Anleihenmarkt: Zinsen bleiben im Keller


23.07.21 15:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit den gestern angekündigten Änderungen der so genannten Forward Guidance scheint klar, dass die EZB den Geldhahn noch für sehr lange Zeit weit geöffnet lassen wird, so die Deutsche Börse AG.

Mit Zinsanhebungen möchten die Währungshüter nun warten, bis es mit dem Preisdruck nachhaltig an oder über die 2 Prozentmarke gehe. Für Gunter Deuber von der Raiffeisen Bank International in Wien seien damit wirkliche geldpolitische Änderungen vor 2024 oder 2025 nahezu ausgeschlossen. Denn nun müsse der harmonisierte Verbraucherpreisindex im EZB-Prognosehorizont einige Jahre über 2 Prozent liegen, bevor es zu wirklichen geldpolitischen Anpassungen komme. Für den Finanzmarkt ändere sich eigentlich nichts. Auf Jahre unveränderte Leitzinsen seien ohnehin eingepreist. Hinweise darauf, wie es mit den Anleihe-Käufen nach März 2022 weitergehen solle, seien ausgeblieben. Deuber erwarte ein vorsichtiges Ausgleiten des Pandemieprogramms PEPP. Im Bondhandel registriere Arthur Brunner von der ICF Bank eine Vorliebe für als sicher geltende Staatspapiere aus dem Euroraum. "Die Renditen von Bundesanleihen liegen stabil auf niedrigem Niveau." Der Euro-Bund-Future habe im Wochenverlauf von 75,5 auf 75,9 Punkte leicht hinzugewonnen.

Den Handel mit Unternehmensanleihen beschreibe Brunner als eher zurückhaltend. Nennenswerte Umsätze registriere der Händler in einer seit Ende Juni handelbaren, nachrangigen Multitude SE-Anleihe (ISIN NO0011037327 / WKN A3KTC6) mit einem Kupon von 8,9 Prozent. Auch an einer in 2025 fälligen LR Global Holding-Anleihe (ISIN NO0010894850 / WKN A3H3FM) mit einem jährlichen Zins von 7,25 Prozent fänden Anleger unterm Strich Gefallen. Beide würden derzeit um 104 Prozent notieren. Zusammen mit dem laut Brunner gesuchten Ferratum-Papier mit einer jährlichen Verzinsung 5,5 Prozent falle auf, dass alle drei Hochzinswerte als Nordic Bond emittiert worden seien.

Emittenten insbesondere von Hochzinsanleihen würden sich Experten zufolge seit einigen Jahren zunehmend für das Nordic Bond-Format entscheiden. Die Vorzüge lägen unter anderem in einer einfachen Standarddokumentation, die den sonst üblichen umfangreichen Prospekt ersetze. Dadurch könne der gesamte Prozess in der Regel zu geringeren Kosten in wenigen Wochen durchgeführt werden. Abgestimmt werde die Anleihe-Vereinbarung, das Bond Agreement samt den Anleihebedingungen, das Term Sheet, mit einem Treuhänder. Dieser trete als Mittler zwischen Herausgeber und Investor auf, übernehme Dokumentation, das Monitoring und Krisenmanagement.

Überwiegend Käufe verbuche Brunner in einer 25 Millionen Euro schweren Anleihe der hep global mit einem Kupon von 6,5 Prozent. Ein gefragter Bond der Industria Wohnen (ISIN DE000A3H20R1/ WKN: A3H20R) bringe jährlich 0,75 Prozent.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank spreche von einem sommerlich typischen Handelsaufkommen. Zu den auffälligsten Transaktionen hätten Käufe einer bis Mai 2024 laufenden Anleihe von Hella mit einem Kupon von 1 Prozent gehört. Ebenfalls in den Depots lande ein Württemberg Leben-Langläufer (ISIN XS1064049767 / WKN A11QFG), der jährlich 5,25 Prozent bringe.

Nachdem die zweite Abstimmung über die Stundung der Zinsen für eine bis Juni 2024 laufende Anleihe des strauchelnden Hemdenherstellers Eterna nicht die nötige Zustimmung erreichte, sei der Wert nach Beobachtung von Brunner unter deutlichen Verkaufsdruck gekommen. "Anleger haben scheinbar die Geduld verloren." Nach 42 Punkten zum Wochenstart koste der Wert aktuell rund 29 Prozent. Eterna werde eigenen Angaben zufolge die Gespräche mit allen involvierten Parteien fortführen, um die Kündigung des Schuldscheindarlehens zu vermeiden. Ein in Auftrag gegebenes IDW S6 Gutachten werde voraussichtlich im August vorgelegt. Dieses solle aufzeigen, ob Eterna erfolgreich saniert werden könne. (23.07.2021/alc/a/a)





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