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Eurozone zwischen fiskalischen Impulsen und Zinssenkungs-Debatte
10.03.25 09:45
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der Datenkalender für die Eurozone bietet kommende Woche nur wenig Aufregendes, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Dem Sentix - ein Stimmungsindikator von Finanzmarktakteuren - würden die Analysten der RBI einen Satz nach oben zutrauen. Immerhin seien die diversen Ankündigungen zu mehr öffentlichen Investitionen am Aktienmarkt sehr positiv aufgenommen worden. Die Industrieproduktionsdaten (Veränderung im Vergleich zum Vormonat) für Deutschland, Italien und somit auch der Eurozone seien geprägt von einem Rebound nach dem merklichen Rückgang im Dezember. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die europäische Industrie in einer Rezession befinde. Die Januardaten für Frankreich und Spanien seien zudem erneut enttäuschend schwach gewesen und der starke Rückgang der neuen Aufträge für die deutsche Industrie im Januar (-7,0 p.m.) verheiße wenig Gutes für die nahe Zukunft. Trotz der zuletzt etwas verbesserten Stimmung erscheine den Analysten der RBI eine Erholung des Industrieoutputs im Euroraum frühestens ab Q2 möglich.
In den USA stehe die Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation für Februar im Fokus. Im Januar sei der Preisdruck überraschend stark gewesen. Die Gesamtinflation habe bei 3,0% p.a. und die Kerninflation bei 3,3% p.a. gelegen. Die Februar-Inflation sollte leicht darunter liegen. Zuletzt sinkende Energiepreise könnten den Rückgang bei der Gesamtrate ausgeprägter machen als bei der Kernrate.
Für den Finanzmarkt werde neben der Verbraucherpreisinflation auch die Produzentenpreisinflation wichtig sein, welche diese Woche veröffentlicht werde. Nur die Kombination beider Datenpunkte lasse stichhaltige Aussagen über die PCE-Inflation, welche für die FED wichtiger sei, zu. Im Januar sei der überraschend hohen Verbraucherpreisinflation eine weniger alarmierende PCE-Inflation gefolgt. Am Zinsmarkt, wo zuletzt drei Zinssenkungen der FED für 2025 gepreist worden seien, hätten negative Konjunktursignale im Fokus gestanden, was aber nicht bedeute, dass Überraschungen bei der Inflation rasch wieder in den Fokus rücken könnten.
Wie erwartet habe die EZB die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt. Allerdings werde die Geldpolitik nun als "spürbar weniger" restriktiv angesehen, wodurch der weitere Leitzinspfad unsicher erscheine. Die EZB habe ihren datengetriebenen Ansatz betont und für die nächste Sitzung im April entweder eine Zinssenkung oder eine Zinspause in Aussicht gestellt. Mit der geänderten Formulierung sei die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im April (wie sie in den RBI-Prognosen zum Ausdruck komme) gesunken. In Anbetracht der Tatsache, dass die Kerninflation im Dienstleistungssektor im Februar gesunken sei und die Analysten der RBI würden erwarten, dass sie im März weiter zurückgehen werde, würden die Analysten der RBI eine Zinssenkung auf der nächsten Sitzung im April noch nicht für vom Tisch halten.
Die neuen EZB-Prognosen seien keine große Neuigkeit. Die Inflationsprognose sei für 2025 aufgrund höherer Energiepreise etwas angehoben worden, die sich jedoch bereits wieder zurückgebildet hätten. Und die Wachstumsprognose sei gesenkt worden und sei weiterhin durch Abwärtsrisiken gekennzeichnet. Letzteres könnte jedoch bereits anders eingeschätzt werden, wenn man bedenke, dass die EU und insbesondere Deutschland die Wirtschaft durch fiskalische Impulse ankurbeln könnten.
Die Argumente für eine Zinssenkung der EZB unter die Schwelle eines Einlagesatzes von 2% hätten sich dadurch verringert, was sich auch in einer veränderten Risikoeinschätzung gegenüber des EZB-Pfads an den Finanzmärkten widerspiegele.
Für die EZB komme es nun darauf an, wie sich die Inflationserwartungen infolge der veränderten Fiskalaussichten entwickeln würden. Bisher seien die kurzfristigen Markterwartungen zur Inflation unbeeinflusst geblieben, während die langfristigen Erwartungen gestiegen seien (10-jährige ILS plus 10 BP). Der Markt preise also ein gewisses mittelfristiges Inflationsrisiko, das jedoch zu gering sei, um die geldpolitischen Entscheidungen gegenwärtig zu beeinflussen. (Ausgabe vom 07.03.2025) (10.03.2025/alc/a/a)
Dem Sentix - ein Stimmungsindikator von Finanzmarktakteuren - würden die Analysten der RBI einen Satz nach oben zutrauen. Immerhin seien die diversen Ankündigungen zu mehr öffentlichen Investitionen am Aktienmarkt sehr positiv aufgenommen worden. Die Industrieproduktionsdaten (Veränderung im Vergleich zum Vormonat) für Deutschland, Italien und somit auch der Eurozone seien geprägt von einem Rebound nach dem merklichen Rückgang im Dezember. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die europäische Industrie in einer Rezession befinde. Die Januardaten für Frankreich und Spanien seien zudem erneut enttäuschend schwach gewesen und der starke Rückgang der neuen Aufträge für die deutsche Industrie im Januar (-7,0 p.m.) verheiße wenig Gutes für die nahe Zukunft. Trotz der zuletzt etwas verbesserten Stimmung erscheine den Analysten der RBI eine Erholung des Industrieoutputs im Euroraum frühestens ab Q2 möglich.
In den USA stehe die Veröffentlichung der Verbraucherpreisinflation für Februar im Fokus. Im Januar sei der Preisdruck überraschend stark gewesen. Die Gesamtinflation habe bei 3,0% p.a. und die Kerninflation bei 3,3% p.a. gelegen. Die Februar-Inflation sollte leicht darunter liegen. Zuletzt sinkende Energiepreise könnten den Rückgang bei der Gesamtrate ausgeprägter machen als bei der Kernrate.
Wie erwartet habe die EZB die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt. Allerdings werde die Geldpolitik nun als "spürbar weniger" restriktiv angesehen, wodurch der weitere Leitzinspfad unsicher erscheine. Die EZB habe ihren datengetriebenen Ansatz betont und für die nächste Sitzung im April entweder eine Zinssenkung oder eine Zinspause in Aussicht gestellt. Mit der geänderten Formulierung sei die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im April (wie sie in den RBI-Prognosen zum Ausdruck komme) gesunken. In Anbetracht der Tatsache, dass die Kerninflation im Dienstleistungssektor im Februar gesunken sei und die Analysten der RBI würden erwarten, dass sie im März weiter zurückgehen werde, würden die Analysten der RBI eine Zinssenkung auf der nächsten Sitzung im April noch nicht für vom Tisch halten.
Die neuen EZB-Prognosen seien keine große Neuigkeit. Die Inflationsprognose sei für 2025 aufgrund höherer Energiepreise etwas angehoben worden, die sich jedoch bereits wieder zurückgebildet hätten. Und die Wachstumsprognose sei gesenkt worden und sei weiterhin durch Abwärtsrisiken gekennzeichnet. Letzteres könnte jedoch bereits anders eingeschätzt werden, wenn man bedenke, dass die EU und insbesondere Deutschland die Wirtschaft durch fiskalische Impulse ankurbeln könnten.
Die Argumente für eine Zinssenkung der EZB unter die Schwelle eines Einlagesatzes von 2% hätten sich dadurch verringert, was sich auch in einer veränderten Risikoeinschätzung gegenüber des EZB-Pfads an den Finanzmärkten widerspiegele.
Für die EZB komme es nun darauf an, wie sich die Inflationserwartungen infolge der veränderten Fiskalaussichten entwickeln würden. Bisher seien die kurzfristigen Markterwartungen zur Inflation unbeeinflusst geblieben, während die langfristigen Erwartungen gestiegen seien (10-jährige ILS plus 10 BP). Der Markt preise also ein gewisses mittelfristiges Inflationsrisiko, das jedoch zu gering sei, um die geldpolitischen Entscheidungen gegenwärtig zu beeinflussen. (Ausgabe vom 07.03.2025) (10.03.2025/alc/a/a)


