auch der Handel mit Mittelstands-Anleihen wieder in Fahrt gekommen. "Das Ausbleiben schlechter Nachrichten hat die Nachfrage auf beiden Seiten angetrieben", meine Brunner. Bei drei Neuemissionen der BMW US Capital mit Laufzeiten bis 2018 (ISIN nicht bekannt/ WKN A1ZZ00), 2022 (ISIN nicht bekannt/ WKN A1ZZ01) und 2027 (ISIN nicht bekannt/ WKN A1ZZ02) hätten Anleger beherzt zugegriffen. Insgesamt habe der Autobauer damit 2,5 Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt eingesammelt.

Eine neue Hybridanleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von VW habe ebenfalls ausreichend Abnehmer gefunden. "Bei Emittenten ist diese Gattung beliebt, weil die Hälfte des Volumens der meist sehr langlaufenden Papiere zum Eigenkapital gezählt werden darf." Anleger würden die Nachteile im derzeitigen Zinsumfeld gern ausblenden. Zum einen könne die Nachrangigkeit der meisten Hybridanleihen bei finanziellen Schwierigkeiten des Emittenten teuer werden, zudem könnten Zinsänderungen zu Kursverlusten führen.

Schellmann berichte von bemerkenswerten Umsätzen in zwei Hybridanleihen von Henkel und der Deutschen Bank. "Hier wurden beide Richtungen gehandelt."

Nach einer Gewinnwarnung von Südzucker sei es mit einer Hybridanleihe des größten europäischen Zuckerproduzenten (ISIN XS0222524372 / WKN A0E6FU) bergab gegangen, wie Schellmann berichte. Der Kurs der Anleihe habe von 92 auf teilweise unter 88 Prozent verloren, nachdem die im MDAX notierte Südzucker-Aktie um bis zu 13 Prozent abgesackt sei. Dem Marktführer für Rübenzucker hätten die sinkenden Zuckerpreise zu schaffen gemacht, die von einer Überproduktion in Europa und höheren Zuckerimporten aus Entwicklungsländern hergerührt hätten.

Auf reges Interesse sei ein neuer Stada-Bond mit einem jährlichen Zins von 1,75 Prozent und einer Laufzeit bis 2022 gestoßen, wie Daniel registriere. Derzeit notiere die Anleihe des Arzneimittelherstellers um 100 Prozent. Ebenso wäre eine AXA-Anleihe ohne einen für Daniel ersichtlichen Grund wieder besonders häufig gefragt.

Bonds in fremder Währung seien Schellmann zufolge weiterhin gesucht. Rege gekauft würde beispielsweise eine Anleihe (ISIN XS1212617663 / WKN A14J6Z) der Daimler AG in Neuseeland-Dollar. Auch Wertpapiere in US-Dollar stünden hoch im Kurs. Ein Bond (ISIN US38148LAC00 / WKN A1ZVC3) von Goldman Sachs habe dem Händler zufolge zu den Favoriten der Anleger gehört. (10.04.2015/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
125,1945 € 125,2722 € -0,0777 € -0,06% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel