Anleihen: "Rentenbären halten das Heft fest in der Hand"


18.11.24 10:24
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Höhenflug der Renditen am amerikanischen Anleihemarkt setzt sich weiter fort, so die Deutsche Börse AG.

Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen dürften sich Anlegerinnen und Anleger aktuell über eine Rendite von 4,43 Prozent freuen, was auf Wochensicht einen Anstieg von weiteren 13 Basispunkten bedeute. Vor fünf Monaten seien mit diesen Papieren lediglich 3,60 Prozent zu verdienen gewesen. Als wesentlicher Grund für den anhaltenden Anstieg gelte unverändert die Aussicht auf eine sich ausweitende Staatsverschuldung während der Regierungszeit von Donald Trump.

Die Analysten der LBBW gingen davon aus, dass sich der Trend bei den Renditen auf absehbare Zeit nicht umkehren werde. Mit Blick auf den Kursverlauf der vergangenen Tage erwarteten sie, dass die zwischenzeitliche Konsolidierung "nur eine kurze Atempause darstellt, bevor eine neue Schwächephase einsetzt". Fallende Anleihekurse würden gleichbedeutend mit weiter steigenden Renditen sein.

Nach Ansicht der LBBW hielten "die Rentenbären" das Heft aktuell fest in der Hand. Hinzu käme, dass die Markttechnik den Bären zusätzlich in die Karten spielen könnte. "Insbesondere ein Sprung über die Marke von 4,50 Prozent könnte eine neuerliche Verkaufswelle lostreten", avisierten die Experten mit Verweis auf den an dieser Marke verlaufenden Abwärtstrend (seit Herbst 2023) der zehnjährigen Rendite. In diesem Szenario würde das Jahreshoch bei rund 4,70 Prozent als nächste wichtige Marke in den Blick rücken.

Die Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen nehme vor diesem Hintergrund auch an der Börse Frankfurt tendenziell zu. Arthur Brunner von der ICF Bank habe von "guten Umsätzen in US-Bonds" berichtet. Gekauft werde zum Beispiel eine bis 2030 laufende Staatsanleihe, die zwar nur einen Kupon von 0,625 Prozent abwerfe, bei aktuellen Kursen von rund 82 Prozent bis zur Fälligkeit aber trotzdem eine Rendite von 4,4 Prozent ermögliche (ISIN US912828ZQ64 / WKN A28XEH). "Hier sind einige Anleger auf den Zug aufgesprungen", erkläre der Renten-Händler.

Unter die Euphorie, die vor allem an den Aktienmärkten seit der US-Wahl herrsche, mischten sich mit Blick auf die Stärke der heimischen Konjunktur und der Ankündigung von Einfuhrzöllen zunehmend Sorgen vor einem baldigen Comeback der Inflation. Ein Grund, warum die amerikanische Notenbank bei ihren Zinssenkungsschritten etwas vom Gaspedal gehen könnte. Nach der jüngsten Aussage von Fed-Chef Jerome Powell könne man sich Zeit nehmen, über das weitere Tempo der Zinssenkungen zu entscheiden. "Die Wirtschaft sendet keine Signale, dass wir es mit Zinssenkungen eilig haben müssen", sei nach Meinung der Deutschen Bank am Donnerstag der entscheidende Satz gewesen, der von Powell über die Ticker gelaufen sei.

Tim Oechsner von der Steubing AG gehe daher auch davon aus, dass die Fed eher auf Sicht fahren und einen langsameren Kurs einschlagen werde. "Wie schon in Trumps erster Amtszeit dürfte die US-Notenbank nicht antizipieren, was politisch kommen könnte, sondern reagieren", erkläre der Händler.

Klaus Stopp von der Baader Bank habe unter Verweis auf die Terminmärkte berichtet, dass sich die Zinssenkungserwartungen zuletzt "eingedämpft hätten". Demnach rechneten aktuell nur noch gut 62 Prozent der Marktteilnehmer*innen im Dezember mit einem Zinsschritt der Fed. Vor einem Monat seien es noch über 85 Prozent gewesen. Die sich aus diesen Daten ergebende "Wahrscheinlichkeit" von zwei aufeinander folgenden Zinssenkungen im Dezember und im Januar sei sogar von 64 auf nur noch 17 Prozent gesunken.

Die veränderte Erwartungshaltung spiegle sich auch am Devisenmarkt wider, wo der Dollar gegenüber dem Euro an Wert gewinne. An den Märkten herrsche aktuell die Meinung vor, dass die EZB wegen der schlechteren wirtschaftlichen Situation die Zinsen schneller und/oder länger senken müsse als die Fed. Die jüngsten Veränderungen bei den Wechselkursen hätten zur Folge, dass in Dollar notierte Bonds bei der Umrechnung in Euro mehr wert seien. Für einige investierte Anlegerinnen und Anleger sei diese für sie günstige Entwicklung womöglich ein Grund zum Ausstieg gewesen. Stopp habe jedenfalls von verstärkten Verkäufen entsprechender Staatsanleihen berichtet, wie eine bis 2029 laufende Apple-Anleihe.

Andere Ursachen dürften die Abgaben bei der 2027 fälligen Anleihe von Mutares haben, von denen Brunner berichtet habe. Das Papier habe Ende September schon einmal stark unter Druck gestanden, habe sich im Anschluss etwas erholen können und müsse jetzt den nächsten Abwärtsschub verkraften. Innerhalb von zwei Wochen sei der Kurs des mit einem Kupon von 11,85 Prozent versehenen Bonds von 102 auf 94 Prozent gefallen. Die Beteiligungsgesellschaft sei im Herbst Opfer einer Short-Attacke von Gotham City Research geworden. "Da sind einige Anleger wohl nervös geworden", vermute Brunner. Das Unternehmen habe die Vorwürfe des Leerverkäufers zurückgewiesen und in der abgelaufenen Woche im Zuge der Vorlage seiner Quartalszahlen die Jahresziele bestätigt. (Ausgabe vom 15.11.2024) (18.11.2024/alc/a/a)





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