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Anleihemarkt: Warten auf den Dezember
16.11.15 08:30
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den guten US-Arbeitsmarktzahlen am vergangenen Freitag wird am Markt nun überwiegend von einer US-Leitzinserhöhung im Dezember ausgegangen, so die Deutsche Börse AG.
Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi bei einer Anhörung vor dem Europaparlament am gestrigen Donnerstag hätten derweil Hoffnungen auf eine weitere geldpolitische Lockerung im Euroraum verstärkt. Draghi habe auf die weiter sichtbaren Risiken für die Konjunktur und die schwache Inflationsentwicklung verwiesen. Die EZB sei daher bereit, ihr Stützungsprogramm im Dezember auszuweiten. Die Rendite für zweijährige Papiere, in der sich die Geldpolitik besonders deutlich widerspiegele, sei daraufhin bis auf ein Allzeittief von minus 0,36 Prozent gefallen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichte.
Der Euro-Bund-Future zeige sich nach einigen Schwankungen gegenüber der Vorwoche kaum verändert und notiere am Freitagmittag bei 156,75 nach 156,46 Punkten vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden unverändert 0,60 Prozent abwerfen. Durch die guten US-Arbeitsmarktzahlen in der Vorwoche hätten Bundesanleihen zwischenzeitlich allerdings verloren: "Von einem Renditetief von 0,42 Prozent für die zehnjährige Bundesanleihe im Oktober kletterte die laufende Verzinsung am Montagmittag bis auf 0,72 Prozent", melde Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bis zur Wochenmitte seien das Kursminus aber wieder mehr als aufgeholt worden.
Unter Druck geraten seien portugiesische Staatsanleihen nach dem Sturz der Mitte-Rechts-Regierung durch die Linksparteien, wie Brunner berichte. Das neue Bündnis könnte nun Lohn- und Rentenkürzungen rückgängig machen, die im Rahmen des Sparprogramms mit EU, EZB und IWF vereinbart worden seien. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen sei auf 2,88 Prozent geklettert, aktuell seien es 2,78 Prozent. "Anfang des Monats waren es nur 2,6 Prozent, im Oktober rund 2,5 Prozent."
Auch spanische Papiere hätten verloren, die Rendite für zehnjährige Papiere sei in der Spitze auf 1,98 Prozent gestiegen, aktuell seien es 1,82 Prozent. "Das katalanische Parlament hatte am Montag beschlossen, die Region von Spanien abzuspalten", erläutere Brunner. Beruhigt habe sich die Lage nach der Entscheidung des Madrider Verfassungsgerichts, das eine Abspaltung Kataloniens am Mittwoch vorerst gestoppt habe.
Von Nachrichten aus Portugal und Spanien lasse sich Griechenland offenbar nicht beirren. "Hellas plant die Rückkehr an den Anleihemarkt", melde Klaus Stopp von der Baader Bank. Die Regierung in Athen habe bekannt gegeben, dass Griechenland sich im kommenden Jahr wieder Geld am Anleihemarkt besorgen wolle, und zwar in der zweiten Jahreshälfte. "Seit Mitte 2014 hat Athen keine Staatsanleihen bei privaten Investoren platziert."
Im Bereich der Unternehmensanleihen habe Rainer Petz von Oddo Seydler wieder Interesse an Air Berlin-Anleihen festgestellt. "Das hängt wohl mit der Pressekonferenz am Mittwoch zusammen." Die angeschlagene Fluggesellschaft habe angekündigt, mit Langstreckenflügen, Kostensenkungen und der Konzentration auf Geschäftsreisende die Wende einläuten und innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten profitabel werden zu wollen. Gekauft worden seien die bis 2018 laufenden Papiere mit Kupon von 8,25 Prozent (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B) und die bis 2019 laufenden mit 6,75 Prozent (ISIN nicht bekannt/ WKN AB199L). Der Kurs der bis 2018 laufenden Anleihe sei Ende Oktober bis unter 90 Prozent gefallen, jetzt liege er wieder bei knapp 100 Prozent.
Daneben würden VW-Anleihen im Fokus bleiben. "Bei den Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) überwiegen wieder Abgaben", stelle Brunner fest. Das hänge mit der Herabstufung von VW-Anleihen durch die Rating-Agentur Fitch zusammen, die zudem einen negativen Ausblick gegeben habe. "Hybridanleihen werden jetzt nur noch mit BBB- bewertet, eine Stufe über Ramschniveau. Da sind einige Investoren gezwungen zu verkaufen."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft spreche von einer umsatzschwachen Woche - trotz einiger Nachrichten. "RWE hat zum Beispiel gestern Zahlen gebracht, doch auch da ist nicht viel passiert." Eigentlich sei Umsatz in RWE-Anleihen (ISIN XS1219499032 / WKN A14KAB; ISIN XS1254119750 / WKN A13SHX) zu erwarten gewesen.
BMW habe eine neue fünfjährige Anleihe (ISIN XS1321956333 / WKN A18UWD) mit Kupon von 0,875 Prozent begeben, wie Daniel außerdem berichte. Mit einer Mindestanlagesumme von 1.000 Euro richte sich die Emission auch an Privatanleger.
Am Dienstag habe die Joh. Friedrich Behrens AG, Produzent von Werkzeugmaschinen, die Emission der bis 2020 laufenden Unternehmensanleihe (ISIN DE000A161Y52 / WKN A161Y5) mit Kupon von 7,75 Prozent beendet. Insgesamt hätten inklusive des Umtauschanteils von Schuldverschreibungen der Unternehmensanleihe 2011/2016 15 Millionen Euro der neuen Anleihe bei institutionellen Investoren und Privatanlegern platziert werden können. Am Freitagmittag werde das Papier zu 101,1 Prozent gehandelt, was einer Rendite von 7,58 Prozent entspreche.
In Erwartungen steigender Zinsen in den USA habe der US-Dollar zuletzt deutlich aufgewertet, ein Euro koste am Freitag nur noch 1,07 US-Dollar - Mitte Oktober seien es noch 1,14 US-Dollar gewesen. "Um mit ihrem Depot für den Jahresendspurt gerüstet zu sein, fragen Privatanleger vornehmlich Anleihen auf Türkische Lira, US-Dollar und Brasilianische Real nach", stelle Stopp fest. Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft habe sich die Euro-Schwäche noch nicht niedergeschlagen. "Das scheint bei Anlegern noch nicht ganz angekommen zu sein", vermute Daniel. (Ausgabe vom 13.11.2015) (16.11.2015/alc/a/a)
Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi bei einer Anhörung vor dem Europaparlament am gestrigen Donnerstag hätten derweil Hoffnungen auf eine weitere geldpolitische Lockerung im Euroraum verstärkt. Draghi habe auf die weiter sichtbaren Risiken für die Konjunktur und die schwache Inflationsentwicklung verwiesen. Die EZB sei daher bereit, ihr Stützungsprogramm im Dezember auszuweiten. Die Rendite für zweijährige Papiere, in der sich die Geldpolitik besonders deutlich widerspiegele, sei daraufhin bis auf ein Allzeittief von minus 0,36 Prozent gefallen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichte.
Der Euro-Bund-Future zeige sich nach einigen Schwankungen gegenüber der Vorwoche kaum verändert und notiere am Freitagmittag bei 156,75 nach 156,46 Punkten vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden unverändert 0,60 Prozent abwerfen. Durch die guten US-Arbeitsmarktzahlen in der Vorwoche hätten Bundesanleihen zwischenzeitlich allerdings verloren: "Von einem Renditetief von 0,42 Prozent für die zehnjährige Bundesanleihe im Oktober kletterte die laufende Verzinsung am Montagmittag bis auf 0,72 Prozent", melde Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bis zur Wochenmitte seien das Kursminus aber wieder mehr als aufgeholt worden.
Unter Druck geraten seien portugiesische Staatsanleihen nach dem Sturz der Mitte-Rechts-Regierung durch die Linksparteien, wie Brunner berichte. Das neue Bündnis könnte nun Lohn- und Rentenkürzungen rückgängig machen, die im Rahmen des Sparprogramms mit EU, EZB und IWF vereinbart worden seien. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen sei auf 2,88 Prozent geklettert, aktuell seien es 2,78 Prozent. "Anfang des Monats waren es nur 2,6 Prozent, im Oktober rund 2,5 Prozent."
Auch spanische Papiere hätten verloren, die Rendite für zehnjährige Papiere sei in der Spitze auf 1,98 Prozent gestiegen, aktuell seien es 1,82 Prozent. "Das katalanische Parlament hatte am Montag beschlossen, die Region von Spanien abzuspalten", erläutere Brunner. Beruhigt habe sich die Lage nach der Entscheidung des Madrider Verfassungsgerichts, das eine Abspaltung Kataloniens am Mittwoch vorerst gestoppt habe.
Im Bereich der Unternehmensanleihen habe Rainer Petz von Oddo Seydler wieder Interesse an Air Berlin-Anleihen festgestellt. "Das hängt wohl mit der Pressekonferenz am Mittwoch zusammen." Die angeschlagene Fluggesellschaft habe angekündigt, mit Langstreckenflügen, Kostensenkungen und der Konzentration auf Geschäftsreisende die Wende einläuten und innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten profitabel werden zu wollen. Gekauft worden seien die bis 2018 laufenden Papiere mit Kupon von 8,25 Prozent (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B) und die bis 2019 laufenden mit 6,75 Prozent (ISIN nicht bekannt/ WKN AB199L). Der Kurs der bis 2018 laufenden Anleihe sei Ende Oktober bis unter 90 Prozent gefallen, jetzt liege er wieder bei knapp 100 Prozent.
Daneben würden VW-Anleihen im Fokus bleiben. "Bei den Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) überwiegen wieder Abgaben", stelle Brunner fest. Das hänge mit der Herabstufung von VW-Anleihen durch die Rating-Agentur Fitch zusammen, die zudem einen negativen Ausblick gegeben habe. "Hybridanleihen werden jetzt nur noch mit BBB- bewertet, eine Stufe über Ramschniveau. Da sind einige Investoren gezwungen zu verkaufen."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft spreche von einer umsatzschwachen Woche - trotz einiger Nachrichten. "RWE hat zum Beispiel gestern Zahlen gebracht, doch auch da ist nicht viel passiert." Eigentlich sei Umsatz in RWE-Anleihen (ISIN XS1219499032 / WKN A14KAB; ISIN XS1254119750 / WKN A13SHX) zu erwarten gewesen.
BMW habe eine neue fünfjährige Anleihe (ISIN XS1321956333 / WKN A18UWD) mit Kupon von 0,875 Prozent begeben, wie Daniel außerdem berichte. Mit einer Mindestanlagesumme von 1.000 Euro richte sich die Emission auch an Privatanleger.
Am Dienstag habe die Joh. Friedrich Behrens AG, Produzent von Werkzeugmaschinen, die Emission der bis 2020 laufenden Unternehmensanleihe (ISIN DE000A161Y52 / WKN A161Y5) mit Kupon von 7,75 Prozent beendet. Insgesamt hätten inklusive des Umtauschanteils von Schuldverschreibungen der Unternehmensanleihe 2011/2016 15 Millionen Euro der neuen Anleihe bei institutionellen Investoren und Privatanlegern platziert werden können. Am Freitagmittag werde das Papier zu 101,1 Prozent gehandelt, was einer Rendite von 7,58 Prozent entspreche.
In Erwartungen steigender Zinsen in den USA habe der US-Dollar zuletzt deutlich aufgewertet, ein Euro koste am Freitag nur noch 1,07 US-Dollar - Mitte Oktober seien es noch 1,14 US-Dollar gewesen. "Um mit ihrem Depot für den Jahresendspurt gerüstet zu sein, fragen Privatanleger vornehmlich Anleihen auf Türkische Lira, US-Dollar und Brasilianische Real nach", stelle Stopp fest. Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft habe sich die Euro-Schwäche noch nicht niedergeschlagen. "Das scheint bei Anlegern noch nicht ganz angekommen zu sein", vermute Daniel. (Ausgabe vom 13.11.2015) (16.11.2015/alc/a/a)
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, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




