Renten: Die EU ist kein Golfclub


04.04.17 09:00
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Neun Monate nach dem Brexit-Referendum hat Premierministerin Theresa May für Großbritannien nach über 40-jähriger Mitgliedschaft die Scheidungspapiere in Brüssel eingereicht, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Zwei Jahre an harten Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) stünden nun bevor. Gut präpariert würden 30 EU-Spitzenbeamte unter Führung von Michel Barnier in den gerne als Rosenkrieg bezeichneten Verhandlungsmarathon ziehen. "Taskforce 50" nenne man in Brüssel Barniers Truppe in Anspielung auf Artikel 50 des Lissabon-Vertrages, der den Austritt eines Landes regele. Und weil die Briten wegen des geplanten Abschieds zunehmend unter Druck geraten würden, werde schon über Hintertürchen spekuliert, die dem Vereinigten Königreich doch noch einen Exit vom Brexit, den sogenannten Br-re-exit, ermöglichen könnten.

Zeitlich habe Barnier die Daumenschrauben bereits angezogen. Bis Ende März 2019 solle Großbritannien aus der EU ausscheiden - eine Frist, die rein rechtlich aber auch verlängert werden könne. Dabei wolle er zuerst über die Scheidungsbedingungen verhandeln, erst dann über die Beziehungen zu UK nach der Scheidung. Wichtig ist, dass von dem Prozess, der uns wohl die nächsten zwei Jahre beschäftigen wird, keine falschen Signale ausgehen, so die Analysten der Baader Bank. Wolle heißen, man dürfe es den Briten nicht zu leicht machen, sonst könnte man andere Mitglieder zum EU-Austritt geradezu ermuntern.

Deshalb mache Brüssel immer wieder klar, dass London wohl eine hohe Zeche zu zahlen habe. Um die 60 Mrd. EUR würden Leute wie Inge Gräßle (CDU), Leiterin des Haushaltskontroll-Ausschusses im EU-Parlament nennen. Es sei ja nicht so, dass man aus der EU austreten könne wie aus einem Golfclub, indem man die Mitgliedschaft kündige und dann sei man raus, meine sie. Stelle man Zahlungsverpflichtungen dem britischen Anteil am Vermögen der EU, zu dem auch 47.000 Flaschen Wein zählen würden, gegenüber, komme man auf mindestens 57 Mrd. EUR, die London an Brüssel zu zahlen habe, habe diese Woche Gräßle der "Stuttgarter Zeitung" vorgerechnet.

Bis mindestens 2023, fordere die EU, müsse Großbritannien noch für gemeinsam beschlossene Projekte aufkommen. Und auch für die Pensionen ehemaliger EU-Beamter, die bis jetzt von den Briten mitbezahlt würden, müsse eine Lösung her. Das "No-Deal-Szenario", das der britische Außenminister Boris Johnson lapidar ins Spiel gebracht habe, komme nicht in Frage, habe Barnier klargemacht.

Was wären denn die Folgen, träte Großbritannien ohne Abkommen aus der EU aus? Ein Chaos wäre zu erwarten. Schließlich würden überall dort, wo bisher die EU zuständig sei, etwa in der Wirtschaftspolitik oder dem Wettbewerbsrecht, fehlende Verträge zwischen Großbritannien und den anderen Ländern für ein Vakuum sorgen. In zeitraubenden Neuverhandlungen mit der EU, den USA und allen anderen Staaten müsste London bilaterale Abkommen vereinbaren.

Zusätzlicher Druck auf London sei im Norden und Nordwesten von Großbritannien entstanden. Nicht nur, dass die Schotten auf ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich drängen würden. Auch in Nordirland rumore es ja bekanntlich, weil dort eine EU-Außengrenze zu der Republik Irland entstehen würde.

Sollten also Schottland und Nordirland die nationale Unabhängigkeit suchen, würde dies die Wahrscheinlichkeit eines Exits vom Brexit erhöhen, wie manche Beobachter suggerieren würden. Natürlich hätte London dann die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen und seine Austrittsabsicht zurückzunehmen. Am Ende wäre ein für Großbritannien teuer bezahlter Brexit die schlechtere Variante als ein Rückzug vom EU-Austritt, den man dann nur noch gesichtswahrend dem eigenen Volk verkaufen müsste.

Als Anker des vom Kontinent abdriftenden Schiffs "HMS UK" könnte sich ja vielleicht die Europäische Investitionsbank (EIB) erweisen. So würden die rund 39 Mrd. EUR Gründungskapital der Briten als Verhandlungsmasse mit der EU gelten. Wie Gräßle sage, müsse der, der die EU verlasse, auch raus aus der EIB. Aber dazu stehe nichts geschrieben. Blieben die Briten also bei der EIB mit an Bord, könnte sich dies als ein verbindendes Element für die Zukunft entpuppen.

Verlasse Großbritannien den EU-Binnenmarkt, müssten in London ansässige Kreditinstitute rechtlich selbstständige Töchter mit Sitz in einem EU-Staat haben. Denn im Falle eines harten Brexits würden die Banken in der City of London den EU-Pass einbüßen - und damit den Zugang zum europäischen Markt. Briefkastenfirmen, bei denen die Geschäfte weiter von London aus geführt würden, wollten Brüssel und die EZB nicht akzeptieren. Es müssten ausreichend Mitarbeiter vor Ort arbeiten, heiße es.

Was den zeitlichen Rahmen angehe, wolle die Europäische Zentralbank (EZB) den britischen Banken entgegenkommen. Um die Anforderungen der EZB zu erfüllen, werde es Übergangsfristen geben. Das könnten, je nach Bank, Monate oder Jahre sein, so die Vize-Chefin der europäischen Bankenaufsicht, Sabine Lautenschläger. In der Sache aber wolle die EZB hart bleiben. Man werde nur gut kapitalisierten und gut geführten Banken Lizenzen gewähren, versichere Lautenschläger.

Auch Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling habe auf die Folgen eines harten Brexits ohne Übergangsregelungen hingewiesen. In einem solchen Fall könnten "grenzüberschreitend geltende Genehmigungen und Zulassungen erlöschen", habe Wuermeling der "Süddeutschen Zeitung" gesagt.

Wenn dann Finanzprodukte nicht mehr über den Ärmelkanal hinweg ausgetauscht würden, könnte dies die Funktionsfähigkeit der Märkte beeinträchtigen.

Beide, Lautenschläger wie Wuermeling, würden davor warnen, dass der Ausstieg Großbritanniens aus der EU zu einer Aufweichung der internationalen Finanzmarktregeln führen könnte. Diese Gefahr eines Unterbietungswettlaufs bei der Bankenregulierung bestehe vor allem dann, wenn die Brexit-Gespräche nicht konstruktiv verlaufen und die Briten in Versuchung geraten würden, die Regulierungsstandards massiv zu lockern, um sich einen Wettbewerbsvorteil für London zu schaffen.

Die Geldpolitik der Notenbanken verfolge unterschiedliche Ziele. Eines davon sei es, Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen. Die Rolle des Wirtschaftsretters aber, die man den Notenbanken inzwischen auch zuschreibe, sei allerdings von ihnen selbst nie in dieser Form angestrebt worden, sondern lediglich das Ergebnis einer weltweit halbherzigen, bisweilen "feigen" Regierungspolitik gewesen. So habe beispielsweise der EZB-Chefvolkswirt Peter Praet jüngst zu verstehen gegeben, dass man auf eine solche Krise, wie die derzeitige, nicht vorbereitet und zum Handeln gezwungen gewesen sei. In ähnlicher Weise habe sich auf der gleichen Veranstaltung in Madrid auch der Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago, Charles Evans, zu diesem Thema geäußert. Für die Notenbanker entpuppe sich die aktuelle expansive Geldpolitik als ein Fluch.

Allerdings sei die Finanzwelt noch immer auf die Unterstützung der Zentralbanken angewiesen. Dies sei erst am vergangenen Donnerstag überdeutlich geworden, als erneut eine Finanzspritze größeren Ausmaßes verabreicht worden sei. Ursprünglich sei mit einer Zuteilung von ca. 125 Mrd. EUR im Rahmen des "TLTRO II" gerechnet worden, aber tatsächlich zugeteilt worden seien zum Nulltarif 233,47 Mrd. EUR.

Vor dem Hintergrund eines möglichen Endes der ultralockeren Geldpolitik habe man seitens der Finanzbranche die Möglichkeit genutzt, sich billiges Geld für vier Jahre zu sichern. Bei dem ersten derartigen Geschäft am 24.06.2016 sei die Nachfrage von 514 Kreditinstituten über insgesamt 399,289 Mrd. EUR gestillt worden. Beim zweiten am 22.09.2016 seien nur noch 45,27 Mrd. EUR für 249 Häuser benötigt worden. Und kurz vor Weihnachten beim dritten seien von 200 Instituten noch 62,16 Mrd. EUR nachgefragt worden. Bei dem bisher letzten Offenmarktgeschäft zu diesen Konditionen seien diesmal von 474 Banken Gebote abgegeben worden.

Dass es der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu vielen europäischen Ländern wirtschaftlich gut gehe, sei hinreichend bekannt. Die erwarteten Wachstumsraten würden passen und in solchen Phasen seien zusätzliche Stimuli nicht unbedingt notwendig. Denn durch einen demografischen Wandel dürfte die Kapazitätsauslastung in den kommenden Jahren deutlich über dem "normalen" Niveau liegen und somit Deutschland eine konjunkturelle Überhitzung drohen. Dies sei zumindest die Meinung von Stefan Kooths, dem Leiter des IWF-Prognosezentrums. Aus diesem Grund sollte in Deutschland auf alles verzichtet werden, was die Konjunktur zusätzlich stimuliere. Explizit habe Kooths in diesem Zusammenhang eine expansive Finanzpolitik genannt, was Herr Schäuble freudestrahlend zur Kenntnis genommen haben werde.

Trotzdem werde man noch etwas warten müssen, bis die Zinsen in der Eurozone angehoben würden. Denn vielen Experten erscheine die Diskussion über den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik noch verfrüht. Die Schweizerische Notenbank werde solche Statements nicht gerne hören, da sie zum Schutz der eigenen Währung, die Zinsen in einem solchen Umfeld nicht erhöhen könne. Ihr seien also die Hände auch weiterhin gebunden.

Zunehmende Sorgen würden den Aufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB) die faulen Kredite der Finanzinstitute im Euroraum bereiten. Die Chefin der europäischen Bankenaufsicht, Danièle Nouy, schätze das Volumen der ausfallgefährdeten Kredite im Euroraum auf über 900 Mrd. EUR, weshalb nicht zuletzt Investoren sich mit Engagements bei Banken zurückhalten würden. Umgekehrt würden Unternehmen deshalb nicht so leicht an Kredite kommen.

Nun habe die EZB neue Richtlinien in Kraft gesetzt, die für eine riesige Bad Bank den Weg ebnen könnten. Diese solle im Falle ihrer Umsetzung Kapital aus EU-Mitgliedsstaaten erhalten, aus denen Institute kommen würden, die von ihr Gebrauch machen wollten und sich zusätzlich durch eigene Anleihen finanzieren würden. Dann sei vorgesehen, dass die Bad Bank Kredite nicht zum Marktpreis, sondern zu ihrem realen wirtschaftlichen Wert aufkaufen solle. Der Verkauf wäre für die Finanzinstitute weniger schmerzhaft. Die EZB gehe davon aus, die Kredite später zu höheren Marktpreisen wieder veräußern zu können. Sollte dies nicht möglich sein, sollten nicht die Staaten die Verluste übernehmen, die durch die Banken anderer Länder verursacht worden seien.

Der Haken an der Sache aber sei, dass die Marktpreise der faulen Kredite voraussichtlich oft gar nicht steigen würden. Dafür könne die Rechtslage verantwortlich sein. Aber auch der Umstand, dass viele faule Kredite bei Kleinunternehmern vorhanden seien, wo es kaum pfändbare Werte gebe.

Nein, anstatt eine riesige Bad Bank zu etablieren, sollte die EZB die Banken anhalten, ihre Schieflagen schneller anzugehen - und zwar eigenständig. Nur wer Tabula rasa mache, tauge für den Neuanfang.

Das Ministerium von Wolfgang Schäuble sei äußerst skeptisch wegen einer weiteren Stundung von Zinsen auf Hilfskredite der Euro-Partner für Hellas. In der Summe könnte der Umfang der zu stundenden Zinszahlungen bis 2040 ein Volumen von 120 Mrd. EUR umfassen. Dabei würde es sich faktisch um umfangreiche neue Kredite handeln, zitiere das "Handelsblatt" aus einem internen Papier aus dem Finanzministerium.

Die Stundung von Zinsen, also die Verschiebung von Zahlungen in die Zukunft, gelte als eine der Möglichkeiten, mit denen die Euro-Partner die Schuldenlast von Hellas in Höhe von 180% der Wirtschaftsleistung "tragfähig" machen könnten. Die Tragfähigkeit sei die Voraussetzung dafür, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) als Kreditgeber für Griechenland mit an Bord bleibe, worauf Schäuble massiv bestehe.

Wie angeschlagen die griechische Wirtschaft, aber auch wie angespannt die Situation für die Bevölkerung sei, lasse sich auch an der Höhe der Kundeneinlagen bei Privatbanken ablesen. Diese seien nämlich so niedrig wie seit fast 16 Jahren nicht mehr. Wie die Zentralbank in Athen mitgeteilt habe, hätten Unternehmen und Haushalte im Februar mit insgesamt 119 Mrd. EUR rund 700 Mio. EUR weniger auf der hohen Kante als im Vormonat gehabt. Zentralbankchef Yannis Stournaras führe diese Entwicklung auf die wachsende Verunsicherung angesichts der schleppenden Reformverhandlungen mit den internationalen Geldgebern zurück.

Nachdem Volkswagen wieder der weltweit größte Autobauer sei und Toyota damit auf den zweiten Platz verwiesen habe, habe man auch am Primärmarkt Größe demonstrieren wollen. So hätten die Wolfsburger über ihr Tochterunternehmen ein Quattro-Paket an neuen Anleihen, allerdings mit einer Mindeststückelung von 100.000 EUR refinanziert.

Die erste Tranche (ISIN XS1586555515 / WKN A19E9R) sei im Volumen von 2,5 Mrd. EUR als Floater (3M-Euribor +0,35) mit einer Fälligkeit am 30.03.2019 zu 100,101% begeben worden. Die weiteren drei Anleihen der Volkswagen Intl. Finance seien als Straight Bonds aufgelegt worden. Die Anleger, welche dem Unternehmen finanzielle Mittel (1,5 Mrd. EUR) bis zum 30.03.2021 zur Verfügung stellen würden, würden mit jährlichen Zinsen i.H.v. 0,5% entlohnt. Der Emissionskurs dieser Anleihe (ISIN XS1586555606 / WKN A19E9S) sei mit 99,614% fixiert worden, was einem Spread von +45 bps über Mid Swap entsprochen habe.

Die nächste Tranche (ISIN XS1586555861 / WKN A19E9T) im Volumen von 1,5 Mrd. EUR habe eine Laufzeit bis zum 02.10.2023 und sei mit einem Kupon von 1,125% p.a. ausgestattet. Aufgelegt worden sei der Bond bei 99,169% (+80 bps über Mid Swap). Der Quattro-Teil (ISIN XS1586555945 / WKN A19E9U) mit der längsten Laufzeit (30.03.2027) habe ein Volumen von 2,5 Mrd. EUR und werde mit 1,875% p.a. verzinst. Der Emissionskurs von 98,913% habe einen Spread von +115 bps über Mid Swap bedeutet. So seien insgesamt 8 Mrd. EUR von Volkswagen am Kapitalmarkt eingesammelt worden, trotz der vielen weiterhin ungelösten Probleme.

Mit BMW Finance N.V. habe noch ein weiterer Autobauer die gleiche Intention gehabt und ebenfalls über sein Tochterunternehmen eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. EUR aufgelegt. Bei diesen beiden Gattungen sei allerdings eine Mindeststückelung von nominal 1.000 EUR gewählt worden, um auch den Bedürfnissen der Privatkunden gerecht zu werden. Zu gleichen Teilen auf beide Anleihen aufgeteilt, könnten die Investoren zwischen einer Anleihe (ISIN XS1589881272 / WKN A19FK5) mit Fälligkeit 03.07.2020, einem Kupon von 0,125% sowie einem Emissionspreis von 99,828% (+13 bps über Mid Swap) und einer Fälligkeit am 3.04.2025 wählen. Diese Anleihe (ISIN XS1589881785 / WKN A19FK6) sei mit einem jährlichen Kupon von 0,875% ausgestattet und sei mit einem Kurs von 99,478% (+33 bps über Mid Swap) aufgelegt worden.

Ebenfalls im Sinne der Privatanleger habe HeidelbergCement eine Anleihe (ISIN XS1589806907 / WKN A19FK2) mit der kleinsten handelbaren Nominale von 1.000 EUR aufgelegt. Der Bond sei am 07.04.2026 endfällig, mit einem Kupon von 1,625% und einer Make Whole Option ausgestattet. Der Emissionspreis sei mit 99,626% festgestellt worden, was einem Spread von+144 über Bund entsprochen habe.

Hätten am Tag vor dem Zinsentscheid in den USA noch die Zeichen auf einen fallenden Euro-Bund-Future gestanden, so habe sich seit diesem Zeitpunkt das Sentiment völlig gedreht und das Rentenbarometer klettere und klettere und klettere. Zu den Vorgaben an den Aktienmärkten passe die Entwicklung zwar in keinster Weise, aber manchmal müsse man auch nicht alles verstehen. Aktien- und Rentennotierungen würden Hand in Hand gen Norden marschieren und sich vorerst nicht aus dem Tritt bringen lassen. Die Frage sei nur: Wie lange noch?

Denn ab dem 1. April werde die Europäische Zentralbank ihr Ankaufprogramm um 20 Mrd. EUR monatlich kürzen und das sollte zumindest die Situation am Sekundärmarkt etwas entspannen. Die Problematik einer seriösen Entwicklung an den internationalen Rentenmärkten rühre allerdings größtenteils aus der Ansammlung unterschiedlicher Faktoren her, die in dieser Form noch nie gleichzeitig zu registrieren gewesen seien.

So seien weiterhin die Wahlen in Frankreich, der Brexit und die Unberechenbarkeit der US-Regierung die größten Unsicherheitsfaktoren und deshalb würden sich die Investoren nicht am Rentenmarkt verabschieden, sondern im Zweifelsfall in kleineren Mengen weiter investieren. Aus Mangel an Alternativen bestehe also vorerst nur die Möglichkeit auf absehbare Zeit selektiv zuzukaufen.

Charttechnisch betrachtet mutierte die ursprünglich als Widerstand herausgebildete Linie bei 160,69% zur Unterstützungslinie und nach oben blickend, verläuft die Widerstandslinie bei 161,34%, so die Analysten der Baader Bank. Aktuell handele das Sorgenbarometer der Eurozone bei 161,32% und spiegele vielleicht auch nur die Fülle der Sorgen in Europa wider.

Während sich in Euroland lediglich drei Emittenten um die Gunst der Investoren in Stellung bringen würden, würden in den USA trotz des Erreichens der Schuldenobergrenze endfällige Wertpapiere neu refinanziert. Dies habe zwar nur bedingt Auswirkung auf die Schuldenhöhe, aber dennoch lasse das dabei anstehende Volumen die interessierten Marktbeobachter aufhorchen. Am Geldmarkt seien in dieser Handelswoche insgesamt 147 Mrd. USD mittels T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen, drei und sechs Monaten sowie 52 Wochen aufgelegt worden. In der Summe der neu emittierten T-Notes würden zusätzlich 101 Mrd. USD mittels vier Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten aufgenommen.

In der Eurozone hätten sich lediglich Deutschland und Finnland mit einer (ISIN FI4000219787 / WKN A185WG, 2023) sowie Italien mit diversen Aufstockungen am Kapitalmarkt präsent gezeigt. Hierbei sei bemerkenswert, dass Italien für weit mehr als 60% der angestrebten 15 Mrd. EUR verantwortlich sei. Die Zuteilung der am Dienstag von der Bundesfinanzagentur der Bundesrepublik Deutschland aufgelegten zweijährigen Bundesschatzanweisung (ISIN DE0001104677 / WKN 110467) sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,71% erfolgt.

Für die angebotenen 4 Mrd. EUR seien allerdings lediglich Kaufaufträge von 3,193 Mrd. EUR eingereicht worden, was angesichts der kurzen Laufzeit überrasche. Dadurch hafte diesem Tender der Makel der "technischen Unterzeichnung" an. Das Emissionsvolumen belaufe sich inzwischen auf 9 Mrd. EUR und aus der jetzigen Aufstockung seien 1,107 Mrd. EUR in die Marktpflege eingebucht worden. An der grundsätzlichen Emissionsplanung für das zweite Quartal werde allerdings weiter festgehalten. Dem zufolge seien Mittelaufnahmen von 44 Mrd. EUR über Anleihen und ca. 2 Mrd. EUR als Linker geplant.

Die Tage würden länger und der Frühling zeige nun endlich sein wahres Gesicht. Viele Sonnenstunden und steigende Temperaturen seien die Folge.

Sonnige Aussichten gebe es nicht nur wenn man sich das Wetter betrachte, sondern auch beim Blick auf die Kursentwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung. Der Monat März könne bislang für die Einheitswährung als sehr erfolgreich bezeichnet werden. So habe der Euro gegenüber dem Greenback zu Monatsbeginn noch auf seinem bisherigen März-Tief bei 1,0495 USD notiert. Seither habe der Euro stetig an Wert zulegen können und zeitweise bei Kursen von 1,0906 USD gehandelt. Damit habe der Euro erstmals im neuen Jahr die Marke von 1,09 USD kurzzeitig überwinden können. Dies entspreche dem höchsten Stand seit November 2016 als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden sei.

In der Folge habe die Trump-Rally beim US-Dollar begonnen und der Euro sei auf ein 14-Jahres-Tief zu Jahresbeginn gefallen. Diese Rally scheine nun vorerst vorbei zu sein und der Euro schicke sich an, seine eigene Erfolgsstory zu schreiben. Ob das tatsächlich gelinge, werde sich zeigen. Heute Morgen starte die Einheitswährung nach den Kursgewinnen der Tage zuvor etwas schwächer und handele aktuell um die Marke von 1,0750 USD.

Für einiges Aufsehen am Devisenmarkt habe dieser Tage die südafrikanische Landeswährung gesorgt. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate sei der Rand die sich am besten entwickelnde Währung gewesen - mit +18,9% zum US-Dollar und sogar mit +22,7% im Vergleich zum Euro. Allerdings habe die Entlassung des Finanzminister Pravin Gordhan, der als Garant für finanzielle Stabilität des Landes gegolten habe, durch Präsident Jacob Zuma für einen kurzfristigen Zusammenbruch der Währung gesorgt. Der Südafrikanische Rand habe deutlich an Wert verloren und zeitweise bei 14,2302 ZAR notiert, nachdem er am Montag noch bei 13,3792 ZAR gehandelt habe und damit so fest wie zuletzt im Juli 2015.

In diesem Zusammenhang hätten Währungsanleihen auf Südafrikanische Rand im Fokus der Anleger gestanden. Darüber hinaus seien es Bonds lautend auf US-Dollar, Türkische Lira, Mexikanische Peso sowie Russische Rubel gewesen, die ebenfalls rege nachgefragt worden seien.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 03.04.2017) (04.04.2017/alc/a/a)