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Jerome Powell wird sich noch freischwimmen
22.03.18 12:30
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Am gestrigen Mittwoch hat der neue FED-Präsident Jerome Powell auf der Pressekonferenz das bekannt gegeben, was bereits im Vorfeld der zweitägigen Sitzung eingepreist war, nämlich die sechste Zinsanhebung seit Dezember 2015, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Mit dieser Anpassung des Korridors um 25 bps auf 1,50% bis 1,75% sei der bereits unter seiner Vorgängerin Janet Yellen beschrittene geldpolitische Weg weiter fortgesetzt worden. Somit könne man zwar noch nicht behaupten, dass er sich mit diesem Schritt freigeschwommen habe, aber er werde schon bald Gelegenheit haben, der zukünftigen Notenbankpolitik seinen eigenen Stempel aufzudrücken.
Der für vier Jahre ernannte Chef der amerikanischen Notenbank habe nämlich die Aufgabe übernommen, die Leitplanken zu installieren, um die US-Konjunktur in die richtigen Bahnen zu lenken. Sicherlich bestehe keine Veranlassung, ihn um diese Aufgabe zu beneiden! Denn in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump, der jeden Tag für mindestens eine Überraschung gut sei, müsse er gemeinsam mit den anderen Board-Mitgliedern den für die Finanzmärkte immens wichtigen Part der geldpolitischen Zuverlässigkeit übernehmen. Deshalb sei am gestrigen Abend sehr viel Wert auf die Wachstumsprojektionen gelegt worden, denn bei der letzten Vorstellung der Summary of Economic Projections (SEP) im Dezember des vergangenen Jahres seien Themen wie Handelskrieg, Steuerreform und Schuldenobergrenze noch nicht oder nur teilweise berücksichtigt gewesen.
Bei der anschließenden Erläuterung des einstimmigen FOMC-Entscheids sei deutlich geworden, dass es noch zu früh sei, um die Projektion auf vier Zinsanhebungen in 2018 zu erhöhen und deshalb seien vorerst nur je drei Schritte nach oben für 2018 und für 2019 signalisiert worden. Für die bereits angedeuteten Anhebungen habe man noch genügend Zeit und könne zuerst die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen abwarten. Denn die Unsicherheit infolge des sich abzeichnenden Handelskrieges zwischen den USA und China bzw. anderen wirtschaftlichen Partnern sei einfach noch zu groß. Aktuell sehe es zwar so aus, als würden die europäischen Partner einknicken und eine Eskalation vermeiden wollen.
Aber ob auch China als größter Gläubiger der USA diesen Weg einschlagen werde, sei zu bezweifeln. Denn China habe bereits mit einem Abverkauf amerikanischer Staatsanleihen gedroht. Sollte diese Karte gezogen werden, so hätte dies Einfluss auf die weitere Zinspolitik der amerikanischen Notenbank. Zumal die extrem flache Zinskurve zwischen zwei und zehn Jahren (aktuell 0,57 bps) sicherlich in Erwartung weiterer Zinsanhebungen einem massiven Verkaufsdruck nicht standhalten könnte. Eine Versteilerung der Kurve wäre die logische Konsequenz und würde die US-Notenbanker zum Gegensteuern zwingen. Denn in Anbetracht des riesigen Schuldenberges und den Steuergeschenken der US-Regierung könne auch die amerikanische Notenbank nicht an schnell steigenden langfristigen Zinsen interessiert sein.
Zu zwei Themen gebe es in diesem Zusammenhang kurzfristig Neuigkeiten zu vermelden. So habe auch Chinas Notenbank den sogenannten Reverse-Repo-Satz von 2,50% auf 2,55% erhöht und in den USA habe sich der Kongress auf eine Zwischenlösung im US-Haushaltsstreit geeinigt. Es gebe also noch genügend Möglichkeiten für den neuen FED-Präsidenten, sich zu profilieren und freizuschwimmen.
Peter Altmaier wolle es richten. Bis Freitag wolle der neue Wirtschaftsminister, der gerade in Washington weile, versuchen, drohende Strafzölle der US-Administration abzuwenden. Sicher, US-Handelsminister Wilbur Ross, einer der geistigen Väter der Strafzölle, habe ihn freundlich empfangen. Zumal Altmaier einen diplomatischen Hochseilakt probe, obwohl er formal bei dem Streit gar keine Rolle spiele. Vielmehr würden die Entscheidungen beim US-Präsidenten und der EU-Kommission fallen.
So gesehen spiegle die Aktion von Altmaier die helle Aufregung wider, in welche die europäischen Handelspartner der USA geraten seien, nachdem D. T., der Unberechenbare, seine protektionistischen Maßnahmen angekündigt habe. Diese würden zwar gegen internationales Recht verstoßen, aber einem Präsidenten wie Trump sei das einerlei. Jetzt stünden die Vertreter der Handelspartner wie Altmaier in Washington Schlange, um zu retten, was nicht zu retten sei.
Die Crux sei, dass sich die EU das Gebaren des US-Präsidenten nicht bieten lassen dürfe, da dieser ansonsten an dieser Machtdemonstration weiter Gefallen finde. Dies verdeutliche sein jüngstes Vorhaben, wonach er nun 100 chinesische Produkte in Höhe von jährlich 50 Mrd. USD mit weiteren Strafzöllen belegen wolle. Dies solle offenbar die Revanche für Urheberrechtsverletzungen der Chinesen sein.
Aber nicht nur bei den Handelspartnern der USA, auch in der eigenen Wirtschaft rege sich Widerstand gegen den von Trump praktizierten Protektionismus. 45 Unternehmensverbände aus den Branchen Hightech, Textilhandel, Landwirtschaft und Automobil, die Firmen wie Apple, die Google-Mutter Alphabet, Walmart und Nike repräsentieren würden, würden in einem Brief vor einer "Kettenreaktion negativer Folgen für die US-Wirtschaft" warnen. Sie würden sie doch einen Rückgang der US-Exporte von Agrar- und Industriegütern sowie Dienstleistungen und steigende Kosten für Unternehmen und Verbraucher in den USA befürchten.
Doch Hand aufs Herz, es sei ja auch was dran, wenn Trump Ungerechtigkeiten an den Zollpraktiken beklage. So zeige sich, dass die EU für Autos und Produkte aller Handelssparten bislang zum Teil deutlich höhere Zölle verlange als die USA. Bekanntlich erhebe die EU 10% auf die Einfuhr von Autos, die USA ihrerseits aber nur 2,5%. Und vergleiche man die durchschnittlichen Zölle aller Handelssparten, lange die EU mit 5,2% mehr zu als die USA mit 3,5%. Das könne auch jemand wie Altmaier nicht einfach wegargumentieren. Allerdings vermische Trump immer wieder Themen wie Handelsungleichgewichte, Nato-Verpflichtungen oder unterschiedliche Zölle und entziehe sich damit einer rationalen Diskussion.
Ob der deutsche Wirtschaftsminister nun einen von ihm angestrebten Kompromiss bis Freitag präsentieren könne, dürfe bezweifelt werden. Der Handelskrieg dürfte seinen Lauf nehmen. Darauf sollte sich die EU einstellen. Also werde die EU wohl mit Steuern auf "Ausweichprodukte" wie Jeans und Bourbon Whiskey reagieren. Und das werde wenigstens die Whisky Distilleries in Schottland, Irland und auf der schwäbischen Alb oder am Schliersee freuen. Darauf einen Scotch!
Während die Kanzlerin Europa eher in Trippelschritten voranbringen wolle, möchte Emmanuel Macron die Gemeinschaft mit Verve weiterentwickeln. Aber nicht nur beim gewünschten Tempo einer EU-Reform gebe es zwischen den angestammten Partnern Deutschland und Frankreich gewisse Dissonanzen. Es sei insbesondere das Thema Bankenunion, bei dem die Unterschiede in der deutsch-französischen Freundschaft zum Ausdruck kämen. Ok, Angela Merkel habe sich zur Vollendung der Bankenunion bekannt, stelle allerdings Bedingungen. Zuvor müsse es einen weiteren Abbau der Schulden und Risiken nationaler Banken in den EU-Staaten geben, fordere die Kanzlerin.
Deutschland sei zum einen bereit, Souveränität abzugeben, wenn Dinge durch Europa besser geregelt werden könnten und zum anderen, in der nächsten EU-Finanzperiode mehr Geld nach Brüssel zu überweisen, habe Merkel gesagt. Was sie aber ausschließt sei, dass Haftung und Verantwortung durcheinandergebracht oder Schulden einfach vergemeinschaftet würden, ohne wettbewerbsfähig zu werden. Damit werde offensichtlich, dass ihr Macrons Pläne für einen Euro-Finanzminister und ein Eurozonen-Budget zu weit gehen würden, zumindest in Anbetracht der bestehenden Risikosituation europäischer Banken. Die sei zum Teil enorm, betrachte man Griechenlands Banken, wo Problemkredite 46% der Bilanzsumme ausmachen würden. In Portugal seien es 14% und in Italien 12%.
Den Abbau von faulen Krediten wolle nun die EU-Kommission vorantreiben, um der deutschen Skepsis gegenüber der Vollendung der Bankenunion den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dies würde den Einstieg in die Einlagensicherung Edis (European Deposit Insurance Scheme) zur Folge haben, gegen den die deutschen Bankenverbände Sturm laufen würden. Europa dürfe sich nicht in eine Transferunion verwandeln, habe erst vor Kurzem der Deutsche Genossenschaftsverband gewarnt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) räume den Geldhäusern nun die Zeit bis 2021 ein, um die Vorgaben der Kontrolleure in die turnusmäßige Bankenprüfung einfließen zu lassen. Dann müssten die Banken alle Darlehen, die neu als ausfallgefährdet eingestuft würden, stärker als bisher mit Rückstellungen abfedern. Die Crux liege hier in dem Wörtchen "neu". Denn die Frage bleibe, wie sollten die alten faulen Kredite abgesichert werden.
Skeptisch sehe auch Jens Weidmann die zentralen finanzpolitischen Reformvorhaben der EU-Kommission. Ohne Debatte über den künftigen Umfang von EU-Aufgaben dürfe es auch keine zusätzlichen europäischen Steuereinnahmen geben, fordere der Bundesbankpräsident. Denn, so Weidmanns Credo: Der EU mehr Mittel zu verschaffen, sei schließlich kein Selbstzweck! Auch müsse seines Erachtens zuerst geklärt werden, welche Aufgaben auf europäischer Ebene erledigt werden sollten.
Da wolle sich Großbritannien bekanntlich von der Europäischen Union scheiden lassen. Aber nun vereinbare man eine Übergangsfrist von 21 Monaten, was gerade so sei, als ob man kurz vor der Scheidung doch nochmal zusammen eine gemeinsame Wohnung miete. Immerhin, die verhandelnden Parteien hätten sich etwas Zeit verschafft, wenn es nach dem Vollzug des Brexit im März 2019 noch eine Übergangsfrist geben solle, in der sich London weiter an die EU-Regeln halten müsse. So lange bleibe Großbritannien auch Mitglied der Zollunion.
Damit sei für alle Beteiligten eine gewisse Art der Planungssicherheit geschaffen worden. Dies gelte für die Verhandler genauso wie für die Unternehmen. Mit der vereinbarten Schonfrist sei zumindest die Chance auf einen geordneten Austritt der Briten gestiegen. Das geplante Austrittsabkommen wolle die EU aber dennoch bis Oktober unter Dach und Fach bringen. Nur wenn dies gelinge, könne auch die Schonfrist kommen. In diesen 21 Monaten solle dann geklärt werden, wie die künftige Partnerschaft genau gestaltet werden solle.
Dass dafür dennoch die Zeit dränge, zeige der Umstand, dass viele Unternehmen bereits heute sich auf den Brexit einrichten würden. Wie eine vom Branchenverband CIPS durchgeführte Umfrage ergeben habe, hätten bereits 14% der EU-Firmen mit britischen Zulieferern zumindest Teile ihres Geschäfts aufs europäische Festland verlagert. 9% würden sagen, dass sie bereits Aufträge als direkte Folge des Brexit-Votums verloren hätten. 22% würden angeben, dass EU-Zulieferer keine Bestellungen mehr annehmen würden, die über das Austrittsdatum vom März 2019 hinauslaufen würden. Damit erhalte die britische Wirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf das, was ein Dasein außerhalb von Binnenmarkt und Zollunion bedeuten möge.
Von zentraler Bedeutung sei weiterhin die ungelöste Frage der Grenze zwischen dem EU-Land Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland. Hier beharre die irische Regierung darauf, dass es keine harte Grenze geben dürfe. Regierungschef Leo Varadkar wisse, wovon er rede, wenn er auf das Karfreitagsabkommen von 1998 verweise, das den blutigen Bürgerkrieg zwischen den irisch-katholischen Nationalisten und den protestantischen Royalisten beendet habe. Zentraler Bestandteil des damaligen Abkommens sei eine Grenze ohne Kontrollen zu Irland gewesen. Hier habe die EU London bereits die Bestätigung abgetrotzt, dass notfalls im Norden der Insel weiter wichtige EU-Regeln gelten sollten.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) wolle indessen zumindest teilweise die Lücke schließen, welche der EU-Austritt der Briten aufreiße. Wie der Vize-Präsident der EU-eigenen Bank, Alexander Stubb, erklärt habe, sei die EIB willens ihren Anteil beim nächsten mehrjährigen Finanzrahmen von derzeit 3% auf 5% zu erweitern. Dies wäre eine Steigerung um etwa 3 Mrd. Euro pro Jahr - von 4,8 auf 7,8 Mrd. Euro. Je nach Einsatzbereich hätten sich die öffentlichen Mittel in ihrer Wirkung vervielfachen lassen - auf Grundlage der Erfahrungen mit dem sogenannten Juncker-Fonds etwa um den Faktor neun.
Die Maßnahme gelte als der größte Eingriff des Gesetzgebers seit der Finanzmarktregulierung nach dem Kollaps der Großbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Der US-Senat habe nun Grünes Licht für die von D. T., dem Unberechenbaren, forcierte Lockerung der Bankenregulierung gegeben. Das Gesetz sehe vor, die kleinen und mittleren Institute in den USA in Zukunft von der Leine zu lassen. Damit werde der von Präsident Barack Obama eingeführte Dodd-Frank-Act zur Eindämmung der Crash-Gefahr weitestgehend ausgehebelt.
Inzwischen hätten sich Republikaner und Demokraten darauf geeinigt, dass die Schwelle, nach der Banken als systemrelevant gelten würden, angehoben werde. Bisher würden Institute mit mehr als 50 Mrd. USD Bilanzsumme als systemrelevant eingestuft und streng von der US-Notenbank unter die Lupe genommen. Künftig, wenn Trump die Banken an die lange Leine nehmen lasse, würden die Banken nach einer gestaffelten Regelung von Auflagen befreit. Ein Stresstest der FED für Institute zwischen 50 und 100 Mrd. USD werde damit gestrichen. Banken mit Bilanzsummen zwischen 100 und 250 Mrd. USD solle dieser 18 Monate später ebenfalls erlassen werden. Als systemrelevant würden dann nur noch Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als 250 Mrd. USD gelten. 67 Mitglieder des Senats hätten für den Gesetzentwurf gestimmt, 31 dagegen. Nun müsse der Gesetzentwurf noch dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden. Im Kern habe der Senat damit einen wesentlichen Teil von Obamas Finanzmarktkontrolle gekippt und das Bankensystem in den USA sei damit nicht sicherer geworden.
Sanofi habe in dieser Berichtswoche mit der größten Euro-Corporate-Emission des Jahres auf sich aufmerksam gemacht und so 8 Mrd. Euro mittels 6 neuer Bonds eingesammelt. Die Nachfrage nach den Anleihen mit Laufzeiten zwischen 2 und 20 Jahren sei mit 18,5 Mrd. Euro sehr hoch gewesen. Der Pharmakonzern aus Frankreich mit Sitz in Paris wolle mit dem Geld die Übernahme von Bioverativ und Ablynx finanzieren. Nähere Infos zu den einzelnen Anleihen erhalte man auf der Internetseite www.bondboard.de. Aber nicht nur Sanofi sei in dieser Berichtswoche aktiv gewesen, sondern auch die Deutsche Börse AG, Danone und Iberdrola haetten je einen Bond an den Kapitalmarkt gebracht.
Die Deutsche Börse AG habe dabei die Privatanleger mit einem zehnjährigen Bond und einer Mindeststückelung von 1.000 Euro erfreut. Der Bond (ISIN DE000A2LQJ75/ WKN A2LQJ7) sei mit einem jährlichen Kupon von 1,125% bis zur Fälligkeit am 26.03.2028 ausgestattet. Drei Monate vor Endfälligkeit, ab dem 26.12.2027, habe die Deutsche Börse AG entsprechend der Anleihebedingungen jederzeit die Möglichkeit, den Bond zu 100% zu kündigen. Emittiert worden sei die 600 Mio. Euro schwere Emission zu 99,036%, was einem Spread von +20 bps über Mid Swap gleichgekommen sei.
Der französische Lebensmittelkonzern Danone habe einen siebenjährigen Bond (ISIN FR0013325172/ WKN A19YD7) mit einem Volumen von 300 Mio. Euro begeben. Hierbei werde den Investoren bis zur Fälligkeit am 26.03.2025 ein fester jährlicher Zins in Höhe von 1% gezahlt. Die Anleihe sei ab dem 26.12.2024 jederzeit bis zur Endfälligkeit zu 100% seitens des Emittenten kündbar. Ausgegeben worden sei das Papier zu 99,805% (+32 bps über Mid Swap). Eine Make Whole Option sowie eine 100.000 Euro Mindeststückelung würden die Daten des Rentenpapiers komplettieren.
Zu guter Letzt habe sich der spanische Versorger Iberdrola in den Emissionsreigen eingereiht und sich mittels einer Anleihe (ISIN XS1797138960/ WKN A19YD2) mit 700 Mio. Euro auf unbestimmte Laufzeit refinanziert. Bis zum 26.03.2024 werde ein Zins in Höhe von 2,625% p.a. fällig. Fortan richte sich der Zins nach dem 5-Jahres-Swap und bis zum 26.03.2029 gebe es einen Aufschlag von +2,061 PP. Dieser erhöhe sich in der Folge bis zum 26.03.2044 auf 2,086 PP. Ab dann werde der 5-Jahres-Swap +2,161 PP herangezogen. Das Wertpapier könne seitens des Emittenten jährlich ab dem 26.03.2024 jeweils zur Zinszahlung zu 100% gekündigt werden. Angeboten worden sei der Bond zu pari (+206,1 bps über Mid Swap). Iberdrola habe ebenfalls eine Mindeststückelung von 100.000 Euro für diesen Bond festgelegt.
Der Aufwärtstrend beim Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) sei zwar noch intakt, aber dennoch habe der Widerstand bei 158,35% nicht nachhaltig überwunden werden können. Die somit aufgetretenen Ermüdungserscheinungen seien durchaus nachvollziehbar. Jedoch sei es anschließend nicht zu massiven Kursverlusten gekommen, sondern lediglich zu einer leicht abwärts gerichteten Seitwärtsbewegung. Denn die Renditedifferenz zwischen den zehnjährigen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen habe sich wieder dem bisherigen Höchstwert von 235 bps (erzielt Ende Dezember 2016) angenähert und in Erwartung der gestrigen Zinserhöhung in den USA wäre es töricht gewesen, nur noch auf ein steigendes Rentenbarometer zu setzen. Doch das sei alles gestern gewesen und heute müsse die Geschichte aufgrund veränderter Rahmenbedingungen wieder neu geschrieben werden.
Unabhängig von der heutigen Tagestendenz werde sich der Euro-Bund-Future über kurz oder lang nicht dem Einfluss der weiteren Zinsanhebungen in den USA entziehen können und somit sei der Blick auf die erste sinnvolle Unterstützungslinie bei 157,63% zu richten. Sollte dieser Bereich nachhaltig durchstoßen werden, so sei eine Reaktion bis knapp unter die psychologische Marke von 157% möglich. Der Vollständigkeit halber sei aber auch die Widerstandslinie bei 158,35% erwähnt. Aktuell notiere das Rentenbarometer bei 158,25%.
Aktuelle Marktentwicklung
Deutschland: Der Juni-Kontrakt des richtungsweisenden Euro-Bund-Future habe gestern mit einem gehandelten Volumen von 0,490 Mio. Kontrakten bei 157,88% (Vw.: 157,94%) geschlossen. Die Trading-Range habe im Berichtszeitraum zwischen 157,67% und 158,35% (Vw.: 156,22% und 157,97%) gelegen. Der Euro-Buxl-Future (Range: 162,00% und 163,50%) habe bei 162,94% (Vw.: 162,30%) geschlossen, der Euro-Bobl-Future (Range: 130,51% und 130,76%) bei 130,64% (Vw.: 130,60%) und der Euro-Schatz-Future (Range: 111,855% und 111,915%) bei 111,905% (Vw.: 111,87%). Die Rendite der aktuellen zehnjährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (ISIN DE0001102440/ WKN 110244/ 2028) habe im gestrigen Bundesbankfixing bei +0,592% gelegen (Vw.: +0,615%).
USA: Zweijährige US-Treasuries würden bei 2,304% rentieren (Vw.: 2,262%), fünfjährige Anleihen bei 2,671% (Vw.: 2,606%), die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 2,874% (Vw.: 2,819%) und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,101% (Vw.: 3,057%).
Am Aktien- und Devisenmarkt seien gegenüber der Vorwoche folgende Änderungen zu registrieren gewesen: Die Entwicklung der wichtigsten Credit Indices spiegle im Vergleich zur Vorwoche eine Ausweitung der Spreads wider, was auf eine gestiegene Risikoeinschätzung seitens der Anleger hinweise. Fallende Anleihekurse hätten zu einer Erhöhung der Rendite geführt und somit habe sich der I-Traxx-Main für Unternehmensanleihen guter Qualität um 8 auf 58 Punkte erhöht. Der I-Traxx-Crossover für High Yield Anleihen sei sogar um 28 auf 283 Punkte gestiegen.
In den USA seien in dieser Handelswoche neben den üblichen Geldmarktpapieren (vier Wochen sowie drei und sechs Monate) für insgesamt 161 Mrd. USD noch 11 Mrd. USD als zehnjährige inflationsindexierte T-Note begeben worden. Jedoch bereits in der kommenden Woche würden auch Laufzeiten von 52 Wochen sowie zwei, fünf und sieben Jahren den interessierten Käufern angeboten. Man dürfe gespannt sein, ob sich die gestrige Zinsentscheidung erneut in den Refinanzierungskosten der Vier-Wochen T-Bills niederschlagen werde. Denn auch in dieser Woche habe sich die Rendite von 1,65% auf 1,72% erhöht.
In der Eurozone habe die Slowakei zum Wochenauftakt zwei Altemissionen (ISIN SK4120011636/ WKN A181DY/ 2023; ISIN SK4120011420/ WKN A18W5D/ 2031) trotz tiefer politischer Krise aufstocken können. Zeitgleich sei auch Belgien am Kapitalmarkt mit vier Gattungen aktiv geworden (ISIN BE0000339482/ WKN A180Z5/ 2023; ISIN BE0000345547/ WKN A19U5T/ 2028; ISIN BE0000344532/ WKN A19H8V/ 2037; ISIN BE0000340498/ WKN A180Z6/ 2066), bevor Deutschland am Dienstag und Mittwoch bei zwei bereits aufgelegten Anleihen das Emissionsvolumen erhöht habe.
Angestrebt sei bei den zweijährigen Bundesschatzanweisungen (ISIN DE0001104719/ WKN 110471) eine Platzierung von nominal 4 Mrd. Euro gewesen. Die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,59% erfolgt und zur Marktpflege der somit 9 Mrd. Euro schweren Gattung seien 760 Mio. Euro umgebucht worden. Bei der zehnjährigen Bundesanleihe (ISIN DE0001102440/ WKN 110244) sei das von der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland angestrebte Platzierungsvolumen von 3 Mrd. Euro mit 3,127 Mrd. Euro nur knapp übertroffen worden. Das Gesamtvolumen der Emission belaufe sich inzwischen auf 14 Mrd. Euro und die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,60% vorgenommen worden.
Fast wie an der Börse schwanke dieser Tage die Wetterlage und somit die Temperaturen. Nach einem kurzen Frühlingserwachen habe der Winter ein gelungenes Comeback mit Schneefall und Kälte gefeiert, obwohl bereits am Dienstag der Frühling kalendarisch begonnen habe.
Mit Comeback-Qualitäten habe in der vergangenen Berichtswoche weder der Euro noch sein Pendant aus den Vereinigten Staaten so richtig überzeugen können. In einer sehr ereignisreichen Woche habe das Devisenpaar EUR/USD in einer relativ engen Bandbreite gehandelt, obwohl das FOMC-Meeting das omnipräsente Thema an den Finanzmärkten gewesen sei. So habe sich die europäische Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn in einer Tradingrange zwischen 1,2240 USD und 1,2359 USD bewegt, um am gestrigen Mittwochabend nach dem Ende des zweitägigen FOMC-Treffen der US Federal Reserve sein wahres Gesicht zu zeigen. Infolge der Zinsentscheidung und der ergänzenden Kommentare notiere der Euro heute Morgen bei ca. 1,2370 USD.
Nachdem in den Brexit-Verhandlungen nun endlich ein erster Teilerfolg erzielt worden sei und sich die EU mit der britischen Regierung auf eine Übergangsphase nach dem Brexit verständigt habe, habe die Währung Großbritanniens deutlich zulegen können. So sei der Euro in der Folge zum Pfund Sterling zeitweise bis auf 0,87074 GBP gefallen. Anfang März habe die gemeinsame Währung noch bei einem Wechselkurs von 0,89680 GBP notiert, dem bisherigen Jahreshoch.
Auch die vergangene Berichtswoche sei durch zurückhaltende Handelsaktivitäten gekennzeichnet gewesen. Hervorzuheben seien trotzdem Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Norwegische Kronen, Türkische Lira sowie Russische Rubel, bei denen eine gewisse Umsatztätigkeit zu registrieren gewesen sei.
Disclaimer:
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (22.03.2018/alc/a/a)
Mit dieser Anpassung des Korridors um 25 bps auf 1,50% bis 1,75% sei der bereits unter seiner Vorgängerin Janet Yellen beschrittene geldpolitische Weg weiter fortgesetzt worden. Somit könne man zwar noch nicht behaupten, dass er sich mit diesem Schritt freigeschwommen habe, aber er werde schon bald Gelegenheit haben, der zukünftigen Notenbankpolitik seinen eigenen Stempel aufzudrücken.
Der für vier Jahre ernannte Chef der amerikanischen Notenbank habe nämlich die Aufgabe übernommen, die Leitplanken zu installieren, um die US-Konjunktur in die richtigen Bahnen zu lenken. Sicherlich bestehe keine Veranlassung, ihn um diese Aufgabe zu beneiden! Denn in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump, der jeden Tag für mindestens eine Überraschung gut sei, müsse er gemeinsam mit den anderen Board-Mitgliedern den für die Finanzmärkte immens wichtigen Part der geldpolitischen Zuverlässigkeit übernehmen. Deshalb sei am gestrigen Abend sehr viel Wert auf die Wachstumsprojektionen gelegt worden, denn bei der letzten Vorstellung der Summary of Economic Projections (SEP) im Dezember des vergangenen Jahres seien Themen wie Handelskrieg, Steuerreform und Schuldenobergrenze noch nicht oder nur teilweise berücksichtigt gewesen.
Bei der anschließenden Erläuterung des einstimmigen FOMC-Entscheids sei deutlich geworden, dass es noch zu früh sei, um die Projektion auf vier Zinsanhebungen in 2018 zu erhöhen und deshalb seien vorerst nur je drei Schritte nach oben für 2018 und für 2019 signalisiert worden. Für die bereits angedeuteten Anhebungen habe man noch genügend Zeit und könne zuerst die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen abwarten. Denn die Unsicherheit infolge des sich abzeichnenden Handelskrieges zwischen den USA und China bzw. anderen wirtschaftlichen Partnern sei einfach noch zu groß. Aktuell sehe es zwar so aus, als würden die europäischen Partner einknicken und eine Eskalation vermeiden wollen.
Aber ob auch China als größter Gläubiger der USA diesen Weg einschlagen werde, sei zu bezweifeln. Denn China habe bereits mit einem Abverkauf amerikanischer Staatsanleihen gedroht. Sollte diese Karte gezogen werden, so hätte dies Einfluss auf die weitere Zinspolitik der amerikanischen Notenbank. Zumal die extrem flache Zinskurve zwischen zwei und zehn Jahren (aktuell 0,57 bps) sicherlich in Erwartung weiterer Zinsanhebungen einem massiven Verkaufsdruck nicht standhalten könnte. Eine Versteilerung der Kurve wäre die logische Konsequenz und würde die US-Notenbanker zum Gegensteuern zwingen. Denn in Anbetracht des riesigen Schuldenberges und den Steuergeschenken der US-Regierung könne auch die amerikanische Notenbank nicht an schnell steigenden langfristigen Zinsen interessiert sein.
Zu zwei Themen gebe es in diesem Zusammenhang kurzfristig Neuigkeiten zu vermelden. So habe auch Chinas Notenbank den sogenannten Reverse-Repo-Satz von 2,50% auf 2,55% erhöht und in den USA habe sich der Kongress auf eine Zwischenlösung im US-Haushaltsstreit geeinigt. Es gebe also noch genügend Möglichkeiten für den neuen FED-Präsidenten, sich zu profilieren und freizuschwimmen.
Peter Altmaier wolle es richten. Bis Freitag wolle der neue Wirtschaftsminister, der gerade in Washington weile, versuchen, drohende Strafzölle der US-Administration abzuwenden. Sicher, US-Handelsminister Wilbur Ross, einer der geistigen Väter der Strafzölle, habe ihn freundlich empfangen. Zumal Altmaier einen diplomatischen Hochseilakt probe, obwohl er formal bei dem Streit gar keine Rolle spiele. Vielmehr würden die Entscheidungen beim US-Präsidenten und der EU-Kommission fallen.
So gesehen spiegle die Aktion von Altmaier die helle Aufregung wider, in welche die europäischen Handelspartner der USA geraten seien, nachdem D. T., der Unberechenbare, seine protektionistischen Maßnahmen angekündigt habe. Diese würden zwar gegen internationales Recht verstoßen, aber einem Präsidenten wie Trump sei das einerlei. Jetzt stünden die Vertreter der Handelspartner wie Altmaier in Washington Schlange, um zu retten, was nicht zu retten sei.
Die Crux sei, dass sich die EU das Gebaren des US-Präsidenten nicht bieten lassen dürfe, da dieser ansonsten an dieser Machtdemonstration weiter Gefallen finde. Dies verdeutliche sein jüngstes Vorhaben, wonach er nun 100 chinesische Produkte in Höhe von jährlich 50 Mrd. USD mit weiteren Strafzöllen belegen wolle. Dies solle offenbar die Revanche für Urheberrechtsverletzungen der Chinesen sein.
Aber nicht nur bei den Handelspartnern der USA, auch in der eigenen Wirtschaft rege sich Widerstand gegen den von Trump praktizierten Protektionismus. 45 Unternehmensverbände aus den Branchen Hightech, Textilhandel, Landwirtschaft und Automobil, die Firmen wie Apple, die Google-Mutter Alphabet, Walmart und Nike repräsentieren würden, würden in einem Brief vor einer "Kettenreaktion negativer Folgen für die US-Wirtschaft" warnen. Sie würden sie doch einen Rückgang der US-Exporte von Agrar- und Industriegütern sowie Dienstleistungen und steigende Kosten für Unternehmen und Verbraucher in den USA befürchten.
Doch Hand aufs Herz, es sei ja auch was dran, wenn Trump Ungerechtigkeiten an den Zollpraktiken beklage. So zeige sich, dass die EU für Autos und Produkte aller Handelssparten bislang zum Teil deutlich höhere Zölle verlange als die USA. Bekanntlich erhebe die EU 10% auf die Einfuhr von Autos, die USA ihrerseits aber nur 2,5%. Und vergleiche man die durchschnittlichen Zölle aller Handelssparten, lange die EU mit 5,2% mehr zu als die USA mit 3,5%. Das könne auch jemand wie Altmaier nicht einfach wegargumentieren. Allerdings vermische Trump immer wieder Themen wie Handelsungleichgewichte, Nato-Verpflichtungen oder unterschiedliche Zölle und entziehe sich damit einer rationalen Diskussion.
Ob der deutsche Wirtschaftsminister nun einen von ihm angestrebten Kompromiss bis Freitag präsentieren könne, dürfe bezweifelt werden. Der Handelskrieg dürfte seinen Lauf nehmen. Darauf sollte sich die EU einstellen. Also werde die EU wohl mit Steuern auf "Ausweichprodukte" wie Jeans und Bourbon Whiskey reagieren. Und das werde wenigstens die Whisky Distilleries in Schottland, Irland und auf der schwäbischen Alb oder am Schliersee freuen. Darauf einen Scotch!
Während die Kanzlerin Europa eher in Trippelschritten voranbringen wolle, möchte Emmanuel Macron die Gemeinschaft mit Verve weiterentwickeln. Aber nicht nur beim gewünschten Tempo einer EU-Reform gebe es zwischen den angestammten Partnern Deutschland und Frankreich gewisse Dissonanzen. Es sei insbesondere das Thema Bankenunion, bei dem die Unterschiede in der deutsch-französischen Freundschaft zum Ausdruck kämen. Ok, Angela Merkel habe sich zur Vollendung der Bankenunion bekannt, stelle allerdings Bedingungen. Zuvor müsse es einen weiteren Abbau der Schulden und Risiken nationaler Banken in den EU-Staaten geben, fordere die Kanzlerin.
Deutschland sei zum einen bereit, Souveränität abzugeben, wenn Dinge durch Europa besser geregelt werden könnten und zum anderen, in der nächsten EU-Finanzperiode mehr Geld nach Brüssel zu überweisen, habe Merkel gesagt. Was sie aber ausschließt sei, dass Haftung und Verantwortung durcheinandergebracht oder Schulden einfach vergemeinschaftet würden, ohne wettbewerbsfähig zu werden. Damit werde offensichtlich, dass ihr Macrons Pläne für einen Euro-Finanzminister und ein Eurozonen-Budget zu weit gehen würden, zumindest in Anbetracht der bestehenden Risikosituation europäischer Banken. Die sei zum Teil enorm, betrachte man Griechenlands Banken, wo Problemkredite 46% der Bilanzsumme ausmachen würden. In Portugal seien es 14% und in Italien 12%.
Den Abbau von faulen Krediten wolle nun die EU-Kommission vorantreiben, um der deutschen Skepsis gegenüber der Vollendung der Bankenunion den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dies würde den Einstieg in die Einlagensicherung Edis (European Deposit Insurance Scheme) zur Folge haben, gegen den die deutschen Bankenverbände Sturm laufen würden. Europa dürfe sich nicht in eine Transferunion verwandeln, habe erst vor Kurzem der Deutsche Genossenschaftsverband gewarnt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) räume den Geldhäusern nun die Zeit bis 2021 ein, um die Vorgaben der Kontrolleure in die turnusmäßige Bankenprüfung einfließen zu lassen. Dann müssten die Banken alle Darlehen, die neu als ausfallgefährdet eingestuft würden, stärker als bisher mit Rückstellungen abfedern. Die Crux liege hier in dem Wörtchen "neu". Denn die Frage bleibe, wie sollten die alten faulen Kredite abgesichert werden.
Skeptisch sehe auch Jens Weidmann die zentralen finanzpolitischen Reformvorhaben der EU-Kommission. Ohne Debatte über den künftigen Umfang von EU-Aufgaben dürfe es auch keine zusätzlichen europäischen Steuereinnahmen geben, fordere der Bundesbankpräsident. Denn, so Weidmanns Credo: Der EU mehr Mittel zu verschaffen, sei schließlich kein Selbstzweck! Auch müsse seines Erachtens zuerst geklärt werden, welche Aufgaben auf europäischer Ebene erledigt werden sollten.
Da wolle sich Großbritannien bekanntlich von der Europäischen Union scheiden lassen. Aber nun vereinbare man eine Übergangsfrist von 21 Monaten, was gerade so sei, als ob man kurz vor der Scheidung doch nochmal zusammen eine gemeinsame Wohnung miete. Immerhin, die verhandelnden Parteien hätten sich etwas Zeit verschafft, wenn es nach dem Vollzug des Brexit im März 2019 noch eine Übergangsfrist geben solle, in der sich London weiter an die EU-Regeln halten müsse. So lange bleibe Großbritannien auch Mitglied der Zollunion.
Damit sei für alle Beteiligten eine gewisse Art der Planungssicherheit geschaffen worden. Dies gelte für die Verhandler genauso wie für die Unternehmen. Mit der vereinbarten Schonfrist sei zumindest die Chance auf einen geordneten Austritt der Briten gestiegen. Das geplante Austrittsabkommen wolle die EU aber dennoch bis Oktober unter Dach und Fach bringen. Nur wenn dies gelinge, könne auch die Schonfrist kommen. In diesen 21 Monaten solle dann geklärt werden, wie die künftige Partnerschaft genau gestaltet werden solle.
Dass dafür dennoch die Zeit dränge, zeige der Umstand, dass viele Unternehmen bereits heute sich auf den Brexit einrichten würden. Wie eine vom Branchenverband CIPS durchgeführte Umfrage ergeben habe, hätten bereits 14% der EU-Firmen mit britischen Zulieferern zumindest Teile ihres Geschäfts aufs europäische Festland verlagert. 9% würden sagen, dass sie bereits Aufträge als direkte Folge des Brexit-Votums verloren hätten. 22% würden angeben, dass EU-Zulieferer keine Bestellungen mehr annehmen würden, die über das Austrittsdatum vom März 2019 hinauslaufen würden. Damit erhalte die britische Wirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf das, was ein Dasein außerhalb von Binnenmarkt und Zollunion bedeuten möge.
Von zentraler Bedeutung sei weiterhin die ungelöste Frage der Grenze zwischen dem EU-Land Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland. Hier beharre die irische Regierung darauf, dass es keine harte Grenze geben dürfe. Regierungschef Leo Varadkar wisse, wovon er rede, wenn er auf das Karfreitagsabkommen von 1998 verweise, das den blutigen Bürgerkrieg zwischen den irisch-katholischen Nationalisten und den protestantischen Royalisten beendet habe. Zentraler Bestandteil des damaligen Abkommens sei eine Grenze ohne Kontrollen zu Irland gewesen. Hier habe die EU London bereits die Bestätigung abgetrotzt, dass notfalls im Norden der Insel weiter wichtige EU-Regeln gelten sollten.
Die Europäische Investitionsbank (EIB) wolle indessen zumindest teilweise die Lücke schließen, welche der EU-Austritt der Briten aufreiße. Wie der Vize-Präsident der EU-eigenen Bank, Alexander Stubb, erklärt habe, sei die EIB willens ihren Anteil beim nächsten mehrjährigen Finanzrahmen von derzeit 3% auf 5% zu erweitern. Dies wäre eine Steigerung um etwa 3 Mrd. Euro pro Jahr - von 4,8 auf 7,8 Mrd. Euro. Je nach Einsatzbereich hätten sich die öffentlichen Mittel in ihrer Wirkung vervielfachen lassen - auf Grundlage der Erfahrungen mit dem sogenannten Juncker-Fonds etwa um den Faktor neun.
Inzwischen hätten sich Republikaner und Demokraten darauf geeinigt, dass die Schwelle, nach der Banken als systemrelevant gelten würden, angehoben werde. Bisher würden Institute mit mehr als 50 Mrd. USD Bilanzsumme als systemrelevant eingestuft und streng von der US-Notenbank unter die Lupe genommen. Künftig, wenn Trump die Banken an die lange Leine nehmen lasse, würden die Banken nach einer gestaffelten Regelung von Auflagen befreit. Ein Stresstest der FED für Institute zwischen 50 und 100 Mrd. USD werde damit gestrichen. Banken mit Bilanzsummen zwischen 100 und 250 Mrd. USD solle dieser 18 Monate später ebenfalls erlassen werden. Als systemrelevant würden dann nur noch Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als 250 Mrd. USD gelten. 67 Mitglieder des Senats hätten für den Gesetzentwurf gestimmt, 31 dagegen. Nun müsse der Gesetzentwurf noch dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden. Im Kern habe der Senat damit einen wesentlichen Teil von Obamas Finanzmarktkontrolle gekippt und das Bankensystem in den USA sei damit nicht sicherer geworden.
Sanofi habe in dieser Berichtswoche mit der größten Euro-Corporate-Emission des Jahres auf sich aufmerksam gemacht und so 8 Mrd. Euro mittels 6 neuer Bonds eingesammelt. Die Nachfrage nach den Anleihen mit Laufzeiten zwischen 2 und 20 Jahren sei mit 18,5 Mrd. Euro sehr hoch gewesen. Der Pharmakonzern aus Frankreich mit Sitz in Paris wolle mit dem Geld die Übernahme von Bioverativ und Ablynx finanzieren. Nähere Infos zu den einzelnen Anleihen erhalte man auf der Internetseite www.bondboard.de. Aber nicht nur Sanofi sei in dieser Berichtswoche aktiv gewesen, sondern auch die Deutsche Börse AG, Danone und Iberdrola haetten je einen Bond an den Kapitalmarkt gebracht.
Die Deutsche Börse AG habe dabei die Privatanleger mit einem zehnjährigen Bond und einer Mindeststückelung von 1.000 Euro erfreut. Der Bond (ISIN DE000A2LQJ75/ WKN A2LQJ7) sei mit einem jährlichen Kupon von 1,125% bis zur Fälligkeit am 26.03.2028 ausgestattet. Drei Monate vor Endfälligkeit, ab dem 26.12.2027, habe die Deutsche Börse AG entsprechend der Anleihebedingungen jederzeit die Möglichkeit, den Bond zu 100% zu kündigen. Emittiert worden sei die 600 Mio. Euro schwere Emission zu 99,036%, was einem Spread von +20 bps über Mid Swap gleichgekommen sei.
Der französische Lebensmittelkonzern Danone habe einen siebenjährigen Bond (ISIN FR0013325172/ WKN A19YD7) mit einem Volumen von 300 Mio. Euro begeben. Hierbei werde den Investoren bis zur Fälligkeit am 26.03.2025 ein fester jährlicher Zins in Höhe von 1% gezahlt. Die Anleihe sei ab dem 26.12.2024 jederzeit bis zur Endfälligkeit zu 100% seitens des Emittenten kündbar. Ausgegeben worden sei das Papier zu 99,805% (+32 bps über Mid Swap). Eine Make Whole Option sowie eine 100.000 Euro Mindeststückelung würden die Daten des Rentenpapiers komplettieren.
Zu guter Letzt habe sich der spanische Versorger Iberdrola in den Emissionsreigen eingereiht und sich mittels einer Anleihe (ISIN XS1797138960/ WKN A19YD2) mit 700 Mio. Euro auf unbestimmte Laufzeit refinanziert. Bis zum 26.03.2024 werde ein Zins in Höhe von 2,625% p.a. fällig. Fortan richte sich der Zins nach dem 5-Jahres-Swap und bis zum 26.03.2029 gebe es einen Aufschlag von +2,061 PP. Dieser erhöhe sich in der Folge bis zum 26.03.2044 auf 2,086 PP. Ab dann werde der 5-Jahres-Swap +2,161 PP herangezogen. Das Wertpapier könne seitens des Emittenten jährlich ab dem 26.03.2024 jeweils zur Zinszahlung zu 100% gekündigt werden. Angeboten worden sei der Bond zu pari (+206,1 bps über Mid Swap). Iberdrola habe ebenfalls eine Mindeststückelung von 100.000 Euro für diesen Bond festgelegt.
Der Aufwärtstrend beim Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) sei zwar noch intakt, aber dennoch habe der Widerstand bei 158,35% nicht nachhaltig überwunden werden können. Die somit aufgetretenen Ermüdungserscheinungen seien durchaus nachvollziehbar. Jedoch sei es anschließend nicht zu massiven Kursverlusten gekommen, sondern lediglich zu einer leicht abwärts gerichteten Seitwärtsbewegung. Denn die Renditedifferenz zwischen den zehnjährigen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen habe sich wieder dem bisherigen Höchstwert von 235 bps (erzielt Ende Dezember 2016) angenähert und in Erwartung der gestrigen Zinserhöhung in den USA wäre es töricht gewesen, nur noch auf ein steigendes Rentenbarometer zu setzen. Doch das sei alles gestern gewesen und heute müsse die Geschichte aufgrund veränderter Rahmenbedingungen wieder neu geschrieben werden.
Unabhängig von der heutigen Tagestendenz werde sich der Euro-Bund-Future über kurz oder lang nicht dem Einfluss der weiteren Zinsanhebungen in den USA entziehen können und somit sei der Blick auf die erste sinnvolle Unterstützungslinie bei 157,63% zu richten. Sollte dieser Bereich nachhaltig durchstoßen werden, so sei eine Reaktion bis knapp unter die psychologische Marke von 157% möglich. Der Vollständigkeit halber sei aber auch die Widerstandslinie bei 158,35% erwähnt. Aktuell notiere das Rentenbarometer bei 158,25%.
Aktuelle Marktentwicklung
Deutschland: Der Juni-Kontrakt des richtungsweisenden Euro-Bund-Future habe gestern mit einem gehandelten Volumen von 0,490 Mio. Kontrakten bei 157,88% (Vw.: 157,94%) geschlossen. Die Trading-Range habe im Berichtszeitraum zwischen 157,67% und 158,35% (Vw.: 156,22% und 157,97%) gelegen. Der Euro-Buxl-Future (Range: 162,00% und 163,50%) habe bei 162,94% (Vw.: 162,30%) geschlossen, der Euro-Bobl-Future (Range: 130,51% und 130,76%) bei 130,64% (Vw.: 130,60%) und der Euro-Schatz-Future (Range: 111,855% und 111,915%) bei 111,905% (Vw.: 111,87%). Die Rendite der aktuellen zehnjährigen Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland (ISIN DE0001102440/ WKN 110244/ 2028) habe im gestrigen Bundesbankfixing bei +0,592% gelegen (Vw.: +0,615%).
USA: Zweijährige US-Treasuries würden bei 2,304% rentieren (Vw.: 2,262%), fünfjährige Anleihen bei 2,671% (Vw.: 2,606%), die richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen bei 2,874% (Vw.: 2,819%) und Longbonds mit 30 Jahren Laufzeit bei 3,101% (Vw.: 3,057%).
Am Aktien- und Devisenmarkt seien gegenüber der Vorwoche folgende Änderungen zu registrieren gewesen: Die Entwicklung der wichtigsten Credit Indices spiegle im Vergleich zur Vorwoche eine Ausweitung der Spreads wider, was auf eine gestiegene Risikoeinschätzung seitens der Anleger hinweise. Fallende Anleihekurse hätten zu einer Erhöhung der Rendite geführt und somit habe sich der I-Traxx-Main für Unternehmensanleihen guter Qualität um 8 auf 58 Punkte erhöht. Der I-Traxx-Crossover für High Yield Anleihen sei sogar um 28 auf 283 Punkte gestiegen.
In den USA seien in dieser Handelswoche neben den üblichen Geldmarktpapieren (vier Wochen sowie drei und sechs Monate) für insgesamt 161 Mrd. USD noch 11 Mrd. USD als zehnjährige inflationsindexierte T-Note begeben worden. Jedoch bereits in der kommenden Woche würden auch Laufzeiten von 52 Wochen sowie zwei, fünf und sieben Jahren den interessierten Käufern angeboten. Man dürfe gespannt sein, ob sich die gestrige Zinsentscheidung erneut in den Refinanzierungskosten der Vier-Wochen T-Bills niederschlagen werde. Denn auch in dieser Woche habe sich die Rendite von 1,65% auf 1,72% erhöht.
In der Eurozone habe die Slowakei zum Wochenauftakt zwei Altemissionen (ISIN SK4120011636/ WKN A181DY/ 2023; ISIN SK4120011420/ WKN A18W5D/ 2031) trotz tiefer politischer Krise aufstocken können. Zeitgleich sei auch Belgien am Kapitalmarkt mit vier Gattungen aktiv geworden (ISIN BE0000339482/ WKN A180Z5/ 2023; ISIN BE0000345547/ WKN A19U5T/ 2028; ISIN BE0000344532/ WKN A19H8V/ 2037; ISIN BE0000340498/ WKN A180Z6/ 2066), bevor Deutschland am Dienstag und Mittwoch bei zwei bereits aufgelegten Anleihen das Emissionsvolumen erhöht habe.
Angestrebt sei bei den zweijährigen Bundesschatzanweisungen (ISIN DE0001104719/ WKN 110471) eine Platzierung von nominal 4 Mrd. Euro gewesen. Die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,59% erfolgt und zur Marktpflege der somit 9 Mrd. Euro schweren Gattung seien 760 Mio. Euro umgebucht worden. Bei der zehnjährigen Bundesanleihe (ISIN DE0001102440/ WKN 110244) sei das von der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland angestrebte Platzierungsvolumen von 3 Mrd. Euro mit 3,127 Mrd. Euro nur knapp übertroffen worden. Das Gesamtvolumen der Emission belaufe sich inzwischen auf 14 Mrd. Euro und die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,60% vorgenommen worden.
Fast wie an der Börse schwanke dieser Tage die Wetterlage und somit die Temperaturen. Nach einem kurzen Frühlingserwachen habe der Winter ein gelungenes Comeback mit Schneefall und Kälte gefeiert, obwohl bereits am Dienstag der Frühling kalendarisch begonnen habe.
Mit Comeback-Qualitäten habe in der vergangenen Berichtswoche weder der Euro noch sein Pendant aus den Vereinigten Staaten so richtig überzeugen können. In einer sehr ereignisreichen Woche habe das Devisenpaar EUR/USD in einer relativ engen Bandbreite gehandelt, obwohl das FOMC-Meeting das omnipräsente Thema an den Finanzmärkten gewesen sei. So habe sich die europäische Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn in einer Tradingrange zwischen 1,2240 USD und 1,2359 USD bewegt, um am gestrigen Mittwochabend nach dem Ende des zweitägigen FOMC-Treffen der US Federal Reserve sein wahres Gesicht zu zeigen. Infolge der Zinsentscheidung und der ergänzenden Kommentare notiere der Euro heute Morgen bei ca. 1,2370 USD.
Nachdem in den Brexit-Verhandlungen nun endlich ein erster Teilerfolg erzielt worden sei und sich die EU mit der britischen Regierung auf eine Übergangsphase nach dem Brexit verständigt habe, habe die Währung Großbritanniens deutlich zulegen können. So sei der Euro in der Folge zum Pfund Sterling zeitweise bis auf 0,87074 GBP gefallen. Anfang März habe die gemeinsame Währung noch bei einem Wechselkurs von 0,89680 GBP notiert, dem bisherigen Jahreshoch.
Auch die vergangene Berichtswoche sei durch zurückhaltende Handelsaktivitäten gekennzeichnet gewesen. Hervorzuheben seien trotzdem Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Norwegische Kronen, Türkische Lira sowie Russische Rubel, bei denen eine gewisse Umsatztätigkeit zu registrieren gewesen sei.
Disclaimer:
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Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (22.03.2018/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 96,211 € | 96,178 € | 0,033 € | +0,03% | 24.04./17:57 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| BE0000345547 | A19U5T | 97,12 € | 95,43 € | |
Werte im Artikel
27.02.23
, Deutsche Börse AG
Anleihen: Renditen bleiben hoch




