Anleihen: Renditechance Devisenmarkt


29.11.13 16:14
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während am Aktienmarkt die Hausse weiterläuft und zahlreiche Anleger anlockt, verläuft das Rentengeschäft bisweilen in sehr gemäßigten Bahnen, so die Deutsche Börse AG.

"Um Anleihen ist es momentan eher ruhig, zumal die niedrigen Zinsen für vergleichsweise sichere Papiere nicht gerade attraktiv sind", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Kursmakler AG. Daneben hätten viele Investoren in den USA das Thanksgiving-Fest am gestrigen Donnerstag zum Auftakt eines verlängerten Wochenendes genutzt. "An den Börsen herrschte diese Woche daher schon fast Urlaubsstimmung", ergänze der Händler.

Allerdings gelte das nicht für jedes Marktsegment: So melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft eine Belebung des Handels mit Fremdwährungsanleihen. "Vor allem die Nachfrage nach Titeln in Australischen Dollar (AUD) ist zuletzt gestiegen", erkläre der Händler und berichte von regen Umsätzen in einer bis 2020 laufenden Anleihe (ISIN XS0993259844 / WKN A1HTDX) von CocaCola sowie einer ebenfalls in Australischen Dollar denominierten BMW-Anleihe mit Laufzeit bis 2017.

Auch die Baader Bank spreche von einer "Wiederentdeckung" von Fremdwährungsanleihen in Australischen Dollar. "Dieser Währung wird nach dem erfolgreichen Schwachreden seitens der eigenen Notenbank von den Anlegern offenbar Aufwertungspotenzial zugetraut", vermute der Baader-Händler Klaus Stopp.

So stehe unter anderem eine Anleihe (ISIN AU0000KFWHX0 / WKN A1X3F5) der KfW im Fokus, die bei einer Laufzeit bis März 2024 eine Rendite von rund 5,1 Prozent abwerfe. Außerdem würden sich Anleger laut Stopp für einen Bond (ISIN AU3CB0198034 / WKN A1G803) in Australischen Dollar der Europäischen Investitionsbank interessieren, der im August 2022 fällig werde und mit rund 5 Prozent rentiere.

Die Kursentwicklung des Rentenbarometers Euro-Bund-Future sei laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank in den vergangenen Tagen unter anderem von den Koalitionsverhandlungen in Deutschland bestimmt worden. "Mit Erleichterung wurde am Mittwoch die Einigung auf einen Koalitionsvertrag von Union und SPD aufgenommen. Beim Bund-Future war eine Konsolidierung zu beobachten, der Handel in Bundesanleihen zeigte einen eher ruhigen Verlauf", beobachte der Spezialist.

Nach 141,70 Punkten am Montag habe der Indikator für langfristige Zinserwartungen zur Wochenmitte auf rund 141,2 Punkte nachgegeben, mittlerweile habe der Index das Niveau vom Wochenbeginn aber wieder zurückerobert. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell eine Rendite von 1,68 Prozent abwerfen.

Um Mittelstandsanleihen sei es laut Brunner in dieser Woche sehr ruhig. "Immerhin wurde der Verkaufstrend der vergangenen Woche aber wieder eingebremst", merke der Spezialist an. In der Vorwoche habe der Insolvenzantrag der getgoods.de und die Razzia in den Geschäftsräumen des Unternehmens für Verunsicherung gesorgt und die Kurs unter Druck gebracht. Zu den wenigen gefragten Papieren zähle Brunner aktuell eine Anleihe (ISIN DE000A1HA979 / WKN A1HA97) von SAF Holland, die noch bis 2018 laufe und aktuell eine Rendite von rund 4,2 Prozent abwerfe.

Die Favoriten der vergangenen Wochen, Nachranganleihen (ISIN DE000A1ALVC5 / WKN A1ALVC; ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30) der Deutschen Bank seien laut Hellwig auch in dieser Woche die Umsatzspitzenreiter - allerdings hätten die Investoren die Seite gewechselt. "Waren in den Vorwochen die Papiere gesucht, so gaben die Anleger jetzt das Signal zum - zumindest vorübergehenden - Ausstieg. In beiden Anleihen gaben die Kurse deutlich nach und es fand sich regelmäßig ein billigerer Abgeber", melde der Spezialist.

Die im Markt tatsächlich genannten Begründungen für den Kursrückgang seien indes vielfältig und hätten sich nicht auf einen Nenner bringen lassen. "Manche Marktteilnehmer handelten sicher nach dem Motto: Der Shortie ist bei Gott beliebt, weil er nichts hat und trotzdem gibt", spekuliere Hellwig.

"Ordentliche Käufe" habe Daniel unterdessen bei einer RWE-Anleihe in den Büchern. "Das Papier bietet einen Kupon von 4,625 Prozent, allerdings gilt dieser nur bis September 2015, danach gilt ein variabler Zins. Zudem hat RWE im September 2015 eine Kündigungsoption. Wenn die genutzt wird, beträgt die Rückzahlung 100 Prozent", erkläre Daniel und ergänze, dass die Verzinsung und die möglicherweise kurze Laufzeit für einige Investoren offenbar attraktiv sei.

Nachdem der Kurs der Windreich-Anleihe in der vergangenen Woche ohne offiziellen Grund eingebrochen sei, habe sich mittlerweile das Gerücht bestätigt, dass die Insolvenz in Eigenregie nicht funktioniere und nun ein Regelinsolvenzverfahren Anwendung finde, wie Hellwig berichte. Der bisherige Sachwalter Holger Blümle sei zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen worden. Aktuell notiere die Anleihe bei 6,25 Prozent, vor zwei Wochen seien es noch über 11 Prozent gewesen, vor zwei Monaten gar mehr als 50. (29.11.2013/alc/a/a)