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FED zögert - EZB und SNB vor Lockerung


12.05.25 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die letzte Woche erschienene April-Schnellschätzung zur Inflation in der Eurozone wartete mit einer negativen Überraschung auf, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Daten hätten deutlich gemacht, dass die Dienstleistungsinflation noch lange nicht besiegt sei. Die Schnellschätzung habe bei 2,2% p.a. für die Gesamtinflation und bei 2,7% p.a. für die Kerninflation gelegen (ihre Schätzungen hätten bei 2,1% bzw. 2,5% gelegen). Die Dienstleistungsinflation habe sich merklich von 3,5% p.a. im März auf 3,9% im April beschleunigt.

Während ein Teil des Anstiegs aufgrund von Ostern erwartet worden sei, sei der Anstieg der Dienstleistungspreise im April 2025 dennoch der höchste Aprilanstieg seit Gründung der Eurozone gewesen und habe alle vorherigen Ostereffekte sowie die Jahre mit hoher Inflation 2022 und 2023 übertroffen. Dies bedeute, dass sich die Dienstleistungsinflation 18 Monate in Folge nicht nachhaltig von der 4%-Marke habe entfernen können - trotz einer deutlichen Verlangsamung der Güterinflation, einer zeitweise deflationären Entwicklung der Energiepreise und einer erwarteten Verlangsamung des Lohnwachstums (gemäß dem EZB-Lohntracker). Man werde die vollständige Veröffentlichung Mitte Mai abwarten müssen, um die Details zur Beschleunigung zu erfahren, doch erweise sich die Dienstleistungsinflation als deutlich hartnäckiger als erwartet.

Unveränderte Leitzinsen, kaum Anpassungen in der Kommunikation und nur geringe Marktbewegungen - die FED-Sitzung im Mai sei kein Blockbuster gewesen. Die FED betone, dass die Unsicherheit zugenommen habe und die Risiken für Arbeitslosigkeit und Inflation nach oben gerichtet seien. In welchem Ausmaß und mit welcher Persistenz sich diese Risiken manifestieren würden, werde entscheidend für das Timing von Zinssenkungen sein. Gemäß dem aktuellen Stand der Dinge sei die FED aber in keiner Eile.

Neben den politischen Ereignissen am Wochenende würden in der laufenden Woche auch US-Inflationszahlen den Zinsmarkt beschäftigen. Im Vergleich zum März solle die Inflationsdynamik wohl zulegen, da die Entwicklung an den Energiemärkten im April als weniger disinflationär einzustufen sei. Das heiße aber nicht, dass die Inflationsraten im Jahresvergleich - Gesamtrate und Kernrate - nicht erneut sinken könnten. Die Inflationsunsicherheit sei als erhöht einzustufen und der Fokus werde sich diesmal wohl vor allem auf die Kern-Güterpreise richten. Wenn erste Zolleffekte auf die Inflation abzulesen seien, solle man sie in dieser Kategorie finden. Gerade weil die April-VPI-Zahlen den ersten Monat nach dem "Trump Liberation Day" abbilden würden, könnte die Veröffentlichung sogar noch mehr Interesse wecken als ohnehin üblich.

Im April sei die Inflation in der Schweiz auf 0,0% gesunken und habe somit das untere Ende des Bandes der SNB-Preisstabilitätsdefinition (0% bis 2% in der mittleren Frist) erreicht. Diese Zahl habe auch die Konsensschätzungen unterschritten, die mit einem leichten Plus gerechnet hätten. Während inländische Güter mit +0,8% noch in der Bandbreite der SNB lägen, würden die Importgüter mit -2,5% weiterhin für Druck nach unten sorgen (die Preise für Erdölprodukte hätten bei -8,6% gelegen). Das unsichere globale Umfeld und der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken würden hierbei eine große Rolle spielen. Die SNB, die schon bei einem Leitzins von 0,25% angekommen sei, gerate dadurch weiter in die Bredouille. Schwache Nachfrage gepaart mit einem großen Zufluss in den sicheren Hafen würden die Deflationsrisiken und folglich auch die Chancen auf Negativzinsen erhöhen.

Für die nächste SNB-Sitzung im Juni dürfte eine weitere Zinssenkung gesetzt sein, was auch weitgehend von den Märkten eingepreist werde. Sollte die SNB den Schweizer Franken abschwächen wollen, müsse ein Zinsschritt deutlicher als 25 Basispunkte ausfallen. Die Risiken für ihre Prognose von 0,0% Ende Juni seien dadurch wieder nach unten gerichtet. Da Negativzinsen jedoch eine sehr unbeliebte Maßnahme darstellen würden, würden sie auf jeden Fall nur vorsichtig eingesetzt. Nach eigenen Angaben würde die Schweizer Zentralbank eine monatsweise Deflation in Kauf nehmen. Sofern sich das Marktumfeld nicht ändere, würden Negativzinsen dennoch immer wahrscheinlicher. (Ausgabe vom 09.05.2025) (12.05.2025/alc/a/a)