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EZB-Sitzung: Änderungen der Leitzinsen werden nicht erwartet
22.01.24 09:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der Datenkalender der Eurozone steht diese Woche ganz im Zeichen verschiedener Stimmungsindikatoren für den Monat Januar, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Auf Konsumentenseite sei hier auf das Konsumentenvertrauen zu verweisen. Dieses sollte nach Prognosen der Analysten von -15 auf -13,7 Punkte zulegen können. Auch hinsichtlich der PMIs für die Eurozone würden die Analysten leichte Verbesserungen für am wahrscheinlichsten halten. Die Analysten würden bei der Dienstleistungskomponente einen Anstieg von 48,8 auf 49 Punkte erwarten, und bezüglich des Verarbeitenden Gewerbes eine Erhöhung weg von 44,4 hin zu 44,6 Punkten.
In Deutschland erscheinen außerdem Daten zum ifo-Index, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Hier würden die Analysten bei der Komponente zur aktuellen Lage einen marginalen Rückgang auf 88,4 Punkte ansetzen (Vormonat: 88,5 Punkte). Hinsichtlich der Erwartungskomponente würden sie einen Anstieg von 84,3 auf 84,5 Punkte für möglich halten. Für den Geschäftsklimaindex würde die von den Analysten vermutete Entwicklung eine leichte Zunahme bedeuten (86,5 Punkte vs. 86,4 Punkte im Vormonat). Das letzte Jahr habe die größte Volkswirtschaft der Eurozone jedenfalls auf dem falschen Fuß beendet, hätten doch letzte Woche erschienene erste Schnellschätzungen zum BIP-Wachstum im Jahr 2023 auf einen Rückgang in Höhe von 0,3% hingedeutet.
Auch in den USA stünden die Januar-PMIs auf der Agenda. Hier habe die Kennzahl für das Verarbeitende Gewerbe zuletzt eine schrumpfende Wirtschaftsaktivität ausgewiesen (47,9 Punkte), während der Servicesektor aktuell ein positiveres Momentum zu erfahren scheine (51,4 Punkte). Des Weiteren stehe in den USA diese Woche die Veröffentlichung der ersten Schätzung zum BIP-Wachstum im vierten Quartal an.
Zur Erinnerung: Im dritten Quartal des Vorjahres sei das BIP bei sehr starken 4,9% (annualisiert, p.q.) zu liegen gekommen - ein Sinnbild für die überraschende Resilienz der US-Wirtschaft gegenüber den aktuellen Umständen (restriktives Zinsniveau, abnehmende internationale Wirtschaftsaktivität). Nichtsdestotrotz werde sich ein Ausreißer in dieser Höhe im vierten Quartal nicht wiederholen. Aktuell erwarte der Konsens ein Wachstum von 1,8%, während der renommierte Nowcast der Atlanta FED bei 2,4% liege (beide Zahlen annualisiert und p.q.). Eine Wachstumsrate in solch einem Bereich wäre im Großen und Ganzen immer noch positiv zu interpretieren, würde aber zeitgleich auf eine (leicht) abkühlende US-Konjunktur hinweisen.
Weiterhin würden auch Dezember-Daten zur PCE-Inflation in den USA erscheinen. Diese sei zuletzt bei 2,6% p.a. (Gesamtinflationsrate) und 3,2% p.a. (Kerninflationsrate) zu liegen gekommen - und damit unter dem zweiten wichtigen US-Inflationsindikator, der VPI-Inflation. Da die PCE-Inflation die präferierte Inflationskennzahl der Federal Reserve darstelle, sei dieser Umstand durchaus positiv zu bewerten. Jedenfalls werde aktuell der Veröffentlichung der Inflationsdaten besonderes Augenmerk zuteilwerden.
Neben der Vielzahl an Stimmungsindikatoren stehe am Finanzmarkt die EZB-Sitzung diese Woche im Fokus. Nach vielen Monaten sehr intensiver geldpolitischer Diskussionen habe die dieswöchige Sitzung aber keinen offensichtlichen Schwerpunkt. Es handele sich um eine Zwischensitzung, bevor im März eine weitere Reihe von Wirtschaftsprognosen vorgelegt werde. Änderungen der Leitzinsen würden nicht erwartet, weder von den Analysten noch vom Markt.
Auch wenn der Markt seine aggressiven Zinssenkungswetten in letzter Zeit etwas zurückgeschraubt habe, werde ein Beginn des Zinssenkungszyklus im März noch nicht ausgeschlossen. Dies sei nach wie vor ein wesentlicher Unterschied zu dem, was die Zentralbanker kommunizieren würden, und auch zu dem, was die Analysten prognostizieren würden. Es sei daher wahrscheinlich, dass eine Rücknahme der Zinserwartungen (sowohl direkt als auch indirekt durch die Erläuterung der Inflationsaussichten der EZB) Teil der Kommunikationsstrategie sein werde.
Letztlich sei der erhebliche Renditerückgang, der im November 2023 eingesetzt habe, Ausdruck einer vorzeitigen Lockerung der Finanzierungsbedingungen. Der starke Emissionsanstieg auf dem Bond-Primärmarkt Anfang Januar könne als Beweis dafür angesehen werden - die Banken/Sovereigns/NFCs wollten das aktuelle Zinsniveau fixieren. Es sei schwer vorstellbar, dass die EZB-Sitzung in dieser Woche für eine positive Überraschung am Markt sorgen könnte.
Die Leitzinsen würden unverändert bleiben, die Ausweitung des QT auf PEPP sei bereits im Dezember angekündigt worden, die TLTROs würden wie erwartet getilgt und die Gespräche über eine Anhebung des Mindestreservesatzes seien in den letzten Wochen abgeflaut. Nur für letzteres könne eine Entscheidung in dieser Woche nicht ausgeschlossen werden. Eine Normalisierung auf eine Mindestreservequote von 2% sei jederzeit möglich. Darüber hinaus könnte sich Präsidentin Lagarde auf der Pressekonferenz genauer dazu äußern, welche Datengrundlage die EZB für Zinssenkungen heranziehe, was ebenfalls den datenabhängigen Ansatz der EZB unterstützen würde.
Der Zinsmarkt sei vergangene Woche von Renditeaufwärtsdruck geprägt gewesen. Die Vielzahl von Wortmeldungen aus EZB und FED, welche zu Vorsicht gegenüber den Erwartungen verfrühter Zinssenkungen gemahnt hätten, seien für die Aufwärtskorrektur seit Jahresbeginn maßgeblich verantwortlich gewesen. Auch die Analysten würden die Meinung der Notenbanken teilen, dass der Markt zu früh auf den Zinssenkungs-Zug aufgesprungen sei, weswegen die Prognosen der Analysten auch Renditeanstiege unterstellt hätten. Da ein Gutteil des prognostizierten Anstiegs seit Jahresbeginn nun erfolgt sei, würden die Analysten ihre Empfehlung für 10-jährige Bundesanleihen von Verkauf auf Halten auf die kurze Sicht (1-3 Monate) und von Halten auf Kauf auf die lange Sicht (9-12 Monate) ändern. Ihr Prognosebild würden sie als intakt erachten. (Ausgabe vom 19.01.2024) (22.01.2024/alc/a/a)
Auf Konsumentenseite sei hier auf das Konsumentenvertrauen zu verweisen. Dieses sollte nach Prognosen der Analysten von -15 auf -13,7 Punkte zulegen können. Auch hinsichtlich der PMIs für die Eurozone würden die Analysten leichte Verbesserungen für am wahrscheinlichsten halten. Die Analysten würden bei der Dienstleistungskomponente einen Anstieg von 48,8 auf 49 Punkte erwarten, und bezüglich des Verarbeitenden Gewerbes eine Erhöhung weg von 44,4 hin zu 44,6 Punkten.
In Deutschland erscheinen außerdem Daten zum ifo-Index, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI). Hier würden die Analysten bei der Komponente zur aktuellen Lage einen marginalen Rückgang auf 88,4 Punkte ansetzen (Vormonat: 88,5 Punkte). Hinsichtlich der Erwartungskomponente würden sie einen Anstieg von 84,3 auf 84,5 Punkte für möglich halten. Für den Geschäftsklimaindex würde die von den Analysten vermutete Entwicklung eine leichte Zunahme bedeuten (86,5 Punkte vs. 86,4 Punkte im Vormonat). Das letzte Jahr habe die größte Volkswirtschaft der Eurozone jedenfalls auf dem falschen Fuß beendet, hätten doch letzte Woche erschienene erste Schnellschätzungen zum BIP-Wachstum im Jahr 2023 auf einen Rückgang in Höhe von 0,3% hingedeutet.
Auch in den USA stünden die Januar-PMIs auf der Agenda. Hier habe die Kennzahl für das Verarbeitende Gewerbe zuletzt eine schrumpfende Wirtschaftsaktivität ausgewiesen (47,9 Punkte), während der Servicesektor aktuell ein positiveres Momentum zu erfahren scheine (51,4 Punkte). Des Weiteren stehe in den USA diese Woche die Veröffentlichung der ersten Schätzung zum BIP-Wachstum im vierten Quartal an.
Zur Erinnerung: Im dritten Quartal des Vorjahres sei das BIP bei sehr starken 4,9% (annualisiert, p.q.) zu liegen gekommen - ein Sinnbild für die überraschende Resilienz der US-Wirtschaft gegenüber den aktuellen Umständen (restriktives Zinsniveau, abnehmende internationale Wirtschaftsaktivität). Nichtsdestotrotz werde sich ein Ausreißer in dieser Höhe im vierten Quartal nicht wiederholen. Aktuell erwarte der Konsens ein Wachstum von 1,8%, während der renommierte Nowcast der Atlanta FED bei 2,4% liege (beide Zahlen annualisiert und p.q.). Eine Wachstumsrate in solch einem Bereich wäre im Großen und Ganzen immer noch positiv zu interpretieren, würde aber zeitgleich auf eine (leicht) abkühlende US-Konjunktur hinweisen.
Neben der Vielzahl an Stimmungsindikatoren stehe am Finanzmarkt die EZB-Sitzung diese Woche im Fokus. Nach vielen Monaten sehr intensiver geldpolitischer Diskussionen habe die dieswöchige Sitzung aber keinen offensichtlichen Schwerpunkt. Es handele sich um eine Zwischensitzung, bevor im März eine weitere Reihe von Wirtschaftsprognosen vorgelegt werde. Änderungen der Leitzinsen würden nicht erwartet, weder von den Analysten noch vom Markt.
Auch wenn der Markt seine aggressiven Zinssenkungswetten in letzter Zeit etwas zurückgeschraubt habe, werde ein Beginn des Zinssenkungszyklus im März noch nicht ausgeschlossen. Dies sei nach wie vor ein wesentlicher Unterschied zu dem, was die Zentralbanker kommunizieren würden, und auch zu dem, was die Analysten prognostizieren würden. Es sei daher wahrscheinlich, dass eine Rücknahme der Zinserwartungen (sowohl direkt als auch indirekt durch die Erläuterung der Inflationsaussichten der EZB) Teil der Kommunikationsstrategie sein werde.
Letztlich sei der erhebliche Renditerückgang, der im November 2023 eingesetzt habe, Ausdruck einer vorzeitigen Lockerung der Finanzierungsbedingungen. Der starke Emissionsanstieg auf dem Bond-Primärmarkt Anfang Januar könne als Beweis dafür angesehen werden - die Banken/Sovereigns/NFCs wollten das aktuelle Zinsniveau fixieren. Es sei schwer vorstellbar, dass die EZB-Sitzung in dieser Woche für eine positive Überraschung am Markt sorgen könnte.
Die Leitzinsen würden unverändert bleiben, die Ausweitung des QT auf PEPP sei bereits im Dezember angekündigt worden, die TLTROs würden wie erwartet getilgt und die Gespräche über eine Anhebung des Mindestreservesatzes seien in den letzten Wochen abgeflaut. Nur für letzteres könne eine Entscheidung in dieser Woche nicht ausgeschlossen werden. Eine Normalisierung auf eine Mindestreservequote von 2% sei jederzeit möglich. Darüber hinaus könnte sich Präsidentin Lagarde auf der Pressekonferenz genauer dazu äußern, welche Datengrundlage die EZB für Zinssenkungen heranziehe, was ebenfalls den datenabhängigen Ansatz der EZB unterstützen würde.
Der Zinsmarkt sei vergangene Woche von Renditeaufwärtsdruck geprägt gewesen. Die Vielzahl von Wortmeldungen aus EZB und FED, welche zu Vorsicht gegenüber den Erwartungen verfrühter Zinssenkungen gemahnt hätten, seien für die Aufwärtskorrektur seit Jahresbeginn maßgeblich verantwortlich gewesen. Auch die Analysten würden die Meinung der Notenbanken teilen, dass der Markt zu früh auf den Zinssenkungs-Zug aufgesprungen sei, weswegen die Prognosen der Analysten auch Renditeanstiege unterstellt hätten. Da ein Gutteil des prognostizierten Anstiegs seit Jahresbeginn nun erfolgt sei, würden die Analysten ihre Empfehlung für 10-jährige Bundesanleihen von Verkauf auf Halten auf die kurze Sicht (1-3 Monate) und von Halten auf Kauf auf die lange Sicht (9-12 Monate) ändern. Ihr Prognosebild würden sie als intakt erachten. (Ausgabe vom 19.01.2024) (22.01.2024/alc/a/a)
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| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
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| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


