Anleihen-Handel: Bundespapiere machen Boden gut


28.07.17 11:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Erstmals seit 2014 refinanzierte sich Griechenland in dieser Woche wieder erfolgreich über den Kapitalmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Für eine Anleihe (ISIN GR0114029540 / WKN A19MEC) mit fünfjähriger Laufzeit zahle Athen seinen Gläubigern einen Kupon von 4,375 Prozent. "Für das 3 Milliarden Euro schwere Papier lagen Bestellungen in Höhe von etwa 6,5 Milliarden Euro vor", berichte Gregor Daniel. Seit Aufnahme der Anleihe in den Handel passiere allerdings wenig. Der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank führe dies auf die Erinnerung an die Umschuldung von Griechenland-Bonds im 2012 zurück. "Damals wurde viel Porzellan zerschlagen." Hauptabnehmer der mit einer Notierung von 98,90 Prozent und einer Rendite von 4,625 Prozent im Handel gestarteten Hellas-Bonds seien britische und US-amerikanische Investoren, wie Arthur Brunner von der ICF Bank ergänze. "Wobei ein Großteil der Nachfrage aus den Vereinigten Staaten kam."

Diese langersehnte Emission stelle für Athen nach Ansicht von Klaus Stopp einen wichtigen Test dar. "Denn die Kapitalmarktfähigkeit Griechenlands ist Voraussetzung dafür, dass die Europäische Zentralbank griechische Staatsanleihen in ihr Aufkaufprogramm aufnimmt", begründe der Rentenhändler der Baader Bank. Daran habe Athen naturgemäß großes Interesse. Ein Gelingen dieses Vorhabens setze allerdings die Tragfähigkeit griechischer Staatsschulden voraus. Denn noch befinde sich das Land nach Auffassung der großen Agenturen weit von einem Investment-Grade entfernt. EZB-Präsident Mario Draghi behalte sich aber eine weitere, eigene Analyse der Schuldentragfähigkeit vor, um über die Aufnahme griechischer Papiere in das Anleihen-Kaufprogramm zu befinden.

Mit der Entscheidung, den Leitzins erwartungsgemäß unverändert in einer Spanne zwischen 1 und 1,25 Prozent zu belassen, schließe sich die US-Notenbank FED nahtlos den jüngsten Sitzungsergebnissen der Bank of Japan, Bank of England und EZB an. Auch der erneute Hinweis auf eine baldige Rückführung der Anleihen-Käufe sei für Brunner nicht überraschend. Demnach würden künftig für auslaufende Bonds im Besitz der FED keine neuen gekauft. Wann das sein werde, gehe aus der aktuellen Formulierung der Offenmarktausschuss-Protokolle allerdings nicht hervor.

"Der zusätzliche Hinweis, dass auch weiterhin fällige Anleihen ersetzt werden, dämpft aber die Hoffnung auf eine baldige Reduzierung der Bilanzsumme, die in den Jahren seit der Finanzkrise auf 4,5 Billionen US-Dollar angestiegen ist", urteile Stopp. Ebenso sei noch offen, wann die nächste Zinserhöhung anstehe. Janet Yellen habe zwar die Notwendigkeit schrittweiser Anpassungen nach oben hervorgehoben, diese aber abhängig von der konjunkturellen Entwicklung gemacht. Damit sei die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschrittes bis zum Jahresende von über 60 Prozent Anfang Juli auf nun 45 Prozent gefallen. "Dieser Meinungsumschwung resultiert sicherlich auch aus den durchaus begründeten Zweifeln über die Fähigkeit der Trump-Regierung, ihre angekündigte Politik durchzusetzen."

An den Bondmärkten sei die zunächst unverändert lockere Geldpolitik gut angekommen, wie die Helaba beschreibe. Bundesanleihen hätten ihren Erholungskurs fortgesetzt, aktuell notiere der Euro-Bund-Future bei 161,59 Prozent. Die Renditen am deutschen Rentenmarkt hätten nach dem deutlichen Anstieg Ende Juni wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Die jüngste Euro-Stärke sowie der schwächere Aktienmarkt hätten hiesigen Staatsanleihen auf die Sprünge geholfen. Zehnjährige Bunds rentierten Ulf Krauss zufolge zuletzt zwischen 0,5 und 0,6 Prozent. Gleichwohl würden Anleger nach Meinung des Analysten nervös wirken, zumal auch andere Märkte kräftig in Bewegung seien. Insgesamt spreche das gegenwärtige Umfeld dafür, dass der Rentenmarkt zumindest im Sommer sein aktuelles Niveau verteidigen könne.

"Generell bewegt sich der Rentenmarkt ferienbedingt in ruhigem Fahrwasser", beschreibe Brunner die Handelswoche. Die Fortsetzung der Dieselaffäre habe Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) etwa von Volkswagen zwar etwas unter Druck gesetzt. "Von Panikverkäufen sind wir aber weit entfernt." Daniel beschreibe die Gelassenheit der Anleger als Gewöhnungseffekt. "Zu Beginn der Affäre hatten wir noch große Abflüsse aus Bonds von Autobauern."

Anders sehe es bei Papieren des krisengeschüttelten Venezuelas aus, dessen Anleihen laut Rainer Petz durchgehend abgestoßen würden. Betroffen seien dem Händler der Oddo Seydler Bank zufolge alle Laufzeiten. Von einem im September 2027 fälligen, mit jährlich 9,25 Prozent verzinsten Wert (ISIN US922646AS37 / WKN 195081) hätten sich Anleger ebenso wie von einem bis Dezember 2018 laufenden Bond (ISIN US00182EAB56 / WKN A0D1YA) mit einem Kupon von 7,0 Prozent getrennt.

Venezuelas Bürger sollten am kommenden Sonntag einer von Staatspräsiden Nicolás Maduro angestrebten verfassungsgebenden Versammlung zustimmen. Mit Kundgebungen und Aufrufen zum Generalstreik versuche das Oppositionsbündnis MUD die Verfassungsreform noch abzuwenden, woraufhin Maduro ab heute alle öffentlichen Versammlungen bis Dienstag verboten habe. "Die Abkehr von Venezuela-Papieren könnte auch einen ethischen Hintergrund haben", schätze Daniel. Vor wenigen Monaten habe Goldman Sachs massenhaft Anleihen des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA gekauft und sei dafür öffentlich kritisiert worden, einen gewalttätigen Diktator zu unterstützen. In Venezuela mit seinen reichen Ölvorkommen mangele es mittlerweile an allem. Der Internationale Währungsfonds beziffere den Rückgang der Konjunktur im vergangenen Jahr auf 18 Prozent, die Inflation sei die höchste weltweit. (28.07.2017/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
126,0482 € 125,1945 € 0,8537 € +0,68% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel
53,50 plus
+5,42%
126,05 plus
+0,68%
-    plus
0,00%