Hoffnungsschimmer auf Einigung mit Athen lässt Bond-Kurse anziehen


30.04.15 16:41
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - In Athen gibt es zarte Anzeichen für eine Einigung im Schuldenstreit mit den internationalen Geldgebern, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Darauf würden zum einen Äußerungen des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hindeuten, der die Rückzahlung aller seinem Land gewährten Kredite zugesagt habe - und zwar "bis zum letzten Euro". Und zum anderen würden die griechischen Reformen Gestalt annehmen. Dabei gehe es insbesondere darum, die Einnahmen des Staates zu erhöhen, während Rentenkürzungen und die Erhöhung der Mehrwertsteuer von Athen weiter abgelehnt würden.

An den Kapitalmärkten hätten diese Signale aus Hellas zu einer besseren Stimmung geführt, was an den Risikoaufschlägen für Staatsanleihen abzulesen sei, die - von hohem Niveau aus - in dieser Woche zurückgegangen seien. Im Einzelnen plane Athen in einem Gesetz die Einführung schärferer Kontrollen von Überweisungen ins Ausland, um Schwarzgeld aufzuspüren. Darüber hinaus sollten unter anderem die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer besser erfasst und die Zahlungen säumiger Schuldner verstärkt eingetrieben werden. Außerdem sollten mit einer Amnestie für Steuersünder Einnahmen aus im Ausland deponiertem Schwarzgeld generiert werden.

Vor dem Hintergrund der Bewegung in den Verhandlungen hätten an den Rentenmärkten die Kurse griechischer Staatsanleihen wieder angezogen, nachdem noch Ende vergangener Woche neue Jahrestiefstände erreicht worden seien. So sei eine bis 7/2017 laufende griechische Staatsanleihe (ISIN GR0110029312 / WKN A1ZL72) auf ein Niveau von 73,50% geklettert. Dies entspreche einer Rendite von 19,03%. Am 22. April habe der Bond noch ein Zwölfmonatstief von 60,52% erreicht. Ein Hellas-Bond mit Laufzeit bis 4/2019 sei auf ca. 72,00% gestiegen, nachdem er noch am 21. April bei 60,075% gehandelt habe. Das Papier rentiere damit bei rund 14,50%.

Positiv dürfte sich auf die Verhandlungsstimmung auch auswirken, dass Tsipras den Chefunterhändler der griechischen Delegation bei den Geldgebern ausgetauscht habe. Der erfahrene frühere Unterhändler Giorgos Chouliarakis ersetze nun Nikos Theocharakis, den Vertrauten des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis. Dies dürfte bei den Experten der Geberländer vertrauensbildend wirken. "Es sieht so aus, als ob sich die Dinge ändern in Athen", sei ein EU-Diplomat in Brüssel zitiert worden. Tsipras habe indessen seinem Finanzminister das Vertrauen ausgesprochen und sei damit Gerüchten über dessen bevorstehende Absetzung entgegengetreten.

Bei dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hätten die neuen Töne aus Athen dazu geführt, dass er zumindest den griechischen Banken den Fortbestand der ELA-Notkredite zugesichert habe, solange die Geldhäuser solvent seien und über ausreichend Sicherheiten verfügt hätten.

Vergangene Woche habe die EZB mit dem Zaunpfahl gewinkt und Überlegungen lanciert, wonach die ELA-Notkredite begrenzt werden könnten. Dazu sei ein Vorschlag ausgearbeitet worden, wonach der Zugang der griechischen Geschäftsbanken zu den Notkrediten erschwert werden solle. Griechische Geldhäuser müssten für die Notkredite Sicherheiten hinterlegen, wenn sie sich von der griechischen Notenbank Geld beschaffen wollten. Zuletzt habe die EZB die ELA-Notkredite für Griechenlands Banken um 1,5 Mrd. EUR auf insgesamt 75,5 Mrd. EUR erhöht.

Dass Griechenland die Eurozone verlassen werde, davon sei im vergangenen Monat fast jeder zweite Anleger ausgegangen. Nach einer Umfrage des Analysehauses Sentix hätten im März 49,0% der Befragten mit dem sogenannten Grexit gerechnet, während es im Vormonat noch 36,8% gewesen seien. Vielleicht sinke die Rate ja wieder im April, wenn die jüngsten Signale aus Athen in konkrete Maßnahmen münden sollten.

Im Reich der Mitte habe man es schon immer gut verstanden, rasch von anderen zu lernen - so auch in der Geldpolitik. Denn offenbar plane China eine expansive Lockerung seiner Geldpolitik, wie sie die EZB und die US-Notenbank FED vormachen würden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichte, solle die People's Bank of China einige "unkonventionelle Schritte" diskutieren, wie etwa den direkten Erwerb von Anleihen einzelner Provinzen am Markt. Die Zentralbank könnte die Papiere direkt am Markt oder von den Banken erwerben und ihnen so den Kauf der lokalen Anleihen abnehmen.

Mit einem solchen Schritt wolle sich die Zentralbank in Peking gegen die Quantitative Lockerung in den USA stemmen, deren Folgen auch in China zu spüren seien, wie etwa eine drohende Kredit- oder Immobilienblase.

Inzwischen würden auch staatliche Unternehmen aus China von einigen ausländischen Banken nicht mehr als risikofrei eingestuft. Denn China wolle angesichts der immensen Verschuldung seiner lokalen Regierungen die staatlichen Unternehmen reformieren. Aus diesem Grund sollten diese weniger oder gar nicht mehr subventioniert werden, was zu einer steigenden Anzahl von Pleiten führen dürfte.

Betroffen seien rund 150 staatliche Unternehmen, die der chinesischen Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen unterstehen würden. Würde ihnen die staatliche Unterstützung entzogen, dürfte sich der Trend zu faulen Krediten und Pleiten verstärken. Damit verstärke sich das systemische Risiko, das internationale Finanzinstitute mit ihren Engagements in China tragen würden. Europäische Banken hätten nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gegenüber China offene, risikobehaftete Forderungen in Höhe von 363 Mrd. Dollar. Deutsche Banken stünden mit rund 41 Mrd. Dollar oder 32 Mrd. EUR im Feuer.

Besonders wegen mangelnder Strukturreformen habe die Ratingagentur Fitch die Bonität von Japan um eine Stufe gesenkt. So sei die Bonitätsnote für Nippon von "A+" auf "A" gesenkt worden. Der Ausblick aber sei stabil, habe Fitch mitgeteilt.

Die Ratingagentur habe insbesondere die hohe und wachsende Verschuldung des Landes bemängelt, die 2015 auf 244% des Bruttoinlandsprodukts klettern werde und damit den höchsten Wert aller Staaten weltweit erreichen dürfte.

Indessen habe Fitch die Noten für Spanien und Italien bestätigt. Demnach bleibe die Einstufung der Kreditwürdigkeit der beiden Länder jeweils bei "BBB+", die beste Note für eine durchschnittliche Anlage. Der Ausblick für Italien und Spanien werde mit "stabil" angegeben. Das bedeute, dass vorerst nicht mit einer Änderung der Einstufung zu rechnen sei.

Währenddessen könne das kleine Euro-Land Zypern auf eine Verbesserung seiner Bewertung hoffen. Zwar habe Fitch die Note bei "B-" belassen, den Ausblick allerdings auf "positiv" gesetzt.

Die EU-Kommission wolle der österreichischen Regierung bei der Abwicklung der Heta, wie die Bad Bank der Hypo Alpe Adria genannt werde, zumindest vorläufig freie Hand lassen. Dies betreffe vor allem das Zahlungsmoratorium vom Februar, mit dem das Finanzministerium in Wien sämtliche Rückzahlungen von Heta-Verbindlichkeiten vorerst eingestellt habe.

So zeichne sich ab, dass die Kommission keinem Verfahren vor österreichischen Gerichten vorgreifen werde. Das gelte sowohl für den Schuldenschnitt in Höhe von 900 Mio. EUR vom Vorjahr per Hypo-Sondergesetz, wovon vor allem die ehemalige Eigentümerin BayernLB betroffen sei, als auch für das Zahlungsmoratorium. Bei letzterem werde mit mehreren Klagen gerechnet, sobald sich die Gläubiger nicht in Verhandlungen zum Verzicht auf Teile ihrer Forderungen bereit erklären würden.

Indessen sei die Regierung in Wien offenbar darauf erpicht, das Problem mit der Heta schnellstmöglich loszuwerden. Innerhalb von fünf Jahren, so der Zeitplan, solle das Thema der Bad Bank vom Tisch sein, heiße es in Wien.

Der in der Metall- und Bergbauindustrie tätige Konzern BHP Billiton habe sich in dieser Woche gleich in drei Tranchen am Primärmarkt refinanziert.

Den Anfang habe eine fünfjährige Unternehmensanleihe (ISIN XS1224953452 / WKN A1Z0TQ) des Emittenten gemacht, welche als Floater mit einer Laufzeit bis 4/2020 und im Volumen von 600 Mio. EUR emittiert worden sei. Der mit A+ (S&P) geratete Titel besitze einen Kupon von Drei-Monats-EURIBOR +35 bps, was aktuell einen Zinssatz von 0,349% gleichkomme.

Die zweite BHP Emission (ISIN XS1225004461 / WKN A1Z0TR) habe eine Laufzeit bis 10/2022 und ein Emissionsvolumen von 650 Mio. EUR. Die Anleihe besitze einen Kupon in Höhe von 0,75% und sei bei 99,234% gepreist worden. Das habe einen Emissionsspread von +50 bps über Mid Swap ergeben.

Zur Abrundung des Dreierpacks habe der im Metall- und Bergbaubereich tätige Industriekonzern einen Bond (ISIN XS1224955408 / WKN A1Z0TS) mit Fälligkeit 4/2030 am Markt untergebracht. Der Titel mit einer nominalen Verzinsung von 1,5% habe einen Emissionspreis von 99,973% gehabt, was einem Spread von +85 bps über Mid Swap gleichgekommen sei.

Ebenso habe sich der Chemikalienhersteller Ineos mit einem 770 Mio. EUR schweren Bond refinanziert, der bis 5/2023 laufe und dem Investor hierbei einen jährlichen Kupon von 4% biete. Die Anleihe (ISIN XS1117296209 / WKN A1Z0T5) sei ab 2018 jährlich von Seiten des Emittenten kündbar. Der Emissionsspread habe +400 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe betragen.

Die russischen Banken würden das Misstrauen der Anleger zu spüren bekommen. Im Zuge der Währungskrise seien umgerechnet rund 12 Mrd. Dollar von den Konten abgezogen worden, was allerdings immer noch einem relativ niedrigen Netto-Abfluss von 3,7% der nationalen Spareinlagen entspreche. Viele Sparer würden wegen des Rubelverfalls lieber dazu neigen, in Autos, Wohnimmobilien und Luxusgüter, die als krisensichere Anlagen gelten würden, zu investieren, anstatt das Geld auf der Bank liegen zu lassen.

Die Entwicklung habe die Liquiditätskrise der Institute weiter verschärft. Diese bräuchten mehr als 35 Mrd. Dollar, um ihre Liquidität zu sichern, werde Alexander Morozow, Finanzchef der OAO Sberbank, die rund 44% der Verbrauchereinlagen Russlands halte, von Bloomberg zitiert. Ziel des gesamten russischen Bankensystems sei es daher, einen Rückfluss von Geldern zu bewirken.

In Deutschland werde der 1. Mai auf verschiedene Art und Weise begrüßt. In einigen Regionen werde dabei der Maibaum aufgestellt, in anderen Teilen Deutschlands werde das Hexenfeuer, auch "Tanz in den Mai" oder "Maifeuer" gefeiert. Dazu werde am 30. April ein Feuer entfacht, mit dem man "die bösen Geister" vertreiben wolle.

Am Devisenmarkt haben wir zwar keine bösen Geister zu befürchten, doch ein anderes Thema geistert am Markt und sorgt immer aufs Neue für Bewegung beim Währungspaar EUR/USD, so die Analysten der Baader Bank. So seien es wieder einmal Spekulationen um die Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten, die den Greenback zugesetzt und der Währung der Eurostaaten einen ordentlichen Schub verpasst hätten.

In der Folge sei die europäische Gemeinschaftswährung deutlich gestiegen. Sie sei von 1,0820 USD gekommen, habe die wichtige Marke bei 1,10 USD mit Leichtigkeit übersprungen und mit 1,1187 USD ein neues Zwei-Monats-Hoch markiert. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung seien schwache US-Daten und damit verbunden die Möglichkeit einer späteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank gewesen.

Nicht zu erschrecken sei der Euro im Vergleich zur Türkischen Lira (TRY) gewesen. Die gemeinsame Währung habe sich ganz stark zur Bosporus-Währung präsentiert und sei auf ein neues Jahreshoch bei 2,9754 TRY gestiegen.

Um keine bösen Überraschungen zu erleben seien Anleger auf der Suche nach dem richtigen Chance/Risiko-Verhältnis bei ihren Anlagen. Fremdwährungsanleihen seien hier ein probates Mittel. Auf den Kauflisten hätten daher Anleihen auf Türkische Lira, Brasilianische Real sowie diverse Dollar-Anleihen (AUD, CAD, NZD, und USD) gestanden.

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