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Anleihen: Kauffreude ungebremst
04.03.24 09:21
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Rekorde über Rekorde an den Aktienmärkten, da stehen Anleihen im Schatten, so die Deutsche Börse AG.
"Es war eine verrückte Woche, mit immer neuen DAX-Allzeithochs und dem Bitcoin-Höhenflug", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Diese "Risk-on"-Stimmung habe die Rentenmärkte unter Druck gebracht. Die Umsätze im Anleihehandel seien allerdings ausgesprochen gut. "Etwa wurden vor Bekanntgabe der jüngsten US-Inflationszahlen viele US-Treasuries gekauft." Auch Tim Oechsner von der Steubing AG melde einen regen Handel, etwa mit Staatsanleihen aus den USA und der Eurozone.
Zehnjährige Bundesanleihen hätten vergangene Woche in der Spitze mit 2,5 Prozent nach 2,36 Prozent vergangenen Freitag rentiert. Am Freitagmorgen seien es 2,45 Prozent gewesen.
Die neuesten Inflationszahlen hätten keine großen Überraschungen geboten, der Preisdruck lasse weiter nach. Der PCE-Index, bevorzugtes Preismaß der US-Notenbank, sei im Januar nur noch um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Inflationsrate in Deutschland sei im Februar zurückgegangen auf 2,5 Prozent. Auch die Inflation in der Eurozone habe sich im Februar weiter abgeschwächt, wie am 1. März 2024 bekannt geworden sei, und zwar auf 2,6 Prozent. Hier sei allerdings nur mit 2,5 Prozent gerechnet worden.
Bei der kommenden Donnerstag anstehenden EZB-Sitzung werde noch nichts passieren, heiße es am Markt. Im Laufe des Jahres würden die Leitzinsen aber in jedem Fall sinken. "Allerdings sprechen die anhaltend starken Lohnerhöhungen dafür, dass sich die Notenbanker mit einer ersten Zinssenkung bis Juni Zeit lassen werden", erkläre Commerzbank-Analyst Marco Wagner.
Was Staatsanleihen angehe, sehe Oechsner gute Nachfrage nach einer EU-Anleihe, die im November 2025 fällig sei und aktuell rund 2,9 Prozent abwerfe. Gesucht sei auch eine neue EU-Anleihe (ISIN EU000A3K4ES4 / WKN A3K4ES) mit 3 Prozent bis 2034. Ebenfalls gefragt: Italienische Staatsanleihen (ISIN IT0005508590 / WKN A3K88Y) mit Fälligkeit 2035 und Kupon von 4 Prozent.
Im Handel mit Unternehmensanleihen beobachte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Käufe für die bis 2029 laufende Sixt-Anleihe mit 3,75 Prozent-Kupon. Der Autovermieter habe am 1. März 2024 einen Rekordumsatz für 2023 gemeldet - und das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.
Ebenfalls gut an kämen Papiere von E.ON (ISIN XS2574873266 / WKN A30V8A), VW (ISIN XS2374595127 / WKN A2LQ6Q) und Grenke mit Laufzeiten bis 2028, 2025 und 2025 sowie Renditen von 3,24, 3,65 und 4,1 Prozent. "Schwerpunkt sind zwar weiter kurze und mittlere Laufzeiten, so mancher kauft aber auch lange Laufzeiten", ergänze Daniel. Beispiel sei die bis 2034 laufende EnBW-Anleihe mit aktueller Rendite von 3,88 Prozent.
Positive Analystenmeinungen hätten laut Brunner zu Zuflüssen in Anleihen (ISIN NO0013017657 / WKN A3LNLX) der niederländischen Medien- und Unternehmensgruppe Azerion geführt. Oechsner zufolge sei die 2028 fällige Siemens-Anleihe beliebt, mit aktueller Rendite von 2,95 Prozent. Ein Minus melde der Steubing-Händler für Anleihen (ISIN USA0400QAK34 / WKN A3LRMM) von AMS-OSRAM. Der deutsch-österreichische Konzern habe am 29. Februar 2024 den Verlust eines wichtigen Großkunden gemeldet, es solle sich um Apple handeln.
Im Bereich der Mittelstandsanleihen hätten laut Brunner zwei Bonds (ISIN NO0011037327 / WKN A3KTC6; ISIN NO0012702549 / WKN A3LBT7) des finnischen Finanzdienstleisters Multitude deutlich zulegen können. "Da könnten die abgeschlossenen Verkäufe des Deutsche Mittelstandsanleihenfonds hinterstecken", vermute Brunner.
Keine Erholung gebe es am Markt für Immobilienanleihen. Die stark in den USA engagierte Aareal Bank habe vergangene Woche einen Gewinneinbruch und eine deutlich höhere Risikovorsorge gemeldet. "Das Problem US-Gewerbeimmobilien bleibt", bemerke Rainer Petz von Oddo BHF. Die bei Oddo gehandelte, 2027 fällige Anleihe (ISIN DE000A2DASM5 / WKN A2DASM) mit Kupon von 4,6 Prozent notiere aktuell um 40 Prozent.
Neu am Markt sei laut Daniel der Bond (ISIN NO0013149658 / WKN A3513A) des westfälischen Anbieters von Gesundheits- und Schönheitsprodukten LR Health & Beauty mit 11,437 Prozent und Laufzeit bis 2028. "Das Interesse ist aber nicht sonderlich groß." Die Anleihe diene der vorzeitigen Refinanzierung einer 2025 fälligen Anleihe der Tochter LR Global Holding.
Außerdem habe Reisekonzern TUI Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug im Volumen von 500 Millionen Euro (ISIN XS2776523669 / WKN A38255) auf den Markt gebracht, wie Petz erkläre. Ursprünglich sollten es nur 300 Millionen Euro sein, die Nachfrage sei enorm hoch gewesen. Die Verzinsung liege anfangs bei 5,875 Prozent und sei im Weiteren an Nachhaltigkeitsziele geknüpft. Sie steige, wenn bestimmte CO2-Reduktionsziele nicht erreicht würden. (Ausgabe vom 01.03.2024) (04.03.2024/alc/a/a)
"Es war eine verrückte Woche, mit immer neuen DAX-Allzeithochs und dem Bitcoin-Höhenflug", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Diese "Risk-on"-Stimmung habe die Rentenmärkte unter Druck gebracht. Die Umsätze im Anleihehandel seien allerdings ausgesprochen gut. "Etwa wurden vor Bekanntgabe der jüngsten US-Inflationszahlen viele US-Treasuries gekauft." Auch Tim Oechsner von der Steubing AG melde einen regen Handel, etwa mit Staatsanleihen aus den USA und der Eurozone.
Zehnjährige Bundesanleihen hätten vergangene Woche in der Spitze mit 2,5 Prozent nach 2,36 Prozent vergangenen Freitag rentiert. Am Freitagmorgen seien es 2,45 Prozent gewesen.
Die neuesten Inflationszahlen hätten keine großen Überraschungen geboten, der Preisdruck lasse weiter nach. Der PCE-Index, bevorzugtes Preismaß der US-Notenbank, sei im Januar nur noch um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Inflationsrate in Deutschland sei im Februar zurückgegangen auf 2,5 Prozent. Auch die Inflation in der Eurozone habe sich im Februar weiter abgeschwächt, wie am 1. März 2024 bekannt geworden sei, und zwar auf 2,6 Prozent. Hier sei allerdings nur mit 2,5 Prozent gerechnet worden.
Bei der kommenden Donnerstag anstehenden EZB-Sitzung werde noch nichts passieren, heiße es am Markt. Im Laufe des Jahres würden die Leitzinsen aber in jedem Fall sinken. "Allerdings sprechen die anhaltend starken Lohnerhöhungen dafür, dass sich die Notenbanker mit einer ersten Zinssenkung bis Juni Zeit lassen werden", erkläre Commerzbank-Analyst Marco Wagner.
Was Staatsanleihen angehe, sehe Oechsner gute Nachfrage nach einer EU-Anleihe, die im November 2025 fällig sei und aktuell rund 2,9 Prozent abwerfe. Gesucht sei auch eine neue EU-Anleihe (ISIN EU000A3K4ES4 / WKN A3K4ES) mit 3 Prozent bis 2034. Ebenfalls gefragt: Italienische Staatsanleihen (ISIN IT0005508590 / WKN A3K88Y) mit Fälligkeit 2035 und Kupon von 4 Prozent.
Ebenfalls gut an kämen Papiere von E.ON (ISIN XS2574873266 / WKN A30V8A), VW (ISIN XS2374595127 / WKN A2LQ6Q) und Grenke mit Laufzeiten bis 2028, 2025 und 2025 sowie Renditen von 3,24, 3,65 und 4,1 Prozent. "Schwerpunkt sind zwar weiter kurze und mittlere Laufzeiten, so mancher kauft aber auch lange Laufzeiten", ergänze Daniel. Beispiel sei die bis 2034 laufende EnBW-Anleihe mit aktueller Rendite von 3,88 Prozent.
Positive Analystenmeinungen hätten laut Brunner zu Zuflüssen in Anleihen (ISIN NO0013017657 / WKN A3LNLX) der niederländischen Medien- und Unternehmensgruppe Azerion geführt. Oechsner zufolge sei die 2028 fällige Siemens-Anleihe beliebt, mit aktueller Rendite von 2,95 Prozent. Ein Minus melde der Steubing-Händler für Anleihen (ISIN USA0400QAK34 / WKN A3LRMM) von AMS-OSRAM. Der deutsch-österreichische Konzern habe am 29. Februar 2024 den Verlust eines wichtigen Großkunden gemeldet, es solle sich um Apple handeln.
Im Bereich der Mittelstandsanleihen hätten laut Brunner zwei Bonds (ISIN NO0011037327 / WKN A3KTC6; ISIN NO0012702549 / WKN A3LBT7) des finnischen Finanzdienstleisters Multitude deutlich zulegen können. "Da könnten die abgeschlossenen Verkäufe des Deutsche Mittelstandsanleihenfonds hinterstecken", vermute Brunner.
Keine Erholung gebe es am Markt für Immobilienanleihen. Die stark in den USA engagierte Aareal Bank habe vergangene Woche einen Gewinneinbruch und eine deutlich höhere Risikovorsorge gemeldet. "Das Problem US-Gewerbeimmobilien bleibt", bemerke Rainer Petz von Oddo BHF. Die bei Oddo gehandelte, 2027 fällige Anleihe (ISIN DE000A2DASM5 / WKN A2DASM) mit Kupon von 4,6 Prozent notiere aktuell um 40 Prozent.
Neu am Markt sei laut Daniel der Bond (ISIN NO0013149658 / WKN A3513A) des westfälischen Anbieters von Gesundheits- und Schönheitsprodukten LR Health & Beauty mit 11,437 Prozent und Laufzeit bis 2028. "Das Interesse ist aber nicht sonderlich groß." Die Anleihe diene der vorzeitigen Refinanzierung einer 2025 fälligen Anleihe der Tochter LR Global Holding.
Außerdem habe Reisekonzern TUI Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug im Volumen von 500 Millionen Euro (ISIN XS2776523669 / WKN A38255) auf den Markt gebracht, wie Petz erkläre. Ursprünglich sollten es nur 300 Millionen Euro sein, die Nachfrage sei enorm hoch gewesen. Die Verzinsung liege anfangs bei 5,875 Prozent und sei im Weiteren an Nachhaltigkeitsziele geknüpft. Sie steige, wenn bestimmte CO2-Reduktionsziele nicht erreicht würden. (Ausgabe vom 01.03.2024) (04.03.2024/alc/a/a)
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