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Fed ist erfreut über den bereits erzielten Fortschritt


08.11.24 09:50
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Fed senkte die Leitzinssätze wie erwartet um 25 Basispunkte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Auch wie erwartet habe sich der Fed-Vorsitzende Powell nicht zur Präsidentschaftswahl geäußert. Die einzige Botschaft sei gewesen, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2026 Fed-Vorsitzender bleiben werde. Die Wahl habe somit keine kurzfristigen Auswirkungen auf die US-Geldpolitik oder die Unabhängigkeit der Fed.

Die Fed scheine mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Inflation zufrieden zu sein. Zinssenkungen um 25 Basispunkte dürften das Basisszenario der Fed sein, um einerseits die Inflation auf 2% zurückzuführen und andererseits eine weitere Abkühlung des Arbeitsmarktes von seinem derzeitigen nichtinflationären Zustand zu verhindern.

Die Federal Reserve habe beschlossen, die Leitzinsen um 25 Basispunkte zu senken, wodurch die Zielspanne für den Fed Funds Zins bei 4,50 bis 4,75% liege. Die Änderung der Zinssätze sei von Analysten erwartet worden und sei auf den Zinsmärkten bereits eingepreist gewesen.

Nach der größeren Zinssenkung um 50 Basispunkte im September habe die Fed somit das Tempo ihres Zinssenkungszyklus verlangsamt. Dies stelle wohl auch das Basisszenario der Fed für das weitere Vorgehen dar. Die Fed könnte zu einem schnelleren Tempo zurückkehren, sollte sich der Arbeitsmarkt gegenüber dem aktuellen Niveau abschwächen. Derzeit sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt solide und gebe keine inflationären Impulse. Das Ziel der Fed sei es, dies beizubehalten. Eine Pause im Zinssenkungszyklus könnte durch unerwartete Inflationsanstiege ausgelöst werden. Bis zur nächsten Fed-Sitzung am 18. Dezember würden noch viele Daten veröffentlicht.

Während die jüngste Inflationsveröffentlichung leicht über den Erwartungen gelegen habe, habe der jüngste Arbeitsmarktbericht unter den Erwartungen gelegen. Letzterer sei jedoch durch Streiks und Hurrikane negativ beeinflusst worden, was auch der Fed-Vorsitzende Powell angemerkt habe. Da die Prognose der Analysten einen Leitzins von 50 Basispunkten unter dem aktuellen Niveau bis zum Jahresende vorsehe, spiegle ihre Prognose die Risiken einer Abkühlung des Arbeitsmarktes wider. Sollte die nächste Veröffentlichung zum Arbeitsmarkt nicht in diese Richtung tendieren, müssten die Analysten ihre Prognose auf 25 Basispunkte revidieren.

Die Änderungen an der geldpolitischen Erklärung seien marginal gewesen. Textpassagen, die sich auf die "Erlangung von mehr Vertrauen" in die Erreichung des Inflationsziels oder darauf bezogen hätten, dass die Inflation "weitere" Fortschritte gemacht habe, seien im Vergleich zum letzten Mal aus der Erklärung entfernt worden. Auf der Pressekonferenz habe Powell jedoch betont, dass man nicht zu viel hineininterpretieren solle. Der Grund für diese Änderungen sei gewesen, dass diese Textpassagen eine Forward Guidance für den Beginn des Zinssenkungszyklus dargestellt hätten. Da die erste Zinssenkung bereits im September erfolgt sei, sei die Forward Guidance nicht mehr erforderlich gewesen. Und ganz allgemein wolle die Fed von jeglicher Forward Guidance Abstand nehmen.

An den Finanzmärkten sei die erste Reaktion hawkish ausgefallen. Die Veröffentlichung der geldpolitischen Erklärung habe zu einem Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen und einer Aufwertung des US-Dollars geführt. Im Verlauf der Pressekonferenz seien die Marktquotierungen jedoch auf das Niveau kurz vor der Fed-Sitzung zurückgekehrt. Insgesamt sei die Fed-Sitzung also das erwartete Non-Event gewesen.

Fed-Vorsitzender Powell habe keine Fragen im Zusammenhang mit Trumps Sieg bei der Präsidentschaftswahl beantwortet. Das Verhältnis zwischen Powell und Trump sei nicht das beste. Trump habe die Fed häufig öffentlich dafür kritisiert, dass sie die Zinssätze zu hoch und den US-Dollar zu stark halte. Abgesehen von fortgesetzten verbalen Interventionen könnte Trumps Einfluss auf die Fed zumindest kurzfristig begrenzt sein. Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender ende am 15. Mai 2026, und er habe oft erklärt, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit bleiben wolle. Auch auf dieser Pressekonferenz habe Powell ausdrücklich erklärt, dass er nicht zurücktreten werde, selbst wenn Trump ihn darum bitten würde. Dennoch trage die Frage, wie viel direkten und indirekten Einfluss der Präsident auf die Fed nehmen könnte, zur Unsicherheit auf den Finanzmärkten bei.

Neben der Unsicherheit über die Unabhängigkeit der Fed seien auch die potenziellen Auswirkungen der Politik von Trump auf die Inflation ein Thema. Höhere Zölle, engere Arbeitsmärkte aufgrund von Migrationsbeschränkungen und eine lockerere Fiskalpolitik könnten Inflationsrisiken bergen, was die Fed zu mehr Vorsicht veranlassen könnte. Während der Vorsitzende Powell betont habe, dass "die Wahl kurzfristig keine Auswirkungen auf die Geldpolitik haben wird", werde es dennoch interessant sein zu sehen, ob es bei der nächsten FOMC-Sitzung im Dezember zu Aufwärtskorrekturen im Dot Plot - welcher die Zinsmeinung der FOMC-Mitglieder abbilde - komme. (08.11.2024/alc/a/a)