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EZB: Angespannte vorweihnachtliche Ruhe


15.12.25 08:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der jüngste Anstieg der Inflation auf 2,2% hat erneut gezeigt, dass es für die Teuerung in der Eurozone nicht viel Spielraum nach unten gibt, so die Analysten der Helaba.

Die Meinungen im EZB-Rat bezüglich einer Fortsetzung des neutralen geldpolitischen Kurses würden daher diesmal vermutlich nicht weit auseinander liegen. Ein Grund dafür sei, dass bei den EZB-Projektionen keine verbesserten Inflationsprognosen zu erwarten seien, sondern eher das Gegenteil. Der einflussreiche französische Notenbankchef Villeroy de Galhau, der dem Lager der "Tauben" zugeordnet werde, sehe die Wahrscheinlichkeiten für eine Lockerung und eine Straffung der Geldpolitik inzwischen als tendenziell ausgeglichen an.

Als Isabel Schnabel angedeutet habe, dass der nächste Zinsschritt wohl nach oben gehen werde, seien die Zinssätze an den Terminmärkten weiter angestiegen. Ihre Aussage erhalte zusätzliches Gewicht, weil das deutsche Direktoriumsmitglied, das dem Falkenlager angehöre, durchaus Chancen auf die Nachfolge von Christine Lagarde als EZB-Präsidentin besitze. Deren Amtszeit ende im Oktober 2027. Immerhin hätten die anderen großen Euro-Länder Italien und Frankreich den Posten bereits besetzt - Letztere sogar schon zwei Mal.

Die Hinweise der Ratsmitglieder kämen zu einem Zeitpunkt, an dem die Anleger an den Rentenmärkten spürbar nervös seien. Der massive Anstieg der japanischen Renditen sowie die Frage nach der US-Geldpolitik im kommenden Jahr würden gleichermaßen verunsichern. Über allem schwebe zudem die steigende Staatsverschuldung in vielen Ländern. In diesem Kontext hätten es vor allem lange Laufzeiten in diesem Jahr am Markt sehr schwer. So hätten sich die Ertragsverluste bei 30-jährigen Bundesanleihen im Dezember auf über 13% ausgeweitet. Hier könnte insbesondere das veränderte Anlageverhalten der bedeutenden niederländischen Pensionskassen Einfluss haben.

Aber auch die destruktiven Aussagen der US-Administration gegenüber der Europäischen Union könnten zuletzt eine Rolle gespielt haben. Diese politischen Entwicklungen würden darauf hindeuten, dass die finanziellen Lasten Deutschlands, das als Kernland den Laden zusammenhalten müsse, noch größer werden könnten als bislang angenommen. Auch die EZB dürfte sich dieser kritischen politischen Situation annehmen und damit der Frage, wie sich die Geldpolitik dabei verhalten sollte. In einem turbulenten geopolitischen Umfeld könne die EZB vermutlich am besten wirken, wenn sie für Ruhe und Stabilität sorge. Dabei müssten die Währungshüter vor allem die Inflationserwartungen im Blick behalten, um einen weiteren Anstieg der Kapitalmarktzinsen zu verhindern. (Ausgabe vom 12.12.2025) (15.12.2025/alc/a/a)