Erweiterte Funktionen
Renten: Auf dem Highway ist die Hölle los
24.03.17 09:00
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Dass D. T., der Unberechenbare, die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, wonach nur noch 37% der Amerikaner seine Arbeit als positiv bewerten, postwendend als "Fake News" abtut, mag nicht verwundern, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Offensichtlich aber wehe dem US-Präsidenten der Wind doch stärker ins Gesicht, als er gemeinhin wahrhaben möchte. Nicht nur dass der Chef des FBI, James Comey, die Abhörvorwürfe gegen Vorgänger Barack Obama als "Nonsense" gebrandmarkt und damit Trump der Lüge bezichtigt habe. Nein, auch die magische Kraft des Faktischen scheine sich gegen Trump zu wenden.
Da würden wachsende Zweifel an einer raschen Umsetzung seiner Wirtschaftspläne für Rücksetzer an der Wall Street sorgen. Investoren würden daran zweifeln, ob die neue Regierung die von ihr versprochenen Steuererleichterungen tatsächlich werde durchsetzen können. Manche würden schon von einem Ende der Trump-Rally reden. So fürchte man am Markt, dass sich der Kongress in Washington zunächst in langwierigen Grabenkämpfen um die Rückabwicklung der unter Trumps Vorgänger Obama verabschiedeten Gesundheitsreform verlieren könnte.
Denn just dieser Schritt sei auch bei Republikanern umstritten, könnte die Trump'sche Gesundheitsreform doch dafür sorgen, dass bald viele Amerikaner nicht mehr krankenversichert wären. Entsprechend eisig sei derzeit der Wind, der den republikanischen Abgeordneten auf den aktuellen Town Hall Meetings von ihrer eigenen Klientel entgegenblase. So hätten die Haushaltsexperten des Kongresses das geplante Gesundheitsgesetz einmal durchgerechnet und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Jahresbeiträge für die Krankenversicherung in den kommenden Jahren im Schnitt um bis zu 15% steigen würden. Weil aber die Sozialversicherung gleichzeitig drastisch zusammengestrichen werden solle, könnten bis 2026 rund 24 Millionen US-Bürger ihren Versicherungsschutz ganz verlieren.
Sorgen bereite Trumps Politik auch dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Konkret würden die "Wirtschaftsweisen" mit Blick auf die von Trump geforderten protektionistischen Maßnahmen als eine Gefahr für das globale Handelssystem und ein Risiko für die Weltwirtschaft sprechen. Die von den USA formulierte Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss hätten die Experten zurückgewiesen.
Die deutschen Exporte in die USA hätten 2016 die Importe von dort um 49 Mrd. EUR übertroffen. Der Überschuss sei zwar hoch, doch signalisiere er kein gesamtwirtschaftliches "Ungleichgewicht", wie der Vorsitzende des Expertengremiums, Christoph Schmidt, gesagt habe. Parallel dazu habe er die Bundesregierung aber aufgefordert, Investitionen im Inland zu fördern und so einen Beitrag zu leisten, damit sich der Differenzbetrag zurückbilde.
Umgekehrt sei das Leistungsbilanzdefizit der USA 2016 noch einmal gestiegen - und zwar um 3,9% auf 481,2 Mrd. Dollar. Das entspreche bei der größten Volkswirtschaft der Welt 2,6% der Wirtschaftsleistung.
Voraussichtlich im März 2019 werde die Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union (EU) zu Ende gehen. Dafür werde Premierministerin Theresa May am 29. März den Austritt ihres Landes aus der EU beantragen. Doch bevor der Brexit tatsächlich umgesetzt werde, stehe den Experten auf britischer und EU-Seite eine regelrechte Mammutaufgabe bevor, müssten doch im Rahmen der Austrittsverhandlungen rund 21.000 EU-Regeln und -Gesetze erörtert werden.
Am 29. April wollten nun die Staats- und Regierungschefs der 27 verbleibenden EU-Länder bei einem Sondergipfel ihre Verhandlungslinie festlegen. Für EU-Ratspräsident Donald Tusk gehe es dabei darum, das Scheidungsverfahren für die EU so wenig schmerzhaft wie möglich zu gestalten. Dazu gehöre auch nach Meinung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass die Briten ihre finanziellen Pflichten gegenüber der EU erfüllen müssten und er sei davon überzeugt, dass dies am Ende auch die Regierung in London nicht ernsthaft in Frage stellen werde.
Ob das so sein werde, müsse sich allerdings erst noch zeigen. Denn die Trennung der Finanzbeziehungen gelte als eine der schwierigsten Fragen bei den auf zwei Jahre angelegten Brexit-Verhandlungen. So fordere die EU von Großbritannien Gelder in der Größenordnung von bis zu 60 Mrd. EUR, weil das Land während seiner Mitgliedschaft langfristige Finanzverpflichtungen mitgetragen habe. Ein anderes Thema werde in diesem Zusammenhang auch die Beteiligung an der Europäischen Investitionsbank (EIB) sein. Hierbei könnten weitere 65 Mrd. EUR zu begleichen sein. Von zentraler Bedeutung würden aber auch die künftigen Rechte der EU-Bürger in Großbritannien und umgekehrt der Briten in der EU sein.
Schon seit Längerem würden sich die Probleme erahnen lassen, welche die in London ansässigen Banken haben würden. Denn sie könnten ihr Geschäft mit Kunden aus der EU voraussichtlich nicht mehr von London aus betreiben, würden sie doch für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäft künftig rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat benötigen.
Da aber noch keine konkreten Pläne über das "Wie" des Brexits bestünden, sei auch noch nicht klar, welche Geschäftseinheiten in die EU verlagert werden müssten. Dennoch würden bereits mit Goldman Sachs und Morgan Stanley die ersten Investmentbanken Arbeitsplätze aus der britischen Finanzmetropole an andere Standorte verlegen. Auch wenn es sich hierbei zunächst einmal nur um mehrere Hundert Stellen handele, würden manche Kommentatoren bereits vom Beginn eines "Exodus" sprechen. Und weil keiner wisse, wie es genau ausgehe, müssten die Institute alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.
Italien und Frankreich hätten sich zu den großen Sorgenkindern der Europäischen Union (EU) entwickelt. Dies offenbare der sogenannte Euro-Monitor, welchen der Versicherungskonzern Allianz jährlich publiziere. Dabei handele es sich um einen Indikator, der auf Basis von 20 Komponenten messe, wie gut die Länder der Euro-Zone wirtschaftlich aufgestellt seien. Während insbesondere Spanien einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht habe, würden die beiden anderen Länder immer weiter stagnieren oder gar zurückfallen.
In dieser Auswertung würden Deutschland mit einem Rating von 8,1 Punkten und die Niederlande mit 7,5 Punkten die Plätze 1 und 2 belegen, während sich Spanien von Platz 15 auf 12 vorgearbeitet habe. Der Euro-Monitor berücksichtige nicht nur das aktuelle Wirtschaftswachstum, sondern beziehe auch weitere Faktoren wie die Arbeitsproduktivität, die Exportstärke, den Leistungsbilanzsaldo und die staatliche sowie private Schuldenlast mit ein. Ziel sei es, die Ausgewogenheit und die Stabilität des Wachstums zu messen, sage Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.
Viele Länder hätten laut dem Euro-Monitor in den vergangenen Jahren gute Fortschritte gemacht. Irland beispielsweise, das 2011 noch Rang 18 belegt habe, stehe mittlerweile auf dem 10. Platz. Und selbst Griechenland und Zypern hätten inzwischen die rote Laterne abgegeben und würden aktuell Nummer 15 und 16 belegen. Neues vorletztes Land sei Frankreich, das seit 2011 von Platz 11 auf Platz 18 zurückgefallen sei, den es sich nun mit Italien teile.
Beide Volkswirtschaften würden beim Rating auf 5,4 Punkte kommen, was für Italien sogar eine leichte Verbesserung gegenüber 4,9 Zählern von 2011 bedeute. Doch fast alle anderen Länder hätten sich in den letzten Jahren deutlich stärker verbessert, sodass Italien im Vergleich wieder zurückgefallen sei. Der Wert von Frankreich dagegen stagniere, weshalb man schon von einem verlorenen Jahrzehnt sprechen könne. Hauptgrund für die schlechte Bewertung der beiden Letzten sei der Indikator Wettbewerbsfähigkeit. Obwohl die Geldpolitik der EZB seit Jahren darauf abziele, den EU-Ländern Raum für Reformen zu schaffen, seien diese Chancen nicht genutzt worden. Allianz-Volkswirt Heise habe festgestellt, dass die Bemühungen umso mehr nachgelassen hätten, je stärker die EZB durch Anleihenkäufe den Druck aus dem Kessel genommen habe.
Sollte Europa abgesehen von Italien und Frankreich seine wirtschaftliche Wiederauferstehung erleben, wäre dies wohl auch auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zurückzuführen - so unbeliebt diese hierzulande auch sei. Doch vor der baldigen Einleitung der Zinswende dürfte die Zentralbank wegen des wirtschaftlichen Zustandes von Italien und Frankreich zurückschrecken. Schließlich handele es sich dabei um zwei der größten Volkswirtschaften in Euroland.
Ob der Euro-Monitor der Allianz bei den EU-Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge auf der Agenda stehe, sei nicht überliefert. Vielleicht sollte man die Ergebnisse mal der griechischen Delegation zeigen und anerkennend kommentieren. Denn die Regierung in Athen schieße mal wieder quer, indem sie die vorgesehene Erklärung, die am Samstag in Rom verabschiedet werden solle, in der jetzigen Form nicht mittragen wolle. Athen wolle den Konsens offenbar als Verhandlungsinstrument benutzen.
Die Geldpolitik der Notenbanken werde auch in den kommenden Monaten das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten bestimmen. In den USA beispielsweise würden sich nach der erst jüngst erfolgten Zinserhöhung die Stimmen mehren, dass in diesem Jahr noch weitere zwei Zinserhöhungen erfolgen würden. Nach den Worten des Präsidenten der FED von Dallas, Robert S. Kaplan, würden insgesamt drei Zinserhöhungen in diesem Jahr ein vernünftiges Basisszenario darstellen. Die FED-Präsidentin von Cleveland, Loretta J. Mester, könne sich sogar mit mehr als drei Zinssteigerungen anfreunden. Dies würde allerdings einen noch etwas steileren Zinsanhebungspfad bedeuten als von den Märkten bisher erwartet. Als Endpunkt dieses Pfades gelte weiterhin ein Leitzins-Niveau von 3%, das aber nur in einem konjunkturell intakten Umfeld erreicht werden könne.
Die Bank of England (BoE) habe hingegen in ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag den bisherigen Leitzins und das Anleihen-Ankaufprogramm nicht angetastet. Jedoch sei infolge eines überraschenden Anstiegs der Februar-Konsumentenpreise auf 2,3% (Jahresbasis) und eines hohen Lohnwachstums mit einer Leitzinserhöhung in absehbarer Zeit zu rechnen. Denn bei einer weiteren Aufwärtsbewegung könne in den kommenden Monaten von einem Abgleiten der realen Einkommen in den negativen Bereich ausgegangen werden. Auch vor dem Hintergrund der zu verhandelnden Scheidung von Europa werde man um diesen Schritt seitens der Notenbank nicht umhinkommen. Bereits die jetzige Entscheidung sei mit einer Gegenstimme gefällt worden, und es bleibe abzuwarten, ob und wann die Falken bei der BoE die Oberhand gewinnen würden.
Ein Geldpolitik-Wechsel sei zwar bei der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht im Sinne ihres Vorsitzenden, Mario Draghi, aber durch seine etwas unbedachte Äußerung bezüglich einer Beibehaltung der massiven Ankäufe bei gleichzeitiger Überprüfung des Leitzinses sei zumindest ein Denkprozess bei den Marktteilnehmern angestoßen worden. Das österreichische Ratsmitglied Ewald Nowotny habe diese Überlegung nicht ins Reich der Fabelwesen verwiesen! Diese neue Sichtweise verdeutliche, dass immer mehr Notenbanker in Europa die Notwendigkeit eines Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik erkannt hätten. Diese Forderung des Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann sei hinlänglich bekannt und es scheine wie in der Kindererziehung zu fruchten, wenn man bei jeder Gelegenheit die negativen Aspekte anprangere.
Denn die unerwünschten Nebenwirkungen wie zum Beispiel das Risiko unsolider Staatsfinanzen würden inzwischen immer sichtbarer. Auch würden die niedrigeren Zinsen immer mehr zur Gefahr für die Finanzstabilität. Deutliche Worte hätten in dieser Woche auch die "Wirtschaftsweisen" für die expansive Geldpolitik der EZB gefunden. Die anziehende Inflation und der Aufschwung in der Eurozone hätten eine baldige Abkehr vom EZB-Kurs des billigen Geldes erforderlich gemacht, habe der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erklärt. Die Geldpolitik sei nach wie vor zu expansiv, würden die Wirtschaftsweisen in ihrer aktualisierten Konjunkturprognose schreiben. Aus diesen Gründen sollten die Währungshüter rund um EZB-Chef Mario Draghi die Beendigung ihres Ankaufprogramms "so bald wie möglich" einleiten.
Es sei also Zeit, die Märkte an eine dosierte Versorgung mit der "Droge" Liquidität zu gewöhnen, um die Folgen eines Entzuges abzumildern. Wie stark die Finanzwirtschaft auf die Versorgung mit billigem Geld angewiesen sei, werde am heutigen Donnerstag bei der Zuteilung des voraussichtlich letzten T-LTRO II-Tender mit einer Laufzeit von vier Jahren deutlich werden. Die aktuelle Zinsdiskussion werde sicherlich die Nachfrage nach "billigem" Geld nochmals befeuert haben.
Die vorerst letzten Wiederbelebungsversuche einer Finanztransaktionssteuer (FTT) würden sich schwieriger als von den Befürwortern gedacht gestalten. Bereits seit Jahren würden die Finanzminister von zehn Staaten darüber verhandeln. Wenn man den Worten des österreichischen Finanzministers Hans-Jörg Schelling Glauben schenken dürfe, dann sei ein Kompromiss zwar immer noch möglich, aber inzwischen sei dem Projekt noch eine letzte, zweimonatige Frist gegeben worden. Sollte also bis Ende Mai keine Zustimmung aller "Mitspieler" vorliegen, so sei das Projekt endgültig gestorben.
Die Probleme in der Eurozone seien zu gravierend, um sich auf Dauer mit einer solchen Problematik zu beschäftigen. Insbesondere vor dem Hintergrund des Brexits und einer damit einhergehenden Diskussion um den zukünftigen Finanzplatz Nr. 1 in Europa würde die EU-weite Einführung einer FTT London eher stärken als schwächen. Somit sei es der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um eine neue Steuer einzuführen. Aber auch die Verhandlungen mit Griechenland zur Lösung im Schuldenstreit und die Weiterentwicklung des Euro-Rettungsschirms ESM zu einem Europäischen Währungsfonds seien von elementarer Bedeutung.
Auf dem Highway ist die Hölle los. Diesen Kultfilm aus den 80er Jahren mit Burt Reynolds würden wohl die meisten kennen und so mancher Investor werde sich am Ende der vergangenen Woche die Augen gerieben haben. Denn nach der Verkündung der Notenbanken-Zinsentscheide hätten viele Emittenten ihre abwartende Haltung ad acta gelegt und das Gaspedal durchgedrückt. So habe sich SCA Hygiene AB gleich mit einer 4-fach Tranche, Engie SA und Veolia Environnement SA mittels einer Dual-Tranche sowie Spie SA mit einer 600 Mio. EUR schweren Anleihe am Kapitalmarkt refinanziert.
SCA Hygiene AB, ein schwedischer Hersteller von Zellulose- und Papierprodukten, habe insgesamt 2 Mrd. EUR einsammeln können. Der erste 300 Mio. EUR schwere Bond (ISIN XS1584123498 / WKN A19E12) sei am 27.11.2018 fällig und habe einen Kupon von 0%. Emittiert worden sei zu 100,013%, was einem Spread von +13 bps über Mid Swap gleichgekommen sei und somit für Privatinvestoren uninteressant erscheine. Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1584122680 / WKN A19E13), die am 28.03.2022 fällig sei, habe das Unternehmen mit Sitz in Stockholm 600 Mio. EUR eingesammelt. Der Investor erhalte jährlich Zinsen in Höhe von 0,625% und der Emissionspreis habe sich auf 99,608% belaufen (+45 bps über Mid Swap).
Die dritte Tranche (ISIN XS1584122177 / WKN A19E14) mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,125% sei ebenfalls 600 Mio. EUR schwer und am 27.03.2024 endfällig. Der Ausgabepreis sei bei 99,786% fixiert worden, was einem Spread von +65 bps über Mid Swap entsprochen habe. Komplettiert werde das Ganze durch einen 10-jährigen Bond (ISIN XS1584122763 / WKN A19E15). Mit dieser Tranche habe das Unternehmen 500 Mio. EUR zu einem jährlichen Zins von 1,625% eingesammelt. Ausgegeben worden sei das Papier zu 99,506% (+83 bps über Mid Swap).
Der französische Energieversorger Engie SA habe gleich zwei Bonds über insgesamt 1,5 Mrd. EUR aufgelegt. Die erste Tranche (ISIN FR0013245859 / WKN A19E10), ein 7-jähriger Bond sei am 27.03.2024 fällig und mit einem Kupon in Höhe von 0,875% ausgestattet. Der Emissionspreis habe bei 99,099% gelegen, was +108,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprochen habe. Eine zweite 11-jährige Anleihe (ISIN FR0013245867 / WKN A19E11) mit Fälligkeit am 27.03.2028 und einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,50% habe zu einem Preis von 98,532% ausgegeben werden können. Dies entspreche einem Emissionsspread von +123,2 bps über Bund.
Ebenfalls einen Doppelpack mit je 650 Mio. EUR habe Veolia Environnement SA emittiert. Mit Fälligkeiten am 30.03.2022 und 30.11.2026 refinanziere sich das Unternehmen mit Sitz in Paris mittel- und langfristig am Kapitalmarkt. Dabei sei der 5-jährige Bond (ISIN FR0013246725 / WKN A19E67) mit einem Zins von jährlich 0,672% ausgestattet, was bei einem Spread von + 99,8 bps über Bund einen Emissionspreis von pari ergeben habe. Das zweite Papier im Bunde (ISIN FR0013246733 / WKN A19E68) zahle den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 1,496%. Emittiert worden sei ebenfalls zu 100%, was einem Spread von + 112,70 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprochen habe.
Zu guter Letzt habe sich das französische Unternehmen Spie SA mit einer Anleihe (ISIN FR0013245263 / WKN A19E1Z) an den Kapitalmarkt gewagt und erfolgreich 650 Mio. EUR einsammeln können. Der Bond biete seinen Anlegern eine jährliche Verzinsung von 3,125%. Der 7-jährige Bond sei am 22.03.2024 fällig und sei zu pari begeben worden (+322 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe).
Alle Anleihen hätten eine Mindeststückelung von 100.000 EUR und dürften daher eher für institutionelle Investoren interessant sein. Des Weiteren sei jeder Bond mit Ausnahme der Zero Anleihe von SCA mit einer Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten ausgestattet.
Am gestrigen Mittwoch habe der Euro-Bund-Future angesichts des Stimmungsumschwungs an den Aktienbörsen in den USA und Japan den seit Ende Februar ausgebildeten Abwärtstrend verlassen und sich wie Phönix aus der Asche erhoben. Die Angst vor nicht so schnell umzusetzenden Gesundheits-Reform, der Bankenderegulierung und innenpolitischem Gegenwind in den USA hätten die Anleger zu Gewinnmitnahmen bei verschiedenen Aktien veranlasst. Dort mache vor einem solchen Hintergrund und auf dem aktuellen Zinsniveau ein vorübergehender Wechsel der Assetklasse durchaus Sinn. Dies wiederum habe die Bondnotierungen klettern lassen und sei nicht ohne Folgen für die deutschen Staatsanleihen geblieben. Ob sich allerdings dieses Niveau in Deutschland halte, würden die kommenden Tage zeigen. Zurzeit notiere der Future bei 160,22% und somit noch über der psychologischen Marke von 160%.
Charttechnisch verlaufe aktuell beim Rentenbarometer eine Unterstützungslinie bei ca. 159,42% und der erste nennenswerte Widerstand habe sich bei 160,69% herausgebildet. Im "schlimmsten" Fall werde sich in den kommenden Tagen ein Seitwärtstrend herausbilden. Zumindest solange bis neue Fakten die Märkte beeinflussen würden.
In diesen Handelswochen hätten es die Eurostaaten an den Kapitalmärkten etwas ruhiger angehen lassen und lediglich die Slowakei, Belgien und Deutschland hätten sich aktiv gezeigt. Gleich zu Wochenbeginn habe die Slowakei zwei (ISIN SK4120011636 / WKN A181DY, 2023; ISIN SK4120010430 / WKN A1ZUZV, 2027) und Belgien drei Altemissionen (ISIN BE0000341504 / WKN A19B7A, 2027; ISIN BE0000336454 / WKN A1Z6P2, 2038; ISIN BE0000320292 / WKN A1AWF4, 2041) aufgestockt.
Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland habe zur Wochenmitte planmäßig das Emissionsvolumen der bestehenden 10-jährigen Benchmark-Anleihe (ISIN DE0001102416 / WKN 110241) um 3 Mrd. EUR auf nunmehr 14 Mrd. EUR erhöht. Insgesamt seien Kaufangebote über nominal ca. 3,7 Mrd. EUR abgegeben worden und die Zuteilung sei zu einer Durchschnittsrendite von 0,41% erfolgt. Der hierbei zu erzielende Preis von 98,47% sei in der Geschichte dieser Anleihe, die am 1. März sogar bei 100,03% zugeteilt worden sei, der bisher niedrigste gewesen.
In den USA habe man in dieser Woche ebenfalls in "Vorfreude" auf die kommende Woche den Investoren etwas Ruhe gegönnt und lediglich die üblichen Geldmarktpapiere (Fälligkeit in vier Wochen sowie drei und sechs Monaten) im Volumen von 127 Mrd. USD sowie eine 10-jährige inflationsindexierte Anleihe im Gegenwert von 11 Mrd. USD angeboten. Schon in wenigen Tagen würden zusätzlich 52-Wochen-T-Bills sowie T-Notes mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren offeriert.
Nach monatelanger Winterpause würden die Fahrer mit ihren neu entworfenen Boliden darauf warten, ihre Fahrkünste unter Beweis stellen zu dürfen. Am Wochenende starte das erste Rennen in Australien. Die echten Motorsportfreunde würden sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen, trotz Zeitverschiebung und Zeitumstellung.
Am Devisenmarkt habe die europäische Gemeinschaftswährung bereits in dieser Woche ihrem Pendant aus den USA zunächst leicht davonfahren können und sei bis auf 1,0825 USD gestiegen. Damit sei er seinem bisherigen Jahreshoch bei 1,0829 USD (02. Februar) ziemlich nahe gekommen. Auftrieb habe die Einheitswährung insbesondere aus Frankreich nach der ersten Fernsehdebatte erhalten, welche nach einhelliger Meinung zu Gunsten des "Pro Europa" gesinnten Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron zu werten gewesen sei. Doch auch die aktuelle Schwächephase des US-Dollars trage zu diesem kleinen Höhenflug bei. Allerdings handele der Euro heute Morgen wieder unter der Marke von 1,08 USD, und zwar bei 1,0790 USD.
Nicht nur zum Greenback befinde sich der Euro auf der Überholspur, sondern auch zur Norwegischen Krone. So sei die Gemeinschaftswährung bis auf 9,2040 NOK gestiegen und habe damit einen neuen Bestwert in 2017 erreicht.
Anders zeige sich da das Handelsbild zum Mexikanischen Peso, denn hier habe der Euro in den vergangenen Handelswochen stetig an Wert verloren und zeitweise bei 20,3747 MXN gehandelt. Dies sei der tiefste Wert seit der US-Präsidentschaftswahl. Im vielbeachteten Vergleich mit dem US-Dollar habe die Währung Mexikos ebenfalls glänzen können und sei mit 18,9357 MXN so teuer wie zuletzt bei der Trump-Wahl.
In dieser Berichtswoche hätten die Privatanleger auf Altbekanntes gesetzt. Favorisiert worden seien hierbei Fremdwährungsanleihen lautend auf Australische Dollar, Türkische Lira, Brasilianische Real sowie US-Dollar.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 23.03.2017) (24.03.2017/alc/a/a)
Offensichtlich aber wehe dem US-Präsidenten der Wind doch stärker ins Gesicht, als er gemeinhin wahrhaben möchte. Nicht nur dass der Chef des FBI, James Comey, die Abhörvorwürfe gegen Vorgänger Barack Obama als "Nonsense" gebrandmarkt und damit Trump der Lüge bezichtigt habe. Nein, auch die magische Kraft des Faktischen scheine sich gegen Trump zu wenden.
Da würden wachsende Zweifel an einer raschen Umsetzung seiner Wirtschaftspläne für Rücksetzer an der Wall Street sorgen. Investoren würden daran zweifeln, ob die neue Regierung die von ihr versprochenen Steuererleichterungen tatsächlich werde durchsetzen können. Manche würden schon von einem Ende der Trump-Rally reden. So fürchte man am Markt, dass sich der Kongress in Washington zunächst in langwierigen Grabenkämpfen um die Rückabwicklung der unter Trumps Vorgänger Obama verabschiedeten Gesundheitsreform verlieren könnte.
Denn just dieser Schritt sei auch bei Republikanern umstritten, könnte die Trump'sche Gesundheitsreform doch dafür sorgen, dass bald viele Amerikaner nicht mehr krankenversichert wären. Entsprechend eisig sei derzeit der Wind, der den republikanischen Abgeordneten auf den aktuellen Town Hall Meetings von ihrer eigenen Klientel entgegenblase. So hätten die Haushaltsexperten des Kongresses das geplante Gesundheitsgesetz einmal durchgerechnet und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Jahresbeiträge für die Krankenversicherung in den kommenden Jahren im Schnitt um bis zu 15% steigen würden. Weil aber die Sozialversicherung gleichzeitig drastisch zusammengestrichen werden solle, könnten bis 2026 rund 24 Millionen US-Bürger ihren Versicherungsschutz ganz verlieren.
Sorgen bereite Trumps Politik auch dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Konkret würden die "Wirtschaftsweisen" mit Blick auf die von Trump geforderten protektionistischen Maßnahmen als eine Gefahr für das globale Handelssystem und ein Risiko für die Weltwirtschaft sprechen. Die von den USA formulierte Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss hätten die Experten zurückgewiesen.
Die deutschen Exporte in die USA hätten 2016 die Importe von dort um 49 Mrd. EUR übertroffen. Der Überschuss sei zwar hoch, doch signalisiere er kein gesamtwirtschaftliches "Ungleichgewicht", wie der Vorsitzende des Expertengremiums, Christoph Schmidt, gesagt habe. Parallel dazu habe er die Bundesregierung aber aufgefordert, Investitionen im Inland zu fördern und so einen Beitrag zu leisten, damit sich der Differenzbetrag zurückbilde.
Umgekehrt sei das Leistungsbilanzdefizit der USA 2016 noch einmal gestiegen - und zwar um 3,9% auf 481,2 Mrd. Dollar. Das entspreche bei der größten Volkswirtschaft der Welt 2,6% der Wirtschaftsleistung.
Voraussichtlich im März 2019 werde die Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union (EU) zu Ende gehen. Dafür werde Premierministerin Theresa May am 29. März den Austritt ihres Landes aus der EU beantragen. Doch bevor der Brexit tatsächlich umgesetzt werde, stehe den Experten auf britischer und EU-Seite eine regelrechte Mammutaufgabe bevor, müssten doch im Rahmen der Austrittsverhandlungen rund 21.000 EU-Regeln und -Gesetze erörtert werden.
Am 29. April wollten nun die Staats- und Regierungschefs der 27 verbleibenden EU-Länder bei einem Sondergipfel ihre Verhandlungslinie festlegen. Für EU-Ratspräsident Donald Tusk gehe es dabei darum, das Scheidungsverfahren für die EU so wenig schmerzhaft wie möglich zu gestalten. Dazu gehöre auch nach Meinung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass die Briten ihre finanziellen Pflichten gegenüber der EU erfüllen müssten und er sei davon überzeugt, dass dies am Ende auch die Regierung in London nicht ernsthaft in Frage stellen werde.
Ob das so sein werde, müsse sich allerdings erst noch zeigen. Denn die Trennung der Finanzbeziehungen gelte als eine der schwierigsten Fragen bei den auf zwei Jahre angelegten Brexit-Verhandlungen. So fordere die EU von Großbritannien Gelder in der Größenordnung von bis zu 60 Mrd. EUR, weil das Land während seiner Mitgliedschaft langfristige Finanzverpflichtungen mitgetragen habe. Ein anderes Thema werde in diesem Zusammenhang auch die Beteiligung an der Europäischen Investitionsbank (EIB) sein. Hierbei könnten weitere 65 Mrd. EUR zu begleichen sein. Von zentraler Bedeutung würden aber auch die künftigen Rechte der EU-Bürger in Großbritannien und umgekehrt der Briten in der EU sein.
Schon seit Längerem würden sich die Probleme erahnen lassen, welche die in London ansässigen Banken haben würden. Denn sie könnten ihr Geschäft mit Kunden aus der EU voraussichtlich nicht mehr von London aus betreiben, würden sie doch für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäft künftig rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat benötigen.
Da aber noch keine konkreten Pläne über das "Wie" des Brexits bestünden, sei auch noch nicht klar, welche Geschäftseinheiten in die EU verlagert werden müssten. Dennoch würden bereits mit Goldman Sachs und Morgan Stanley die ersten Investmentbanken Arbeitsplätze aus der britischen Finanzmetropole an andere Standorte verlegen. Auch wenn es sich hierbei zunächst einmal nur um mehrere Hundert Stellen handele, würden manche Kommentatoren bereits vom Beginn eines "Exodus" sprechen. Und weil keiner wisse, wie es genau ausgehe, müssten die Institute alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.
Italien und Frankreich hätten sich zu den großen Sorgenkindern der Europäischen Union (EU) entwickelt. Dies offenbare der sogenannte Euro-Monitor, welchen der Versicherungskonzern Allianz jährlich publiziere. Dabei handele es sich um einen Indikator, der auf Basis von 20 Komponenten messe, wie gut die Länder der Euro-Zone wirtschaftlich aufgestellt seien. Während insbesondere Spanien einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht habe, würden die beiden anderen Länder immer weiter stagnieren oder gar zurückfallen.
In dieser Auswertung würden Deutschland mit einem Rating von 8,1 Punkten und die Niederlande mit 7,5 Punkten die Plätze 1 und 2 belegen, während sich Spanien von Platz 15 auf 12 vorgearbeitet habe. Der Euro-Monitor berücksichtige nicht nur das aktuelle Wirtschaftswachstum, sondern beziehe auch weitere Faktoren wie die Arbeitsproduktivität, die Exportstärke, den Leistungsbilanzsaldo und die staatliche sowie private Schuldenlast mit ein. Ziel sei es, die Ausgewogenheit und die Stabilität des Wachstums zu messen, sage Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise.
Viele Länder hätten laut dem Euro-Monitor in den vergangenen Jahren gute Fortschritte gemacht. Irland beispielsweise, das 2011 noch Rang 18 belegt habe, stehe mittlerweile auf dem 10. Platz. Und selbst Griechenland und Zypern hätten inzwischen die rote Laterne abgegeben und würden aktuell Nummer 15 und 16 belegen. Neues vorletztes Land sei Frankreich, das seit 2011 von Platz 11 auf Platz 18 zurückgefallen sei, den es sich nun mit Italien teile.
Beide Volkswirtschaften würden beim Rating auf 5,4 Punkte kommen, was für Italien sogar eine leichte Verbesserung gegenüber 4,9 Zählern von 2011 bedeute. Doch fast alle anderen Länder hätten sich in den letzten Jahren deutlich stärker verbessert, sodass Italien im Vergleich wieder zurückgefallen sei. Der Wert von Frankreich dagegen stagniere, weshalb man schon von einem verlorenen Jahrzehnt sprechen könne. Hauptgrund für die schlechte Bewertung der beiden Letzten sei der Indikator Wettbewerbsfähigkeit. Obwohl die Geldpolitik der EZB seit Jahren darauf abziele, den EU-Ländern Raum für Reformen zu schaffen, seien diese Chancen nicht genutzt worden. Allianz-Volkswirt Heise habe festgestellt, dass die Bemühungen umso mehr nachgelassen hätten, je stärker die EZB durch Anleihenkäufe den Druck aus dem Kessel genommen habe.
Sollte Europa abgesehen von Italien und Frankreich seine wirtschaftliche Wiederauferstehung erleben, wäre dies wohl auch auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zurückzuführen - so unbeliebt diese hierzulande auch sei. Doch vor der baldigen Einleitung der Zinswende dürfte die Zentralbank wegen des wirtschaftlichen Zustandes von Italien und Frankreich zurückschrecken. Schließlich handele es sich dabei um zwei der größten Volkswirtschaften in Euroland.
Ob der Euro-Monitor der Allianz bei den EU-Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge auf der Agenda stehe, sei nicht überliefert. Vielleicht sollte man die Ergebnisse mal der griechischen Delegation zeigen und anerkennend kommentieren. Denn die Regierung in Athen schieße mal wieder quer, indem sie die vorgesehene Erklärung, die am Samstag in Rom verabschiedet werden solle, in der jetzigen Form nicht mittragen wolle. Athen wolle den Konsens offenbar als Verhandlungsinstrument benutzen.
Die Geldpolitik der Notenbanken werde auch in den kommenden Monaten das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten bestimmen. In den USA beispielsweise würden sich nach der erst jüngst erfolgten Zinserhöhung die Stimmen mehren, dass in diesem Jahr noch weitere zwei Zinserhöhungen erfolgen würden. Nach den Worten des Präsidenten der FED von Dallas, Robert S. Kaplan, würden insgesamt drei Zinserhöhungen in diesem Jahr ein vernünftiges Basisszenario darstellen. Die FED-Präsidentin von Cleveland, Loretta J. Mester, könne sich sogar mit mehr als drei Zinssteigerungen anfreunden. Dies würde allerdings einen noch etwas steileren Zinsanhebungspfad bedeuten als von den Märkten bisher erwartet. Als Endpunkt dieses Pfades gelte weiterhin ein Leitzins-Niveau von 3%, das aber nur in einem konjunkturell intakten Umfeld erreicht werden könne.
Die Bank of England (BoE) habe hingegen in ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag den bisherigen Leitzins und das Anleihen-Ankaufprogramm nicht angetastet. Jedoch sei infolge eines überraschenden Anstiegs der Februar-Konsumentenpreise auf 2,3% (Jahresbasis) und eines hohen Lohnwachstums mit einer Leitzinserhöhung in absehbarer Zeit zu rechnen. Denn bei einer weiteren Aufwärtsbewegung könne in den kommenden Monaten von einem Abgleiten der realen Einkommen in den negativen Bereich ausgegangen werden. Auch vor dem Hintergrund der zu verhandelnden Scheidung von Europa werde man um diesen Schritt seitens der Notenbank nicht umhinkommen. Bereits die jetzige Entscheidung sei mit einer Gegenstimme gefällt worden, und es bleibe abzuwarten, ob und wann die Falken bei der BoE die Oberhand gewinnen würden.
Ein Geldpolitik-Wechsel sei zwar bei der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht im Sinne ihres Vorsitzenden, Mario Draghi, aber durch seine etwas unbedachte Äußerung bezüglich einer Beibehaltung der massiven Ankäufe bei gleichzeitiger Überprüfung des Leitzinses sei zumindest ein Denkprozess bei den Marktteilnehmern angestoßen worden. Das österreichische Ratsmitglied Ewald Nowotny habe diese Überlegung nicht ins Reich der Fabelwesen verwiesen! Diese neue Sichtweise verdeutliche, dass immer mehr Notenbanker in Europa die Notwendigkeit eines Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik erkannt hätten. Diese Forderung des Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann sei hinlänglich bekannt und es scheine wie in der Kindererziehung zu fruchten, wenn man bei jeder Gelegenheit die negativen Aspekte anprangere.
Denn die unerwünschten Nebenwirkungen wie zum Beispiel das Risiko unsolider Staatsfinanzen würden inzwischen immer sichtbarer. Auch würden die niedrigeren Zinsen immer mehr zur Gefahr für die Finanzstabilität. Deutliche Worte hätten in dieser Woche auch die "Wirtschaftsweisen" für die expansive Geldpolitik der EZB gefunden. Die anziehende Inflation und der Aufschwung in der Eurozone hätten eine baldige Abkehr vom EZB-Kurs des billigen Geldes erforderlich gemacht, habe der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erklärt. Die Geldpolitik sei nach wie vor zu expansiv, würden die Wirtschaftsweisen in ihrer aktualisierten Konjunkturprognose schreiben. Aus diesen Gründen sollten die Währungshüter rund um EZB-Chef Mario Draghi die Beendigung ihres Ankaufprogramms "so bald wie möglich" einleiten.
Die vorerst letzten Wiederbelebungsversuche einer Finanztransaktionssteuer (FTT) würden sich schwieriger als von den Befürwortern gedacht gestalten. Bereits seit Jahren würden die Finanzminister von zehn Staaten darüber verhandeln. Wenn man den Worten des österreichischen Finanzministers Hans-Jörg Schelling Glauben schenken dürfe, dann sei ein Kompromiss zwar immer noch möglich, aber inzwischen sei dem Projekt noch eine letzte, zweimonatige Frist gegeben worden. Sollte also bis Ende Mai keine Zustimmung aller "Mitspieler" vorliegen, so sei das Projekt endgültig gestorben.
Die Probleme in der Eurozone seien zu gravierend, um sich auf Dauer mit einer solchen Problematik zu beschäftigen. Insbesondere vor dem Hintergrund des Brexits und einer damit einhergehenden Diskussion um den zukünftigen Finanzplatz Nr. 1 in Europa würde die EU-weite Einführung einer FTT London eher stärken als schwächen. Somit sei es der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um eine neue Steuer einzuführen. Aber auch die Verhandlungen mit Griechenland zur Lösung im Schuldenstreit und die Weiterentwicklung des Euro-Rettungsschirms ESM zu einem Europäischen Währungsfonds seien von elementarer Bedeutung.
Auf dem Highway ist die Hölle los. Diesen Kultfilm aus den 80er Jahren mit Burt Reynolds würden wohl die meisten kennen und so mancher Investor werde sich am Ende der vergangenen Woche die Augen gerieben haben. Denn nach der Verkündung der Notenbanken-Zinsentscheide hätten viele Emittenten ihre abwartende Haltung ad acta gelegt und das Gaspedal durchgedrückt. So habe sich SCA Hygiene AB gleich mit einer 4-fach Tranche, Engie SA und Veolia Environnement SA mittels einer Dual-Tranche sowie Spie SA mit einer 600 Mio. EUR schweren Anleihe am Kapitalmarkt refinanziert.
SCA Hygiene AB, ein schwedischer Hersteller von Zellulose- und Papierprodukten, habe insgesamt 2 Mrd. EUR einsammeln können. Der erste 300 Mio. EUR schwere Bond (ISIN XS1584123498 / WKN A19E12) sei am 27.11.2018 fällig und habe einen Kupon von 0%. Emittiert worden sei zu 100,013%, was einem Spread von +13 bps über Mid Swap gleichgekommen sei und somit für Privatinvestoren uninteressant erscheine. Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1584122680 / WKN A19E13), die am 28.03.2022 fällig sei, habe das Unternehmen mit Sitz in Stockholm 600 Mio. EUR eingesammelt. Der Investor erhalte jährlich Zinsen in Höhe von 0,625% und der Emissionspreis habe sich auf 99,608% belaufen (+45 bps über Mid Swap).
Die dritte Tranche (ISIN XS1584122177 / WKN A19E14) mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,125% sei ebenfalls 600 Mio. EUR schwer und am 27.03.2024 endfällig. Der Ausgabepreis sei bei 99,786% fixiert worden, was einem Spread von +65 bps über Mid Swap entsprochen habe. Komplettiert werde das Ganze durch einen 10-jährigen Bond (ISIN XS1584122763 / WKN A19E15). Mit dieser Tranche habe das Unternehmen 500 Mio. EUR zu einem jährlichen Zins von 1,625% eingesammelt. Ausgegeben worden sei das Papier zu 99,506% (+83 bps über Mid Swap).
Der französische Energieversorger Engie SA habe gleich zwei Bonds über insgesamt 1,5 Mrd. EUR aufgelegt. Die erste Tranche (ISIN FR0013245859 / WKN A19E10), ein 7-jähriger Bond sei am 27.03.2024 fällig und mit einem Kupon in Höhe von 0,875% ausgestattet. Der Emissionspreis habe bei 99,099% gelegen, was +108,6 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprochen habe. Eine zweite 11-jährige Anleihe (ISIN FR0013245867 / WKN A19E11) mit Fälligkeit am 27.03.2028 und einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,50% habe zu einem Preis von 98,532% ausgegeben werden können. Dies entspreche einem Emissionsspread von +123,2 bps über Bund.
Ebenfalls einen Doppelpack mit je 650 Mio. EUR habe Veolia Environnement SA emittiert. Mit Fälligkeiten am 30.03.2022 und 30.11.2026 refinanziere sich das Unternehmen mit Sitz in Paris mittel- und langfristig am Kapitalmarkt. Dabei sei der 5-jährige Bond (ISIN FR0013246725 / WKN A19E67) mit einem Zins von jährlich 0,672% ausgestattet, was bei einem Spread von + 99,8 bps über Bund einen Emissionspreis von pari ergeben habe. Das zweite Papier im Bunde (ISIN FR0013246733 / WKN A19E68) zahle den Investoren jährlich Zinsen in Höhe von 1,496%. Emittiert worden sei ebenfalls zu 100%, was einem Spread von + 112,70 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprochen habe.
Zu guter Letzt habe sich das französische Unternehmen Spie SA mit einer Anleihe (ISIN FR0013245263 / WKN A19E1Z) an den Kapitalmarkt gewagt und erfolgreich 650 Mio. EUR einsammeln können. Der Bond biete seinen Anlegern eine jährliche Verzinsung von 3,125%. Der 7-jährige Bond sei am 22.03.2024 fällig und sei zu pari begeben worden (+322 bps über der vergleichbaren Bundesanleihe).
Alle Anleihen hätten eine Mindeststückelung von 100.000 EUR und dürften daher eher für institutionelle Investoren interessant sein. Des Weiteren sei jeder Bond mit Ausnahme der Zero Anleihe von SCA mit einer Make Whole Option zu Gunsten des Emittenten ausgestattet.
Am gestrigen Mittwoch habe der Euro-Bund-Future angesichts des Stimmungsumschwungs an den Aktienbörsen in den USA und Japan den seit Ende Februar ausgebildeten Abwärtstrend verlassen und sich wie Phönix aus der Asche erhoben. Die Angst vor nicht so schnell umzusetzenden Gesundheits-Reform, der Bankenderegulierung und innenpolitischem Gegenwind in den USA hätten die Anleger zu Gewinnmitnahmen bei verschiedenen Aktien veranlasst. Dort mache vor einem solchen Hintergrund und auf dem aktuellen Zinsniveau ein vorübergehender Wechsel der Assetklasse durchaus Sinn. Dies wiederum habe die Bondnotierungen klettern lassen und sei nicht ohne Folgen für die deutschen Staatsanleihen geblieben. Ob sich allerdings dieses Niveau in Deutschland halte, würden die kommenden Tage zeigen. Zurzeit notiere der Future bei 160,22% und somit noch über der psychologischen Marke von 160%.
Charttechnisch verlaufe aktuell beim Rentenbarometer eine Unterstützungslinie bei ca. 159,42% und der erste nennenswerte Widerstand habe sich bei 160,69% herausgebildet. Im "schlimmsten" Fall werde sich in den kommenden Tagen ein Seitwärtstrend herausbilden. Zumindest solange bis neue Fakten die Märkte beeinflussen würden.
In diesen Handelswochen hätten es die Eurostaaten an den Kapitalmärkten etwas ruhiger angehen lassen und lediglich die Slowakei, Belgien und Deutschland hätten sich aktiv gezeigt. Gleich zu Wochenbeginn habe die Slowakei zwei (ISIN SK4120011636 / WKN A181DY, 2023; ISIN SK4120010430 / WKN A1ZUZV, 2027) und Belgien drei Altemissionen (ISIN BE0000341504 / WKN A19B7A, 2027; ISIN BE0000336454 / WKN A1Z6P2, 2038; ISIN BE0000320292 / WKN A1AWF4, 2041) aufgestockt.
Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland habe zur Wochenmitte planmäßig das Emissionsvolumen der bestehenden 10-jährigen Benchmark-Anleihe (ISIN DE0001102416 / WKN 110241) um 3 Mrd. EUR auf nunmehr 14 Mrd. EUR erhöht. Insgesamt seien Kaufangebote über nominal ca. 3,7 Mrd. EUR abgegeben worden und die Zuteilung sei zu einer Durchschnittsrendite von 0,41% erfolgt. Der hierbei zu erzielende Preis von 98,47% sei in der Geschichte dieser Anleihe, die am 1. März sogar bei 100,03% zugeteilt worden sei, der bisher niedrigste gewesen.
In den USA habe man in dieser Woche ebenfalls in "Vorfreude" auf die kommende Woche den Investoren etwas Ruhe gegönnt und lediglich die üblichen Geldmarktpapiere (Fälligkeit in vier Wochen sowie drei und sechs Monaten) im Volumen von 127 Mrd. USD sowie eine 10-jährige inflationsindexierte Anleihe im Gegenwert von 11 Mrd. USD angeboten. Schon in wenigen Tagen würden zusätzlich 52-Wochen-T-Bills sowie T-Notes mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren offeriert.
Nach monatelanger Winterpause würden die Fahrer mit ihren neu entworfenen Boliden darauf warten, ihre Fahrkünste unter Beweis stellen zu dürfen. Am Wochenende starte das erste Rennen in Australien. Die echten Motorsportfreunde würden sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen, trotz Zeitverschiebung und Zeitumstellung.
Am Devisenmarkt habe die europäische Gemeinschaftswährung bereits in dieser Woche ihrem Pendant aus den USA zunächst leicht davonfahren können und sei bis auf 1,0825 USD gestiegen. Damit sei er seinem bisherigen Jahreshoch bei 1,0829 USD (02. Februar) ziemlich nahe gekommen. Auftrieb habe die Einheitswährung insbesondere aus Frankreich nach der ersten Fernsehdebatte erhalten, welche nach einhelliger Meinung zu Gunsten des "Pro Europa" gesinnten Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron zu werten gewesen sei. Doch auch die aktuelle Schwächephase des US-Dollars trage zu diesem kleinen Höhenflug bei. Allerdings handele der Euro heute Morgen wieder unter der Marke von 1,08 USD, und zwar bei 1,0790 USD.
Nicht nur zum Greenback befinde sich der Euro auf der Überholspur, sondern auch zur Norwegischen Krone. So sei die Gemeinschaftswährung bis auf 9,2040 NOK gestiegen und habe damit einen neuen Bestwert in 2017 erreicht.
Anders zeige sich da das Handelsbild zum Mexikanischen Peso, denn hier habe der Euro in den vergangenen Handelswochen stetig an Wert verloren und zeitweise bei 20,3747 MXN gehandelt. Dies sei der tiefste Wert seit der US-Präsidentschaftswahl. Im vielbeachteten Vergleich mit dem US-Dollar habe die Währung Mexikos ebenfalls glänzen können und sei mit 18,9357 MXN so teuer wie zuletzt bei der Trump-Wahl.
In dieser Berichtswoche hätten die Privatanleger auf Altbekanntes gesetzt. Favorisiert worden seien hierbei Fremdwährungsanleihen lautend auf Australische Dollar, Türkische Lira, Brasilianische Real sowie US-Dollar.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 23.03.2017) (24.03.2017/alc/a/a)
Werte im Artikel




