USA: Leitzinssenkungen erst 2024?


22.12.22 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wie in den letzten Jahren wollen wir gegen Jahresende zusammenfassend einen Blick auf das abgelaufene Jahr werfen und einen Ausblick geben, was uns im kommenden auf den Finanzmärkten erwartet, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Im Vergleich zu den Erwartungen zu Jahresbeginn müsse die US-Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2022 eher als enttäuschend beschrieben werden. Habe die Wachstums-Prognose im Januar noch bei knapp unter 4% gelegen, werde das tatsächliche Wachstum wohl nur etwa die Hälfte betragen. Insbesondere das erste Halbjahr sei mit negativen Quartals- Veränderungen hinter den Erwartungen geblieben und so habe sich die US-Wirtschaft zumindest laut Definition im ersten Halbjahr 2022 bereits in einer technischen Rezession befunden. Investitionen und Netto-Exporte seien äußerst volatile Komponenten in 2022 gewesen, der private Konsum habe aber stetig positiv zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Insbesondere bei den Wohnbauinvestitionen könne man bereits die negativen Effekte des deutlich höheren Zinsniveaus beobachten.

Die US-Notenbank Federal Reserve habe in 2022 einen beispiellosen Zinsanhebungszyklus vollzogen. Seit dem ersten Zinsanstieg im März sei das Leitzinsniveau um 425 Basispunkte erhöht worden und stehe nun bei einer Bandbreite zwischen 4,25% und 4,50%. Des Weiteren sei damit begonnen worden, die Notenbank-Bilanz zu reduzieren. Es würden zwar keine Anleihebestände aktiv verkauft, aber auslaufende Anleihen würden nur noch in geringem Umfang reinvestiert. In Kombination seien die Finanzierungsbedingungen damit deutlich verschärft worden. Die 10-jährige Treasury-Rendite sei beispielsweise seit Jahresanfang von 1,6% auf nun knapp unter 4% gestiegen. Noch deutlicher sei die Veränderung für kürzere Laufzeiten zu spüren, wodurch sich die Treasury-Kurve im Jahresverlauf invertiert habe - und das sogar deutlich.

Grund für die nun als restriktiv zu beschreibende Geldpolitik der US-Notenbank sei die Entwicklung der Inflation. Wenn auch bereits 2021 das Notenbankziel von 2% verfehlt worden sei - die Inflationsrate habe 2021 bei 4,7% gelegen - so habe sich diese Entwicklung 2022 weiter verschärft. Die Inflationsrate werde 2022 nahe bei 8% liegen und habe im Sommer bei knapp über 9% ihren Höhepunkt erreicht. Energie- und Lebensmittelpreise würden auch in den USA eine entscheidende Rolle spielen, aber nicht nur. Selbst wenn diese beiden Preiskomponenten exkludiert würden, liege die (Kern-)Inflationsrate in 2022 bei etwa 6%.

Der US-Konjunktur stehe eine unsichere Zeit bevor. Für das Jahr 2023 werde nach 2022 erneut eine Verlangsamung der Wachstumsdynamik erwartet. Hinter der Konsensus-Erwartung für das BIP-Wachstum von 0,3% verberge sich ein erstes Halbjahr mit negativen Quartal-Wachstumsraten und ein zweites Halbjahr mit einem verhaltenen Aufschwung. Dieser Wirtschaftsausblick spiegele keine tiefe Rezession wider, aber Wachstumsraten unter dem langfristigen Potenzialwachstum. Würde sich dieses Szenario realisieren, falle es wohl in die Klassifizierung eines soft landing. Ob dies ausreichen werde, um die Inflation nachhaltig an das Notenbankziel heranzuführen, werde sich zeigen.

Unabhängig davon sei es aber sehr gewiss, dass die Inflationsrate 2023 unter jener von 2022 liegen werde. Aktuell werde eine Inflationsrate von knapp über 4% für 2023 erwartet. Für die Federal Reserve stehe vorerst eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung im Fokus und das Erreichen eines Leitzinsniveaus von nahe 5%. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass die Federal Reserve die Leitzinsen einige Zeit auf diesem Niveau halten und erst dann senken werde, wenn die Inflation den Weg Richtung Inflationsziel unmissverständlich eingeschlagen habe. Leitzinssenkungen würden nach Meinung der Analysten der RBI erst 2024 ein Thema sein, könnten aber abhängig von der Inflationsentwicklung für Ende 2023 nicht ausgeschlossen werden. Klar sei, dass 2023 der Zinserhöhungszyklus ein Ende finden werde, die Phase restriktiver Geldpolitik aber weiter anhalten werde. In diesem Sinne würden die Analysten der RBI für Jahresende 2023 niedrigere Renditeniveaus als in den ersten Monaten des Jahres erwarten. (Ausgabe vom 21.12.2022) (22.12.2022/alc/a/a)






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