EZB dürfte im Oktober (und Dezember) alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte senken


07.10.24 09:23
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Es ist soweit: Zum ersten Mal seit Juni 2021 ist die Inflation im Euroraum auf unter 2%-Marke gesunken, die Schnellschätzung für September lag bei 1,8% im Jahresvergleich (Kerninflation: 2,7%), so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Obwohl die Schätzung mit den Erwartungen der Analysten übereingestimmt habe, habe es keinen Mangel an Überraschungen gegeben. Wie erwartet sei die Verlangsamung hauptsächlich auf einen Rückgang der Energiepreise (insbesondere der Kraftstoffpreise) zurückzuführen gewesen, was zusammen mit einem Basiseffekt die Energieinflation auf -6,0% im Jahresvergleich gedrückt habe. Die Lebensmittelpreisinflation habe bei 2,4% im Jahresvergleich gelegen und habe sich im Allgemeinen seit März 2024 auf einem Niveau von etwa 2,5% stabilisiert.

Die Überraschungen seien auf die Entwicklung der Kerninflation zurückzuführen gewesen: Erstens habe man erwartet, dass die Güterinflation leicht ansteigen würde, aber das sei nicht der Fall gewesen. Ähnlich wie im August seien die Güterpreise im September um 0,4% im Jahresvergleich gestiegen, was deutlich unter dem Inflationsziel von 2% liege und auf eine gewisse Nachfrageschwäche in der Eurozone hindeute. Zweitens habe sich die Dienstleistungsinflation geringfügig verlangsamt. Aufgrund der bereits veröffentlichten nationalen Inflationsdaten, die einen stärkeren Rückgang in Frankreich und Italien gezeigt hätten, habe man mehr erwartet.

Die Dienstleistungsinflation bereite weiterhin Kopfzerbrechen: Auf der Ebene des Euroraums sei sie stabil, aber in den einzelnen Ländern seien merkliche Veränderungen zu beobachten. Zudem seien die Bewegungen auf Länderebene nicht synchron, da die Inflation in einigen Ländern sinke und in anderen steige, was sich bis zu einem gewissen Grad gegenseitig aufhebe. Daraus ergebe sich ein recht großes regionales Gefälle bei der Dienstleistungsinflation (zwischen 2,6% im Jahresvergleich in Malta und 8,2% im Jahresvergleich in Kroatien).

In den USA sei das Erscheinen des Arbeitsmarktberichts für September mit Spannung erwartet worden. Letztendlich hätten die Zahlen positiv überrascht: Die Zahl der Beschäftigten (exkl. Agrar) sei um 254 Tausend gestiegen (Konsens: 140 Tausend) und die Arbeitslosenquote sei von 4,2% auf 4,1% gesunken (Konsens: 4,2%). Diese robusten Zahlen sprächen für eine Zinssenkung um lediglich 25 Basispunkte Anfang November, dementsprechend seien die Renditen von Staatsanleihen gestiegen, während EUR/USD nachgegeben habe.

Nach den Datenhighlights vergangener Woche gestalte sich der Datenkalender dieser Woche etwas ruhiger. Die September-Verbraucherpreisinflation (VPI) in den USA werde weitere Aufschlüsse hinsichtlich der aktuellen Preisdynamik erlauben. Der Nowcast der Cleveland Fed weise für Gesamt- und Kern-VPI aktuell monatliche Steigerungsraten in Höhe von 0,11% beziehungsweise 0,27% aus, was in der Jahresbetrachtung weitere Rückgänge implizieren würde. Zusätzliche Informationen würden die Produzentenpreise für September liefern, die kurz nach den VPI-Daten erscheinen sollten.

In der Eurozone stehe mit dem Sentix der erste Vorlaufindikator für Oktober auf dem Programm. Nachdem die Maßzahl für die Stimmungslage auf den europäischen Kapitalmärkten zuletzt von -13,9 auf -15,4 Punkte abgenommen habe, prognostiziere man für die kommende Veröffentlichung einen Anstieg auf -14 Punkte. Darüber hinaus stünden weitere nationale Daten (DE, IT) zur Industrieproduktion im August zur Veröffentlichung an.

Für die EZB seien die Daten der letzten zwei Wochen von Bedeutung. Ein Monat mit guten Inflationsdaten ergebe noch keinen Trend, und normalerweise reiche das für eine Zentralbank nicht aus, um den geldpolitischen Kurs zu ändern. Doch dieses Mal sei man der Meinung, dass genau dies der Fall sei. Man erwarte nunmehr, dass die EZB im Oktober (und Dezember) alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte senken werde.

Nach Meinung der Analysten sei die Kombination von drei Faktoren ausschlaggebend: Erstens berge die schwächere September-Inflation Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick der EZB. Zweitens deuteten die Stimmungsindikatoren weiterhin auf Abwärtsrisiken für die Wirtschaft des Euroraums hin (z. B. PMIs). Drittens preise der Markt einen dovishen Ausblick für die EZB ein.

Angesichts der Tatsache, dass sich das Inflations-Pricing kurzfristig bereits unter 2% eingependelt habe, möchte die EZB möglicherweise nicht riskieren, den Markt mit einer hawkishen Haltung zu überraschen. Damit würde man dem Beispiel der Fed folgen. Mit Blick auf das Jahr 2025 gehe man davon aus, dass der Zinssenkungszyklus fortgesetzt werde und die EZB ein Niveau des Einlagensatzes von etwa 2% oder etwas darunter anstreben werde.

Sollte die Disinflation bei den Kerndienstleistungen keine Einbahnstraße, sondern ein holpriger Weg sein, rechne man weiterhin mit einem vierteljährlichen Zinssenkungszyklus. Die Risiken für die Aussichten seien jedoch asymmetrisch und eher nach unten gerichtet, was bedeute, dass insbesondere im ersten Quartal 2025 ein Vorgehen von Sitzung zu Sitzung nicht auszuschließen sei. (Ausgabe vom 04.10.2024) (07.10.2024/alc/a/a)





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