Anleihen-Handel: Politik gibt den Takt vor


25.06.18 13:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eine länger werdende Liste politischer Unsicherheiten trübt die Stimmung am Aktienmarkt zugunsten von Anleihen bonitätsstarker Staaten, so die Deutsche Börse AG.

"Wir hatten eine recht turbulente Woche", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Zum schwelenden Handelskonflikt und den offenen Fragen zur Migration in Europa sei am 21. Juni die Besetzung von zwei Schlüsselpositionen im italienischen Parlament durch Euroskeptiker hinzugekommen, die künftig den Finanzausschuss im Senat und den Haushaltsausschuss im Unterhaus geleitet hätten. "In Folge gaben italienische Staatsanleihen deutlich nach." Papiere anderer südeuropäischer Länder seien in Sippenhaft genommen worden.

Beim Flüchtlingsthema sehe Brunner lediglich einen temporären Waffenstillstand, eine Lösung sei nicht in Sicht. Viele Staaten hätten sich im Vorfeld des EU-Sondergipfels zum Thema positioniert. Etwa bestehe der italienische Innenminister Matteo Salvini öffentlich auf eine Eindämmung der Einwanderung.

Der sich zuspitzende Handelsstreit mit China und den Verbündeten der Vereinigten Staaten habe mit der Gewinnwarnung von Daimler vom 21. Juni mögliche Auswirkungen der Strafzölle auf die reale Wirtschaft aufgezeigt. Auch davon würden Bundesanleihen profitieren. Der Euro-Bund-Future habe in der vergangenen Woche von 160,87 auf 161,93 Prozent hinzugewonnen. Zwischenzeitlich verringerten sich die Renditen für zehnjährige hiesige Staatsanleihen auf 0,33 Prozent, so die Deutsche Börse AG. Zwar scheinen die positiven Kräfte für das hiesige Rentenbarometer nach Ansicht von Klaus Stopp etwas zu schwinden, so die Deutsche Börse AG. Insbesondere der sich verschärfende Wirtschaftskrieg könne dem Händler der Baader Bank zufolge aber jederzeit erneut die Flucht in den sicheren Hafen nähren.

Auf dem jetzigen Stand hätten die zusätzlichen Zölle nicht das Potenzial, die Volkswirtschaften und die allgemeine Kreditqualität von Unternehmen nachhaltig zu verschlechtern, wie Thomas Miller zusammenfasse. Aktuell würden die USA und China laut dem Analysten der HSH Nordbank Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe in einem Volumen von jeweils 34 Milliarden US-Dollar erheben mit der Aussicht diese gegenseitig um weitere 16 Milliarden Euro zu auszuweiten. "Der gesamte Welthandel wird diese Effekte wenig spüren." Würden die USA die Strafzölle aber auf bereits angedrohte 100 Milliarden US-Dollar erweitern, werde China mit hoher Wahrscheinlichkeit nachziehen. "Dann wären wir in einer Region, in der für viele Industrien die Wertschöpfungsketten durcheinandergeraten und etablierte Absatzmärkte versiegen."

Den Rentenhandel beschreibe Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank als eher beschaulich und sehe die Gründe unter anderem in der laufenden Fußball-WM. "Die gestrige Niederlage Argentiniens führte zu keinen großartigen Bewegungen in Anleihen der Südamerikaner." Die Werte hätten in etwa auf dem Niveau der Vorwoche notiert. Nachfrage auf beiden Seiten mache Daniel in einem Papier (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ) der Neuquen Province mit einem jährlichen Zins von 7,5 Prozent aus.

Parallel zur Ausgabe zwei neuer Volkswagen-Hybridanleihen (ISIN XS1799938995 / WKN A192QE, ISIN XS1799939027 / WKN A192QF), die noch nicht gelistet seien, hätten sich Anleger laut Brunner tendenziell von bestehenden Hybridanleihen der Wolfsburger (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) getrennt. "Zum einen kommen die neuen Bonds mit attraktiveren Konditionen", begründe der Händler. Außerdem habe die Gewinnwarnung von Daimler die gesamte Branche unter Druck gesetzt. "Das spüren wir im Bond-Handel."

Zudem gebe es reges Kaufinteresse an einem bis Mai 2022 laufenden Ferratum-Bond mit einem Zins von 550 Basispunkten über dem Euribor. "Der Wert hat sich seit Auflage gut entwickelt."

Zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme habe sich Bayer in der letzten Woche in großem Stil frisches Geld über den Kapitalmarkt besorgt, wie Brunner anmerke. Insgesamt hätten die Leverkusener acht Bonds im Gesamtvolumen von 15 Milliarden US-Dollar platziert. Hinzu kämen 5 Milliarden Euro mittels vier neuer Anleihen. Die Nachfrage sei trotz großer Stückelungen von 200.000 US-Dollar und 100.000 Euro ausgesprochen stark ausgefallen. (Ausgabe vom 22.06.2018) (25.06.2018/alc/a/a)






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