Anleihen-Handel: Renditen auf Dreijahreshochs


14.02.22 11:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die abermals höher als erwartet ausgefallene Inflation in den USA hat den Märkten ordentlich zugesetzt, so die Deutsche Börse AG.

Bundesanleihen hätten am Donnerstag einen wahren Kursrutsch erlebt. Im Januar seien die US-Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 7,5 Prozent nach oben geklettert. Die Forderungen nach geldpolitischer Straffung würden lauter und lauter. "Der Chef der FED St. Louis, James Bullard, setzt sich nun für eine noch schnellere Leitzinserhöhung ein, und zwar für 100 Basispunkte bis Anfang Juli", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

"Die Aussicht auf kräftiger steigende Leitzinsen in den USA sorgten für deutlichen Druck und bestimmt weiterhin die Headlines an den Anleihenmärkten", berichte Tom Oechser von der Steubing AG. "Die Märkte sind sehr volatil", stelle Rainer Petz von Oddo BHF fest.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei kurzzeitig über 0,29 Prozent geklettert - das sei der höchste Stand seit Ende 2018 gewesen. Aktuell seien es immer noch 0,26 Prozent. Zehnjährige US-Treasuries würden erstmals seit Sommer 2019 wieder mit über 2 Prozent rentieren.

EZB-Chefin Christine Lagarde habe auf der Notenbanksitzung vergangene Woche zwar recht deutliche Signale für eine Politikwende gegeben. Nun habe sie in einem Interview aber abermals davor gewarnt, dass ein zu rascher Zinsschritt die sich gerade erholende Konjunktur wieder abwürgen könne. "Ob sich die EZB dauerhaft dem Druck entziehen kann, ist allerdings fraglich", bemerke Petz.

Noch stärker als die Renditen von Bundesanleihen hätten die von südeuropäischen Anleihen zugelegt - besonders italienische. Spanien sei mit einer neuen dreißigjährigen Anleihe (ISIN ES0000012K46 / WKN A3K2AW) auf den Markt gekommen, wie Brunner melde. Der Kupon liege bei 1,9 Prozent. "Die Nachfrage war groß, besonders aus dem Ausland", stelle der Händler fest. "Die Rendite von 1,92 Prozent zum aktuellen Kurs hätte man sich vor kurzem noch nicht vorstellen können."

Nach zwischenzeitlicher Erholung erneut unter Druck seien laut Oechsner Anleihen (ISIN XS2283224231 / WKN A287MU, ISIN XS1713464441 / WKN A2G8WY) des Immobilienunternehmens Adler. "Die Erleichterung angesichts des Hogan Lovells-Gutachtens kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Anlegern immer noch handfeste Belege fehlen", bemerke Oechsner. So müssten sie länger als gedacht auf den ursprünglich für 31. März geplanten Geschäftsbericht für 2021 warten, denn eine KPMG-Sonderprüfung verzögere das Testat. "Laut Börsenregeln läuft nun eine Gnadenfrist bis 30. April. Jetzt prüfen auch Staatsanwaltschaft und BaFin den Jahresabschluss."

Kaufinteresse sehe Daniel für die US-Dollar-Anleihe (ISIN US281020AT41 / WKN A3KYWK) von Edison International mit unbegrenzter Laufzeit und Kupon von 5 Prozent. "Eine größere Verkaufsorder mit Limit 98,49 Prozent für Papiere des Deutsche Bildung Studienfonds wird von einigen Anlegern zum Einstieg genutzt", berichte der Händler außerdem. Die Anleihe (ISIN DE000A1YCQ86 / WKN A1YCQ8) des Studiumfinanzierers sei 2023 fällig und biete einen Kupon von 5 Prozent. Kunden griffen auch zu bei der bis 2028 laufenden E.ON-Anleihe (ISIN XS2177580250 / WKN A289XL) mit Kupon von 0,75 Prozent, die aktuell mit 0,856 rentiere. "Das gleicht allerdings nicht einmal die Inflation aus."

Brunner melde Käufe für Bonds (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3) der Beteiligungsgesellschaft Aurelius Equity Opportunities, die 4,25 Prozent bis 2024 biete, sowie Bonds (ISIN XS2177122624 / WKN A289XE) der Deutschen Post mit 0,75 Prozent bis 2029. Gut angekommen sei außerdem die Aufstockung der Deutsche Rohstoff-Anleihe.

Unter Druck würden Papiere von paragon bleiben. "Auf der ersten Gläubigerversammlung hat zwar eine deutliche Mehrheit der vorgeschlagenen Laufzeitverlängerung der Anleihen (ISIN DE000A2GSB86 / WKN A2GSB8) zugestimmt", erkläre Brunner. "Das notwendige Teilnahme-Quorum wurde aber nicht erreicht."

Weiter extrem volatil zeige sich die Anleihe (ISIN DE000A2YN7A3 / WKN A2YN7A) von Saxony Minerals & Exploration, die Oechsner handele. Sie sei von rund 100 Prozent auf zwischenzeitlich 18 Prozent gefallen, aktuell seien es wieder 40 Prozent. "Unternehmensspezifische Nachrichten dazu gibt es nicht."

Hochgradig spekulativ eingestellte Anleger hätten sich in größerer Zahl in Papieren (ISIN DE000A19S801 / WKN A19S80) des bolivianischen Paranussproduzenten Hylea Group getummelt, wie Oechser außerdem berichte. Die Zinszahlungen seien ausgesetzt. "Hylea befindet sich in schwierigen Verhandlungen mit den bisherigen und potenziellen neuen Finanzierungspartnern." Der Kurs pendele zwischen 6 und 7,5 Prozent. "Das Chance-Risiko-Profil zieht vermehrt Käufer an, die auf ein gutes Ergebnis hoffen". (Ausgabe vom 11.02.2022) (14.02.2022/alc/a/a)





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