Renten: Wie würde Obelix sagen?


31.08.17 17:16
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Bereits Obelix hat immer wieder bei seinem gemeinsamen Besuch mit Asterix bei den Briten darauf hingewiesen, dass die Briten spinnen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Dieser Spruch könnte allerdings inzwischen auch aus dem Munde des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker kommen, der seinen Unmut über die britischen Papiere in puncto EU-Austrittverhandlungen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Besten gebe. Anscheinend hätten weder der britische Verhandlungsführer David Davis noch die Premierministerin Theresa May den Ernst der Lage erkannt. Denn von dem eigentlichen Vorhaben, die Hoheit über die eigenen Grenzen zu erhalten und wieder eigenständige Handelsbeziehungen zu allen Staaten der Welt unterhalten zu können, sei man meilenweit entfernt.

Diese Fehleinschätzung werde Großbritannien um Jahre zurückwerfen. Das mache sich bereits jetzt bemerkbar. Das Britische Pfund sei auf Talfahrt, die Inflation klettere und vernichte Kaufkraft. Die Wirtschaft schwächele und die Banken würden sich von London abwenden und ganze Abteilungen in die EU verlagern. Es mache sich also Katerstimmung breit. Noch schlimmer wiege aber die Erkenntnis, dass in der Rest-EU die Wirtschaft brumme, die Zuversicht der Bevölkerung wachse und weiter kräftig konsumiert werde.

Zusätzlich versinke man aus britischer Sicht in der "Bedeutungslosigkeit". Wie bei einem Fußballteam versuche man auch bei der EU eine stabile Achse zu installieren, um Halt zu geben! Früher habe diese Achse aus Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien bestanden. Inzwischen komme man aber auch ohne die Briten gut zurecht. Und das könne nicht der Anspruch einer ehemaligen Weltmacht sein. Und zu allem "Überfluss" stünden die 27 EU-Staaten ungewohnt fest zusammen und würden von ihrer selbst gesteckten Verhandlungsstrategie nicht abweichen.

Somit sei auch in der zum Wochenstart begonnenen Verhandlungsrunde immer wieder betont worden, dass zuerst die Forderungen an Großbritannien final geklärt werden müssten, bevor man sich über die Ausgestaltung der zukünftigen Partnerschaft unterhalten werde. Dieser stufenweise Prozess sei die unabdingbare Forderung der EU. Dem Wunsch von der Insel nach mehr Flexibilität sei eine Absage erteilt worden. Denn aus britischen Regierungskreisen habe verlautet, dass man sich mehr auf die zukünftigen Beziehungen und nicht auf die Scheidungsvereinbarungen konzentrieren sollte. Obelix würde sagen: "Die spinnen, die Briten."

Nach dem überwältigenden Sieg von Emmanuel Macron bei den Wahlen in Frankreich komme es nun zu einer echten Nagelprobe seiner Politik. Am heutigen Donnerstag wolle seine Regierung die Dekrete vorstellen, mit deren Hilfe man die Reform des Arbeitsrechts umsetzen wolle. Jetzt müsse sich zeigen, ob die Bevölkerung nur den jungen, dynamischen Ex-Investmentbanker gewollt habe oder ob sie ihm auch bei der Sanierung des Staatsapparates folgen werde. In sämtlichen Umfragen sei nur von fallenden Beliebtheitswerten die Rede, aber das sei auch nicht verwunderlich. Denn die Veränderung der bisherigen Strukturen werde nicht bei allen Betroffenen auf Gegenliebe stoßen. Diese Mammutaufgabe sei mit einer Haussanierung zu vergleichen. Auch dort könne man nicht sanieren und gleichzeitig in gewohnter Weise weiterleben. Dreck und Staub würden dazu gehören, wenn man das Haus für die nächsten Jahre so gestalten wolle, dass man gut aufgestellt sei.

Aktuell habe Frankreich im zweiten Quartal sein Wachstumstempo beibehalten und sei somit zumindest anscheinend auf dem richtigen Weg. Die Frage werde aber sein, ob die Gewerkschaften in Frankreich die notwendigen Reformen mit begleiten oder die Konfrontation mit dem Staat suchen würden, ohne Rücksicht auf Verluste. Somit werde sich in den kommenden Wochen herauskristallisieren, ob die für Europa so wichtige Achse Deutschland-Frankreich funktionieren könne, denn auch die Ergebnisse der Bundestagswahlen in Deutschland seien noch nicht in trockenen Tüchern.

Dennoch sei davon auszugehen, dass mit Angela Merkel die nächste Stufe der europäischen Integration gezündet werde. So habe sie erklärt, dass sie der Idee von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, den Euro-Rettungsfonds ESM zum europäischen Währungsfonds umzubauen, durchaus etwas Positives abgewinnen könne. Ob dadurch auch der Vorschlag ihres französischen Partners Macron, einen europäischen Finanzminister zu installieren, auf fruchtbaren Boden fallen werde, bleibe abzuwarten.

Das neue Duo "Mercron" wird uns sicherlich in den kommenden Wochen noch mit so manchen europäischen Anpassungen konfrontieren, die uns sicherlich nicht alle gefallen werden (Brexit, Griechenland, Polen, etc.), welche aber hoffentlich in dieser unruhigen Zeit zur Wahrung des Friedens in Europa beitragen, so die Analysten der Baader Bank.

Zeitlich sei es für den Kongress eine Herausforderung, denn nach dem Ende der Sommerferien würden den beiden Kammern nur noch wenige Tage bleiben, um das Schuldenlimit anzuheben. Sollte das nicht gelingen, so käme es zu einem technischen Zahlungsausfall. Doch die Erhöhung erlaube der Regierung nicht automatisch, neue Ausgaben zu tätigen. Lediglich bereits vorher vom Kongress abgesegnete Ausgaben wären von einer solchen Entscheidung gedeckt. Da D.T. oftmals bzw. eigentlich immer solche Regeln nicht akzeptiere, habe er bereits jetzt mit einem "Government Shutdown" gedroht, falls die von ihm gewünschten Gelder für den Bau der Mexiko-Mauer nicht bewilligt würden.

Die Ratingagentur Fitch habe für diesen Fall bereits damit gedroht, das AAA-Rating für die USA zu überprüfen. Im Gegensatz hierzu scheine Standard & Poor's nicht gewillt zu sein, das bereits 2011 entzogene erstrangige Rating nochmals abzusenken. Dennoch warne auch sie vor den dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Auswirkungen. Nach neuesten Berechnungen würde das Bruttoinlandsprodukt infolge des Shutdown wöchentlich um ca. 0,2% abschmelzen. Es wäre also besser, wenn eine Lösung gefunden würde.

Doch in Anbetracht der Tatsache, dass im Senat 60 Stimmen benötigt würden, um die Erhöhung zu beschließen und nur 52 Republikaner vertreten seien, würden mindestens 8 Demokraten den Antrag unterstützen müssen. Somit sei der Konflikt vorprogrammiert, denn ohne Gegenleistung werde es wohl nichts werden. Die einzige, zumindest vorübergehende Lösung wäre eine kurzfristige Anhebung des Schuldenlimits mit einem vorläufigen Haushaltsgesetz (Continuing Budget Resolution), um die Arbeitsfähigkeit der Regierung für das am 1. Oktober beginnende neue Fiskaljahr sicherzustellen.

Man dürfe gespannt sein, ob aber nicht die Demokraten die einmalige Chance sehen würden, sich für die vielen Demütigungen gegenüber ihrem Präsidenten Barack Obama zu revanchieren und zugleich bei der Demontage von Donald Trump mitzuwirken.

Mitte Oktober würden in Österreich vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden und seit Außenminister Sebastian Kurz den Vorsitz in der konservativen Volkspartei (ÖVP) übernommen habe, könne man sich der Zustimmung der Mehrzahl der österreichischen Bevölkerung sicher sein.

Das sei kein Zufall, denn oftmals treffe Sebastian Kurz mit seinen Kommentaren und Forderungen den Nagel auf den Kopf und spreche den Menschen aus dem Herzen. So geschehen in der Flüchtlingskrise, aber auch im Falle des Möchtegern-Sultans, Erdogan. Doch der Vorteil von Jungpolitikern sei auch, dass man nicht allzu häufig mit Altaussagen konfrontiert werde und darüber hinaus sich bei den Kollegen Anregungen nehmen dürfe, beispielsweise beim Eindämmen der Staatsschulden. Dazu möchte man analog zum deutschen Vorbild eine Schuldenbremse in der Verfassung verankern. Ziel solle sein, den Schuldenstand von 85% des BIPs zu reduzieren und sogar mittelfristig die geforderten 60% (Maastricht-Kriterien) zu erreichen.

Darüber hinaus verdeutliche die Forderung nach einem Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und eine Harmonisierung des Mehrwertsteuersystems die geistige Verbundenheit zwischen Wien und Berlin. Bleibe nur zu hoffen, dass die Bundestagswahl in ca. drei Wochen nicht nach dem Vorbild Österreichs wiederholt werden müsse. Damals hätten nicht richtig verschlossene Briefumschläge dazu geführt. Aber man müsse nicht immer alles kopieren!

So könne man sich täuschen. Weder Janet Yellen noch Mario Draghi hätten sich bei den Beratungen in Jackson Hole zu der zukünftigen Geldpolitik ihrer Häuser geäußert. Denn man habe ein ganz anderes Thema auf der Agenda gehabt, die Bankenregulierung. Die beiden wichtigsten Notenbanker hätten eindringlich davor gewarnt, die infolge der Finanzkrise ins Leben gerufene Bankenregulierung aufzuweichen. Außerdem sei darauf hingewiesen worden, dass protektionistische Aussagen das hart umkämpfte Konstrukt der globalen Wirtschaftskooperation gefährden würden. Ohne den US-Präsidenten namentlich zu erwähnen, hätten alle Konferenzteilnehmer gewusst, dass viele Warnungen in direktem Zusammenhang mit Äußerungen der neuen US-Regierung zu sehen seien.

In Ermangelung der Hinweise zur weiteren Notenbankpolitik sei man im Vorfeld der im September anstehenden Sitzungen bei der EZB (7.9.) und bei der FED (19. und 20.9.) darauf angewiesen, sich selbst eine Meinung zu bilden und sich entsprechend zu positionieren.

Am Primärmarkt für Corporates Bonds sei es immer noch sehr ruhig. Allerdings stünden mit Ingenico Group, John Deere, Carlsberg und Asahi Group bereits vier Unternehmen in den Startlöchern. Der September sei in den vergangenen Jahren stets ein emissionsstarker Monat gewesen und das mache den Händlern sowie den Investoren Mut. Doch das sei noch Zukunftsmusik und deshalb könnten die Analysten heute lediglich auf ein Unternehmen verweisen, das sich aus der Deckung gewagt habe.

Das dänische Unternehmen ISS Global verstehe sich als Generalunternehmer im Bereich Facilitymanagement und habe erfolgreich einen 600 Mio. EUR schweren Bond (ISIN XS1673102734 / WKN A19NHW) mit Laufzeit bis zum 31.08.2027 platziert. ISS Global zahle seinen Investoren einen jährlichen Zins in Höhe von 1,5%. Das Papier sei zu 99,908% begeben worden, was einem Emissionsspread von +70 bps über Mid Swap gleichgekommen sei. Der Dienstleister mit Sitz in Kopenhagen habe sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und die Mindeststückelung auf 100.000 EUR festgelegt.

Die Raketentests Nordkoreas hätten aufgrund der Risikoaversion der Anleger auch das Rentenbarometer abheben lassen. Somit sei eine Woche vor dem Roll-Over mit 165,69% ein neues "Neunwochen-Hoch" markiert worden und die Rendite der 10-jähriger Bundesanleihen habe sich seit dem 27. Juni (0,597%) fast halbiert (0,338%).

Vor dem Hintergrund sehr volatiler Märkte lohne sich ein Blick auf die Charttechnik. Hierbei sei zu registrieren, dass der aktuelle Aufwärtstrend ungebrochen sei (164,93%) und somit auch ein Überschreiten der Marke bei 165,69% nicht ausgeschlossen werden könne. Jedoch würden die Rentennotierungen infolge der neuesten Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea steigen und fallen. Niemand könne vorhersagen, wie und ob diese beiden "Alpha-Männchen" positiv beeinflusst werden könnten und es folglich zu einer Deeskalation kommen könne. Vielleicht sollte man dem einen seinen Twitter-Account und dem anderen seine Raketen wegnehmen. Doch das wird nicht funktionieren und somit wird uns die spiegelbildliche Entwicklung zwischen Aktien- und Rentennotierungen noch einige Zeit beschäftigen, so die Analysten der Baader Bank. Denn jede neue "Wasserstandsmeldung" werde bei den Marktteilnehmern Ängste oder Hoffnungen begründen, was sich in der Kursentwicklung niederschlage.

Aktuell notiere das Sorgenbarometer bei ca. 165,02% und somit immer noch über der sich seit einem Monat herausgebildeten unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends.

Endlich hätten in dieser Handelswoche die Investoren in den USA wieder aus einer größeren Palette von US-Staatspapieren auswählen können.

Angeboten worden seien neben den üblichen T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen sowie drei und sechs Monaten im Gesamtvolumen von 97 Mrd. USD auch noch T-Notes mit Fälligkeiten in 2019, 2022 und 2024 für insgesamt 88 Mrd. USD.

In der Eurozone hingegen sei lediglich Italien am Kapitalmarkt aktiv gewesen und die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland habe mittels einer neuen Bundesschatzanweisung etwas über 4 Mrd. EUR refinanziert. Das Emissionsvolumen des 2-jährigen Titels (ISIN DE0001104693 / WKN 110469) belaufe sich zwar auf 5 Mrd. EUR, allerdings seien nur Gebote für 4,665 Mrd. EUR abgegeben worden. Somit spreche man von einer technischen Unterzeichnung. Die Zuteilung von nominal 4,03 Mrd. EUR sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,74% erfolgt und die restlichen 970 Mio. EUR seien zu Marktpflegezwecken zurückbehalten worden. Gegenüber der vor vier Wochen durchgeführten Auktion habe allerdings - trotz Krisenmodus an den Finanzmärkten - die Bereitschaft der Investoren, sich in diesem Laufzeitsegment zu engagieren, nachgelassen.

Die europäische Gemeinschaftswährung setze ihren Aufstieg fort und befinde sich mittlerweile seit Monaten nur noch auf der Siegerstraße.

So habe der Euro im Laufe dieser Woche erstmals seit Anfang 2015 die psychologisch wichtige Marke von 1,20 USD überwinden können. Anlass dieses rasanten Anstiegs seien die jüngsten Raketentests Nordkoreas gewesen. Die Märkte hätten mit großer Sorge auf die neusten Provokationen reagiert und die Unsicherheit sei merklich spürbar gewesen. Dies habe negative Auswirkungen auf den US-Dollar gehabt und die europäische Einheitswährung habe davon profitieren können. In der Folge sei diese am Dienstag bis auf 1,2070 USD geklettert. Es scheine so, als ob der Euro im Augenblick als neuer sicherer Hafen angesehen werde.

Allerdings habe sich der Eurokurs nicht lange oberhalb der Marke von 1,20 USD halten können, denn bereits am Mittwochnachmittag hätten Gewinnmitnahmen infolge aufkeimender Hoffnung auf eine Deeskalation eingesetzt und den Devisenkurs wieder unter die Marke von 1,19 USD gedrückt.

Dennoch sei die Gemeinschaftswährung in diesem Jahr bisher um mehr als 15% gestiegen, was seit der Einführung im Jahre 1999 einmalig sei. Zur Stunde handele der Euro bei 1,1885 USD.

Die anhaltenden schwierigen Brexit-Verhandlungen hätten auch in dieser Woche dazu beigetragen, dass sich das Britische Pfund erneut abgeschwächt habe. So habe der Euro im High 0,93067 GBP gekostet und sei damit nochmals teurer als in der Vorwoche (0,92364 GBP) gewesen.

Die Handelsaktivitäten bei den Währungsanleihen würden aufgrund der noch vorherrschenden Urlaubszeit überschaubar bleiben. Trotzdem hätten Bonds lautend auf US-Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie Norwegische Kronen eine gewisse Umsatztätigkeit verzeichnet.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (31.08.2017/alc/a/a)





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