Anleihemarkt: Zehnjahresrenditen wieder unter der Nulllinie


25.03.19 13:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die überraschende Entscheidung der US-Notenbank vom Mittwoch hat die Anleiherenditen weltweit nochmals sinken lassen, so die Deutsche Börse AG.

Die FED habe angekündigt, die Leitzinsen in diesem Jahr nicht mehr anzuheben und den Abbau der Anleihebestände zu bremsen und im September zu stoppen. Außerdem habe sie die Wachstumsprognosen für die US-Wirtschaft reduziert.

"Alles geht jetzt wieder in Sicherheit", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Zehnjährige US-Treasuries würden wieder nur mit 2,49 Prozent rentieren, im November seien es noch über 3,20 Prozent gewesen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei am Freitag erstmals seit zweieinhalb Jahren sogar wieder unter null Prozent gerutscht. Dazu beigetragen hätten auch enttäuschende Zahlen des Verarbeitenden Gewerbes Deutschlands, die Sorgen über eine Konjunkturabkühlung verstärkt hätten.

Unterdessen gehe das Gerangel um den Brexit weiter: Premierministerin Theresa May habe zumindest etwas Zeit gewinnen und einen No-Deal-Brexit Ende der kommenden Woche abwenden können, mögliche neue Termine seien der 22. Mai und der 12. April. "Die Austrittsverhandlungen verkommen immer mehr zu einer endlosen Farce, und die Marktteilnehmer blicken mittlerweile ungläubig auf das Geschehen rund um dieses Thema", stelle Klaus Stopp von der Baader Bank fest. Die Auswirkungen auf das Britische Pfund hätten sich vielleicht auch aus diesem Grunde in Grenzen gehalten - ebenso wie die Auswirkungen auf Pfund-Anleihen.

Beliebter seien mittlerweile wieder Anleihen in Norwegischen Kronen, wie Brunner feststelle, und zwar Staats- und Unternehmensanleihen. Anleger hätten zum Beispiel eine Deutsche Bank-Anleihe in der norwegischen Währung mit Kupon von 2,5 Prozent und Laufzeit bis September 2022 gekauft.

Unter Abgabedruck seien Bayer-Papiere wegen der Gerichtsentscheidung im Glyphosat-Prozess in den USA geraten, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Mittlerweile hat sich der Kurs aber wieder erholt." "Verhaltenes Kaufinteresse" melde der Händler für die HSV Fußball-Anleihe (ISIN DE000A2TR0Y1 / WKN A2TR0Y) mit Stückelung von nur 100 Euro. Der Bond sei 2026 fällig und biete 6 Prozent.

Nach wie vor gesucht sei Brunner zufolge die Metro-Anleihe mit Kupon von 1,5 Prozent und Fälligkeit 2025, ebenso Papiere (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF) von Ferratum Capital Germany mit Kupon von 5,5 Prozent und Fälligkeit 2022.

Neue Anleihen im Volumen von insgesamt 2,2 Milliarden Euro in drei Tranchen habe der Autozulieferer Schaeffler auf den Markt gebracht. Die erste Tranche (ISIN DE000A2YB699 / WKN A2YB69) laufe bis 2022 und habe einen Kupon von 1,125 Prozent, die zweite (ISIN DE000A2YB7A7 / WKN A2YB7A) bis 2024 mit 1,875 Prozent und die dritte (ISIN DE000A2YB7B5 / WKN A2YB7B) bis 2027 mit 2,875 Prozent. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro würden sie sich auch an Privatanleger richten. "Die sind sehr gut angekommen", stelle Rainer Petz von Oddo Seydler fest. "Alle drei werden mittlerweile über dem Reoffer-Preis gehandelt." (Ausgabe vom 22.03.2019) (25.03.2019/alc/a/a)