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Anleihen: In Habachtstellung
28.03.22 09:15
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wirklich gebessert hat sich die Nachrichtenlage nicht, dennoch ist etwas Ruhe eingekehrt im Anleihehandel, so die Deutsche Börse AG.
"Jetzt ist erst einmal Durchschnaufen angesagt", melde Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Umsätze seien nun eher niedrig. "Der Markt ist weiterhin dominiert von der Kombination aus Krieg, hohen Rohstoff- und Energiekosten sowie steigenden Zinsen und damit Anleihenenditen", fasse es Tim Oechsner von der Steubing AG zusammen. Nach der Panik der vergangenen Wochen sei der Anleihemarkt aber fast wieder im alten Fahrwasser: Die Liquidität sei etwas besser, es gebe wieder Käufer und Verkäufer, der Sekundärmarkt funktioniere wieder. "Da die Ukraine-Krise noch ungelöst ist, kann jederzeit zu Rücksetzern kommen," bemerke der Händler.
Immer deutlicher werde, dass die Notenbanken die Zügel tatsächlich würden straffen wollen. US-Notenbankpräsident Jerome Powell habe diese Woche signalisiert, womöglich noch schneller an der Zinsschraube zu drehen als bislang geplant. Grund seien die "viel zu hohen Inflationsraten". Die FED habe den Leitzins bereits um 0,25 Prozentpunkte angehoben, am Markt würden sieben weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr erwartet.
Die EZB habe bislang nur beschlossen, die umfangreichen Anleihekäufe schneller zurückzufahren. Doch auch für den Euroraum werde ein erster Zinsschritt in diesem Jahr prognostiziert. Am gestrigen Donnerstag habe die EZB mitgeteilt, die im April 2020 eingeführten Erleichterungen bezüglich von Sicherheiten auslaufen zu lassen. Dabei gehe es darum, welche Wertpapiere die Notenbank als Sicherheiten für Kredite akzeptiere. Das gelte als weiterer Schritt der Normalisierung. Griechische Staatsanleihen sollten allerdings vorerst weiter akzeptiert werden.
Die Renditen von Staatsanleihen seien schon deutlich gestiegen: Zehnjährige Bundesanleihen würden mittlerweile mit 0,51 Prozent rentieren, kurzzeitig seien es sogar 0,55 Prozent gewesen - der höchste Stand seit 2018. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen liege schon bei 2,34 Prozent.
"Mit den steigenden Inflationsraten in der kommenden Woche erwarten wir weiter steigende Renditen", erkläre Analyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Zehnjährige Bund-Renditen würden in Richtung 0,6 Prozent steigen.
Auch der Handel mit Unternehmensanleihen habe sich halbwegs normalisiert. "Insgesamt ist es ruhig", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Auf den Kaufzetteln der Anleger habe dem Händler zufolge eine bis 2026 laufende LANXESS-Anleihe mit Kupon von 1 Prozent (ISIN XS1501367921 / WKN A2BN7P) gestanden. Gestiegen im Kurs - bei kleineren Umsätzen - sei laut Oechsner eine etwas ungewöhnliche Anleihe: die Ende dieses Jahres fällige goldpreisgebundene Anleihe der Veragold Mining Company GmbH (ISIN DE000A2TR091 / WKN A2TR09), für die die Zinszahlung erst am Ende der Laufzeit erfolge. Wichtigstes Asset des Goldproduzenten sei das Mina Santa Rosa-Projekt in Panama.
Zum Erliegen gekommen sei der in den vergangenen Wochen zu beobachtende Ausverkauf von Anleihen kleiner und mittelständischer Unternehmen. "Es gibt sogar wieder einige Käufe", stelle Brunner fest. Zugegriffen werde zum Beispiel bei der bis 2025 laufenden Anleihe der SGL International mit 7,75 Prozent Kupon (ISIN SE0015810759 / WKN A3KN7N). Der Bond werde nach zuvor unter 100 nun zu 101,5 Prozent gehandelt. Umsätze in beide Richtungen beobachte der ICF-Händler für Papiere des Private Equity-Unternehmens Aurelius Equity Opportunities mit Kupon von 4,25 Prozent und Fälligkeit 2024 (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3).
Unternehmen würden sich auch wieder mit Neuemissionen auf den Markt wagen. "Sie versuchen, die niedrigen Zinsen noch zu nutzen, gerade auch angesichts der jüngsten Signale der US-Notenbank", bemerke Brunner. "Carrefour, Eon, Nestlé, Bayer, VW, EU, L`Oréal, Vonovia, GSK - es war richtig viel los", stelle auch Oechsner fest. Das Interesse der Anleger sei in jedem Fall da. "Sie ziehen sich aber auch schnell wieder zurück, wenn schlechten Nachrichten kommen." Zu beobachten gewesen sei das diese Woche zum Beispiel bei einer Neuemission von Linde. Verhaltendes Interesse melde Daniel für die neue Anleihe von Nestlé, fällig 2031 und mit Kupon von 1,25 Prozent (ISIN XS2462321303 / WKN A3K3L7). Die Mindeststückelung liege bei 1.000 Euro.
Seit gestern und bis zum 6. April, vorzeitige Schließung vorbehalten, könne ein Green Bond von AOC Die Stadtentwickler gezeichnet werden. Der Bond des Magdeburger Bauprojektentwicklers im Volumen von bis zu 30 Millionen Euro ei im April 2027 fällig und biete einen Kupon von 7,5 Prozent. Die zufließenden Gelder sollten in umweltfreundliche Gebäude, erneuerbare Energien und sauberen Transport fließen. Die Neuemission mit Stückelung von 1.000 Euro werde voraussichtlich am 8. April in den Freiverkehrshandel der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen. (Ausgabe vom 25.03.2022) (28.03.2022/alc/a/a)
"Jetzt ist erst einmal Durchschnaufen angesagt", melde Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Umsätze seien nun eher niedrig. "Der Markt ist weiterhin dominiert von der Kombination aus Krieg, hohen Rohstoff- und Energiekosten sowie steigenden Zinsen und damit Anleihenenditen", fasse es Tim Oechsner von der Steubing AG zusammen. Nach der Panik der vergangenen Wochen sei der Anleihemarkt aber fast wieder im alten Fahrwasser: Die Liquidität sei etwas besser, es gebe wieder Käufer und Verkäufer, der Sekundärmarkt funktioniere wieder. "Da die Ukraine-Krise noch ungelöst ist, kann jederzeit zu Rücksetzern kommen," bemerke der Händler.
Immer deutlicher werde, dass die Notenbanken die Zügel tatsächlich würden straffen wollen. US-Notenbankpräsident Jerome Powell habe diese Woche signalisiert, womöglich noch schneller an der Zinsschraube zu drehen als bislang geplant. Grund seien die "viel zu hohen Inflationsraten". Die FED habe den Leitzins bereits um 0,25 Prozentpunkte angehoben, am Markt würden sieben weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr erwartet.
Die EZB habe bislang nur beschlossen, die umfangreichen Anleihekäufe schneller zurückzufahren. Doch auch für den Euroraum werde ein erster Zinsschritt in diesem Jahr prognostiziert. Am gestrigen Donnerstag habe die EZB mitgeteilt, die im April 2020 eingeführten Erleichterungen bezüglich von Sicherheiten auslaufen zu lassen. Dabei gehe es darum, welche Wertpapiere die Notenbank als Sicherheiten für Kredite akzeptiere. Das gelte als weiterer Schritt der Normalisierung. Griechische Staatsanleihen sollten allerdings vorerst weiter akzeptiert werden.
"Mit den steigenden Inflationsraten in der kommenden Woche erwarten wir weiter steigende Renditen", erkläre Analyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Zehnjährige Bund-Renditen würden in Richtung 0,6 Prozent steigen.
Auch der Handel mit Unternehmensanleihen habe sich halbwegs normalisiert. "Insgesamt ist es ruhig", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Auf den Kaufzetteln der Anleger habe dem Händler zufolge eine bis 2026 laufende LANXESS-Anleihe mit Kupon von 1 Prozent (ISIN XS1501367921 / WKN A2BN7P) gestanden. Gestiegen im Kurs - bei kleineren Umsätzen - sei laut Oechsner eine etwas ungewöhnliche Anleihe: die Ende dieses Jahres fällige goldpreisgebundene Anleihe der Veragold Mining Company GmbH (ISIN DE000A2TR091 / WKN A2TR09), für die die Zinszahlung erst am Ende der Laufzeit erfolge. Wichtigstes Asset des Goldproduzenten sei das Mina Santa Rosa-Projekt in Panama.
Zum Erliegen gekommen sei der in den vergangenen Wochen zu beobachtende Ausverkauf von Anleihen kleiner und mittelständischer Unternehmen. "Es gibt sogar wieder einige Käufe", stelle Brunner fest. Zugegriffen werde zum Beispiel bei der bis 2025 laufenden Anleihe der SGL International mit 7,75 Prozent Kupon (ISIN SE0015810759 / WKN A3KN7N). Der Bond werde nach zuvor unter 100 nun zu 101,5 Prozent gehandelt. Umsätze in beide Richtungen beobachte der ICF-Händler für Papiere des Private Equity-Unternehmens Aurelius Equity Opportunities mit Kupon von 4,25 Prozent und Fälligkeit 2024 (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3).
Unternehmen würden sich auch wieder mit Neuemissionen auf den Markt wagen. "Sie versuchen, die niedrigen Zinsen noch zu nutzen, gerade auch angesichts der jüngsten Signale der US-Notenbank", bemerke Brunner. "Carrefour, Eon, Nestlé, Bayer, VW, EU, L`Oréal, Vonovia, GSK - es war richtig viel los", stelle auch Oechsner fest. Das Interesse der Anleger sei in jedem Fall da. "Sie ziehen sich aber auch schnell wieder zurück, wenn schlechten Nachrichten kommen." Zu beobachten gewesen sei das diese Woche zum Beispiel bei einer Neuemission von Linde. Verhaltendes Interesse melde Daniel für die neue Anleihe von Nestlé, fällig 2031 und mit Kupon von 1,25 Prozent (ISIN XS2462321303 / WKN A3K3L7). Die Mindeststückelung liege bei 1.000 Euro.
Seit gestern und bis zum 6. April, vorzeitige Schließung vorbehalten, könne ein Green Bond von AOC Die Stadtentwickler gezeichnet werden. Der Bond des Magdeburger Bauprojektentwicklers im Volumen von bis zu 30 Millionen Euro ei im April 2027 fällig und biete einen Kupon von 7,5 Prozent. Die zufließenden Gelder sollten in umweltfreundliche Gebäude, erneuerbare Energien und sauberen Transport fließen. Die Neuemission mit Stückelung von 1.000 Euro werde voraussichtlich am 8. April in den Freiverkehrshandel der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen. (Ausgabe vom 25.03.2022) (28.03.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 98,58 € | 98,551 € | 0,029 € | +0,03% | 17.04./13:43 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XS1501367921 | A2BN7P | 99,12 € | 97,50 € | |
Werte im Artikel
28.03.22
, Deutsche Börse AG
Anleihen: In Habachtstellung




