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Anleihemarkt: Volatilität steigt
13.09.13 16:43
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Spezialisten aus dem Frankfurter Handel berichten, dass nachdem ein Militärschlag gegen Syrien erst einmal vom Tisch zu sein scheint, bestimmen wieder die alten Themen das Geschehen am Anleihemarkt: Konjunkturdaten, Wahlen und der geldpolitische Kurs der US-Notenbank stehen klar im Fokus, so die Deutsche Börse AG.
"Mit den fast täglich neuen Meldungen zu Syrien und den teils überraschenden Konjunkturmeldungen der Woche sind aber auch die Volatilität und die Umsätze gestiegen", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler.
Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank bestätige: "Zu Wochenbeginn traten die Kurse von den als sicherer Hafen geltenden Bundesanleihen lustlos auf der Stelle, mit leicht schwächerer Tendenz. Aufgrund steigender Risikobereitschaft der Anleger angesichts einer eventuellen politischen Lösung im Syrienkonflikt und guter Konjunkturdaten aus China nahmen die Kursverluste am Dienstag zu. Seit der Wochenmitte hat die Richtung aber wieder leicht gedreht."
In den vergangenen Wochen seien die Renditen für Bundesanleihen auf dem Sekundärmarkt stetig gestiegen. Im Juli habe die Rendite der zehnjährigen Papiere noch bei rund 1,5 Prozent gelegen, aktuell seien es 2,01 Prozent. "In dieser Woche musste Deutschland bei einer Auktion zehnjähriger Papiere auch am Primärmarkt erstmals seit zwei Jahren wieder Zinsen von mehr als 2 Prozent in Kauf nehmen", ergänze Brunner. Der Euro-Bund-Future, der als Indikator für langfristige Zinserwartungen gelte, notiere aktuell bei 137,56, nach 138,7 vor einer Woche.
Unter den Ländern der Europeripherie falle derzeit vor allem das hochverschuldete Italien durch Zinssteigerungen auf. "Die ständige politische Unsicherheit und das Gezerre um Berlusconi, das sogar ein Auseinanderbrechen der Regierungskoalition mit sich ziehen könnte, muss das Land den Investoren bezahlen", kommentiere Brunner und weise darauf hin, dass Italien im zehnjährigen Bereich in dieser Woche zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder höhere Zinsen habe hinnehmen müssen als das Nachbarland Spanien. "Zu den politischen Unwägbarkeiten gesellten sich dann auch noch schlechter als erwartet ausgefallene Zahlen zur italienischen Industrieproduktion. Außerdem will sich die Regierung für dieses Jahr noch 18 Milliarden Euro neue Schulden vom Parlament genehmigen lassen. Wenn die Zinsen weiter steigen, wird es dann schon wieder schwieriger für das Land."
Das Thema der kommenden Woche dürfte aus Sicht der Händler die Sitzung der US-Notenbank und die Sorge vor einer Abkehr ihrer zuletzt ultralockeren Geldpolitik werden. "Allerdings geht mittlerweile kaum noch jemand davon aus, dass die FED jetzt schon eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe beschließen wird. Der Konsens scheint den erwarteten Beginn des so genannten "Taperings" auf Ende des Jahres verschoben zu haben", beobachte Brunner.
Cyrus de la Rubia und Stefan Gäde von der HSH Nordbank würden den Grund dafür vor allem in den zuletzt schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten sehen. "Auch die Unsicherheit über Syrien hat hier sicherlich eine Rolle gespielt", würden die Analysten erklären.
Im Segment der Unternehmensanleihen beobachte Brunner rege Nachfrage nach der neuen Anleihe des US-Telekommunikationskonzerns Verizon. "Mit einem Volumen von 49 Milliarden US-Dollar hat Verizon die größte Unternehmensanleihe an den Markt gebracht, die es je gegeben hat", wisse der Händler und spreche von einer enormen Nachfrage der Investoren, vor allem in den langlaufenden Tranchen. "Offenbar sehen institutionelle Anleger wie etwa Pensionskassen die Anleihe als Alternative zu Staatsanleihen", ergänze Brunner.
Gut aufgenommen worden sei laut ICF Kursmakler auch eine neue Continental-Anleihe (ISIN XS0972719412 / WKN A1VC6B) mit einer Laufzeit bis 2017. "Wie schon die in der Vorwoche ausgegebenen Papiere mit Laufzeit bis 2020 ist auch diese Anleihe gegangen wie geschnittenes Brot", schmunzle der Händler und ergänze: "Nachdem die Bonität von Conti zuletzt wieder auf Investment Grade hochgesetzt wurde, kann sich der Automobilzulieferer deutlich günstiger finanzieren und hat deswegen auch zwei ältere Anleihen gekündigt. Der Kupon der neuen Anleihen liegt bei rund 3 Prozent, verglichen mit 6 bis 7 Prozent bei den älteren Schuldscheinen."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft beobachte im Zuge der Neuemissionen von Conti zudem erhöhte Umsätze in einer bis 2018 laufenden Anleihe (ISIN XS0953199634 / WKN A1X24V) des Unternehmens. "Das Papier, das mit einem Kupon von 3 Prozent ausgestattet ist, kam zuletzt unter Druck, dann haben Anleger das erniedrigte Kursniveau aber wieder zu Käufen genutzt", berichte der Spezialist.
Einiges Aufsehen habe in dieser Woche, wie Hellwig beobachte, der Insolvenzantrag des Windpark-Entwicklers Windreich erregt. "Nach Auskunft des inzwischen abgetretenen Firmenchefs Willi Balz ist das Verfahren von ihm selbst in Eigenregie nach dem neuen Insolvenzrecht beantragt worden. Auf diese Weise ist das Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Das Verfahren kann drei Monate lang aufrechterhalten werden. Bei nicht erreichter Sanierung droht dann die Insolvenz", erläutere der Händler. Die Windreich-Anleihe sei vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden, habe dann am Mittwoch wieder in einer Range von 10 bis 17 Prozent gehandelt, aktuell um die 13 Prozent. Am Montag habe der Titel noch bei rund 56 Prozent notiert.
Weiter auf Tauchgang sei auch in dieser Woche die bis 2017 laufende Anleihe (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) des Kreuzfahrtschiffbetreibers MS Deutschland gegangen. "Nachdem das Papier in der vergangenen Woche wegen schlechter als erwartet ausgefallener Geschäftsaussichten des Unternehmens schon von rund 85 auf 79 Prozent nachgegeben hatte, liegt der Kurs mittlerweile nur noch bei rund 67 Prozent", melde Daniel. Laut eigenen Angaben erwarte das Unternehmen für das Gesamtjahr 2013 nur noch ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1 bis 2 Millionen Euro, statt den zuvor geplanten 5 bis 7,5 Mill. Euro. Damit wäre MS Deutschland nicht in der Lage, die im Dezember erstmals fällige Kuponzahlung von rund 3,4 Millionen Euro aus dem operativen Geschäft zu finanzieren. (13.09.2013/alc/a/a)
"Mit den fast täglich neuen Meldungen zu Syrien und den teils überraschenden Konjunkturmeldungen der Woche sind aber auch die Volatilität und die Umsätze gestiegen", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler.
Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank bestätige: "Zu Wochenbeginn traten die Kurse von den als sicherer Hafen geltenden Bundesanleihen lustlos auf der Stelle, mit leicht schwächerer Tendenz. Aufgrund steigender Risikobereitschaft der Anleger angesichts einer eventuellen politischen Lösung im Syrienkonflikt und guter Konjunkturdaten aus China nahmen die Kursverluste am Dienstag zu. Seit der Wochenmitte hat die Richtung aber wieder leicht gedreht."
In den vergangenen Wochen seien die Renditen für Bundesanleihen auf dem Sekundärmarkt stetig gestiegen. Im Juli habe die Rendite der zehnjährigen Papiere noch bei rund 1,5 Prozent gelegen, aktuell seien es 2,01 Prozent. "In dieser Woche musste Deutschland bei einer Auktion zehnjähriger Papiere auch am Primärmarkt erstmals seit zwei Jahren wieder Zinsen von mehr als 2 Prozent in Kauf nehmen", ergänze Brunner. Der Euro-Bund-Future, der als Indikator für langfristige Zinserwartungen gelte, notiere aktuell bei 137,56, nach 138,7 vor einer Woche.
Unter den Ländern der Europeripherie falle derzeit vor allem das hochverschuldete Italien durch Zinssteigerungen auf. "Die ständige politische Unsicherheit und das Gezerre um Berlusconi, das sogar ein Auseinanderbrechen der Regierungskoalition mit sich ziehen könnte, muss das Land den Investoren bezahlen", kommentiere Brunner und weise darauf hin, dass Italien im zehnjährigen Bereich in dieser Woche zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder höhere Zinsen habe hinnehmen müssen als das Nachbarland Spanien. "Zu den politischen Unwägbarkeiten gesellten sich dann auch noch schlechter als erwartet ausgefallene Zahlen zur italienischen Industrieproduktion. Außerdem will sich die Regierung für dieses Jahr noch 18 Milliarden Euro neue Schulden vom Parlament genehmigen lassen. Wenn die Zinsen weiter steigen, wird es dann schon wieder schwieriger für das Land."
Cyrus de la Rubia und Stefan Gäde von der HSH Nordbank würden den Grund dafür vor allem in den zuletzt schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten sehen. "Auch die Unsicherheit über Syrien hat hier sicherlich eine Rolle gespielt", würden die Analysten erklären.
Im Segment der Unternehmensanleihen beobachte Brunner rege Nachfrage nach der neuen Anleihe des US-Telekommunikationskonzerns Verizon. "Mit einem Volumen von 49 Milliarden US-Dollar hat Verizon die größte Unternehmensanleihe an den Markt gebracht, die es je gegeben hat", wisse der Händler und spreche von einer enormen Nachfrage der Investoren, vor allem in den langlaufenden Tranchen. "Offenbar sehen institutionelle Anleger wie etwa Pensionskassen die Anleihe als Alternative zu Staatsanleihen", ergänze Brunner.
Gut aufgenommen worden sei laut ICF Kursmakler auch eine neue Continental-Anleihe (ISIN XS0972719412 / WKN A1VC6B) mit einer Laufzeit bis 2017. "Wie schon die in der Vorwoche ausgegebenen Papiere mit Laufzeit bis 2020 ist auch diese Anleihe gegangen wie geschnittenes Brot", schmunzle der Händler und ergänze: "Nachdem die Bonität von Conti zuletzt wieder auf Investment Grade hochgesetzt wurde, kann sich der Automobilzulieferer deutlich günstiger finanzieren und hat deswegen auch zwei ältere Anleihen gekündigt. Der Kupon der neuen Anleihen liegt bei rund 3 Prozent, verglichen mit 6 bis 7 Prozent bei den älteren Schuldscheinen."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft beobachte im Zuge der Neuemissionen von Conti zudem erhöhte Umsätze in einer bis 2018 laufenden Anleihe (ISIN XS0953199634 / WKN A1X24V) des Unternehmens. "Das Papier, das mit einem Kupon von 3 Prozent ausgestattet ist, kam zuletzt unter Druck, dann haben Anleger das erniedrigte Kursniveau aber wieder zu Käufen genutzt", berichte der Spezialist.
Einiges Aufsehen habe in dieser Woche, wie Hellwig beobachte, der Insolvenzantrag des Windpark-Entwicklers Windreich erregt. "Nach Auskunft des inzwischen abgetretenen Firmenchefs Willi Balz ist das Verfahren von ihm selbst in Eigenregie nach dem neuen Insolvenzrecht beantragt worden. Auf diese Weise ist das Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Das Verfahren kann drei Monate lang aufrechterhalten werden. Bei nicht erreichter Sanierung droht dann die Insolvenz", erläutere der Händler. Die Windreich-Anleihe sei vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden, habe dann am Mittwoch wieder in einer Range von 10 bis 17 Prozent gehandelt, aktuell um die 13 Prozent. Am Montag habe der Titel noch bei rund 56 Prozent notiert.
Weiter auf Tauchgang sei auch in dieser Woche die bis 2017 laufende Anleihe (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) des Kreuzfahrtschiffbetreibers MS Deutschland gegangen. "Nachdem das Papier in der vergangenen Woche wegen schlechter als erwartet ausgefallener Geschäftsaussichten des Unternehmens schon von rund 85 auf 79 Prozent nachgegeben hatte, liegt der Kurs mittlerweile nur noch bei rund 67 Prozent", melde Daniel. Laut eigenen Angaben erwarte das Unternehmen für das Gesamtjahr 2013 nur noch ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1 bis 2 Millionen Euro, statt den zuvor geplanten 5 bis 7,5 Mill. Euro. Damit wäre MS Deutschland nicht in der Lage, die im Dezember erstmals fällige Kuponzahlung von rund 3,4 Millionen Euro aus dem operativen Geschäft zu finanzieren. (13.09.2013/alc/a/a)
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