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FED: Leitzinserhöhung um 75 Basispunkte erwartet - Alles andere wäre eine große Überraschung!
31.10.22 10:08
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone haben sich Marktteilnehmer wie Ökonomen den Montag (31.10.) bereits dick im Kalender markiert, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Und das dieser Tage nicht wegen der anstehenden BIP-Zahlen für das dritte Quartal (Eurozone, Italien), die in "normalen" Zeiten das unangefochtene Wochenhighlight wären. Doch im aktuellen Umfeld stelle das eigentliche Highlight natürlich die vorläufige Euro-Inflation für den Monat Oktober dar, die im Vorjahresvergleich im zweistelligen Bereich liegen dürfte (10,5% p.a.). Hauptverantwortlich für den Anstieg der Inflationsdynamik dürfte Italien sein (Oktober: 12,8% p.a.), wo energiepreisbedingt im Oktober ein merklicher Anstieg zu verzeichnen gewesen sei. Die Beschleunigung der Euro-Inflation werde somit vor allem, aber nicht nur durch die Energiepreise getrieben sein. Denn auch die Dynamik der Lebensmittel- und Warenpreise sei weiterhin nach oben gerichtet. Mit Blick auf die Kerninflation würden die Analysten der RBI im Oktober mit einem Wert von 5,0% p.a. rechnen. Da die Gas- und Strompreise im Laufe des Oktobers zurückgegangen seien, habe die Gesamtinflation im Euroraum höchstwahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht und dürfte sich langsam abschwächen.
Doch nun zu den BIP-Zahlen, die zwar im aktuellen Umfeld etwas weniger Beachtung fänden als die Inflation, aber natürlich trotzdem eine hohe Relevanz hätten. Der erste Schwung an Veröffentlichungen sei bereits am letzten Freitag (28.10.) erfolgt. Die konjunkturellen Gewitterwolken seien in den letzten Monaten für jeden ersichtlich immer näher gekommen, insofern sei eine konjunkturelle Verlangsamung erwartet worden. Zumeist hätten die BIP-Zuwachsraten im dritten Quartal im Bereich von 0,2% bis 0,3% p.q. gelegen, was dann auch je nach Ausgangslage (Konjunkturdynamik in Q2) eine mehr oder weniger deutliche Verlangsamung der Konjunkturdynamik dargestellt habe (Spanien: 0,2% nach 1,5%; Frankreich: 0,2% nach 0,5%).
Während das konjunkturelle Bremsmanöver in Spanien und Frankreich im Rahmen der Erwartung gelegen habe, gelte mit Blick auf Deutschland: Totgesagte würden länger leben. Denn mit dem Plus von 0,3% p.q. sei der Konsens auf dem falschen Fuß erwischt worden, erwartet worden sei ein BIP-Rückgang (-0,2% p.q.). Jedoch: Aufgeschoben sei nicht aufgehoben. Die bisher vorliegenden Oktober-PMIs wie auch andere Stimmungsindikatoren sprächen eine eindeutige Sprache, die Anzeichen einer Rezession im Winterhalbjahr würden sich verdichten. Dies gelte natürlich auch für die österreichische Volkswirtschaft - dem konjunkturellen Überflieger des ersten Halbjahres -, die bereits in Q3 (-0,1% p.q.) eine Vollbremsung hingelegt habe.
Nach diversen Euroländern folge am Montag die vorläufige Schnellschätzung des Q3-BIPs für die gesamte Eurozone, für das die Analysten der RBI auf Basis der vorliegenden Länderveröffentlichungen mit einem Plus von 0,2% p.q. rechnen würden. Die Analysten der RBI seien zunächst noch vorsichtiger gewesen, aber aufgrund des überraschenden Plus in Deutschland hätten sie ihre Schätzung etwas nach oben genommen. Italiens Wirtschaft dürfte zwischen Juli und September hingegen nicht über eine Stagnation hinausgekommen sein.
Erwähnenswert seien sicherlich grundsätzlich auch die anstehenden Industriedaten (Industrieproduktion, Auftragseingang) aus Deutschland, Frankreich und Spanien für den Monat September. Allerdings wurden bzw. werden wie eben beschrieben die BIP-Zahlen für den Zeitraum Juli bis September bereits veröffentlicht, so die Analysten der RBI. Zumindest die Industrieproduktion biete somit zur Beurteilung der Konjunkturdynamik im dritten Quartal nur mehr wenig Mehrwert.
Die Europäische Zentralbank habe auf ihrem Meeting am 27. Oktober wie erwartet eine Anhebung der Leitzinsen um 75 Basispunkte beschlossen. Es seien weitere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt worden, allerdings bereits für Dezember ein kleinerer Schritt. Des Weiteren seien die Konditionen für ausstehende Refinanzierungsgeschäfte für Banken verändert worden. Dies dürfte die vorzeitigen Rückzahlungen dieser Gelder beschleunigen aber zu keinem Squeeze führen.
Ähnlich wie der EZB-Rat am 27. Oktober, werde sich wohl auch der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank FED diese Woche dazu entschließen, die Leitzinsen um 75 Basispunkte zu erhöhen. Alles andere wäre eine große Überraschung. Bei der offiziellen Kommunikation (Statement) werde es wohl wenig Anpassungsbedarf geben und neue Prognosen würden erst im Dezember veröffentlicht. Wesentliche Elemente wie zum Leitzinspfad (weitere Zinserhöhungen seien zu erwarten) und zur Bilanzreduktion (weiter auf Auto-Pilot) würden wohl unangetastet bleiben. Im Fokus der Märkte stünden Ausführungen Powells im Zuge der Pressekonferenz, ob das Tempo der Leitzinserhöhungen bald reduziert werden könnte. Powell könnte sich dazu in der Q&A direkt äußern (je weiter man in den restriktiven/konjunkturdämpfenden Bereich vorrücke, desto angemessener werde ein geringeres Tempo der Leitzinserhöhungen sein) oder auch indirekt (erachte man Inflations- und Arbeitsmarktentwicklungen als weniger dynamisch, könnte eine weniger restriktives Niveau der Geldpolitik damit einhergehen).
Neben den erwarteten 75 Basispunkten diese Woche, würden die Prognosen der Analysten der RBI eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten im Dezember widerspiegeln und ein finales Niveau der Federal Funds Rate innerhalb der Bandbreite zwischen 4,5% und 4,75%. Gepreiste Markterwartungen hätten sich in den letzten Tagen in die Richtung ihrer Einschätzung bewegt, sei letzte Woche doch noch ein Leitzinsniveau nahe 5% Mitte 2023 gepreist worden. Dies sei auch mit sinkenden Treasury Renditen (10J bei etwa 4%) und einem steigenden EUR/USD Kurs (bei Parität) einhergegangen.
Neben der FED-Zinssitzung würden auch gewichtige US-Konjunkturindikatoren diese Woche veröffentlicht. Da Einkaufsmanagerindices (PMIs) letzte Woche in den USA enttäuscht hätten, blicke man gespannt auf die ISM-Indices, welche insbesondere für den Dienstleistungssektor bis zuletzt noch ein optimistischeres Bild gezeichnet hätten. PMIs hätten eine rückläufige Entwicklung im Dienstleistungssegment (46,6 Punkte) und eine Stagnation im Verarbeitenden Gewerbe (49,9 Punkte) signalisiert.
Insbesondere für den Zinsmarkt seien aktuell Arbeitsmarktdaten von großem Interesse. Solange der Arbeitsmarktbericht diese Woche nur eine graduelle Verlangsamung der Beschäftigungsentwicklung und leicht steigende Arbeitslosenquoten widerspiegele, sollte das für die FED kein Anlass sein vom eingeschlagenen/erwarteten Kurs abzuweichen. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal sei mit 2,6% p.q. (annualisiert) im Rahmen der Erwartungen veröffentlicht worden und insbesondere durch einen positiven Beitrag der Nettoexporte begünstigt gewesen. Andere Wachstumstreiber hätten sich zum Großteil abgeschwächt. (Ausgabe vom 28.10.2022) (31.10.2022/alc/a/a)
Und das dieser Tage nicht wegen der anstehenden BIP-Zahlen für das dritte Quartal (Eurozone, Italien), die in "normalen" Zeiten das unangefochtene Wochenhighlight wären. Doch im aktuellen Umfeld stelle das eigentliche Highlight natürlich die vorläufige Euro-Inflation für den Monat Oktober dar, die im Vorjahresvergleich im zweistelligen Bereich liegen dürfte (10,5% p.a.). Hauptverantwortlich für den Anstieg der Inflationsdynamik dürfte Italien sein (Oktober: 12,8% p.a.), wo energiepreisbedingt im Oktober ein merklicher Anstieg zu verzeichnen gewesen sei. Die Beschleunigung der Euro-Inflation werde somit vor allem, aber nicht nur durch die Energiepreise getrieben sein. Denn auch die Dynamik der Lebensmittel- und Warenpreise sei weiterhin nach oben gerichtet. Mit Blick auf die Kerninflation würden die Analysten der RBI im Oktober mit einem Wert von 5,0% p.a. rechnen. Da die Gas- und Strompreise im Laufe des Oktobers zurückgegangen seien, habe die Gesamtinflation im Euroraum höchstwahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht und dürfte sich langsam abschwächen.
Doch nun zu den BIP-Zahlen, die zwar im aktuellen Umfeld etwas weniger Beachtung fänden als die Inflation, aber natürlich trotzdem eine hohe Relevanz hätten. Der erste Schwung an Veröffentlichungen sei bereits am letzten Freitag (28.10.) erfolgt. Die konjunkturellen Gewitterwolken seien in den letzten Monaten für jeden ersichtlich immer näher gekommen, insofern sei eine konjunkturelle Verlangsamung erwartet worden. Zumeist hätten die BIP-Zuwachsraten im dritten Quartal im Bereich von 0,2% bis 0,3% p.q. gelegen, was dann auch je nach Ausgangslage (Konjunkturdynamik in Q2) eine mehr oder weniger deutliche Verlangsamung der Konjunkturdynamik dargestellt habe (Spanien: 0,2% nach 1,5%; Frankreich: 0,2% nach 0,5%).
Während das konjunkturelle Bremsmanöver in Spanien und Frankreich im Rahmen der Erwartung gelegen habe, gelte mit Blick auf Deutschland: Totgesagte würden länger leben. Denn mit dem Plus von 0,3% p.q. sei der Konsens auf dem falschen Fuß erwischt worden, erwartet worden sei ein BIP-Rückgang (-0,2% p.q.). Jedoch: Aufgeschoben sei nicht aufgehoben. Die bisher vorliegenden Oktober-PMIs wie auch andere Stimmungsindikatoren sprächen eine eindeutige Sprache, die Anzeichen einer Rezession im Winterhalbjahr würden sich verdichten. Dies gelte natürlich auch für die österreichische Volkswirtschaft - dem konjunkturellen Überflieger des ersten Halbjahres -, die bereits in Q3 (-0,1% p.q.) eine Vollbremsung hingelegt habe.
Nach diversen Euroländern folge am Montag die vorläufige Schnellschätzung des Q3-BIPs für die gesamte Eurozone, für das die Analysten der RBI auf Basis der vorliegenden Länderveröffentlichungen mit einem Plus von 0,2% p.q. rechnen würden. Die Analysten der RBI seien zunächst noch vorsichtiger gewesen, aber aufgrund des überraschenden Plus in Deutschland hätten sie ihre Schätzung etwas nach oben genommen. Italiens Wirtschaft dürfte zwischen Juli und September hingegen nicht über eine Stagnation hinausgekommen sein.
Die Europäische Zentralbank habe auf ihrem Meeting am 27. Oktober wie erwartet eine Anhebung der Leitzinsen um 75 Basispunkte beschlossen. Es seien weitere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt worden, allerdings bereits für Dezember ein kleinerer Schritt. Des Weiteren seien die Konditionen für ausstehende Refinanzierungsgeschäfte für Banken verändert worden. Dies dürfte die vorzeitigen Rückzahlungen dieser Gelder beschleunigen aber zu keinem Squeeze führen.
Ähnlich wie der EZB-Rat am 27. Oktober, werde sich wohl auch der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank FED diese Woche dazu entschließen, die Leitzinsen um 75 Basispunkte zu erhöhen. Alles andere wäre eine große Überraschung. Bei der offiziellen Kommunikation (Statement) werde es wohl wenig Anpassungsbedarf geben und neue Prognosen würden erst im Dezember veröffentlicht. Wesentliche Elemente wie zum Leitzinspfad (weitere Zinserhöhungen seien zu erwarten) und zur Bilanzreduktion (weiter auf Auto-Pilot) würden wohl unangetastet bleiben. Im Fokus der Märkte stünden Ausführungen Powells im Zuge der Pressekonferenz, ob das Tempo der Leitzinserhöhungen bald reduziert werden könnte. Powell könnte sich dazu in der Q&A direkt äußern (je weiter man in den restriktiven/konjunkturdämpfenden Bereich vorrücke, desto angemessener werde ein geringeres Tempo der Leitzinserhöhungen sein) oder auch indirekt (erachte man Inflations- und Arbeitsmarktentwicklungen als weniger dynamisch, könnte eine weniger restriktives Niveau der Geldpolitik damit einhergehen).
Neben den erwarteten 75 Basispunkten diese Woche, würden die Prognosen der Analysten der RBI eine Zinserhöhung von 50 Basispunkten im Dezember widerspiegeln und ein finales Niveau der Federal Funds Rate innerhalb der Bandbreite zwischen 4,5% und 4,75%. Gepreiste Markterwartungen hätten sich in den letzten Tagen in die Richtung ihrer Einschätzung bewegt, sei letzte Woche doch noch ein Leitzinsniveau nahe 5% Mitte 2023 gepreist worden. Dies sei auch mit sinkenden Treasury Renditen (10J bei etwa 4%) und einem steigenden EUR/USD Kurs (bei Parität) einhergegangen.
Neben der FED-Zinssitzung würden auch gewichtige US-Konjunkturindikatoren diese Woche veröffentlicht. Da Einkaufsmanagerindices (PMIs) letzte Woche in den USA enttäuscht hätten, blicke man gespannt auf die ISM-Indices, welche insbesondere für den Dienstleistungssektor bis zuletzt noch ein optimistischeres Bild gezeichnet hätten. PMIs hätten eine rückläufige Entwicklung im Dienstleistungssegment (46,6 Punkte) und eine Stagnation im Verarbeitenden Gewerbe (49,9 Punkte) signalisiert.
Insbesondere für den Zinsmarkt seien aktuell Arbeitsmarktdaten von großem Interesse. Solange der Arbeitsmarktbericht diese Woche nur eine graduelle Verlangsamung der Beschäftigungsentwicklung und leicht steigende Arbeitslosenquoten widerspiegele, sollte das für die FED kein Anlass sein vom eingeschlagenen/erwarteten Kurs abzuweichen. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal sei mit 2,6% p.q. (annualisiert) im Rahmen der Erwartungen veröffentlicht worden und insbesondere durch einen positiven Beitrag der Nettoexporte begünstigt gewesen. Andere Wachstumstreiber hätten sich zum Großteil abgeschwächt. (Ausgabe vom 28.10.2022) (31.10.2022/alc/a/a)
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| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
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| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


