Russland-Staatsanleihen: Kaum Reaktion auf Putins Wahlsieg, Risikoabschlag könnte mittelfristig sinken


05.03.12 10:46
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Die Analysten von Anleihencheck Research haben anlässlich des Wahlsiegs von Wladimir Putin Staatsanleihen von Russland näher unter die Lupe genommen.

Erwartungsgemäß sei der russische Regierungschef Wladimir Putin als Sieger aus den Präsidentschaftswahlen vom Sonntag hervorgegangen. Wie die russische Wahlkommission mitgeteilt habe, seien auf Wladimir Putin mehr als 63 Prozent der Stimmen entfallen.

Putin werde somit als Vorgänger und Nachfolger des aktuellen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in den Kreml einziehen. Da die russische Verfassung eine direkte dritte Amtszeit eines Präsidenten verbiete, habe die vereinbarte Macht-Rochade zwischen Putin und Medwedew bereits im Vorfeld für Kritik gesorgt. Putin sei schon von 2000 bis 2008 Präsident Russlands gewesen. Die russische Opposition verweise zudem auf Unregelmäßigkeiten vor und bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag und habe weitere Demonstrationen angekündigt.

Das Wahlergebnis habe an den Märkten für keine nennenswerte Reaktionen gesorgt, da der Ausgang und die Wiederwahl Putins erwartet worden seien. Auch wenn Putins Souveränität zuletzt gelitten habe, sollte er doch für Russlands Wirtschaft die derzeit beste Alternative darstellen. Auch Elena Shaftan, Fondsmanagerin bei Jupiter Asset Management begrüße einen Wahlsieg Putins: "Sobald Putin als klarer Sieger aus der Wahl hervorgehet, sollte auch die Einschätzung der politischen Risiken in Russland sinken. Diese haben gegen Ende des letzten Jahres auf den Märkten gelastet und sind überzogen gewesen", so Shaftan.

Die Perspektiven für Russlands seien gut. Die Analysten von db research würden für 2012 ein Wirtschaftswachstum von 4,6% und für 2013 von 4,9% prognostizieren. Zudem habe die Regierung die Inflation im Griff. So sei diese in 2011 mit 6,1% auf den tiefsten Wert seit dem Fall der Sowjetunion gesenkt worden. Für die Jahre 2012 und 2013 erwarte die russische Regierung einen Wert zwischen 5% und 6%. Ferner erscheine ein Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) in diesem Jahr sehr wahrscheinlich.

Zwar sei das Land stark von der Entwicklung an den Rohstoffmärkten abhängig, doch da die Analysten von Anleihencheck Research hier mit keinen starken Preisrückgängen rechnen, sollte Russland auch in Zukunft über einen stabilen Haushalt und eine solide Zahlungsfähigkeit verfügen. Zumal Anzeichen einer Stabilisierung der Weltwirtschaft zu erkennen seien.

Russische Staatsanleihen hätten auf den Wahlsieg Putins kaum reagiert. So rentiere die Anleihe (ISIN US78307AAE38 / WKN 248506) unverändert bei 169,51 USD. Auch die Staatsanleihe (ISIN XS0089375249 / WKN 249138) notiere unverändert bei 141,25 USD. Noch werde Russland von Moody's mit "Baa1" eingestuft, was im unteren Investment-Grade-Bereich liege. Möglicherweise sorge der Wahlsieg Putins mittelfristig dafür, dass der Risikoabschlag für Russland sinke, womit auch die Renditen für russische Anleihen zurückgehen könnten. (Analyse vom 05.03.2012) (05.03.2012/alc/a/a)