Inflationszahlen aus den USA im Fokus


12.02.24 11:12
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Das definitive Highlight des Datenkalenders in dieser Woche stellt die Veröffentlichung der Januar-Verbraucherpreisinflation (VPI) in den USA dar, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation hätten sich insbesondere in der zweiten Jahreshälfte des Vorjahres sehr positiv entwickelt. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob dieser Disinflationstrend im Jahr 2024 aufrechterhalten werden könne. Im Mittelpunkt werde dabei wohl weiterhin die Entwicklung der Kerndienstleistungskomponente stehen. Diese werde zu einem großen Teil von den Dynamiken der Lohn- und Wohnkosten mitbestimmt. Während der Druck vonseiten der Wohnkosten in den Folgemonaten weiter abnehmen sollte, sei die zukünftige Richtung der Löhne noch mit mehr Unsicherheit behaftet.

So habe beispielsweise der zuletzt erschienene (unerwartet starke) Arbeitsmarktbericht einen hohen Lohndruck im Januar suggeriert - es bleibe abzuwarten, inwieweit dieser sich auf die VPI-Zahlen durchgeschlagen habe. Der Konsens gehe aktuell von monatlichen Wachstumsraten in Höhe von 0,2% (Gesamtinflation) und 0,3% (Kerninflation) aus. Dies würde in der jährlichen Betrachtung weitere Rückgänge in beiden Inflationsmaßzahlen implizieren (Gesamt-VPI: 3% vs. 3,4% im Dezember; Kern-VPI: 3,8% vs. 3,9% im Dezember).

Darüber hinaus würden in den USA mit der Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen weitere Daten zur Wirtschaftsaktivität im Januar erscheinen. Nachdem sich das BIP-Wachstum in den USA im vierten Quartal 2023 abermals erstaunlich stark entwickelt habe (3,3% p.q. annualisiert), würden diese Indikatoren einen ersten Anhaltspunkt bezüglich der Konjunkturentwicklung im ersten Quartal des neuen Jahres bieten. Der Konsens gehe aktuell jedenfalls von einem positiven Momentum aus. So werde für die Industrieproduktion und für die Einzelhandelsumsätze ein Wachstum in Höhe von 0,4% p.m. und 0,2% p.m. veranschlagt.

In der Eurozone erscheine indessen mit dem deutschen ZEW ein weiterer Stimmungsindikator für den Februar. Hinsichtlich der Komponente für die Zukunftserwartungen würden die Analysten eine Verbesserung von 15,2 auf 18,1 Punkte für realistisch halten. Bei der Komponente für die aktuelle Lage würden sie hingegen eine weitere Eintrübung des Stimmungsbilds von -77,3 auf -81,7 Punkte erwarten. Dies würde zum aktuell verhaltenen Gesamtbild der in einer Rezession befindlichen größten Volkswirtschaft der Eurozone passen.

Am Zinsmarkt blicke man bereits gespannt auf die Inflationszahlen aus den USA in dieser Woche. Der Arbeitsmarktbericht habe gezeigt, was an Renditekorrektur möglich sei, wenn sich Konjunkturdaten gegen das herrschende Markt-Narrativ stemmen würden. Benchmark-Renditen seien letzte Woche Freitag (02.02.2024) deutlich angestiegen, ein Trend, der sich Anfang vergangener Woche fortgesetzt habe, gefolgt von einer Stabilisierung auf höherem Niveau. Flankiert worden seien die besser als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten von weiteren Wortmeldungen der FED, die keine Eile bei Zinssenkungen signalisieren würden.

In diesem Lichte würden die Analysten ihre US-Zinsprognosen - mit einer ersten Zinssenkung im Juni - weiterhin gut unterstützt erachten. In der Eurozone haben uns die Informationen seit der letzten EZB-Sitzung jedoch dazu veranlasst bei den Zinsprognosen leicht nachzubessern, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Etwas mehr Disinflation als erwartet gepaart mit dem Eindruck, dass Inflationsrisiken den EZB-Rat nicht mehr wesentlich verunsichern würden, habe die Analysten dazu bewegt, eine erste Zinssenkung der EZB nun im zweiten Quartal (wohl Juni) anstatt im dritten Quartal zu erwarten. (Ausgabe vom 09.02.2024) (12.02.2024/alc/a/a)