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Anleihemarkt: Noch keine Entspannung
15.06.15 09:33
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Hängepartie um Griechenland geht weiter, so die Deutsche Börse AG.
"Die Märkte spielen verrückt", schildere Daniel Förtsch von der Hellwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage. Mit dem "Hü und Hott" bei den Verhandlungen mit Athen fehle Anlegern die Orientierung. "Die 'griechische Tragödie' ähnelt inzwischen einer Seifenoper, die niemals zu enden scheint", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge seien aufgrund der prekären Lage Unsicherheit und Nervosität die ständigen Begleiter der Märkte. "Das hat eine extreme Volatilität zur Folge."
Am gestrigen Donnerstag hätten die Euro-Länder und der IWF ihren Druck auf Griechenland verstärkt, der IWF habe seine Unterhändler vorerst abberufen. Laut "Bild"-Zeitung bereite sich Berlin auf eine Staatspleite vor.
Trotz der Ausschläge: Von der Tendenz her habe sich der Zinsanstieg diese Woche fortgesetzt. So sei die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit September 2014 wieder über die Marke von 1 Prozent geklettert, am Freitagmittag seien es allerdings wieder nur 0,85 Prozent. Der Euro-Bund-Future sei zwischenzeitlich auf 148,23 Prozent gefallen - nach über 160 Prozent im April, aktuell seien es wieder 150,48 Prozent.
Befeuert worden sei der Zinsanstieg durch erfreuliche Wirtschaftsdaten aus den USA und der Eurozone, wie die HSH Nordbank berichte: "In der Eurozone nehmen die Deflationssorgen immer mehr ab, vor allem wegen stärkerer Inflationserwartungen und verbesserter Konjunkturaussichten."
In den USA gebe es nach den guten Arbeitsmarktdaten jetzt kaum noch Zweifel an dem sich beschleunigenden Wachstum. "Deshalb ist es unserer Meinung nach wahrscheinlich, dass FED-Chefin Janet Yellen auf der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung am kommenden Mittwoch den Zinsschritt verbal vorbereitet." Mit der ersten Leitzinserhöhung seit 2006 rechne die Bank dann im September. Allerdings gehe sie davon aus, dass sich die starken Schwankungen an den Rentenmärkten fortsetzen würden.
"Auch dass PIMCO am Dienstag bekannt gegeben hat, in Erwartung einer Zinserhöhung in den USA im September den Rentenanteil von 23 auf 9 Prozent zurückgefahren zu haben, hat reingehauen", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Aktivitäten der großen Fondsgesellschaft, Tochter der Allianz, würden am Markt stets höchste Aufmerksamkeit erfahren.
Die Umsätze seien allerdings derzeit eher niedrig. "Das liegt zum einen an der Zitterpartie um Griechenland, zum anderen aber auch an der nicht vorhandenen Liquidität." Den scharfen Renditeanstieg halte Brunner für eine gesunde Korrektur. "Da schließe ich mich Bundesbankpräsident Weidmann an." Der habe jüngst geäußert, die Kapriolen an den Finanzmärkten und insbesondere den starken Anstieg der Renditen auf Euro-Staatsanleihen mit Gelassenheit zu sehen.
Unternehmensanleihen würden nicht unberührt von den Turbulenzen bleiben. "Insgesamt ist der Handel nervös, bei manchen Papieren fallen die Preise scheinbar grundlos", berichte Tillmann.
Trotz Krisenstimmung: Der Markt für Mittelstandsanleihen präsentiere sich stabil. "Hier hat sich die Streu vom Weizen getrennt", finde Brunner. "In den vergangenen Wochen sind - mit Ausnahme von Singulus - die negativen Nachrichten ausgeblieben."
Die Begebung neuer Anleihen für vorzeitig gekündigte wie etwa im Fall der Brauerei Jacob Stauder verlaufe geräuschlos. Das neue Papier mit Kupon von 6,5 Prozent sei im Juni 2022 fällig und notiere aktuell bei 102,5 Prozent, der ersetzte Bond habe noch 7,5 Prozent geboten. "Anleger ignorieren die vorzeitige Kündigungsmöglichkeit oft", bemerke Brunner. Auch die beliebte Karlsberg-Anleihe, die bei 106,9 Prozent notiere, könne im September gekündigt werden.
Verursacht durch den Renditeanstieg würden sich viele Unternehmen verhalten und abwartend bezüglich Neuemissionen zeigen, wie Stopp feststelle. "Alle großen Unternehmen haben sich schon eingedeckt", erkläre Brunner. "Wer das nicht gemacht hat, hat den richtigen Zeitpunkt verpasst."
Am Dienstag dieser Woche sei erstmals eine dreißigjährige inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030575 / WKN 103057) der Bundesrepublik Deutschland begeben worden, auf die Stopp hinweise. "Die Nachfrage überstieg das Angebot um mehr als das Doppelte."
Tillmann berichte von diversen neuen US-Dollar-Anleihen, etwa einem Papier des US-amerikanischen Energieversorgers Exelon mit Laufzeit bis 2025 und Kupon von 3,95 Prozent (ISIN US30161NAJ00 / WKN A1Z200) sowie bis 2045 und 5,1 Prozent (ISIN US30161NAL55 / WKN A1Z23K), der Inter-American Development Bank IADB mit 1,875 Prozent bis 2020 (ISIN US4581X0CP19 / WKN A1Z23U) sowie drei Papieren des Tabakkonzerns Reynolds, einmal mit Kupon von 3,25 Prozent und Laufzeit bis 2020 (ISIN US761713BE57 / WKN A1Z232), dann mit 5,7 Prozent bis 2035 (ISIN US761713BA36 / WKN A1Z23Z) und zuletzt 5,85 Prozent bis 2045 (ISIN US761713BB19 / WKN A1Z230). Die Stückelung liege bei 1.000 und 2.000 US-Dollar. (Ausgabe vom 12.06.2015) (15.06.2015/alc/a/a)
"Die Märkte spielen verrückt", schildere Daniel Förtsch von der Hellwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage. Mit dem "Hü und Hott" bei den Verhandlungen mit Athen fehle Anlegern die Orientierung. "Die 'griechische Tragödie' ähnelt inzwischen einer Seifenoper, die niemals zu enden scheint", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge seien aufgrund der prekären Lage Unsicherheit und Nervosität die ständigen Begleiter der Märkte. "Das hat eine extreme Volatilität zur Folge."
Am gestrigen Donnerstag hätten die Euro-Länder und der IWF ihren Druck auf Griechenland verstärkt, der IWF habe seine Unterhändler vorerst abberufen. Laut "Bild"-Zeitung bereite sich Berlin auf eine Staatspleite vor.
Trotz der Ausschläge: Von der Tendenz her habe sich der Zinsanstieg diese Woche fortgesetzt. So sei die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit September 2014 wieder über die Marke von 1 Prozent geklettert, am Freitagmittag seien es allerdings wieder nur 0,85 Prozent. Der Euro-Bund-Future sei zwischenzeitlich auf 148,23 Prozent gefallen - nach über 160 Prozent im April, aktuell seien es wieder 150,48 Prozent.
Befeuert worden sei der Zinsanstieg durch erfreuliche Wirtschaftsdaten aus den USA und der Eurozone, wie die HSH Nordbank berichte: "In der Eurozone nehmen die Deflationssorgen immer mehr ab, vor allem wegen stärkerer Inflationserwartungen und verbesserter Konjunkturaussichten."
In den USA gebe es nach den guten Arbeitsmarktdaten jetzt kaum noch Zweifel an dem sich beschleunigenden Wachstum. "Deshalb ist es unserer Meinung nach wahrscheinlich, dass FED-Chefin Janet Yellen auf der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung am kommenden Mittwoch den Zinsschritt verbal vorbereitet." Mit der ersten Leitzinserhöhung seit 2006 rechne die Bank dann im September. Allerdings gehe sie davon aus, dass sich die starken Schwankungen an den Rentenmärkten fortsetzen würden.
Die Umsätze seien allerdings derzeit eher niedrig. "Das liegt zum einen an der Zitterpartie um Griechenland, zum anderen aber auch an der nicht vorhandenen Liquidität." Den scharfen Renditeanstieg halte Brunner für eine gesunde Korrektur. "Da schließe ich mich Bundesbankpräsident Weidmann an." Der habe jüngst geäußert, die Kapriolen an den Finanzmärkten und insbesondere den starken Anstieg der Renditen auf Euro-Staatsanleihen mit Gelassenheit zu sehen.
Unternehmensanleihen würden nicht unberührt von den Turbulenzen bleiben. "Insgesamt ist der Handel nervös, bei manchen Papieren fallen die Preise scheinbar grundlos", berichte Tillmann.
Trotz Krisenstimmung: Der Markt für Mittelstandsanleihen präsentiere sich stabil. "Hier hat sich die Streu vom Weizen getrennt", finde Brunner. "In den vergangenen Wochen sind - mit Ausnahme von Singulus - die negativen Nachrichten ausgeblieben."
Die Begebung neuer Anleihen für vorzeitig gekündigte wie etwa im Fall der Brauerei Jacob Stauder verlaufe geräuschlos. Das neue Papier mit Kupon von 6,5 Prozent sei im Juni 2022 fällig und notiere aktuell bei 102,5 Prozent, der ersetzte Bond habe noch 7,5 Prozent geboten. "Anleger ignorieren die vorzeitige Kündigungsmöglichkeit oft", bemerke Brunner. Auch die beliebte Karlsberg-Anleihe, die bei 106,9 Prozent notiere, könne im September gekündigt werden.
Verursacht durch den Renditeanstieg würden sich viele Unternehmen verhalten und abwartend bezüglich Neuemissionen zeigen, wie Stopp feststelle. "Alle großen Unternehmen haben sich schon eingedeckt", erkläre Brunner. "Wer das nicht gemacht hat, hat den richtigen Zeitpunkt verpasst."
Am Dienstag dieser Woche sei erstmals eine dreißigjährige inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030575 / WKN 103057) der Bundesrepublik Deutschland begeben worden, auf die Stopp hinweise. "Die Nachfrage überstieg das Angebot um mehr als das Doppelte."
Tillmann berichte von diversen neuen US-Dollar-Anleihen, etwa einem Papier des US-amerikanischen Energieversorgers Exelon mit Laufzeit bis 2025 und Kupon von 3,95 Prozent (ISIN US30161NAJ00 / WKN A1Z200) sowie bis 2045 und 5,1 Prozent (ISIN US30161NAL55 / WKN A1Z23K), der Inter-American Development Bank IADB mit 1,875 Prozent bis 2020 (ISIN US4581X0CP19 / WKN A1Z23U) sowie drei Papieren des Tabakkonzerns Reynolds, einmal mit Kupon von 3,25 Prozent und Laufzeit bis 2020 (ISIN US761713BE57 / WKN A1Z232), dann mit 5,7 Prozent bis 2035 (ISIN US761713BA36 / WKN A1Z23Z) und zuletzt 5,85 Prozent bis 2045 (ISIN US761713BB19 / WKN A1Z230). Die Stückelung liege bei 1.000 und 2.000 US-Dollar. (Ausgabe vom 12.06.2015) (15.06.2015/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,4415 € | 125,1945 € | 0,2471 € | +0,20% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




