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EZB: Konstante Leitzinsen erwartet
23.10.23 09:50
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone ist der makroökonomische Datenkalender dieser Woche von einer Vielzahl an Stimmungsindikatoren für den Monat Oktober geprägt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Den Auftakt markiere der Index für das Konsumentenvertrauen. Dieses habe zuletzt mit -17,8 Punkten klar auf pessimistischem Gebiet gelegen. Nach Prognosen der Analysten sollte sich die Stimmung weiter eintrüben - sie würden einen Rückgang auf -18,8 Punkte erwarten. In weiterer Folge stünden die viel beachteten PMIs auf der Agenda. Sowohl die Komponente für das Verarbeitende Gewerbe als auch deren Äquivalent für den Dienstleistungssektor hätten zuletzt mit 43,4 bzw. 48,7 Punkten unter der entscheidenden Marke von 50 Punkten notiert. Die Analysten würden davon ausgehen, dass sich die Stimmung unter den befragten Einkaufsmanagern nicht wesentlich verändert haben sollte und dementsprechend eine sehr verhaltene Zunahme auf 43,9 Punkte im Verarbeitenden Sektor sowie eine marginale Verschlechterung auf 48,2 Punkte im Dienstleistungssektor prognostizieren.
Die PMIs würden auch in den USA erscheinen. Hier lägen aktuell noch keine Konsensschätzungen vor. Spannend werde die Frage sein, in welche Richtung sich die beiden Indices entwickeln würden, lägen sie doch mit 49,8 Punkten (Verarbeitendes Gewerbe) knapp unter bzw. mit 50,1 Punkten (Dienstleistungen) knapp über 50 Punkten. Zu guter Letzt würden Daten zum deutschen ifo Index veröffentlicht. Während die Analysten bei der Subkomponente für die aktuelle Lage eine schwache Verschlechterung von 88,7 auf 88,5 Punkte für wahrscheinlich erachten würden, würden sie hinsichtlich der Erwartungskomponente eine Verbesserung von 82,9 auf 84 Punkte für möglich halten. Bezüglich des Indikators für das Geschäftsklima würde dies eine Verbesserung von 85,7 auf 86,2 Punkte implizieren.
Neben den PMIs liege das Hauptaugenmerk in den USA diese Woche auf der ersten Schätzung zum BIP-Wachstum im dritten Quartal. Zuletzt hätten sich die Anzeichen gemehrt, dass die US-Wirtschaft sich den Umständen entsprechend weiterhin erstaunlich stark entwickele. So seien etwa Teile der Daten zur Entwicklung des Arbeitsmarkts und der Verbraucherpreisinflation im September am oberen Ende beziehungsweise sogar oberhalb der Erwartungshaltung zu liegen gekommen. Die vergangene Woche erschienenen Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen (ebenfalls für September) hätten die Konsensschätzungen sogar eindeutig geschlagen.
Insgesamt würden die genannten Datenpunkte dem Anschein nach also ein solides drittes Quartal abschließen, was auch an den Erwartungen zur Veröffentlichung deutlich werde. Während der Konsens aktuell ein Wachstum in Höhe von 4,1% (p.q., annualisiert) erwarte, weise der renommierte Nowcast der Atlanta FED sogar auf eine Zunahme von 5,4% hin. Der Nowcast der New York FED prognostiziere hingegen "nur" ein Wachstum von 2,5%. Es bleibe abzuwarten, ob sich der Konsum auch weiterhin als robuster Stützpfeiler erweisen werde (September-Daten hierzu würden ebenfalls diese Woche veröffentlicht).
Hinsichtlich des aktuell laufenden vierten Quartals könnten der weiteren Entwicklung jedenfalls gleich mehrere Gegenwinde entgegenpeitschen. Zu nennen seien hier unter anderem das weiterhin restriktive Zinsniveau, die ab Oktober erfolgte Wiederaufnahme der Rückzahlung von Studentenkrediten, sowie ein potenzieller Shutdown, sollte bis Mitte November kein Budget verabschiedet werden. Abgerundet werde der nächstwöchige Datenkalender vom Erscheinen der September Daten zur PCE-Inflation. Nach einem Wachstum der Kernrate von 0,1% p.m. im August gehe der Konsens für September von einem Wert in Höhe von 0,3% p.m. aus. Derselbe Wert werde auch für die Gesamtinflationsrate erwartet, was im Vergleich zu den im August verzeichneten 0,4% p.m. einen Rückgang darstellen würde.
Die EZB werde sich mit den jüngsten Entwicklungen zufrieden zeigen. Diese Woche finde am 26. Oktober die nächste Zinssitzung des EZB-Rats statt. Die Analysten würden konstante Leitzinsen, also keine weitere Zinserhöhung erwarten. Zur Erinnerung: im September sei der Hauptrefinanzierungssatz auf 4,5% erhöht worden, der Einlagesatz auf 4,0% (jeweils plus 25 Basispunkte). Weiterhin erachte man das aktuelle Leitzinsniveau als ausreichend, um einen substantiellen Beitrag zur Erreichung des Inflationsziels zu liefern, sollten sich die aktuellen Erwartungen hinsichtlich des Konjunktur- und Inflationsausblicks bewahrheiten. Während US-Daten den Druck auf die Federal Reserve zuletzt erhöht hätten, sei dies für die EZB nicht der Fall. Die Inflationsveröffentlichung im September habe mit 4,3% p.a. für die Gesamtrate und 4,5% p.a. für die Kernrate sogar leicht unter den Erwartungen der EZB gelegen. Und die gepreisten Inflationserwartungen hätten sich zuletzt etwas entspannt, auch wenn das Niveau mit 2,5% (5JF5J) als erhöht anzusehen sei.
Hinsichtlich des Wachstumsausblicks sei zu ergänzen, dass Abwärtsrisiken dominieren würden. Die Analysten würden ein BIP-Wachstum für die Eurozone von 0,5% und 0,8% in 2023 und 2024 gegenüber den Erwartungen der EZB von 0,7% und 1,0% prognostizieren. In Summe spreche also vieles für eine abwartende Haltung der EZB, was durch die Spannungen im Nahen Osten an Unterstützung erhalte.
Nichtdestotrotz werde die EZB wohl davon Abstand nehmen, den Zinserhöhungszyklus als beendet zu erklären. Die Analysten würden das Zeitfenster für weitere Erhöhungen aber als sich rapide schließend erachten. Auch wenn der Fokus sich nun zunehmend auf andere geldpolitische Instrumente verschieben werde (Stichwort: Bilanzreduktion, Mindestreserve), würden die Analysten die Diskussionen dahingehend noch als zu wenig weit fortgeschritten erachten, um diese Themen in die offizielle Kommunikation mitaufzunehmen, geschweige denn Beschlüsse zu fassen.
Am Zinsmarkt habe seit den Rendite-Rücksetzern in Folge des Hamas-Überfalls erneut Rendite-Aufwärtsdruck im Vordergrund gestanden. Auch wenn die Situation im Nahen Osten weiter angespannt bleibe und eine beginnende Bodenoffensive Israels im Gazastreifen eine regionale Ausbreitung des Konflikts hervorrufen könne, seien alte Bekannte in den Vordergrund gerückt. Allen voran die positiven Konjunktursignale aus den USA hätten US-Treasury Renditen in die Höhe getrieben und Bund-Renditen seien nachgefolgt. Ein Charakteristikum des Renditeaufwärtstrends seit September seien starke Anstiege bei den realen Renditen.
Auch zuletzt seien reale Renditen weiter angestiegen, aber im Zuge der Risiken im Nahen Osten hätten auch vor allem kurzfristige Inflationserwartungen zum Renditeanstieg beigetragen. Aktuell seien die Implikationen auf Inflations- und Wirtschaftsausblick zu unsicher, als dass diese Reaktionen der Notenbanken hervorrufen würden. FED Präsident Powell habe zuletzt betont, dass der Offenmarktausschuss behutsam vorgehen werde. Am Markt seien seine Aussagen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen quotiert worden. Die nächste Zinssitzung der FED finde am 31.10/1.11 statt. (Ausgabe vom 20.10.2023) (23.10.2023/alc/a/a)
Den Auftakt markiere der Index für das Konsumentenvertrauen. Dieses habe zuletzt mit -17,8 Punkten klar auf pessimistischem Gebiet gelegen. Nach Prognosen der Analysten sollte sich die Stimmung weiter eintrüben - sie würden einen Rückgang auf -18,8 Punkte erwarten. In weiterer Folge stünden die viel beachteten PMIs auf der Agenda. Sowohl die Komponente für das Verarbeitende Gewerbe als auch deren Äquivalent für den Dienstleistungssektor hätten zuletzt mit 43,4 bzw. 48,7 Punkten unter der entscheidenden Marke von 50 Punkten notiert. Die Analysten würden davon ausgehen, dass sich die Stimmung unter den befragten Einkaufsmanagern nicht wesentlich verändert haben sollte und dementsprechend eine sehr verhaltene Zunahme auf 43,9 Punkte im Verarbeitenden Sektor sowie eine marginale Verschlechterung auf 48,2 Punkte im Dienstleistungssektor prognostizieren.
Die PMIs würden auch in den USA erscheinen. Hier lägen aktuell noch keine Konsensschätzungen vor. Spannend werde die Frage sein, in welche Richtung sich die beiden Indices entwickeln würden, lägen sie doch mit 49,8 Punkten (Verarbeitendes Gewerbe) knapp unter bzw. mit 50,1 Punkten (Dienstleistungen) knapp über 50 Punkten. Zu guter Letzt würden Daten zum deutschen ifo Index veröffentlicht. Während die Analysten bei der Subkomponente für die aktuelle Lage eine schwache Verschlechterung von 88,7 auf 88,5 Punkte für wahrscheinlich erachten würden, würden sie hinsichtlich der Erwartungskomponente eine Verbesserung von 82,9 auf 84 Punkte für möglich halten. Bezüglich des Indikators für das Geschäftsklima würde dies eine Verbesserung von 85,7 auf 86,2 Punkte implizieren.
Neben den PMIs liege das Hauptaugenmerk in den USA diese Woche auf der ersten Schätzung zum BIP-Wachstum im dritten Quartal. Zuletzt hätten sich die Anzeichen gemehrt, dass die US-Wirtschaft sich den Umständen entsprechend weiterhin erstaunlich stark entwickele. So seien etwa Teile der Daten zur Entwicklung des Arbeitsmarkts und der Verbraucherpreisinflation im September am oberen Ende beziehungsweise sogar oberhalb der Erwartungshaltung zu liegen gekommen. Die vergangene Woche erschienenen Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen (ebenfalls für September) hätten die Konsensschätzungen sogar eindeutig geschlagen.
Insgesamt würden die genannten Datenpunkte dem Anschein nach also ein solides drittes Quartal abschließen, was auch an den Erwartungen zur Veröffentlichung deutlich werde. Während der Konsens aktuell ein Wachstum in Höhe von 4,1% (p.q., annualisiert) erwarte, weise der renommierte Nowcast der Atlanta FED sogar auf eine Zunahme von 5,4% hin. Der Nowcast der New York FED prognostiziere hingegen "nur" ein Wachstum von 2,5%. Es bleibe abzuwarten, ob sich der Konsum auch weiterhin als robuster Stützpfeiler erweisen werde (September-Daten hierzu würden ebenfalls diese Woche veröffentlicht).
Die EZB werde sich mit den jüngsten Entwicklungen zufrieden zeigen. Diese Woche finde am 26. Oktober die nächste Zinssitzung des EZB-Rats statt. Die Analysten würden konstante Leitzinsen, also keine weitere Zinserhöhung erwarten. Zur Erinnerung: im September sei der Hauptrefinanzierungssatz auf 4,5% erhöht worden, der Einlagesatz auf 4,0% (jeweils plus 25 Basispunkte). Weiterhin erachte man das aktuelle Leitzinsniveau als ausreichend, um einen substantiellen Beitrag zur Erreichung des Inflationsziels zu liefern, sollten sich die aktuellen Erwartungen hinsichtlich des Konjunktur- und Inflationsausblicks bewahrheiten. Während US-Daten den Druck auf die Federal Reserve zuletzt erhöht hätten, sei dies für die EZB nicht der Fall. Die Inflationsveröffentlichung im September habe mit 4,3% p.a. für die Gesamtrate und 4,5% p.a. für die Kernrate sogar leicht unter den Erwartungen der EZB gelegen. Und die gepreisten Inflationserwartungen hätten sich zuletzt etwas entspannt, auch wenn das Niveau mit 2,5% (5JF5J) als erhöht anzusehen sei.
Hinsichtlich des Wachstumsausblicks sei zu ergänzen, dass Abwärtsrisiken dominieren würden. Die Analysten würden ein BIP-Wachstum für die Eurozone von 0,5% und 0,8% in 2023 und 2024 gegenüber den Erwartungen der EZB von 0,7% und 1,0% prognostizieren. In Summe spreche also vieles für eine abwartende Haltung der EZB, was durch die Spannungen im Nahen Osten an Unterstützung erhalte.
Nichtdestotrotz werde die EZB wohl davon Abstand nehmen, den Zinserhöhungszyklus als beendet zu erklären. Die Analysten würden das Zeitfenster für weitere Erhöhungen aber als sich rapide schließend erachten. Auch wenn der Fokus sich nun zunehmend auf andere geldpolitische Instrumente verschieben werde (Stichwort: Bilanzreduktion, Mindestreserve), würden die Analysten die Diskussionen dahingehend noch als zu wenig weit fortgeschritten erachten, um diese Themen in die offizielle Kommunikation mitaufzunehmen, geschweige denn Beschlüsse zu fassen.
Am Zinsmarkt habe seit den Rendite-Rücksetzern in Folge des Hamas-Überfalls erneut Rendite-Aufwärtsdruck im Vordergrund gestanden. Auch wenn die Situation im Nahen Osten weiter angespannt bleibe und eine beginnende Bodenoffensive Israels im Gazastreifen eine regionale Ausbreitung des Konflikts hervorrufen könne, seien alte Bekannte in den Vordergrund gerückt. Allen voran die positiven Konjunktursignale aus den USA hätten US-Treasury Renditen in die Höhe getrieben und Bund-Renditen seien nachgefolgt. Ein Charakteristikum des Renditeaufwärtstrends seit September seien starke Anstiege bei den realen Renditen.
Auch zuletzt seien reale Renditen weiter angestiegen, aber im Zuge der Risiken im Nahen Osten hätten auch vor allem kurzfristige Inflationserwartungen zum Renditeanstieg beigetragen. Aktuell seien die Implikationen auf Inflations- und Wirtschaftsausblick zu unsicher, als dass diese Reaktionen der Notenbanken hervorrufen würden. FED Präsident Powell habe zuletzt betont, dass der Offenmarktausschuss behutsam vorgehen werde. Am Markt seien seine Aussagen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen quotiert worden. Die nächste Zinssitzung der FED finde am 31.10/1.11 statt. (Ausgabe vom 20.10.2023) (23.10.2023/alc/a/a)
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