Anleihen-Rückblick 2023: "Kleine Renaissance der Staatsanleihen"


22.12.23 16:16
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ein Horrorjahr wie 2022 war 2023 für Anleihen nicht - auch wenn es lange danach aussah, so die Deutsche Börse AG.

Bis zum Oktober noch hätten sich Kursverfall und Renditeanstieg fortgesetzt, dann habe es aber geheißen: Kehrtwende. "Es war ein sehr volatiles Jahr", stelle Tim Oechsner von der Steubing AG fest. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei erst von 2,20 Prozent bis auf über 3 Prozent geklettert, dann sei sie wieder auf aktuell 1,98 Prozent gesunken. Für USA-Staatsanleihen ergebe sich im Jahresvergleich noch ein Anstieg auf aktuell 3,87 Prozent, die Hochs hätten allerdings bei über 5 Prozent gelegen.

Treiber seien abermals die Notenbanken gewesen. Lange ging es um Zinserhöhungen und Zinserhöhungserwartungen, dann - mit dem Rückgang der Inflation - um Zinssenkungen, beziehungsweise Spekulationen darüber, so die Deutsche Börse AG. Die Helaba spreche von der derzeit herrschenden "Zinssenkungseuphorie der Anleger". "Anleiheinvestoren werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach nächstes Jahr nicht mehr über stark fallende Renditen freuen können", meine Anleiheanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Die nachlassende Inflation, die bevorstehende konjunkturelle Abschwächung und die sich abzeichnenden Zinssenkungen dürften sich zwar positiv auf die Anleihepreise auswirken. Die Bank sehe nach dem Renditerückgang der letzten Wochen allerdings nun deutlich weniger Potenzial für Anleihen. "Bei den zweijährigen Bundesanleihen erwarten wir von den derzeitigen Niveaus keinen starken Rückgang mehr. Die zehnjährigen Bundrenditen dürften innerhalb des nächsten Jahres noch auf 1,9 Prozent fallen."

Schon im März 2022 habe die US-Notenbank begonnen, die Zinsen anzuheben. 2023 habe sie den Kurs fortgesetzt, seit Juli stehe der Zinssatz nun bei 5,25 bis 5,50 Prozent. Auch die EZB, die im Juli 2022 mit den Erhöhungen begonnen habe, habe dieses Jahr weiter erhöht. Hier liege der Leitzins seit September bei 4,5 Prozent, der Einlagensatz bei 4 Prozent.

Neben den deutlichen Zinsbewegungen sei auch die inverse Zinsstrukturkurve Thema geblieben. Die Zinsen langfristiger Anleihen würden also unter denen kurzfristiger liegen - normal sei es andersherum. "Die Zinskurve in den USA und auch Europa war das ganze Jahr invers, das ist ein klares Rezessionssignal", bemerke Oechsner.

Zumindest nach einer Eurokrise 2.0 habe es 2023 nicht ausgesehen: Die Spreads im Euroraum, also die Risikoaufschläge bonitätsschwächerer Länder gegenüber Deutschland, hätten sich unter dem Strich nicht ausgeweitet. Nur Italien sei zwischenzeitlich mal wieder Thema gewesen, während das ehemalige Sorgenkind Griechenland keinerlei Sorgen mehr bereite.

Eine Nachricht sei am Markt dieses Jahr überraschend gekommen: Ende November habe die Finanzagentur des Bundes bekannt gegeben, dass es ab dem kommenden Jahr keine neuen inflationsgebundenen Anleihen ("Linker") mehr geben werde. Bestehende sollten auch nicht mehr aufgestockt werden. Deutschland habe erstmals im März 2006 solche Anleihen begeben. Die noch ausstehenden Papiere würden weiter handelbar sein.

Angesichts der hohen Zinsen hätten Privatanleger bei Staatsanleihen wieder gerne zugegriffen, wie die Anleihehändler berichten würden. "Man kann von einer kleinen Renaissance der Staatsanleihen dieses Jahr sprechen", erkläre Rainer Petz von Oddo BHF. Die Stückelung von nur 1.000 Euro habe gerade europäische Staatsanleihen für den Retail-Markt attraktiv gemacht. Sehr gut angekommen seien Petz zufolge etwa Rumänien-Anleihen, beispielsweise eine im September emittierte mit Kupon von 6,375 Prozent und Fälligkeit 2033, die aktuell mit 5,55 Prozent rentiere (ISIN XS2689948078/ WKN A3LNGG). Ebenfalls gefragt: ältere Rumänien-Bonds, etwa 2021 emittierte mit Kupon von 2,75 Prozent und Fälligkeit 2041 (ISIN XS2330514899/ WKN A3KPJB). Die hätten im Tief bei 57 Prozent notiert, jetzt seien es 67 Prozent. "Privatanleger kaufen gerne unter Pari", stelle Petz fest.

"Im "Risk-off-Modus" waren sichere Papiere wie Bundesanleihen oder US-Treasuries (ISIN US91282CDQ15/ WKN A3K0N8, ISIN US912810RG58/ WKN A1ZHW3) gesucht, im Risiko-on-Modus auch risikoreichere", erkläre Oechsner. Gute Umsätze melde er für italienische (ISIN IT0005001547/ WKN A1ZD9K, ISIN IT0004286966/ WKN A0TLHC), polnische (ISIN PL0000108197/ WKN A1ZKG5) und auch rumänische Staatsanleihen (ISIN XS1129788524/ WKN A1ZRL7). Immer wieder nachgefragt seien Papiere des ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) (ISIN EU000A1U9944/ WKN A1U994, ISIN EU000A1Z99M6/ WKN A1Z99M).

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank habe ebenfalls viele Käufe von Staatsanleihen gesehen, von Rumänien, Polen (ISIN XS2726911931/ WKN A3LRPY) oder Spanien (ISIN ES0000012F43/ WKN A2R3SN). Der schwächere US-Dollar habe zudem US-Dollar-Anleihen interessant gemacht, wie Arthur Brunner von der ICF Bank feststelle. (22.12.2023/alc/a/a)





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