Anleihen-Handel: Sorgen vor Handelskrieg


26.03.18 13:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit der deutlich gestiegenen Nervosität an den Märkten infolge der Handelsstreitigkeiten und der Facebook-Datenaffäre sind Bundesanleihen wieder gesucht, so die Deutsche Börse AG.

In Reaktion auf milliardenschwere Strafzölle der USA habe China nun Handelsstrafen gegen Washington angekündigt. "Es ist ungemütlicher geworden", kommentiere Rainer Petz von Oddo Seydler. Alles, was etwas risikobehafteter sei, werde verkauft.

"Panik oder größeren Verkaufsdruck an den Märkten gibt es aber nicht", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Laut Arthur Brunner von der ICF Bank sei es im Vergleich zu den Turbulenzen Anfang Februar noch ruhig. "Da war die Volatilität höher."

Inflationslinker (ISIN DE0001030542 / WKN 103054) würden laut Brunner im Übrigen abgestoßen. "Die sind gut gelaufen." Anleger nähmen wohl Gewinne mit.

Wenig Überraschendes habe die US-Notenbanksitzung am Mittwoch gebracht: Der neue FED-Chef Jerome Powell habe den Zinskorridor um 25 Basispunkte auf 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht - es sei die sechste Zinsanhebung seit Dezember 2015 gewesen. "Das war so erwartet worden", bemerke Brunner. "Nicht so gut an kam aber, dass die Inflationserwartungen für 2019 und 2020 nach oben gesetzt wurden." Dadurch würden einige weitere Zinsanhebungen in diesen Jahren wahrscheinlicher.

Für Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank werde es vom Lohnwachstum abhängen, ob es in diesem Jahr insgesamt drei oder vier Zinsschritte geben werde. "Dies machte Powell klar, als er sinngemäß sagte, dass er den Arbeitsmarkt erst dann als ‚eng‘ ansehe, wenn die Löhne stärker anziehen." Vor diesem Hintergrund halte die HSH Nordbank zunächst noch an drei Zinsschritten in diesem Jahr fest. "Zumal wir von einer weiteren politischen Verunsicherung ausgehen, die die FED von einer rascheren Gangart bei den Leitzinsen abhalten dürfte."

"Wegen der höheren Unsicherheit steigen die Renditeabstände von Staats- und Unternehmensanleihen", stelle Brunner fest. Besonders riskantere Anlagen wie Hybridanleihen würden verkauft, wenn auch nicht im großen Stil. Höhere Umsätze melde der Händler für die UBM-Hybridanleihe, die Hybridanleihe (ISIN XS1695284114 / WKN A2GSM1) der BayWa werde weiter gekauft. Zu- und Abflüsse gebe es in der im Segment Scale für kleinere und mittelgroße Unternehmen gelisteten, bis 2021 laufenden Anleihe (ISIN DE000A2AAKQ9 / WKN A2AAKQ) von EYEMAXX Real Estate, die aktuell bei 106,2 Prozent notiere (23.03.2018).

Wegen der anhaltenden schlechten Nachrichten um die Deutsche Bank würden Coco-Bonds (ISIN DE000DB7XHP3 / WKN DB7XHP) des Finanzinstituts deutlich verlieren, wie Petz feststelle. Coco-Bond seien langfristige, nachrangige Anleihen mit meist festem Kupon, die bei Eintreten von vorab festgelegten Ereignissen automatisch in Aktien gewandelt würden. Der Coco-Bond der Deutschen Bank habe vor kurzem noch bei 103 Prozent notiert, jetzt seien es 99,25 Prozent. "Die Umsätze sind rege", meine Petz. Die Stückelung liege hier allerdings bei 100.000 Euro.

Abgegeben werde laut Daniel eine Hapag Lloyd-Anleihe (ISIN XS1645113322 / WKN A2GSC0) mit Laufzeit bis 2024 und Kupon von 5,125 Prozent. Nach wie vor Käufe, allerdings nicht so viele wie in der Vorwoche, sehe er in dem bis Juni 2021 laufenden Bond (ISIN FI4000210646 / WKN A1823X) von Outokumpu Oyj mit Kupon von 7,25 Prozent.

Von den Neuemissionen gut an komme Daniel zufolge eine auf Euro lautende Goldman Sachs-Anleihe mit Kupon von 2 Prozent und Laufzeit von zehn Jahren. Mindestanlage seien 1.000 Euro. (Ausgabe vom 23.03.2018) (26.03.2018/alc/a/a)