EZB-Leitzinsen dürften konstant bleiben


08.04.24 09:17
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die HVPI-Schnellschätzung für März für den Euroraum konnte mit einer Überraschung aufwarten, allerdings nicht unbedingt mit einer guten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Sowohl die Gesamtinflation als auch die Kerninflation seien unter den Erwartungen der Analysten zu liegen gekommen. Die Details hinter dem Rückgang der Kerninflation würden allerdings darauf hindeuten, dass sich in der Wirtschaft des Euroraums ein Problem zusammenbrauen könnte. Doch zunächst die gute Nachricht: Der Preisdruck habe sich im März 2024 sowohl bei der Gesamtinflation (2,4% im Jahresvergleich, gegenüber 2,6% im Februar) als auch bei der Kerninflation (2,9% im Jahresvergleich, gegenüber 3,1%) abgeschwächt. Die Lebensmittelpreise seien nur um 2,7% im Jahresvergleich gestiegen und die Energiepreise seien um -1,8% gesunken.

Die Wareninflation sei trotz eines erwarteten Basiseffekts überraschend stark auf 1,1% p.a. gesunken, nach 1,6% im Februar. Der März sei der Monat, in dem die neuen Modekollektionen in die Geschäfte kommen würden, was in der Regel mit einem Anstieg der Preise in der Monatsbetrachtung verbunden sei. Im März 2024 seien die Preise für Waren jedoch nur um 1,9% auf Monatsbasis gestiegen, was den geringsten monatlichen Anstieg seit 2009 darstelle. Die schlechte Nachricht beziehe sich auf die Dienstleistungen. Die Inflation bei den Dienstleistungen sei nach wie vor hartnäckig und liege den fünften Monat in Folge bei 4,0% gegenüber dem Vorjahr.

Wir werden die Veröffentlichung des vollständigen HVPI abwarten müssen, um mehr über die Einzelheiten der Divergenz zwischen der Inflation bei Waren und Dienstleistungen zu erfahren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Der erste Eindruck sei nicht gut, und eine mögliche Erklärung sei, dass die Wirtschaft zwar Anzeichen von Schwäche zeige (wie die Verlangsamung der Wareninflation andeute), dass aber zeitgleich der Energieinflationsschock bei den Löhnen weiter anhalte (wie die Stabilität der Dienstleistungsinflation vermuten lasse). Ohne Details sei dies jedoch nur eine Hypothese, und man werde sehen, welche Informationen die vollständige Veröffentlichung enthalten werde.

Der Datenkalender dieser Woche enthalte in der Eurozone abseits der Zinssitzung der EZB nur wenige echte Highlights. Neben einigen nationalen Industrieproduktionszahlen für Februar sei insbesondere der Sentix für April von Bedeutung. Dieser stelle wie gewohnt den ersten Vorlaufindikator des neuen Monats dar und informiere über das Stimmungsbild unter auf den Finanzmärkten agierenden Personen. Zuletzt habe der Sentix ausgehend von einem Tief in Höhe von -21,9 Punkten im Oktober 2023 kontinuierlich zulegen können und im März -10,5 Punkte erreicht. Die Analysten würden eine weitere Verbesserung auf -8,3 Punkte erwarten - was insgesamt betrachtet allerdings immer noch auf eine pessimistische Markteinschätzung hinweisen würde.

In den USA stehe mit den VPI-Inflationszahlen für März ein Datenpunkt auf der Agenda, der sowohl für die Finanzmärkte als auch für die Federal Reserve von äußerster Bedeutung sei. Dies gelte umso mehr, als doch die ersten Inflationsveröffentlichungen des Jahres 2024 auf eine zunehmende Preissteigerungsdynamik hingewiesen hätten - ganz im Gegensatz zum positiven Disinflationstrend gegen Ende des Jahres 2023. Mit 3,2% p.a. und 3,8% p.a. hätten sowohl Gesamt- als auch Kerninflation im Februar noch klar über dem 2%-Ziel der Federal Reserve gelegen. Es stelle sich also die Frage, ob sich die Inflationsdynamik wieder etwas abkühlen werde, oder ob sie sich auf einem zu hohen Niveau einpendele.

Aktuelle Konsensschätzungen sowie der Inflations-Nowcast der Cleveland FED würden für März auf monatliche Wachstumsraten in Höhe von 0,3% hindeuten (Gesamt- und Kerninflation). Dies würde für die Gesamtinflation einen Anstieg auf 3,4% p.a. und für die Kerninflation einen Rückgang auf 3,7% p.a. implizieren. Auf annualisierter Basis würden diese Zahlen des Weiteren ein Inflationsmomentum über den gewünschten 2% bedeuten - der Weg zum Inflationsziel werde also wohl weiterhin steinig bleiben.

Die EZB-Sitzung diese Woche werde eine Live-Sitzung sein. Das bedeute, dass das Ergebnis nicht im Voraus feststehe und dass eine Zinssenkung zur Diskussion stehen werde. Angesichts der kurzen Zeit seit der letzten Sitzung, in der die Daten mehr Klarheit über die Inflationsaussichten hätten schaffen können, würden die Analysten es jedoch für unwahrscheinlich halten, dass die EZB auf ihrer April-Sitzung die Leitzinsen senke. Dies ergebe sich auch aus den offiziellen Informationen seitens der EZB, etwa von Präsidentin Lagarde oder dem am 4. April 2024 veröffentlichten Protokoll der letzten Zinssitzung im März.

Aus dem Protokoll gehe hervor, dass "die Argumente für eine Zinssenkung gestärkt wurden", dass ein "Datum für eine Zinssenkung immer deutlicher in Sichtweite kommt" und dass der EZB-Rat "bis zur Juni-Sitzung über deutlich mehr Daten und Informationen verfügen wird". Die Analysten würden davon ausgehen, dass die EZB-Leitzinsen konstant bei 4% (Einlagensatz), 4,5% (Hauptrefinanzierungssatz) und 4,75% (Spitzenrefinanzierungssatz) bleiben würden. In Anbetracht der jüngsten Inflationszahlen, die sich gut in die EZB-Prognosen einfügen würden, sei aber alles dafür angerichtet, dass die EZB die Einschätzung einer ersten Zinssenkung im Juni weiter stärke.

Auf den Zinsmärkten dürfte das Festhalten der EZB am aktuellen Zinsniveau im April und eine erste Zinssenkung im Juni nicht zu Marktturbulenzen führen. Die Basisszenarien des Marktes und der Analysten hätten sich in den letzten Wochen angenähert (YTD). Während sich die EZB recht deutlich geäußert habe, sei der Weg der US-Notenbank FED weit weniger klar. Die US-Daten würden nach wie vor positiv überraschen, was die Inflationsrisiken erhöhe, die Renditen in die Höhe treibe und den Zinssenkungszyklus zeitlich nach hinten verschiebe. Derzeit rechne der Markt mit etwas weniger Zinssenkungen als von der FED selbst erwartet.

Diese Woche werde das Protokoll der FOMC-Sitzung vom März veröffentlicht. Das Protokoll werde zwar keine datumsbezogenen Hinweise auf eine erste Zinssenkung enthalten, doch könnte es die unterschiedlichen Ansichten der FOMC-Mitglieder zu den aktuellen Inflationsaussichten und -risiken verdeutlichen. Für den US-Treasury-Markt würden die VPI-Inflationszahlen jedoch höchstwahrscheinlich der wichtigere Datenpunkt sein. (Ausgabe vom 05.04.2024) (08.04.2024/alc/a/a)





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