Anleihen: Höhere Renditen durch neue Schulden?


16.01.26 16:01
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zehnjährige Bundesanleihe notieren am Freitagmittag im Vergleich zur Vorwoche nahezu unverändert 2,83 Prozent, so die Deutsche Börse AG.

Ähnlich sehe es in Übersee aus, wo US-Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit aktuell 4,17 Prozent Rendite abwerfen würden. Die 30-jährigen US-Staatsanleihen seien in dieser Woche kurzzeitig unter die Marke von 4,80 Prozent und damit auch wieder unter ihren gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gefallen. Ilona Korsch von Hauck Aufhäuser Lampe bezeichne dieses Niveau als einen "wichtigen technischen Bereich".

Dasselbe gelte hierzulande für die Marke von gut 3,40 Prozent, auf die die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihen in den vergangenen Tagen zurückgefallen sei. Ein Zwischenhoch aus dem vergangenen Sommer diene hier aktuell als charttechnische Unterstützung. "Bei nachhaltigem Durchhandeln könnte es in Richtung 3,20 Prozent weitergehen", weise Korsch aber auf die mögliche Gefahr kurzfristig weiter sinkender Renditen hin. Die Analysten der LBBW würden zumindest mittelfristig eine gegenläufige Entwicklung prognostizieren. Bis Ende des Jahres würden die Strategen mit höheren Renditeniveaus rechnen.

Das gelte auch für den US-Markt. Das Renditeziel für die zehnjährigen US-Treasuries liege mit 4,50 Prozent ebenfalls ein gutes Stück über den aktuellen Niveaus. Und das, obwohl die LBBW-Analysten davon ausgehen würden, dass die US-Notenbank im Juni unter dem Vorsitz des Nachfolgers von Jerome Powell ihren nächsten Zinssenkungsschritt beschließen werde. "Die Gefahr eines erneuten Kursverfalls bei langlaufenden US-Treasuries bleibt trotz Fed-Lockerung beträchtlich", erkläre Elmar Völker. Zwar sei seiner Ansicht nach der Abwärtstrend der Renditen noch intakt. Falls sich die niedrigen Inflationswerte aber nur als "Ausreißer" entpuppen würden, könne dieser Trend in Gefahr geraten.

"Trumps wiederholte Attacken auf die Fed erhöhen die Inflationsrisikoprämie", mahne der Analyst vor diesem Hintergrund. Zudem heize das in Kraft getretene US-Steuergesetz die Sorgen über eine ausufernde Staatsverschuldung weiter an. Die auf ein Dreijahreshoch gestiegene Kurvensteilheit der Renditen habe zum Jahresausklang 2025 "frisches Momentum erhalten". Der Spread zwischen zehn- und zweijährigen Anleiherenditen befinde sich mit rund 70 Basispunkten auf dem höchsten Niveau seit Januar 2022.

Auch Arif Husain von T. Rowe Price rechne mit einem "Aufwärtsdruck auf die Renditen", da fast alle Regierungen und dazu noch viele Unternehmen im KI-Sektor neue Schulden aufnehmen würden. Seiner Ansicht nach könne der Renditeaufschlag von zehnjährigen US-Staatsanleihen gegenüber Geldmarktzinsen von aktuell gut 30 auf etwa 150 bis 200 Basispunkte steigen. Deshalb rate auch er den Anlegerinnen und Anlegern: "Verwechseln Sie nicht die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen mit der Richtung der Renditen mit langer Laufzeit".

Eine These, die auch der erfahrene Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt vertrete: "In diesem Zyklus ist auffällig, dass Leitzinssenkungen der Notenbanken nicht automatisch fallende Langfristzinsen bedeuten. Wenn die Staatsverschuldung hoch bleibt, Term-Prämien steigen und Emissionsvolumina groß sind, kann die zehnjährige Rendite trotz sinkendem Leitzins oben bleiben, wie zuletzt zu beobachten war".

Im Segment der Unternehmensanleihen melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Käufe der Anleihen von BMW (ISIN XS3075490188), Mercedes-Benz (ISIN DE000A3LH6U5) und der Asian Development Bank (ISIN XS3074428841). Gute Nachfrage sehe er auch für einen neu emittierten Bond von Heidelberg Materials (ISIN XS3270897575). Verkauft werde hingegen die bis 2027 laufende Porsche-Anleihe (ISIN XS2643320018). Der Autobauer habe diese Woche erneut schwache Absatzzahlen gemeldet.

Die von niedrigem Niveau aus deutlich gestiegene Venezuela-Anleihe in US-Dollar (ISIN USP17625AE71) sei von ihrem Hoch bei 43 Prozent wieder auf 39 Prozent zurückgefallen. "Nach der Aufwärtsbewegung in der ersten Handelswoche ist hier wieder Ruhe eingekehrt", erkläre Daniel mit Blick auf die rückläufigen Umsätze.

Raffaele Antacido von der ICF Bank berichte derweil von einem erneuten Kurssturz der bis 2029 laufenden Anleihe der ABO Energy GmbH & Co. KGaA (ISIN DE000A3829F5). "Der Bond ist innerhalb von zwei Tagen von 50 Prozent auf nur noch 20 Prozent gefallen." Mitte November sei das Papier noch zu Kursen von über 100 Prozent gehandelt worden. Nachdem der Vorstand im November bereits vor einem Fehlbetrag von 95 Mio. Euro im Jahr 2025 gewarnt habe, sei die Verlustprognose nun noch mal deutlich auf rund 170 Mio. Euro ausgeweitet worden. Das sei bei Anlegerinnen und Anlegern gar nicht gut angekommen und habe für eine Flucht aus der Anleihe und der Aktie des Unternehmens gesorgt. (16.01.2026/alc/a/a)





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