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Anleihemarkt: Die Zinsen steigen
24.05.13 16:28
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kletterten zu Beginn der jüngsten Aktienmarktrally Mitte April die Kurse von Bundesanleihen noch nach oben, ist mittlerweile wieder Normalität eingekehrt: Aktien steigen, Anleihen fallen, so die Deutsche Börse AG.
"Die Abwärtsbewegung von Bundesanleihen, die schon vergangenen Freitag begann, setzte sich in dieser Woche fort", melde Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Auslöser seien überraschend positive US-Konjunkturdaten und anziehende Renditen von US-Staatsanleihen gewesen. Der Euro-Bund-Future, Indikator für die langfristigen Zinserwartungen der Marktteilnehmer, notiere am heutigen Freitag bei 144,25 Prozent, vor einer Woche seien es noch 145,14 Prozent gewesen. Anfang Mai sei mit 147,20 Prozent noch ein Allzeithoch erreicht worden. Zehnjährige Bundesanleihen würden heute mit 1,454 Prozent rentieren, vor einer Woche seien es nur knapp 1,31 Prozent gewesen.
Höhepunkt der Woche sei die Rede von US-Notenbankchef Bernanke vor dem Kongress gewesen. "Dieser gab jedoch vorerst noch kein klares Zeichen zu einer Reduzierung von Anleihekäufen", erläutere Hellwig. Die Fantasie bleibe aber im Markt. Nach Ansicht von Arthur Brunner von ICF Kursmakler habe Bernanke die Märkte bewusst im Unklaren gelassen. "Er will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen." Der Notenbankchef habe eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt, aber auch betont, die Anleihekäufe im Falle einer Erholung der Wirtschaft zurückzufahren. "In Reaktion auf die Rede sind die Renditen von US-Treasuries und Bundesanleihen gestiegen, und auch Peripherieanleihen konnten sich dem Sog nicht entziehen", würden Viola Julien und Ulrich Wortberg von der Helaba berichten.
Wie Hellwig erkläre, habe die Deutsche Finanzagentur am Mittwoch erfolgreich eine neue 1,5-prozentige Bundesanleihe (ISIN DE0001102317 / WKN 110231) mit einem Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro an den Markt gebracht. Darüber hinaus seien am gestrigen Donnerstag spanische Staatsanleihen mit Laufzeiten von drei bis 13 Jahren aufgestockt worden - zu erhöhten Finanzierungskosten gegenüber Anfang Mai. Das sei aber erwartet worden. "Das Interesse und die Zuversicht der Investoren scheinen ungebrochen hoch", kommentiere die Helaba. Die Auktionen seien bis zu 2,3-fach überzeichnet gewesen. "Bei den Zinsen ist wohl ein Boden gefunden", meine Brunner.
Auch im Bereich der Unternehmensanleihen zeige sich die Entspannung am Markt. "Nichts zu spüren von Krise", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage zusammen. "Gesucht werden Spezialwerte, die ein Mehr an Rendite versprechen, verkauft werden Anleihen in Fluchtwährungen wie Norwegischen Kronen und Australischen Dollar." Arne Hellwig zufolge hätten etwa diverse Papiere deutscher Autokonzerne in Norwegischen Kronen auf den Verkaufslisten gestanden - konkret Bonds von VW, BMW und Daimler.
"Bei Staatsanleihen gibt es Mittelabflüsse, aus Unternehmensanleihen aber noch nicht", erkläre Brunner. Sehr beliebt seien dem Händler zufolge derzeit Nachranganleihen, zum Beispiel zwei neue Papiere der DZ BANK (ISIN DE000DZ1JBB0 / WKN DZ1JBB; ISIN DE000DZ1JAA4 / WKN DZ1JAA). Unter den Mittelstandsanleihen bleibe SAF-HOLLAND beliebt: "Der Kurs liegt bei über 110 Prozent."
Doch auch im Bereich der Corporates gebe es zahlreiche Problemfälle: Laut Hellwig hätten sich Anleihen (ISIN AT0000A0PJJ0 / WKN A1GR69) der Alpine Holding nach dem Ausverkauf der Vorwoche zwar stabilisiert - allerdings auf niedrigem Niveau. "Aktuell werden sie zwischen 55 und 60 Prozent gehandelt." Vergangene Woche hätten Gerüchte über massive Finanzierungsprobleme die Runde gemacht.
Den durch tiefrote Zahlen verursachten Kurseinbruch der Vorwoche fast ganz ausbügeln können hätten unterdessen Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN: DE000AB100C2/ WKN AB100C), wie Daniel erkläre. "Das war schnell alles wieder aufgeholt."
Derweil gehe die Hängepartie um SolarWorld weiter, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler anmerke. "Auch die Gläubigerversammlung der zweiten SolarWorld-Anleihe war wegen einer zu geringen Präsenz nicht beschlussfähig, was aber zu erwarten war." Das bis 2017 laufende Papier (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) werde aktuell bei knapp 25 Prozent gehandelt, das bis 2016 laufende bei 22 Prozent. Bereits beschlossen worden sei der Sanierungsplan von CENTROSOLAR, wie Petz ergänze, die Anleihe (ISIN DE000A1E85T1 / WKN A1E85T), die zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt gewesen sei, notiere heute bei 30 Prozent.
Kopfschmerzen bereite Brunner im Moment auch A.T.U-Autoteile-Unger (ISIN XS0548968592 / WKN A1EWTK): "Das Unternehmen hat wohl wieder Verluste gemacht." Bei nur einem Jahr Restlaufzeit liege der Kurs bei 82,25 Prozent. "Das zeigt, dass einiges im Argen liegt."
Gut nachgefragt sei Daniel zufolge die im April 2011 emittierte Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A1KQXX5 / WKN A1KQXX) des Immobilienentwicklers Golden Gate gewesen. "Aktuell liegt der Kurs bei 97 Prozent." Damit habe sie sich von ihrem Tief bei 94,50 Prozent etwas erholen können, Anfang des Jahres habe der Kurs allerdings noch über 100 Prozent gelegen. Vergangene Woche sei das Papier in einem Folgerating von Creditreform abermals mit BBB bewertet worden.
Gerade begonnen, schon wieder beendet: Zwei neue Mittelstandsanleihen seien in dieser Woche schon kurz nach dem Startschuss für die Zeichnung untergebracht gewesen: die (ISIN DE000A1R1CC4 / WKN A1R1CC) des Forfaitierungsspezialisten DF Deutsche Forfait mit einem Kupon von 7,875 Prozent bei einer Laufzeit von sieben Jahren und die (ISIN DE000A1TNA70 / WKN A1TNA7) des Herstellers von Rohrleitungssystemen SANHA mit Kupon von 7,75 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Daneben sei am Dienstag die Zeichnungsfrist für die Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A1TM8Z7 / WKN A1TM8Z) von Stern Immobilien beendet worden. "Zaghafte" Käufe melde Daniel in der neuen Anleihe (ISIN AT0000A107A5 / WKN A1HK8N) des österreichischen Verpackungsunternehmens Constantia Flexibles, die einen Kupon von 6,875 Prozent biete.
Auch in der kommenden Woche setze sich der Reigen an Neuemissionen in diesem Segment fort: Ab Montag könne die Anleihe (ISIN DE000A1TNA39 / WKN A1TNA3) von Rickmers, einem Schifffahrtskonzern, gezeichnet werden, wie Petz berichte. Das Papier offeriere einen Festzins von 8,875 Prozent und laufe bis 2018. (24.05.2013/alc/a/a)
"Die Abwärtsbewegung von Bundesanleihen, die schon vergangenen Freitag begann, setzte sich in dieser Woche fort", melde Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Auslöser seien überraschend positive US-Konjunkturdaten und anziehende Renditen von US-Staatsanleihen gewesen. Der Euro-Bund-Future, Indikator für die langfristigen Zinserwartungen der Marktteilnehmer, notiere am heutigen Freitag bei 144,25 Prozent, vor einer Woche seien es noch 145,14 Prozent gewesen. Anfang Mai sei mit 147,20 Prozent noch ein Allzeithoch erreicht worden. Zehnjährige Bundesanleihen würden heute mit 1,454 Prozent rentieren, vor einer Woche seien es nur knapp 1,31 Prozent gewesen.
Höhepunkt der Woche sei die Rede von US-Notenbankchef Bernanke vor dem Kongress gewesen. "Dieser gab jedoch vorerst noch kein klares Zeichen zu einer Reduzierung von Anleihekäufen", erläutere Hellwig. Die Fantasie bleibe aber im Markt. Nach Ansicht von Arthur Brunner von ICF Kursmakler habe Bernanke die Märkte bewusst im Unklaren gelassen. "Er will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen." Der Notenbankchef habe eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt, aber auch betont, die Anleihekäufe im Falle einer Erholung der Wirtschaft zurückzufahren. "In Reaktion auf die Rede sind die Renditen von US-Treasuries und Bundesanleihen gestiegen, und auch Peripherieanleihen konnten sich dem Sog nicht entziehen", würden Viola Julien und Ulrich Wortberg von der Helaba berichten.
Wie Hellwig erkläre, habe die Deutsche Finanzagentur am Mittwoch erfolgreich eine neue 1,5-prozentige Bundesanleihe (ISIN DE0001102317 / WKN 110231) mit einem Emissionsvolumen von 5 Milliarden Euro an den Markt gebracht. Darüber hinaus seien am gestrigen Donnerstag spanische Staatsanleihen mit Laufzeiten von drei bis 13 Jahren aufgestockt worden - zu erhöhten Finanzierungskosten gegenüber Anfang Mai. Das sei aber erwartet worden. "Das Interesse und die Zuversicht der Investoren scheinen ungebrochen hoch", kommentiere die Helaba. Die Auktionen seien bis zu 2,3-fach überzeichnet gewesen. "Bei den Zinsen ist wohl ein Boden gefunden", meine Brunner.
Auch im Bereich der Unternehmensanleihen zeige sich die Entspannung am Markt. "Nichts zu spüren von Krise", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Lage zusammen. "Gesucht werden Spezialwerte, die ein Mehr an Rendite versprechen, verkauft werden Anleihen in Fluchtwährungen wie Norwegischen Kronen und Australischen Dollar." Arne Hellwig zufolge hätten etwa diverse Papiere deutscher Autokonzerne in Norwegischen Kronen auf den Verkaufslisten gestanden - konkret Bonds von VW, BMW und Daimler.
Doch auch im Bereich der Corporates gebe es zahlreiche Problemfälle: Laut Hellwig hätten sich Anleihen (ISIN AT0000A0PJJ0 / WKN A1GR69) der Alpine Holding nach dem Ausverkauf der Vorwoche zwar stabilisiert - allerdings auf niedrigem Niveau. "Aktuell werden sie zwischen 55 und 60 Prozent gehandelt." Vergangene Woche hätten Gerüchte über massive Finanzierungsprobleme die Runde gemacht.
Den durch tiefrote Zahlen verursachten Kurseinbruch der Vorwoche fast ganz ausbügeln können hätten unterdessen Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN: DE000AB100C2/ WKN AB100C), wie Daniel erkläre. "Das war schnell alles wieder aufgeholt."
Derweil gehe die Hängepartie um SolarWorld weiter, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler anmerke. "Auch die Gläubigerversammlung der zweiten SolarWorld-Anleihe war wegen einer zu geringen Präsenz nicht beschlussfähig, was aber zu erwarten war." Das bis 2017 laufende Papier (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) werde aktuell bei knapp 25 Prozent gehandelt, das bis 2016 laufende bei 22 Prozent. Bereits beschlossen worden sei der Sanierungsplan von CENTROSOLAR, wie Petz ergänze, die Anleihe (ISIN DE000A1E85T1 / WKN A1E85T), die zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt gewesen sei, notiere heute bei 30 Prozent.
Kopfschmerzen bereite Brunner im Moment auch A.T.U-Autoteile-Unger (ISIN XS0548968592 / WKN A1EWTK): "Das Unternehmen hat wohl wieder Verluste gemacht." Bei nur einem Jahr Restlaufzeit liege der Kurs bei 82,25 Prozent. "Das zeigt, dass einiges im Argen liegt."
Gut nachgefragt sei Daniel zufolge die im April 2011 emittierte Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A1KQXX5 / WKN A1KQXX) des Immobilienentwicklers Golden Gate gewesen. "Aktuell liegt der Kurs bei 97 Prozent." Damit habe sie sich von ihrem Tief bei 94,50 Prozent etwas erholen können, Anfang des Jahres habe der Kurs allerdings noch über 100 Prozent gelegen. Vergangene Woche sei das Papier in einem Folgerating von Creditreform abermals mit BBB bewertet worden.
Gerade begonnen, schon wieder beendet: Zwei neue Mittelstandsanleihen seien in dieser Woche schon kurz nach dem Startschuss für die Zeichnung untergebracht gewesen: die (ISIN DE000A1R1CC4 / WKN A1R1CC) des Forfaitierungsspezialisten DF Deutsche Forfait mit einem Kupon von 7,875 Prozent bei einer Laufzeit von sieben Jahren und die (ISIN DE000A1TNA70 / WKN A1TNA7) des Herstellers von Rohrleitungssystemen SANHA mit Kupon von 7,75 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Daneben sei am Dienstag die Zeichnungsfrist für die Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A1TM8Z7 / WKN A1TM8Z) von Stern Immobilien beendet worden. "Zaghafte" Käufe melde Daniel in der neuen Anleihe (ISIN AT0000A107A5 / WKN A1HK8N) des österreichischen Verpackungsunternehmens Constantia Flexibles, die einen Kupon von 6,875 Prozent biete.
Auch in der kommenden Woche setze sich der Reigen an Neuemissionen in diesem Segment fort: Ab Montag könne die Anleihe (ISIN DE000A1TNA39 / WKN A1TNA3) von Rickmers, einem Schifffahrtskonzern, gezeichnet werden, wie Petz berichte. Das Papier offeriere einen Festzins von 8,875 Prozent und laufe bis 2018. (24.05.2013/alc/a/a)
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