EZB, FED, SNB, BoE - Leitzinsen konstant gehalten


18.12.23 17:18
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Auch in den letzten Tagen des Jahres kann der Datenkalender noch mit einigen interessanten Datenpunkten aufwarten, berichten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

So erscheinen in den USA neben der finalen Zahl für das BIP-Wachstum im dritten Quartal Daten zum Konsum sowie zur PCE-Inflation im November, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Darüber hinaus werde mit dem Konsumentenvertrauen für Dezember ein nicht unwesentlicher Stimmungsindikator veröffentlicht werden. Mit dem ifo-Index für Deutschland und dem Konsumentenvertrauen für die Eurozone erscheinen auch in den hiesigen Volkswirtschaften Stimmungsumfragen für den Monat Dezember, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Beim ifo würden die Analysten hinsichtlich der Komponente für die aktuelle Lage eine leichte Verbesserung von 89,4 auf 89,8 Punkte und für die Erwartungskomponente eine Verbesserung von 85,2 auf 87,3 Punkte erwarten, was für den Geschäftsklimaindex einen Anstieg von 87,3 auf 88,5 Punkte bedeuten würde. Beim Konsumentenvertrauen würden die Analysten nur eine geringfügige Verbesserung von -16,9 auf -16,4 Punkte erwarten.

Um den Jahreswechsel herum würden in der Eurozone des Weiteren zuerst nationale Schnellschätzungen zur Inflationsentwicklung im Dezember publiziert, bevor am 5. Januar die Zahlen zum Eurozonen-Aggregat zur Veröffentlichung stünden. Hier würden die Analysten für den Euroraum einen sprunghaften Anstieg der Inflation auf 3,1% im Jahresvergleich erwarten, was auf einen erheblichen Basiseffekt bei den Energiepreisen in Deutschland zurückzuführen sei. Dies bedeute allerdings nicht, dass die Energiepreise im Monatsvergleich steigen würden, im Gegenteil, aber der Rückgang im Dezember 2023 werde viel geringer sein als im Dezember 2022, was die Inflation im Jahresvergleich in die Höhe treibe. Dieser Anstieg dürfte nur vorübergehend sein, da im Januar ein Basiseffekt im Energiebereich in die entgegengesetzte Richtung schlagend werden sollte.

Die Großhandelspreise lägen klar unter dem Niveau vom Vorjahr und im Januar würden für viele Endkunden die Energiepreise angepasst. Der Preisauftrieb bei Gütern ex Energie und Nahrungsmittel dürfte im Dezember weiter abflauen, während die Dienstleistungsinflation in etwa stabil bleiben dürfte. In Summe werde nach Meinung der Analysten die Kerninflation im Dezember geringfügig auf 3,5% p.a. zurückgehen (3,6% p.a. im November). Da sich das Jahr dem Ende zuneige, hätten die Analysten ihre Prognose, die sich trotz der Volatilität der Inflation im Jahr 2023 als treffsicher erwiesen habe, einer Feinabstimmung unterzogen. Die Analysten würden ihre Gesamtinflationsprognose für 2023 von 5,6% auf 5,5% p.a. und für 2024 von 3,1% auf 2,8% p.a. reduzieren. Für die Kerninflation bleibe die Prognose der Analysten für 2023 unverändert bei 5%, für 2024 würden sie ihre Prognose von 3,6% auf 3,4% p.a. korrigieren.

Vergangene Woche hätten wichtige Zentralbanken - EZB, FED, SNB, BoE - die Leitzinsen konstant gehalten. Die Zinserhöhungszyklen seien vorbei! Die Märkte hätten in letzter Zeit sehr aggressiv auf Zinssenkungen in 2024 gesetzt, und so seien Finanzmärkte gespannt auf Andeutungen der Zentralbanken zur künftigen Zinsentwicklung gewesen. Kurz gesagt, die FED sei als "dovish" und die EZB als "hawkish" wahrgenommen worden. Dies habe im Laufe vergangener Woche zu einem gewissen Auf und Ab an den Zinsmärkten geführt. EUR/USD habe zugelegt. Auch die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten für November habe zur Volatilität beigetragen. Insgesamt seien die Benchmark-Renditen auf Wochensicht zurückgegangen.

Beginnen wir mit der FED, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Wie gesagt, sei der Leitzins unverändert in einer Spanne zwischen 5,25 und 5,5% belassen worden. Dies sei allgemein erwartet worden! Mehr im Mittelpunkt habe die Veröffentlichung der neuen Prognosen des Offenmarktausschusses der FED (FOMC) gestanden. Darin sei das Ende des Zinserhöhungszyklus bestätigt worden, und die FOMC-Mitglieder hätten Zinssenkungen in Höhe von 75 Basispunkten für 2024 und 100 Basispunkten für 2025 in Aussicht gestellt. Dies sei zwar deutlich weniger, als die Märkte derzeit preisen würden, dennoch seien die Renditen gesunken als Reaktion darauf, dass der Pfad nach unten korrigiert worden sei. Inflationsoptimismus sei nach wie vor das Gebot der Stunde.

Auch die FED habe festgestellt, dass die Inflation nachgelassen habe, und die Inflationsprognosen seien nach unten korrigiert worden. Der VPI-Inflationsbericht von vergangener Woche habe jedoch diesmal nicht nach unten überrascht. Er habe im Rahmen der Erwartungen gelegen. Die Kerninflation sei bei 4,0% geblieben und die Gesamtinflation bei 3,1% p.a. Die zugrunde liegende Dynamik sei bei der Kerninflation etwas höher als in den vergangenen Monaten gewesen. Dies sei zwar nicht besorgniserregend, zeige aber, dass eine hartnäckige Kerninflation angesichts des derzeitigen Marktoptimismus ein Risikofaktor sei.

Was die FED betreffe, so sei es interessant zu beobachten gewesen, dass Präsident Powell davon abgesehen habe, die Renditen in die Höhe zu "reden", obwohl der Markt frühere und aggressivere Zinssenkungen als von der FED erwartet einpreise. Eine Korrektur nach oben werde daher eher durch die Fundamentaldaten als durch verbale Interventionen der FED-Vertreter ausgelöst werden müssen. Die Analysten würden davon ausgehen, dass kurzfristig eine gewisse Renditekorrektur nach oben wahrscheinlich sei, würden aber die Ansicht des Marktes teilen, dass die Renditen mittelfristig sinken würden.

Als nächstes sei die EZB an der Reihe. Die EZB habe ihre Leitzinsen auf der zweiten Sitzung in Folge bei 4,5% (Hauptrefinanzierungssatz) und 4,0% (Einlagensatz) konstant gehalten. Dies habe im Einklang mit den im September eingeführten Forward Guidance der EZB gestanden und sei auch allgemein erwartet worden. Während die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen habe, habe sie etwas überraschend bereits einen Ausstiegsplan für das PEPP (Pandemie-Notkaufprogramm) beschlossen. Fällige PEPP-Bestände würden in der ersten Hälfte des Jahres 2024 weiterhin vollständig reinvestiert.

In der zweiten Jahreshälfte würden die PEPP-Bestände um durchschnittlich 7,5 Mrd. EUR pro Monat sinken, und ab 2025 würden keine Reinvestitionen mehr getätigt. Die Analysten hätten angedeutet, dass es eine Änderung in der Kommunikation zu PEPP geben könnte. Die tatsächliche Entscheidung sei früher als erwartet gekommen, könne aber als vorsichtig eingestuft werden. Das Anleiheportfolio der EZB werde sich nur allmählich und über einen langen Zeitraum hinweg verringern. Weitere Richtungsentscheidungen zur längerfristigen Gestaltung der EZB-Bilanz würden voraussichtlich im Frühjahr bekannt gegeben. Der Markt habe die Nachricht gut aufgenommen, und der BTP-Bund-Spread sei sogar zurückgegangen.

Neben der Ankündigung des PEPP hätten die neuen Prognosen der EZB im Mittelpunkt gestanden. Die BIP-Wachstums- und Inflationsprognosen seien nach unten korrigiert worden, jedoch nicht wesentlich. Die EZB sehe sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation im Euroraum im Jahr 2024 bei 2,7% p.a. Das Inflationsziel solle bis Ende 2025 erreicht werden, was keine Veränderung darstelle. Anders als FED-Präsident Powell sei EZB-Präsidentin Lagarde eher darauf bedacht gewesen, sich gegen die Wetten des Marktes auf frühzeitige Zinssenkungen zu positionieren. Und tatsächlich seien die Renditen nach der EZB-Sitzung angestiegen. Die Markterwartungen seien aber nach wie vor als optimistisch zu beurteilen. Die Analysten würden keine Notwendigkeit sehen, ihre EZB-Leitzinsprognosen zu ändern, hätten aber die Renditeprognosen angesichts der starken Abwärtsdynamik an den Märkten etwas nach unten korrigiert.

Im Einklang mit der FED und der EZB habe auch die SNB entschieden, ihren Leitzzinssatz bei 1,75% stabil zu halten. Dazu habe sie die Inflationsprognose gesenkt und werde nun nach den Erwartungen der SNB die Preisstabilität schon 2024 und nicht erst 2025 erreichen (2023: 2,1%; 2024: 1,9% und 2025: 1,6%). Die Risiken für ihre Inflationsprognose sehe die SNB ausgeglichen. Des Weiteren habe sie eine Änderung ihrer Wechselkurspolitik angekündigt. Devisenverkäufe stünden nicht mehr im Vordergrund, Interventionen in beide Richtungen könnten je nach monetären Bedingungen durchgeführt werden. (Ausgabe vom 15.12.2023) (18.12.2023/alc/a/a)





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